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Sonntag, 11. November 2018

Sonntagskolumne Helga König, 11.11.2018

Durch einen Artikel in der FAZ wurde ich in der letzten Woche auf eine Untersuchung aufmerksam, die sich mit dem dunklen Faktor der Persönlichkeit auseinandersetzt. Psychologen aus Ulm, Landau und Kopenhagen haben erforscht, dass Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen und Sadisten mehr gemeinsam haben, als sie trennt. Die Universität Koblenz/ Landau schreibt, dass es Forschern gelang, zahlreiche dieser problematischen Persönlichkeitseigenschaften auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen: den "dark factor" (D-Faktor) der Persönlichkeit. Die Studie wurde in der international renommierten Fachzeitschrift Psychological Review veröffentlicht.

Kernbestandteil dieses dunklen Faktors der Persönlichkeit sei ein übertriebener Egoismus, der negative Auswirkungen auf andere oder die Gesellschaft im Allgemeinen hat. Dieser werde begleitet von Überzeugungen, die Schuldgefühle, Gewissensbisse und moralische Skrupel verhinderten, erläuterte Professor Morten Moshagen, Leiter des Abteilung psychologische Forschungsmethoden an der Universität Ulm. Er hat gemeinsam mit Professor Benjamin Hilbig von der Universität Koblenz-Landau und Professor Ingo Zettler von der Universität Kopenhagen diese Untersuchung durchgeführt. Befragt wurden mehr als 2500 Personen.

Wie die Uni Koblenz-Landau weiter schreibt, haben die Professoren bei ihren Analysen neun Persönlichkeitseigenschaften untersucht. Genannt werden: Egoismus, Gehässigkeit, Machiavellismus, moralische Enthemmung, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus, Selbstbezogenheit und übertriebene Ansprüchlichkeit.

Die Forscher ermittelten, dass sich gewissermaßen alle diese Eigenschaften auf den D-Faktor als dunklen Persönlichkeitskern zurückführen lassen. Dies bedeute, dass beispielsweise Menschen mit einer hohen Narzissmus-Tendenz mit großer Wahrscheinlichkeit auch ausgeprägte machiavellistische und psychopatische Persönlichkeitszüge zeigen. "Außerdem ist bei Menschen mit einem starken D-Faktor statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit hoch, kriminell oder gewalttätig zu werden oder anderwärtig gegen soziale Regeln zu verstoßen", so die Forscher.

Dass überbordender Egoismus die Ursache allen Übels ist, ist mittlerweile nicht wenigen bekannt, die sich näher mit dem Neoliberalismus sowie Rechtsradikalismus und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft befasst haben. Noch immer aber wird nicht erkannt, dass überbordender Egoismus, geschürt durch die Medien und die Werbung, Wirtschaftsweisen wie den reinen Kapitalismus (Neoliberalismus) und gesellschaftliche Phänomene wie Rechtsradikalismus erst herausgebildet hat. 

Dass man von Narzissmus auf Gehässigkeit und sogar Sadismus schließen kann, wissen zwischenzeitlich zumindest all jene, die im Netz bereits mit Mobbern, Stalkern und Trollen zu tun hatten und deren Verhalten sehr genau analysiert haben, denn nirgendwo wird abgründiges Verhalten so  unverblümt sichtbar wie im Netz. 

Sobald ein hoch-aggressives, niederträchtiges, hinterhältiges, verlogenes Verhalten bei einem Menschen in unserem Umfeld erkennbar wird, muss man davon ausgehen, dass es uns früher oder später auch treffen kann, weil es Bestandteil dessen Charakters ist. 

Die Politik und Wirtschaft ist ein Sammelbecken egoistischer Zeitgenossen mit Ellenbogenmentalität. Vielleicht sollte man sich im Vorfeld die private Vita potentieller Anwärter für Führungspositionen genau anschauen, bevor man selbstverliebte Gockel in die nähere Wahl zieht, weil die negativen Auswirkungen des D-Faktors stets weit größer sind als das  fachliche Wissen und Können.

Merken muss man sich: Menschen mit überbordendem Egoismus kennen keine Rücksicht. Sie lügen und betrügen zu ihrem Vorteil ohne jegliches Schuldgefühl und erfinden immer Legitimationsgründe für ihr Verhalten. Gier ist die Haupteigenschaft solcher Personen. Dieser Gier wird alles untergeordnet. 

Meine Erfahrungen mit solchen Zeitgenossen haben mich gelehrt, hochsensibel zu regieren, wenn erste Anzeichen des D-Faktors hinter der Maske von Freundlichkeit sichtbar werden. Deshalb empfehle ich allen, die Untersuchungen der Professoren sehr Ernst zu nehmen.

Helga König

vgl dazu: Studie: Der dunkle Faktor

Sonntag, 4. November 2018

Sonntagskolumne Helga König, 4.11.2018

Nach der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen rät der Freiburger Polizeipräsident jungen Frauen: "Macht euch nicht wehrlos mit Alkohol oder Drogen.“ 

Das verkennt und verharmlost die Realität“, kommentiert Julian Dörr von der Süddeutschen Zeitung.

Im Januar 2016 hat sich die Aktions-Künstlerin Milo Moiré mit einem Plakat mit der Aufschrift "Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild selbst, wenn wir nackt sind!!!" entblößt am Kölner Dom präsentiert und damit sehr anschaulich dokumentiert, worum es geht. Die körperliche Unversehrtheit einer Frau muss gewahrt bleiben, selbst wenn sie sich nackt in der Öffentlichkeit zeigt. Das gilt natürlich auch für Männer und  sollte überall auf dieser Welt bedingungslos akzeptiert werden, spätestens seit die Digitalisierung eine Annäherung kultureller, aufgeklärter Gepflogenheiten erforderlich macht. Der Merksatz lautet: Das Entblößen des Körpers ist keine Aufforderung zum Sex.

Wenn junge Frauen aufgrund von Alkohol oder Drogen sich möglicherweise nicht mehr gegen sexuelle Übergriffe wehren können, werden die Übergriffe durch besagten Alkohol- und Drogenkonsum keineswegs legitimiert. 

Jede Frau hat das Recht - unangetastet von sexualisierten Männern -   ein paar Gläser über den Durst zu trinken und sich dann enthemmter zu verhalten, beispielsweise enthemmter zu tanzen oder sich entsprechend zu artikulieren oder spontan ohne Begleitung, durch dunkle Straßen nachhause zu gehen und  selbst dann-  ohne ihre ausdrückliche Einwilligung- sexuell unbehelligt zu bleiben.

Frauen zu ermahnen, sich "keuscher" zu geben, vielleicht sogar sich keuscher zu kleiden, um nicht vergewaltigt zu werden, erinnert an  das Thema "Unkeuschheit"  im katholischen Gebetbuch von einst und unterstellt, dass Männer potentielle Triebtäter sind. 

Vergewaltigung ist nach Artikel 36 der Istanbul-Konvention das nicht einverständliche, sexuell bestimmte vaginale, anale oder orale Eindringen in den Körper einer anderen Person. Ein eventuelles Einverständnis muss freiwillig als Ergebnis des freien Willens der Person erteilt werden.[1] Vergewaltigungen bedeuten eine massive Verletzung der Selbstbestimmung des Opfers und haben oft gravierende psychische Folgen. Die juristische Bewertung ist je nach Land unterschiedlich. Eine Vergewaltigung verletzt das Menschenrecht auf sexuelle Selbstbestimmung, das vom deutschen Grundgesetz als Teil der allgemeinen Handlungsfreiheit unter Artikel 2 Absatz 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gefasst wird.[2]

Seit 1997 ist hierzulande auch die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Es gibt nun generell keinen sexuellen Freifahrtschein für Männer in diesem Lande mehr, das muss  jedem Mann klar gemacht werden, der hier lebt, gleichgültig, welches Männerbild er im Kopf hat.  

In meinen Augen ist es unerheblich, aus welchen Ländern Vergewaltiger kommen, sondern  es stellt sich einzig die  Frage,  inwiefern führt archaisches Macho-Gehabe zur sexuellen Gewalt und wie kann man dieses Verhalten rechtzeitig abtrainieren, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

 Helga König

 1+2 Vergewaltigung

Sonntag, 30. September 2018

Sonntagskolumne Helga König, 30.9.2018

Die ZEIT schrieb am 25. September 2018 "Den von der Kirche zur Verfügung gestellten Kirchenakten zufolge wurden zwischen 1946 und 2014 1.670 Geistliche des Missbrauchs beschuldigt. Betroffen waren mutmaßlich 3.677 Kinder und Jugendliche. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen."*

Der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing vermutet, dass die Ursachen in den Strukturen der katholischen Kirche begründet sind. Genannt werden: "der Missbrauch klerikaler Macht, aber auch der Zölibat und der Umgang mit Sexualität, insbesondere mit Homosexualität". ** 

Am 23.2. 2016 konnte man in der "WELT" lesen: "Hunderttausende Kinder in Deutschland sind Opfer von sexuellem Missbrauch. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Studie unter Leitung des Ulmer Jugendpsychiaters Jörg Fegert im Auftrag des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hervor.“*** "Rörig zufolge findet Missbrauch überall statt: in Familien, in Institutionen, abgebildet in digitalen Medien, in Flüchtlingsunterkünften oder durch organisierte Kriminalität. Die Formen reichten von sexualisierter Sprache bis zu Vergewaltigungen auch von Babys und Kleinstkindern."**** 

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen findet also allerorten statt. Die von Harald Dreßing angeführten Ursachen sind demnach als ausschlaggebend anzuzweifeln. Weder der Zölibat, noch der Umgang mit Sexualität, speziell der Homosexualität seitens der katholischen Kirche scheinen die tatsächlichen Gründe für dieses unsägliche Phänomen zu sein, denn selbst ein entspannter Umgang mit Sexualität und mit Homosexuellen in unserer seit langem nicht mehr durch die katholische Kirche dominierten Gesellschaft führt nicht dazu, dass die Zahlen des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen rückläufig sind. Das Gegenteil ist der Fall. 

Fakt ist: Es gibt einen gewissen Anteil von hetero- und homosexuellen Männern- bei Frauen kommt Pädophilie nur vereinzelt vor- in der Gesellschaft, die pädophil sind, d. h. deren sexuelles Interesse sich primär auf Kinder vor dem Erreichen der Pubertät bezieht. 

Die polizeiliche Kriminalstatistik gibt Aufschluss über die Zahl der Anzeigen im Bereich von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen: 

Für das Jahr 2017 verzeichnet sie 
• 11.547 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch
• 990 Fälle von Missbrauch an Jugendlichen 
• 403 Fälle von Missbrauch an minderjährigen Schutzbefohlenen 
• 6.512 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter Kinderpornografie und
• 1.306 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter Jugendpornografie.*****

Die schlechte Nachricht: Offenbar ist die Neigung zur Pädophilie nicht therapierbar.******  

Aber interessant auch dies: Nur etwa 40 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder sind tatsächlich durch eine pädophile Neigung motiviert. Die Mehrzahl ereignet sich durch andere Gründe, "etwa aus sexueller Hemmungslosigkeit, einer sadistischen Neigung oder als Folge ganz genereller Gewaltimpulse.“ ******* Dies allerdings lässt aufhorchen. 

Gibt es psychologische Tests, durch die ermittelt werden kann, ob bestimmte Menschen, die in Berufen tätig werden wollen, die ihnen den Zugang zu Kindern und Jugendlichen erleichtern, anfällig sind für sexuellen Missbrauch? Falls ja, sollte man diese Menschen im Vorfeld schon ausgrenzen und was geschieht, wenn sie ausgegrenzt sind? Werden sie dann zur allgemeinen sexuellen Bedrohung von Kindern und Jugendlichen? 

Sollte man diese  psychisch kranken Personen- selbst wenn sie noch nicht straffällig geworden sind- in ihrer Freiheit- gewissermaßen zum Schutz aller-, auch zum Schutz ihrer selbst, beschränken, unsere Gesetze ändern und uns auf den Weg zur alles kontrollierenden Diktatur begeben? Das kann es ja wohl nicht sein, oder? Doch, was tun? 

Es ist einfach mit dem Finger auf ungeliebte Institutionen zu zeigen, die sich angeblich zu wenig kümmern. Doch sieht man das Problem in seiner gesellschaftlichen Gesamtheit, stellt man sehr rasch fest, dass es sich nicht so einfach lösen lässt. 

Solange der Infantilisierung der Gesellschaft Vorschub geleistet wird, wird die Verantwortung und Wertschätzung des Einzelnen gegenüber allen anderen Menschen nicht steigen. Die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen wird sich demnach eher noch verschlechtern, nicht nur, was sexuelle Übergriffigkeit anbelangt. Mit der Kirche hat dies allerdings nichts zu tun, denn gelebte christliche Ethik sieht Straftaten, wie sie jetzt zu Recht angeprangert werden als  akzeptables Handlungsmuster nicht vor. Sexualstraftäter, die sich in diese Institution hineinbegeben haben, um ein Kirchenamt zu begleiten, haben neben den sexuellen Straftaten zudem Verrat an der christlichen Ethik begangen. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Was soll die katholische Kirche tun, nachdem Jesus den Gläubigen an die Hand gegeben hat: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." (Matthäus 7,1)?



*+ ** "Zeit"
******+*******  Zur Pädophilie, ZEIT

Sonntag, 23. September 2018

Sonntagskolumne Helga König , 23.9.2018

Kurz vor den 78. Geburtstag des im Januar 2005 ermordeten Modemachers Rudolph Moshammer wurde jetzt in der ARD die Verfilmung des Lebens dieses Münchner Geschäftsmanns gezeigt. Es handelte sich hierbei um eine witzige und zugleich nachdenklich stimmende Satire mit Starbesetzung, an der mir besonders gut gefiel, dass man Moshammers Ableben nicht ausgeschlachtet hat. Dass man allerdings seine Qualitätsansprüche in Sachen Mode mehr als nur in Frage stellte, fand ich überaus unfair. Er kann sich gegen diesen Angriff nicht wehren. Bleibt zu hoffen, dass da niemand gezielt nachtreten wollte, d.h. keine alte Rechnung beglichen werden sollte. 

In Rudolph Moshammers Laden auf der Maximilianstraße war ich seit Anfang der 1990er Jahre einige Male und zwar seiner schönen, nicht spießigen und dabei qualitativ hochwertigen Krawatten wegen. Bei den ersten Besuchen lebte seine Mutter noch, die auffallend viel Wärme ausstrahlte und ganz und gar nicht dem Bild entsprach, das Hannelore Elsner im Film von ihr transportierte. 

Else Moshammer wirkte eindeutig nicht wie eine geldgeile, geltungssüchtige, intrigante, alte Hexe. Das Gegenteil war der Fall. Die Mimik und Faltenbildung der damals bereits über 80 jährigen Frau sprachen Bände. Man freute sich ihr ins Gesicht zu blicken und ihre herzlichen Lachfältchen zu sehen. 

Sie und ihr Sohn haben, nachdem Elses Mann gesellschaftlich abstürzte, hart für ihren späteren Wiederaufstieg und Erfolg gearbeitet, ohne dabei emotional zu verhärten. Dabei hat Rudolph Moshammer offensichtlich nie vergessen, was es bedeutet, unter sehr kargen Umständen, mit sehr viel Eigenverantwortung, sich aus nicht selbst verschuldeten Problemen herauszuschaffen. Dass nicht jeder die Kraft und das Glück hat wie Phönix aus der Asche emporzusteigen, war ihm klar. Er erhielt nicht grundlos für sein erhebliches soziales Engagement den "Martinsmantel" der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes. 

Mein spontaner Eindruck von Rudolph Moshammer damals war äußerst positiv. Er strahlte wie seine Mutter Herzlichkeit und Güte aus. Das findet man in den Kreisen, die sich normalerweise bei ihm zum Shoppen einfanden, höchst selten. Er war  auch in diesem Fall ein Paradiesvogel.

Ich wurde selbst Zeuge eines Verkaufsgesprächs als damals ein alternder Promi- er wird im Film nicht erwähnt-  ein pinkfarbenes Cashmere- Jackett erwarb  und sich anschickte mit Rudoph Moshammer - dem das peinlich war- wie auf einem Basar zu handeln und alles Mögliche zur gekauften Jacke von ihm dazu geschenkt haben wollte. Keine einfache Situation für den Geschäftsmann vor allen anderen Kunden im Laden cool zu bleiben und höflich Grenzen zu setzen... 

Der Modemacher war übrigens auffallend präsent, ohne eine Spur von Aufdringlichkeit. Wer wie er aus dem Nichts in einer Branche aufsteigt, kann sich keinen Pfusch erlauben. Gewiss werden ihm Neider unsaubere Arbeitsweisen unterstellt haben, das bringt Erfolg mit sich. Schade, dass solche üble Nachrede im Film als Tatsache festgehalten wird. Das ist, ich betone es nochmals,  nicht fair. 

Man kann Stoffqualität erfühlen. Man kann auch sehen, wie etwas genäht ist. Die Waren in Moshammers Boutique waren von außergewöhnlicher Qualität. Das erkundete ich damals mit großem Interesse. Eine solche Qualität  und Perfektion kannte man zu jener Zeit bei deutschen Designern und Designerinnen nur von Jil Sander. 

Die Moshammer-Verfilmung als Satire betrachtet, war natürlich witzig, doch sie war nicht fair im Hinblick auf den ermordeten Münchner Modedesigner, der niemals verlernt hatte, mitzufühlen und zu helfen und dies gewiss nicht vorrangig aus Imagegründen tat. 

Dass nur wenige Prominente, die sich ansonsten gerne mit ihm ablichten ließen, bei seiner Beerdigung dabei waren, wundert mich nicht.  Das ist ist typisch für die Bussi-Gesellschaft, die sich stets wegduckt, wenn die Gefahr besteht,  anzuecken. In Moshammers Fall ging es darum, zu zeigen, dass es für sie keine Rolle spielte, dass er bisexuell war und sich seine Liebhaber auf der Straße suchte, sei es aus Einsamkeit oder weil er sich nicht binden wollte oder weil er nicht mehr attraktiv  genug war, um auf  normalem Weg einen jungen Liebhaber zu finden.

Helga König

Montag, 17. September 2018

Sonntagskolumne Helga König, 16.9.2018

Es ist sehr lobenswert, dass letzte Woche nun endlich in der ZEIT die Haarer –Erziehungfibel  "Die deutsche Mutter und ihr Kind" zur Sprache gebracht wurde. Der Titel des Zeit-Artikels lautet: "Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst". Diesbezüglich habe ich bereits 2012 das Buch "Die geprügelte Generation" rezensiert und ein Interview mit der Autorin Ingrid Müller-Münch realisieren können.  

Die Erziehung zu Hitlers Zeiten hatte zum Ziel, aus Kindern empathielose Menschen zu machen, die problemlos lügen, betrügen und morden konnten. Wer die Welt und seine Mitmenschen beherrschen will, kann sich kein Mitgefühl leisten, das wussten die Nazis sehr genau. 

In den Lesebüchern der NS-Zeit wurde Rassenhass gelehrt, der nicht hinterfragt wurde, weil die Kinder durch die Haarer-Erziehungsmethoden bereits seelenlos auf hochgradige Egomanie getrimmt waren. Rassenhass war die Grundlage für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und egomane Gier die Triebfeder für das Überfallen fremder Länder, um an deren Fleischtöpfe zu gelangen. Im Tausendjährigen Reich versuchte man durch Haarers Erziehungsmethoden Naziverhalten im Volk langfristig  festzuzementieren.

Empathielosigkeit ist die Basis dafür, dass man andere in jeder Beziehung abkochen oder gar kaltblütig töten kann, um an deren Habe zu gelangen. Die so "abgerichteten" Menschen versuchten nach dem Krieg ihre Kinder durch Kälte und emotionale Ablehnungsstrategien zu ähnlich "strammen Nazi-Deutschen" zu trimmen, was zur Folge hatte, dass es in der nächsten Generation, die gottlob auch andere Einflüsse hatte, eine ganze Reihe von depressiven Menschen gibt, doch auch unsäglich viele Psychopathen, die ihrem Umfeld die Hölle bereiten. Nicht grundlos wird immer wieder gesagt, dass mancher aus der 68er Generation der Vorgeneration nicht unähnlich sei, trotz anderer politischer Gesinnung.

Bei Menschen, bei denen die Haarer-Erziehung gefruchtet hat, die also nicht depressiv geworden sind, weil für sie eisige Kälte unerträglich ist, kristallisiert sich - je älter sie werden-, eine geradezu unbeschreiblich Egomanie und Niedertracht heraus, die genau dem entspricht, was die Nazis und ihre Ober-Erziehungsratgeberin  beabsichtigten. 

Je älter nach Haarer erzogene Menschen werden, umso mehr Kälte strahlen sie aus und wenn man sich genauer mit ihnen befasst, bemerkt man rasch, dass sie unberechenbar sind und man ihnen keinesfalls vertrauen kann. Ihr Handlungsziel ist stets der eigene Vorteil. Das muss man sich klar machen und auch, dass sie sich nicht ändern, man ihnen also nicht auf den Leim gehen darf.

Verantwortungsbewusstsein Dritten gegenüber ist ebenfalls nicht vorhanden, was auch die Folge der Empathielosigkeit ist. Gefühle werden generell nur gespielt,  um ein Vorteil für sich zu erlangen. 

Die Haarer-Erziehung ist in Zeiten des Neoliberalismus ebenso attraktiv für Vorteilsdenker wie zu Zeiten der Nazis, gemixt mit Rassenhass allerdings können -und das muss man sich auch bewusst machen - erneut Konzentrationslager entstehen. 

Stärke im Sinne der Nazis war und ist Gefühlskälte gegenüber Dritten. Daran hat sich nichts geändert. Der andere ist niemals Freund in dieser horriblen Wolfsgesellschaft, sondern  immer nur Feind  oder Spießgeselle.

Aufklärung in Schulen ist wohl der einzige Weg, um Haarers perfides Gedankengut  keinen Raum mehr zu geben.

Helga König

Sonntag, 9. September 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 9.9.2018

Dass die Industrie in den letzten Jahrzehnten unsere Esskultur maßgeblich beeinflusst hat, ist hinlänglich bekannt, dass am zweiten Wochenende im September- wir befinden uns noch im Spätsommer- in den Supermärkten bereits zuhauf Süßwaren für Weihnachten angeboten werden, ist mehr als ärgerlich. Direkt vor den Kassen sind Leb- und Baumkuchen, Weihnachtsplätzchen und all die anderen süßen Sachen bereits positioniert. Wen wundert es da noch, dass übergewichtige Kinder laut quengeln, weil sie diese "Leckereien" unbedingt haben und sofort verschlingen wollen. Die Zuckersucht lässt nichts anderes zu. Sie schert sich nicht um alte Traditionen, wonach in der dunklen Jahreszeit etwas süßer gespeist wurde als während des ganzen Jahres, um sich auf diese Weise mit dem mangelnden Licht abzufinden.

Mit Zucker, Weißmehl und Transfetten hat die Lebensmittelindustrie in den letzten Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet, denn immer mehr Kinder sind bereits an Diabetes II erkrankt, immer mehr junge Menschen sind adipös und deshalb schlapp und depressiv. Bei ungefähr 50.000 Diabetikern von rund 7 Millionen hierzulande kommt es laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft jedes Jahr zu einer Amputation. 

Die Zahl der Übergewichtigen nimmt in Deutschland leider weiterhin zu. 59 % der Männer und 37 % der Frauen sind bereits übergewichtig und viele davon an Diabetes erkrankt. Dass Übergewicht die Ursache zahlloser Krankheiten ist, dürfte sich bereits herumgesprochen haben und dennoch ist keine nennenswerte Veränderung im Essverhalten der Gesambevölkerung feststellbar. 

Die Ratgeberbranche boomt, immer kompliziertere Abnahmefibeln werden veröffentlicht, doch die Zuckerindustrie hält dagegen und spendet Trost, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, weil es  ja letztlich auch nicht klappen kann, wenn man dem Industriemüll nicht gänzlich entsagt. 

Kaum einer hat so kluge Bücher verfasst, wie der viel gescholtene Dr. med Ulrich Strunz, der bereits vor zwei Jahrzehnten in seinen Werken darlegte, was es mit den BMI –Werten auf sich hat und weshalb Zucker eine Fettfalle ist. In einem seiner Bücher sagte er, wer den Morgen süß beginnt, steigt abends mit einer Tafel Schokolade ins Bett. Genau darauf aber werden Kinder abgerichtet, die zum Frühstück schon Crunchys verabreicht bekommen und abends dann eine Tüte Gummibärchen oder eben Schokolade verdrücken, damit sie einschlafen können und ihre adipösen Eltern nicht mehr nerven. 

Esskultur hat immer auch etwas mit Disziplin zu tun. Diese wurde seitens der Industrie systematisch unterhöhlt durch versteckten Zucker, dem wir alle ausgeliefert sind, wenn wir nicht mit der Lupe und einem Fachwörterbuch einkaufen gehen. Wer pausenlos sein Insulin lockt- mit Fertigprodukten, Brot, Süßem und Softdrinks nimmt unweigerlich zu und wird schließlich krank. 

Die  soeben genannten Lebensmittel können nicht nur zu Diabetes, sondern auch zu Demenz, Herzkrankheiten, Schlaganfall und anderem mehr führen. Sie schwächen letztlich die Abwehr, stressen den Körper und beschleunigen das Alter. 

Wer seine Nahrungsmittel mit dem Auto nachhause fährt- die meisten tun dies leider-, anstelle sie nachhause zu tragen und auch ansonsten am liebsten im Sessel hockt, wird sich schon recht früh "fix und foxi" fühlen und es dann auch irgendwann sein. 

Eine weltoffene Esskultur könnte ungemein bereichern, wenn man sich speziell  auf die gesunden Speisen anderer Kulturen einlässt und von jenen Völkern lernt, die sich eindeutig vernünftig ernähren. 

Der Zucker- Weißmehl und Transfetteindustrie muss allerdings weltweit die rote Karte gezeigt werden. Eine höhere Besteuerung von deren Produkten ist meines Erachtens aber der falsche Weg. Sie füllt nur weiter den Staatssäckel, der dann sinnlos verbraten wird, während die dafür anfälligen Menschen Opfer einer gierigen, verantwortungslosen Lebensmittel- und Pharmaindustrie bleiben. 

Besser scheinen mir deshalb Aufklärung vom Kindergartenalter an und ein üppiger Bonus für alle seitens der Krankenkassen, wenn man nachweisen kann, dass man sich gesund ernährt. Esskultur hat immer auch etwas mit der Wertschätzung der Natur zu tun, deren Raubbau unterbunden werden muss, indem Massentierhaltung ebenso untersagt wird, wie das Einsetzen von Nahrungsmittelgiften, die das Gemüse und Obst verseuchen und den Konsumenten am Ende Krebs bescheren.

Fazit: Die entsprechende Lobby muss aus dem Tempel gejagt werden, nur so  kann  Vernunft gedeihen.


Helga König

Sonntag, 26. August 2018

Sonntagskolumne Helga König, 26.8.2018

"Das Thema unserer Zeit: panischer Egoismus. Wenn Menschen ohne Empathie die Überholspur als ihr Recht aggressiv anpeilen. Tunnelblick und Ellbogen. Die wichtigste Selbstschutzmassnahme für Betroffene: Abgrenzung" (Tweet von Helmut Karas, gepostet am 24.8.2018). 

Vorbemerkung: Der Begriff "panischer Egoismus" fasst perfekt  zusammen, was Karas anschließend definiert. 

Neugierig googelte ich, ob dieser Begriff bereits anderenorts aufgetaucht ist. Der Autor Wolfgang Gründinger, hat ihn, so erfuhr ich, auch schon benutzt und zwar in seinem Buch "Alte Säcke Politik- Wie wir unsere Zukunft verspielen". Ob es eine Begriffsschöpfung dieses Autors ist, entzieht sich meinen Recherchen. Soviel nur: Das Werk von Gründinger kannte ich bislang ebenso wenig, wie den dort enthaltenen und auch von Karas verwendeten Begriff.

Wikipedia definiert: "Panik ist ein Zustand intensiver Angst vor einer tatsächlichen oder angenommenen Bedrohung. Sie ist eine starke Stressreaktion des Organismus auf eine oft unerwartete und erschreckende Situation und geht einher mit vielfältigen vegetativen und körperlichen Symptomen.[1] Dabei kann es unter Umständen zu einer Einschränkung der höheren menschlichen Fähigkeiten kommen."*

Was nun sind höhere menschliche Fähigkeiten? Durchsucht man das Internet, stößt man hier immer wieder im Zusammenhang mit diesen Fähigkeiten auf die Begriffe "Einfühlungsvermögen" und "Liebe", also mit einem Wort auf die Eigenschaft der Empathie. 

Tatsächliche oder angenommene Bedrohung können demnach unsere Empathie einschränken, d. h. auf diese Weise Personen, die normalerweise durchaus die höheren menschlichen Fähigkeiten besitzen, zu bedingungslosen Egoisten machen, sprich zu Menschen, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen und zwar selbst zum Nachteil anderer. 

Die Angst, nicht mehr genug zu bekommen und auf zu engem Raum leben zu müssen, wird tagtäglich durch rechte Gruppierungen  gezielt geschürt. Der Neoliberalismus spielt den rechten Gruppierungen in die Hände, wenn er beispielsweise mit der Umwelt Raubbau betreibt, weil das gierige Habenwollen Nachhaltigkeit  in neoliberal ausgerichteten Firmen rigoros ausklammert. 

So werden die von rechts geschürten Ängste dann bestätigt und in den Medien weiter befeuert, anstelle klugerweise  Alternativen aufzuzeigen. Dadurch greift panischer Egoismus seuchenartig von Jahr zu Jahr immer mehr um sich und erfasst die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft und hier auch  unzählige Familien, weil alle davon überzeugt sind, dass der Vulkan, auf dem sie vermeintlich leben, jeden Moment explodieren wird und alle nochmals hemmungslos, wenn auch zum Nachteil Dritter, zulangen  sollten.

Um was es also geht? Es gilt die Panik zu minimieren, die Nerven zu beruhigen, sich von der Endzeitstimmung zu verabschieden und stattdessen Empathie zu kultivieren. 

Dann wird für alle gewiss wieder begreifbar, dass ein Miteinander der sinnstiftendere und glücklichere Weg ist. "Tunnelblick" und "Ellenbogen" entsprechen nicht der gesunden, menschlichen Natur, sondern  sind Ausdruck einer  psychischer  Gestörtheit, die  unter Umständen  gar nicht auf einem inneren Mangel beruht, wie neuerdings immer wieder erklärt wird, sondern auf Angstmacherei seitens übler politischer oder wirtschaftlicher Kräfte, die tatsächlich aus unserer menschlichen Gesellschaft ausgegrenzt werden müssen, damit sie fortbestehen kann.

Helga König

*vgl: Wikipedia Panik

Sonntag, 12. August 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 12.8.2018

Wirft man im Wartezimmer beim Friseur oder beim Arzt einen Blick in die Regenbogenpresse, wird man Zeuge von Schlammschlachten aller Art und erlebt, wie vormals hochgefeierte Zeitgenossen systematisch fertig gemacht werden. 

Schmierfinken suchen stets nach Fehltritten bei erfolgreichen Menschen, um damit ihre neidbesetzte, missgünstige Klientel zu befriedigen, die Spitzenleistungen von Menschen, gleichgültig in welchen Bereichen, einfach nicht ertragen kann, weil sie  dadurch ihr eigenes Unvermögen schmerzvoll spüren. 

Im letzten Jahr habe ich mit dem Weltschauspieler #Helmut_Berger zwei Interviews auf "Buch, Kultur und Lifestyle" realisiert, weil dieser nachdenkliche, sensible Mensch von der Kloakenpresse seit Jahren durch wenig aufbauende Artikel in die Melancholie getrieben wurde und weil ich daran erinnern wollte, in welch grandiosen Literaturverfilmungen er die Hauptrolle spielte und allein schon deshalb Wertschätzung verdient. 

Wir erleben seit einigen Jahren wie sogar die bislang seriöse Presse sich immer häufiger in das schmutzige Fahrwasser der Schundblätter begibt und in der Privatsphäre von Sportlern, Schauspielern oder Politikern nach Fehltritten fahndet. 

Personen wie #David_Gerrit, #Michel_Friedmann, #Jörg_Kachelmann und #Christian_Wulff wurden ebenso gebrandmarkt wie jetzt #Jan_Ullrich. All diese Menschen wurden von einer Armada von Fotografen und penetrant agierende Reportern wegen moralischer Zweideutigkeiten verfolgt und so wurde und wird der Zuschauer im Fernsehen oder auf Youtube Zeuge eines stets wiederkehrenden Spektakels, nämlich wie in einer noch immer doppelmoraligen Gesellschaft sogenannte sexuelle Sünder (wohlgemerkt nicht Straftäter)  dieser zur Geiselung vorgeworfen werden, ganz so wie im tiefsten Mittelalter. Dabei vergisst Youtube selbst nach Jahren nichts, auch wenn zwischenzeitlich klar geworden ist, dass es sich um eine böse Diffamierung handelte.

Betrügereien und daraus entstehende Skandale in der Wirtschaft und Politik werden, wie man fast täglich aufs Neue erleben kann, rasch vergessen und als Kavaliersdelikte herunter gespielt. Keinen Spaß allerdings kennt die vermeintlich sexuell aufgeklärte Gesellschaft, wenn ihre Helden ihr klösterliches Image aufs Spiel setzen. Dann geht es zu Sache. 

Genau das aber sollte diskutiert werden. 

Einerseits wird gegen die Prüderie muslimischer Religionsangehöriger gewettert und einen "Halles" um das Kopftuch gemacht, als ginge daran das Abendland zugrunde, andererseits jedoch wird diese Prüderie  von den Leuten, die mit Fleiß mit zwei Ellen messen, atemberaubend übertrumpft, wenn sie einen Helden auf Talfahrt für den Pranger im Sommerloch benötigen oder ein Held einem anderem Helden -  in welcher Beziehung auch immer - im Wege steht. 

Helga König

Sonntag, 29. Juli 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 29.7.2018

Zuverlässigkeit ist eine Tugend, die man bei selbstsüchtigen Menschen grundsätzlich nicht voraussetzen sollte. In der Politik, auch in der Wirtschaft und im privaten Rahmen gilt es, dazuzulernen, seit wir in einer narzisstischen Gesellschaft leben, in der die Selbstsucht Programm zu sein scheint. Wie kann man sich schützen?

Abgefeimte Werbesprüche, die auf die Befriedigung von zuvor subtil suggerierten Wünschen abzielen, haben die Gesellschaft infantilisiert und aus Erwachsenen Riesenbabys mit Riesenwünschen gemacht. Niemals ist es genug. Immer mehr und mehr müssen diese Riesenbabys haben. Dabei bilden Habsucht und Selbstsucht in deren Charaktermuster eindeutig eine Einheit. 

Das wetterwendische Verhalten von Egomanen macht es allerorten schwer, langfristig zu planen, denn, was heute zugesagt wird, gilt morgen nicht mehr. Noch nicht einmal auf notariell beglaubigte Verträge kann man sich verlassen, wenn das Gegenüber ein Egomane ist, der alles, was nicht zu seinem Vorteil ist, ausblendet und stur nur das akzeptiert, was ihm nützt. 

Das Egomanen-Spektakel dürfen wir alle in der Politik täglich erleben und lernen hier zu begreifen, was es bedeutet, wenn Weltpolitiker nicht ihr Wort halten, Absprachen und Regeln ohne Bedenken brechen und  sich durch nichts verpflichtet sehen. Doch diese Politiker sind der Spiegel der Gesellschaft und alles andere als Ausnahmewesen. 

Egomanen ist die Wertschätzung ihrer Mitmenschen ebenso fremd, wie die Wertschätzung der Natur. Freundlich und charmant sind sie nur dann, wenn sie etwas wollen, im Normalzustand erlebt man nur ihre geballte Kälte. Diese Kälte ist ihre Waffe, die es ihnen ermöglicht, andere auszurechnen und für die eigenen Zwecke einzusetzen. 

Bei einem Egomanen an die Vernunft zu appellieren, ist sinnlos. Vernunft kennt diese Spezies ebenso wenig wie Schuldgefühle, denn sie wird, man kann es nicht oft genug betonen, von ihrer Selbstsucht dominiert, lebt immer nur im Jetzt und dort soll es möglichst kommod für sie sein, gleichgültig, was mit anderen wird. Nachhaltigkeit ist nicht ihr Ding, "nach mir die Sintflut", das Lebensmotto.

Kinder, Ehemänner oder Ehefrauen, Freunde und Verwandte werden ebenso abgründig vereinnahmt und bei Bedarf weggeschoben, wie Geschäftspartner oder Parteifreunde. Dabei ist das oberste Prinzip die Befriedigung der persönlichen Lustgefühle. Kaufsucht, Spielsucht, Sexsucht, Trinksucht, Zuckersucht, Nikotinsucht und tausend andere Süchte sind typisch für diese Menschen, die von ihrem Ego beherrscht werden und denen Disziplin grundsätzlich fremd ist. Die Folgen tragen zumeist andere. Doch das ficht Egomanen nicht an, weil sie ihr Verhalten niemals reflektieren und bei Vorhaltungen  nichts weiter  als die beleidigte Leberwurst geben, anstatt mal in sich zu gehen.

Man kann nicht oft genug vor ihnen warnen, denn sie zerstören, wo sie auftauchen, immer die Gemeinschaft und hinterlassen stets nur Unheil. 

Helga König