Impressum

Das Impressum finden Sie auf der Hauptseite von "Buch, Kultur und Lifestyle- Das Magazin für den anspruchsvollen Leser" wwww.rezensionen.co

Freitag, 14. August 2015

Helga König: Kolumne: Wenn Vernichtung Programm ist.

Für Nazis typisch ist es, sich am Hab und Gut anderer zu vergreifen, die nicht zu den Ihren zählen. So war dies bei der braunen Brut im letzten Jahrhundert und so ist dies auch noch heute bei ihren Ablegern. 

Die Ideologie der Nazis, auch der Neonazis heute impliziert Zerstörung von allem und allen, die sich ihnen in den Weg stellen. Wer einmal mit Menschen dieser Art konfrontiert wurde und sie analysiert hat, weiß um ihre Brandgefährlichkeit, weiß dass Wegducken sie stärkt, weiß das Angst und Schrecken ihre Mittel sind, mit denen sie sich durchzusetzen suchen. 

"Durchsetzen" ist ihr eigentliches Credo. 

Den Mitteln "Angst und Schrecken" gilt es klug zu begegnen. Hier sind Psychologen und vor allem der Rechtsstaat gefragt. 

Man muss den Neonazis Grenzen setzen, bevor der Größenwahn sie zu immer aberwitzigeren Zerstörungshandlungen antreibt. Ihre Ideologie stammt aus der Zeit ihrer Großväter, die 70 Millionen Tote zu verantworten haben. 

Gestern brannte die Scheune des Künstlerehepaars Lohmeyer in Jamel (Nordwestmecklenburg) ab. Man vermutet Brandstiftung seitens Rechtsradikaler. Diese 240 Quadratmeter große, reetgedeckte Scheune, die zu einem alten Forsthaus zählt, war 150 Jahre alt, wurde also 1865 erbaut und war demnach Bestandteil eines historisch bemerkenswerten Anwesens. 

Einem Bericht des NDR zu Folge wurde das Ehepaar Lohmeyer schon häufiger angegriffen. "Mal lag eine tote Ratte im Briefkasten, es gab Schmähungen, Anzeigen sowie Nötigungen durch abrupt bremsende Autos auf der Dorfstraße."

Der nur einige Dutzende Einwohner zählende Ort Jemal wird offenbar von Neonazis dominiert. Wie ist das möglich? 

Wie viele Neonazis kann sich eine Demokratie leisten? 

SWF 2 fragt: "Thesen der früher klassischen Rechten haben sich in der bürgerlichen Mitte eingenistet. Sie warnen vor Überfremdung, gehen auf Pegida-Demos und lassen ihren Hass ungezügelt im Netz aus. Wie konnte das geschehen?"

Das frage ich mich auch täglich und vermute, dass die Vermummungsmöglichkeit im Netz dazu geführt hat, dass die Abgründe in Menschen immer breiteren Raum in der verbalen Darstellung einnehmen und schließlich auch zu abgründigem Handeln führen. 

Das Ehepaar Lohmeyer wurde für ihr Engagement gegen den Rechtsextremismus mehrfach ausgezeichnet, doch es wurde nicht verhindert, dass man sich an ihrem Hab und Gut vergriffen und es zerstört hat. 

Zu glauben, dass es Nazis bei Schmähungen und Nötigungen belassen, erweist sich immer als Irrglaube. Wir wissen was Nazis mit Juden, Sinti, Roma und Andersdenkenden einst taten nach Jahren der Schmähungen und Nötigungen. Es geht stets um Vernichtung, denn Vernichtung ist  bei Rechtsextremisten  Programm.

Wenn ich heute im Netz derzeit die Schmähungen gegenüber Flüchtlingen lese, denke ich sofort an die Schmähungen gegenüber den Juden Anfang der 1930er Jahre und wenn ich höre, dass man das Eigentum von humanistisch gesinnten Menschen abfackelt, dann weiß ich, dass es Zeit wird aufzurütteln, bis man sich der Vergangenheit besinnt und dem Nazipack von heute noch rechtzeitig Einhalt gebietet.


Helga König, 14.8.2015

Keine Kommentare:

Kommentar posten