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Samstag, 21. März 2020

Sonntagskolumne Helga König 22.3.2020

Das #Corona_Virus hat eine Situation geschaffen, von der wir noch nicht wissen, was sie mental mit uns Menschen machen wird, wenn die Krise noch einige Monate andauern sollte. 

Wir lesen täglich von immer mehr Erkrankten und Toten und möchten dies nicht glauben. 

Wir schreiben das Jahr 2020!  Kann es sein, dass eine Fledermaus in einer Provinz in China in unserer hochtechnisierten Welt diese globale Krise ausgelöst hat? 

Ja, es kann, denn alles hängt mit allem zusammen. Dies wurde in den letzten Jahren oft genug gepredigt, doch viele haben das als esoterisches Geschwätz abgetan. Die Schöpfung ist komplex und fragil zugleich. Sie ist auf Vielfalt angelegt. Wir Menschen begreifen das leider nur bedingt und töten weltweit Lebewesen, die nicht zum Verzehr für uns bestimmt sind. 

Angekommen in Europa, wurde das Virus zunächst unterschätzt. Noch vor wenigen Tagen wurden Partys gefeiert, trafen sich junge Leute in Discos oder an anderen Orten, um Spaß zu haben und steckten sich so unbedacht an, dann wohl auch andere, leider auch Alte und Vorbelastete, ohne dies zu wollen.

Die Vernunft hätte anderes gefordert, die Verantwortung auch. Doch der Spaß ließ alles vergessen. 
Von Mitgliedern einer Spaßgesellschaft spontan anderes zu erwarten, als nach Spaß zu suchen, ist geradezu vermessen.

Wenn die Zahlen der Schwererkrankten weiter steigen, müssen Ärzte entscheiden, wer überleben darf und wer nicht. Selektion aufgrund eines Mangels an Betten und medizinischen Geräten ist eine Situation, die sich keiner wünscht und von der man hofft, dass sie nicht eintritt. Spaßgesellschaften sind mit solchen Gedanken eigentlich überfordert.

Ausgehbeschränkungen nehmen zu. Das ist schwierig für Familien in engen Wohnverhältnissen, ist letztlich für alle nicht einfach, weil der Frühling uns nach draußen lockt. Auch Terrassen, Balkone und Gärten sind auf Dauer keine zufriedenstellende Lösung. Dennoch: Alle müssen sich auf diese neue Situation mental einstellen. Die Isolation ist die derzeit die einzige Chance, das Virus an der Ausbreitung zu hindern. 

Wenn die Ausgehbeschränkungen an diesem Wochenende Menschen das Leben gerettet haben, dann ist das ein großer Erfolg der Vernunft und wir sollten dann die kleinmütigen Eifersüchteleien von Politikern überhören, die nur an den Wahlkampf denken, zaudern und zögern, während einige Alpha-Menschen  tatkräftig handeln, weil sie verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat.  Diese Alpha-Menschen sind keine Spaßbremsen, sondern Lebensretter. Das müssen sich alle bewusst machen. Ihnen sollte unsere Wertschätzung gelten.

Helga König

Sonntag, 8. März 2020

Sonntagskolumne Helga König, 8.3.2020

Der #Klimawandel treibt seit Monaten junge Menschen auf die Straßen, weil ihre Zukunft gerade von raffsüchtigen Global-Playern verspielt wird, weil wir in Bälde ohne Mundschutz und Hautcreme mit Lichtschutzfaktor 100 nicht mehr unsere Wohnungen verlassen können. 

Was wir derzeit durch #Corona erleben, ist ein leichter Vorgeschmack auf das, was durch den Klimawandel kommen wird: Unfreiwilliges #Cocooning allerorten. 

Kommunikation findet dann nur noch mittels Telefon, Handy oder Internet statt. Wer das Leben aller dann finanzieren soll, ist noch unklar. Nicht alles ist über Home-Office abzuwickeln. Ob Maschinen dann ein humanitäres Eigenleben beginnen, ist zu bezweifeln, denn ihre geistigen Väter waren keine Heiligen, wie allseits bekannt sein dürfte. 

Selbst die Dagoberts dieser Welt, die heute bräsig auf ihren Milliarden hocken, werden dann nicht mehr helfen können. Diese Alberiche in den dann kommenden Tagen hysterisch zu enteignen, wird den katastrophalen Zustand unserer Erde nicht mehr beseitigen können. 

Veränderte klimatische Bedingungen werden vermutlich neue Krankheiten mit sich bringen. Werden wir diesen überhaupt noch gewachsen sein? Wie anpassungsfähig ist der Mensch wirklich?

In Syrien ermordet ein sadistischer Augenarzt gerade auf bestialische Weise die Zivilbevölkerung und keiner gebietet ihm Einhalt, weil die Eigeninteressen und Ängste der einzelnen Länder stärker sind als die Mitmenschlichkeit. 

Wo bitte ist der Unterschied zwischen den Ärzten  #Mengele und #Assad? Ich sehe keinen. 

Was, wenn Corona in die Flüchtlingscamps von #Idlib Einzug hält? Wie geht die westliche Welt mit ihrem Schuldanteil dann um, nicht rechtzeitig die armen Menschen dort aus der Hölle, - aus der brandgefährlichen Enge -,  befreit zu haben? 

Wird die Gleichgültigkeit sich dann in ähnlicher Art zeigen, wie im Hinblick auf die 20 000 Toten im Mittelmeer, die in den letzten Jahren dort auf der Flucht vor Elend und Not ertrunken sind? 

#Hilfsbereitschaft und #Barmherzigkeit haben es ermöglicht, dass die Auswirkungen von Krieg, Seuchen und Hungersnöten in den letzten Jahrhunderten in Europa stets wieder überwunden werden konnten. 

Je näher wir Menschen uns durch die Globalisierung gekommen sind, umso stärker wurde leider auch der Rassismus mit seinen mörderischen Auswirkungen, um so intensiver zudem wurde die Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten. 

Waisenkindern aus Kriegsgebieten nicht die Tür zu öffnen, weil man Angst vor einem Erstarken der Rechtsradikalen im eigenen Land hat, ist eine Bankrotterklärung der Demokratie und ebenso beschämend, wie die Tatsache, dass man den Mann nicht aus der Haft entlässt, der unglaubliche Kriegsverbrechen aufgeklärt hat, man sich stattdessen zynisch anschickt, Julian #Assange an die Kriegsverbrecher auszuliefern und ihn immer und immer wieder aufs Bösartigste  zu verleumden. 

Wenn man verstanden hat, dass Baschar al #Assad eine Kopie des menschenverachtenden NS-Arztes Josef Mengele ist, dann begreift man die besondere Verantwortung von uns Deutschen gegenüber allen Menschen, die ohne Schuld von diesem Massenmörder und Verhöhner des Eides des Hippokrates um das gebracht worden sind, was das Leben auch in dunklen Tagen lebenswert macht: Zuversicht auf bessere Zeiten. 

Helga König

Samstag, 22. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 23.2.2020

Die ARD-Mediathek zeigt seit 2 Tagen eine Dokumentation zum Fall Julian #Assange. Dort wird verdeutlicht, was die Medien diesem Mann zu verdanken haben, denn viele haben sich in ihrer Berichterstattung der Informationsplattform WikiLeaks bedient, deren Gründer #Assange ist. 

Wie man erfährt, wurden auf dieser Plattform u.a. Korruptionsangelegenheiten im Finanzwesen, auch Umweltskandale und Kriegsverbrechen anhand von Originaldokumenten veröffentlicht, dabei wurden die Informanten grundsätzlich niemals genannt. Aus der Sicherheit  heraus,  dort  wirklich geschützt zu sein, haben Wistleblower offenbar überhaupt den Mut gefunden, über kriminelle Handlungen von Unternehmen oder gar Staaten zu sprechen.

Dass sich #Assange mit seiner Plattform viele Feinde aber auch Neider geschaffen hat, steht außer Frage. 

Als auf WikiLeaks im April 2010 Berichte und Videos von Kriegsverbrechen seitens amerikanischer Soldaten in Afghanistan veröffentlicht wurden, die der IT- Spezialist und Angehörige der US-Streitkräfte Bradley Edward Manning der Plattform zugespielt hatte, gelangte Julian Assange in den Fokus der US-Justiz. 

Wie ARD berichtet,  fragte Hillary Clinton, die damals Außenministerin der USA war,  ob man Julian Assange mittels einer Drohne nicht aus dem Spiel nehmen könne? Eine solche Aussage ist menschenverachtend und nicht nur für eine Politikerin ungeheuerlich, die Jahre danach sogar Präsidentin der USA werden wollte. Was wäre von dieser Politikerin als später möglicherweise gewählte Präsidentin der USA in Sachen Wahrung Allgemeiner Menschenrechte zu erwarten gewesen? 

Wenn #Assange diese Äußerung bekannt gewesen ist, dürfte es ihm bei der Veröffentlichung von gehackten Mails, die sie schrieb, weniger darum gegangen sein, Trump zu einem Sieg zu verhelfen, als eine Person zu verhindern, die daran denkt, mittels Drohnen Journalisten mundtot zu machen.

Irritiert haben mich die Berichte im Hinblick auf die beiden Frauen, die Julian Assange übel mitgespielt haben. Bei der ersten Frau hat Assange in Schweden 6 Tage gewohnt und am ersten Tag im Einvernehmen mit ihr beigeschlafen. Beim Koitus soll das Präservativ gerissen sein. Ihm Tage danach zu unterstellen, er habe es bewusst zerrissen, ist schon sehr seltsam. Weshalb hat sie ihn nicht am Tag nach der Beischlafsnacht aus ihrer Wohnung verwiesen?

Eine zweite Frau, mit der  Julian Assange  anschließend auch beigeschlafen habe, sei mit der ersten zu Polizei gegangen, weil beide einen HIV-Test von Assange haben wollten. Stellt sich die Frage, weshalb die Frauen überhaupt mit ihm beigeschlafen haben, wenn sie  bezüglich HIV so verunsichert waren, aber auch, woher die beiden Frauen sich kannten? Und weiter stellt sich die Frage, weshalb ein einvernehmlicher Beischlaf seitens der schwedischen Behörden zunächst als Vergewaltigung eingestuft wurde? Fest steht, dass durch diese Geschichte der Ruf Assange Schaden genommen hat. Ein Schelm, der annimmt, dies sei der Zweck der Übung gewesen...

Seitens von Journalisten aber auch Politikern liest und hört man seit Wochen immer wieder Diffamierungen, wie: Julian Assange sei unsympathisch, er sei ein Egoist, ein Narzisst oder ein armes Schwein, ohne dies zu begründen. Dies sind Totschlags- Argumente, weil die Faktenlage für ihn spricht und man keine stichhaltigen Argumente gegen ihn anführen kann. Bei allem sagen diese Diffamierungen in erster Linie viel über die Verleumder aus. 

Ein Richter in den USA hat, wie man dem Bericht in der ARD entnehmen kann, Assange als Narzissten bezeichnet, der nur an sich denke und alle plappern es seither nach. Gemeint war mit "an sich denken" offenbar, die Veröffentlichung aller Kriegsverbrechen auf WikiLeaks ohne den Imageschaden der USA im Auge zu haben. Ein solches Verhalten hat nichts mit Narzissmus zu tun. Hier wurde der Begriff eindeutig falsch verwendet. Der korrekte Begriff wäre Aufklärer gewesen, der nur an das Wohl aller denkt.

Julian Assange zu unterstellen, er habe aufgrund des Satzes "Neugierige Augen kriegen nie genug" Manning zum Geheimnisverrat angestiftet, ist nun wirklich an den Haaren herbeigezogen und insofern unredlich. Dieser Satz ist eine Binsenweisheit, die sich allemal zum Twittern eignet, wenn man viele Likes einsammeln möchte. 

Julian Assange wird seit Monaten gefoltert,  wie seitens  eines Ärzteteams nachgewiesen wurde und ist augenscheinlich Staatsfeind nicht nur eines Staates.Weshalb eigentlich? Weil er Transparenz fordert und aufklärt? Ist Transparenz denn nicht die Grundlage für Glaubhaftigkeit in einer Demokratie?  Waren es nicht Aufklärer, die Despotien eine klare Absage erteilten und in Frankreich zu Geburtshelfern der Demokratie wurden? 

Helga König

Sonntag, 9. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 9.2.2020

Am 6. Februar 2020 stellten Günter Wallraff (Investigativjournalist), Sigmar Gabriel (Bundesaußenminister a.D.), Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.) und Sevim Dagdelen (MdB) in der Bundespressekonferenz in Berlin den Appell "Julian Assange aus der Haft entlassen" vor, der bislang (am  9.2. 2020/ 17.43 von 11 610 Menschen unterzeichnet wurde.

Ich habe meinen, über zwei Jahre auf der Profilseite meines Twitteraccounts angehefteten Tweet, der auf meine Interviews "Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" führte, - zwischenzeitlich wies er mehr als 100.000 Impressionen auf- dennoch bewusst gelöscht, um ihn zu ersetzen durch https://assange-helfen.de/?fbclid=IwAR0rQsYG_nQr-vX0RzZOW09TPgozC0XacCbl1rDYPWe1N_t8RElDsMgrA1Y… . Ethik ist nur glaubhaft, wenn man handelt, lies ich meine Follower mein Tun begründend wissen. 

Bereits vor zwei Wochen schrieb ich in Sachen Julian Assange eine Sonntagskolumne. Zwischenzeitlich hat sich Einiges getan. Endlich berichten die Printmedien  und Fernsehsender über den Skandal. Dies ist dem Engagement des UN-Sonderberichterstatter Prof. Dr. #Nils_Melzer zu verdanken 

Anbei ein Youtube-Clip https://www.youtube.com/watch?v=wHVArcyl1fY&feature=youtu.be. Hier erläutert der Jura-Professor genau, worum es geht. 

Blickt man auf die Liste der namhaften Persönlichkeiten, die sich für die Freilassung #Assanges aussprechen, so ist man schon erstaunt, dass bei den Politikern fast nur Pensionäre es wagen, sich in der Sache zu bekennen. Im welchem Obrigkeitsstaat leben wir eigentlich? Wovor haben sie alle Angst? 

Namhafte Schauspieler, Kabarettisten, Regisseure, Musiker auch Maler sind mutiger als andere Prominente. Dass #Wolfgang_Niedecken unterschrieben hat, ist ebenso erfreulich, wie das Engagement  in Sachen Menschenrechte des Bergsteigers #Reinhold_Messner und von Pater #Anselm_Grün. 

Diese Menschenfreunde reden nicht nur über #Humanismus, sondern zeigen durch ihr Tun, dass sie authentisch sind. 

Was kann man in den sozialeren Netzwerken tun, damit viele auf die Seite "Assange helfen" aufmerksam werden und unterzeichnen? Man muss seine Follower bitten, zu retweeten. Vielen nämlich ist es nicht bewusst, dass nur so sehr rasch Breitenwirkung entsteht. Viele unterschätzen die Möglichkeit von RT.  Das muss sich ändern. 

#Julian_Assange benötigt Hunderttausend und mehr Stimmen, damit die Obrigkeit zu reflektieren beginnt und ihren Kurs ändert. Nötig sind auch weit mehr namhafte Persönlichkeiten als jetzt. 

Am besten wäre es, wenn #Papst_Franziskus unterschreibt  und sich für #Julian_Assange einsetzt und zudem die  jungen Menschen der "#friday_for_future"-Bewegung, eben all jene die guten Willens sind, sich für ihn stark machen. #Assange braucht Hilfe. Sein Leben ist in Gefahr.

Helga König

Sonntag, 2. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 2.2.2020

"Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit." (Goethe) 

Heute Morgen entdeckte ich in meiner Timeline auf Twitter einen faszinierenden Tweet. Ich hielt inne, staunte und klickte neugierig auf den Account desjenigen, der ihn gepostet hat.

Der Accountbesitzer nennt sich "wilderwandel" und ist seit  dem 12. Januar dieses Jahres auf Twitter aktiv. In seiner Vorstellung merkt er an: "Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben..."  "Being wild again is the only option we have.."

Spontan fiel mir der legendäre Song der Hard-Rock-Gruppe "Steppenwolf" ein und hier die Zeilen: 

Like a true nature's child 
We were born,
born to be wild 

We can climb so high
I never wanna die 

Born to be wild 
Born to be wild 

Dann musste ich lächeln, weil mein erster Tweet heute Morgen ein Youtube- Clip mit Gedanken von Hermann Hesse war. Es handelte sich dabei allerdings nicht um eine Textstelle aus Hesses Roman "Steppenwolf", der für viele junge Menschen einst ein Kultbuch war. 

Sie erinnern sich?: "Es war einmal einer namens Harry, genannt Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war er doch eben ein Steppenwolf."

"Like a true nature's child We were born, born to be wild"

"Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben...“ Was meint  "wilderwandel" damit? Was bedeutet "wild?" In erster Linie wohl "ungezähmt". 

Wie kann man diesen Zustand erneut erreichen und  was würde das für uns bedeuten? Schon wieder geistert eine Textstelle durch meinen Kopf. Diesmal aus dem 21. Kapitel des Buches  "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Hier geht es um Freundschaft, die nur möglich ist, wenn man sich einander vertraut macht. Dieses Vertrautmachen bedeutet für Saint-Exupéry "zähmen".

So gesehen befinden wir uns, die wir auch nach Hesse nur dann glücklich sein können, wenn wir lieben, was ja auch Grundlage einer Freundschaft ist, in einem Zwiespalt, der nicht auflösbar zu sein scheint. Um wild zu sein – also ungezähmt und so gesehen auch ungebunden bzw. frei- müssen wir auf Liebe und Freundschaft verzichten und uns in selbstgewählter Einsamkeit einrichten. Doch dies macht bekanntermaßen  auf Dauer krank. 

Laut dem Roten Kreuz können in England ungefähr 200 000 ältere Menschen höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten führen, las ich gestern bei Notker Wolf in seinem neuen Buch "Ich denke an Sie". Das kann keine Option sein.

"wilderwandel" taucht mit seinen Fotos in die Zauberwelt der Natur ein. Man nimmt wahr, wie sehr er sich in jedes einzelne Motiv einbringt, nicht nur mit den Augen, denn er erzählt jeweils eine Geschichte durch die Art wie er das jeweilige Bild anlegt. Man spürt, er trauert bei seinen Wanderungen durch die Natur keinem Gestern nach, denn er nimmt alles sehr bewusst wahr und blickt hinter das, was sich ihm zeigt. Deshalb auch erzählen seine Bilder  philosophische eingefärbte Geschichten. 

Dieser Fotograf liebt die Stille, das Schöne in der Natur, die belebten Steine, das Grün, die Ruhe, die Meditation. Er denkt dabei an Goethe: "Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit," und lässt erkennen, dass er viel Demut besitzt. 

"Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ … um neu beginnen zu können? Weil jedem Anfang ein Zauber innewohnt, der uns beschützt und hilft zu leben?  Ist es das?

Es macht mich neugierig, was "wilderwandel" uns in seinen nächsten Posts vermittelt, um seinen  Satz "Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ allmählich entschlüsseln zu können. Dass "ungezähmt", nicht "unkultiviert" heißt, wie manche meinen, dokumentiert der Account "wilderwandel" auf subtile Art.

Helga König



Samstag, 25. Januar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 26.1.2020

"Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen." Julian Assange

Dieser Tage hat der stellvertretender Chefredaktor des liberalen Magazins «Schweizer Monat» und NZZ-Kolumnist Dr. Milosz Matuschek sich dort ausführlich zum Fall #Julian_Assange geäußert. Der promovierte Jurist hat über fünf Jahre unter anderem Strafrecht und Menschenrechte an der Pariser Sorbonne unterrichtet und mehrere Bücher veröffentlicht. 

Er weiß also ganz genau, weshalb er sich fast täglich für die Freilassung des schwerkranken Menschenrechtlers Julian Assange ausspricht und schreibt u.a.: "Assange erweist sich als ein Fieberthermometer der Freiheit und der Fall Assange als Kristallisationspunkt eines demokratietheoretischen Paradoxons: In einer echten Demokratie kann es keine Dissidenten geben. Denn die Offenbarung der Wahrheit ist entweder Teil der demokratischen Grundrechte, oder Letztere sind ausgesetzt. Dann aber ist Demokratie nur noch Fassade."*

Assange ist der Wahrheit verpflichtet, war es immer und genau das hat ihn zum Feind der Mächtigen werden lassen.

#Heribert_Prantl, ebenfalls Jurist und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung hat letztes Wochenende in seiner Kolumne "Assange Helfen"** hervorgehoben, dass jene, die Assange verteidigen, zugleich die Pressefreiheit verteidigen, denn diese stirbt, wenn man die Informationen der Presse vernichtet. Er bringt dies durch folgende Worte  sehr einprägsam auf den Punkt: "Wenn das Aufdecken von Verbrechen zum Verbrechen wird, ist die Pressefreiheit in Gefahr."***

Julian Assange hat Verbrechen wider die Humanität aufgedeckt und wurde als Journalist nicht grundlos vielfach mit Preisen sowie Auszeichnungen geehrt, unter anderem 2011 mit der Goldmedaille für Frieden und Gerechtigkeit der Sydney Peace Foundation, mit der vorher nur Nelson Mandela, der 14. Dalai Lama und Daisaku Ikeda ausgezeichnet worden sind.****

Offenbar ist die Aufdeckung von Kriegsverbrechen in den Augen der Mächtigen ein Verbrechen oder wie soll man das Vorgehen gegenüber Julian Assange ansonsten interpretieren? Wer außer dem  mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador***** sprach sich seitens der Politikerkaste noch für die Freilassung  des Wikileaks-Gründers Julian Assange aus?

Wie UN-Sonderberichterstatter #Nils_Melzer konstatiert, sei Julian Assange vermutlich psychisch gefoltert worden. Er bekundet, er habe gemeinsam mit Forensikexperte, Dr. Duarte Nuno Viera, der eine lange Erfahrung in der Untersuchung von Folteropfer hat und Chef der International Association of Forensic Sciences war sowie mit Dr. Pau Pérez-Sales, einem spanischen Psychiater, der auch auf Folteropfer spezialisiert und Direktor eines Rehabilitationszentrums ist, Julian Assange im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh bei London  aufgesucht. Beide Mediziner haben während Jahrzehnten mit Folteropfern gearbeitet und haben bei Assange Symptome festgestellt, die für Folteropfer typisch sind, vor allem nach lange andauernder psychologischer Folter.******

Im Interview auf #Telepolis sagt Melzer u.a. "Die zentrale Frage ist nun: Würde eine Auslieferung an die USA Julian Assange schweren Menschenrechtsverletzungen aussetzen? Auch das kann man nur bejahen. Das Gerichtsverfahren in den USA würde in Alexandria, Virginia mit einer Jury stattfinden, die sich überwiegend aus Angestellten der Nachrichtendienst- und Verteidigungsbranche zusammensetzt. Dies und andere Aspekte weisen darauf hin, dass ein Verfahren nicht unabhängig von den schweren Vorurteilen wäre, die innerhalb des US-Behördenapparats gegen Assange bestehen. Von dort aus sind ja schon schwerste Drohungen bis hin zu Mordaufrufen ausgesprochen worden. Zuvor ist schon die Anklage zu kritisieren, die auf Spionage lautet.

Er hat ja nichts gehackt, er hat nichts gestohlen und er hatte den USA gegenüber keine Schweige- oder Treuepflicht. Dass er ungeachtet dessen von den USA bedroht und angeklagt wird, ist weitab dessen, was rechtsstaatlich zulässig ist." *******

Für Heribert Prantl gilt: "Julian Assange muss aus der Haft entlassen werden." ********Dieser Meinung schließe ich mich an, nach allem, was ich bislang über den Fall gelesen habe.

Prantl schreibt weiter: "Ohne die Zivilcourage derer, die Missstände aufdecken, kann keine Gesellschaft leben. Die Europäische Union hat dies erkannt und deshalb Richtlinien zum Whistleblower- Schutz erlassen. Der Einsatz der EU ist dafür ein Prüfstein." *********

Werden sich die Briten, wenn  sie sich aus der EU verabschieden, noch an diese Richtlinien halten? Und was, wenn nicht?

Zum Schluss nochmals das Zitat von Julian Assange, das sein humanistisches Engagement mit wenigen Worten erklärt:

"Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen." 

Über diese Worte sollten alle täglich ein paar Minuten meditieren.

Die Grundwerte Julian Assange sind: #Transparenz, #Verantwortung und #Gerechtigkeit. Wer diese Werte mit Füßen tritt, für den ist Julian Assange natürlich ein Feind, der für immer mundtot gemacht werden muss.  Das sollte einem bewusst sein, wenn man sich  in der Sache Assange vorteilsbezogen wegduckt und schweigt.

Helga König

Nachweise: 

Montag, 6. Januar 2020

Helga König: Statt einer Sonntagskolumne erst einmal einige kleine Gedichte zu Jahresbeginn 2020

Tage des Schweigens 
der Stille 
der leise flehenden 
Lieder 
die im Nirgendwo 
verhallen. 
Ungehört. 
(9.1. 2020)

***

Geschehen lassen
was nicht zu ändern ist
Sich um anderes kümmern
oder auch um nichts
wenn die Zeit uns
Ausruhen verordnet
wird sie schon wissen
       warum
Ausruhen heißt nicht Stillhalten
Ausruhen heißt Kraft sammeln
Die Zeit wird schon wissen 
          wofür
(7.1. 2020)

***
   
Tage, an denen man frei atmen kann 
Tage ohne Lärm
Tage voller buntem Leben 
Tage voller Lachen 
Tage voller Herzlichkeit 
Kennt Ihr das? 
Das ist Frieden. 
(7.1.2020)

***

Verlernt
uns zu sehnen
nach der blaue Blume
Viel zu nüchtern
um im Flügelschlag
eines Schmetterlings
Magie zu vermuten 
Kultiviert
die Liebe zur Musik 
die uns Poesie 
und vieles mehr 
geworden ist.
(7.1.2020)

***


Es wird immer
zwischen den Zeilen
mitschwingen
sich mitteilen wollen
auf geheimnisvolle Weise
Unerkannt 
von allen
Zwischen den Zeilen
das Unaussprechliche
das Tabu
stattdessen wartend
erlöst zu werden
(6.1.2020)

***

Seelen
so tief 
in uns verankert 
dass Vergessen 
unmöglich 
Auch 
wenn Jahre 
vergangen
Der Dialog
der Seelen 
endet nicht 
Worüber sie reden?
Über Poesie. 
Worüber sonst? 
Das ist ihr Thema 
Bleibt es für immer.
(6.1.2020)

***

Unser Herz
sich Kitsch verbietend
seit es erwachsen
verliebt sich
völlig unerwachsen
Sich die Liebe verbietend
seit es gekränkt
Unser Herz
das dumme Kind
sich noch immer
nicht kennt 
Bloß nicht
verlachen 
weil es liebt
arglos
wie ein Kind 
errötend
wenn es bekennt
Unser Herz
ein Vogel
mit gestutzten Flügeln
der beweint werden will
Bloß nicht verlachen
Bloß nicht
(6.1.2020)

***

Es gibt Orte 
an denen wir
nicht die werden können
als die wir
gedacht sind
Noch unwissend
werden wir
von ihrem 
gleißenden Licht angezogen
das sich alsbald
als Täuschung erweist
Diese unwirtlichen Orte
Spielwiesen jener 
deren Tun ihr Herz
längst hat versteinern 
lassen (4.1.2020)

***

Lebensabschnitte 
enden
oft mit Trauer
beginnen mit Hoffnung
mit Elan
dem Gefühl
Abgelebtes
endlich
verbannt zu haben
und einem
reizvollen Kribbeln
in den Fingern
vielleicht sogar
mit Herzklopfen 
weil man 
sich plötzlich wieder
jung fühlt 
den Zauber des Neubeginns
spürend.
(4.1.2020)

  ***
Du, der Du 
das Geheimnisvolle liebst
stets behänd fliehst
sobald Du glaubst
es gelüftet zu haben
wirst nie die Liebe entdecken,
-das Geheimnisvolle an sich- 
denn sie ist dort
wo das Licht 
am Hellsten scheint.
Doch Du wähnst
Geheimnisvolles
    ja stets 
im Zwielicht.
(4.1.2020)

Sonntag, 22. Dezember 2019

Sonntagskolumne Helga König, 22.12.2019

In dem wunderbaren Übungsbuch "Wer bin ich", das das Team von "The School of Life" verfasst hat und das ich vor einigen Tagen rezensiert habe, findet man unter anderem die Fragen: "Was würden die folgenden Menschen als Erfolg ansehen? Auf welche positiven Dinge konzentrieren sie sich? 

Ein Großvater 
Ein Krebspatient 
Ein vierjähriges Kind 

Ein Großvater

Die Erfolgsvorstellung eines Großvaters im Hinblick auf seine Enkelkinder, denn darauf scheint der gewählte Begriff  "Großvater" hinzudeuten, sollte meines Erachtens deren charakterliche Entwicklung im Auge haben, ohne allerdings ins elterliche Erziehungsprogramm einzugrätschen.

Ein Großvater sollte seine Lebenserfahrungen seinen Enkeln nach Möglichkeit ungeschönt weitervermitteln, sie vor den Folgen von Unredlichkeit warnen, ihnen auch begreifbar machen, dass sie nur Glied einer langen Kette sind und sich generell allen Familienmitgliedern und darüber hinaus allen Mitmenschen gegenüber fair verhalten sollten. 

Er sollte seinen Enkeln im Speziellen auch verdeutlichen, dass man keine Keile in eine Familie treibt, weil man sich auf diese Weise Vorteile erhofft und dass die Vorstellung von Lieblingsenkeln in einer fairen Familie keinen Platz haben kann. 

Gerechtigkeit und Gleichbehandlung sollten das oberste Prinzip sein, das er und selbstverständlich auch seine Frau vorleben. Als seinen größten Erfolg sollte er begreifen, dass seine Kinder und Enkelkinder dank seines Vorbildes redliche und dabei selbstbewusste Erwachsene geworden sind. 

Ein Großvater sollte darauf achten, dass, sofern er selbst mehrere Kinder hat, diese gut miteinander auskommen, dass alle gemeinsam am runden Tisch, Probleme des Familienverbandes diskutieren und auf Augenhöhe die Probleme zu lösen versuchen. Enkelkinder sollten begreifen, dass sie Teil eines solchen Verbandes sind, in dem Konkurrenzdenken  und Mobbingsversuche nicht erwünscht sind.

Insgesamt sollte ein Großvater sich sehr bemühen, das Grundvertrauen seiner Enkel ins Leben zu stärken. Ein solches Vertrauen entsteht nur dann, wenn man ehrlich und offen zueinander ist. 

Ein Großvater sollte sich bei allem nicht als Patriarch produzieren, sondern seine liebevollen Seiten kultivieren.  Damit überzeugt er am meisten.

Ein Krebspatient 

Der Erfolg eines Krebspatienten besteht meines Erachtens darin, seine Krankheit anzunehmen und alle Möglichkeiten ausfindig zu machen, um wieder gesund zu werden. Ein Krebspatient sollte sich von allem trennen, was ihn krank gemacht hat und sofern noch möglich, neue Wege gehen. Die meisten körperlichen Krankheiten haben seelische Ursachen. Das sollte jedem bewusst sein. Deshalb gilt es für ein stabiles Immunsystem zu sorgen und  jene Menschen, die  schaden, aus seinem Leben zu verbannen.

Ein vierjähriges Kind 

Für ein Kind dieses Alters bedeutet Erfolg meines Erachtens, fröhliche Tage zu erleben, zu lachen, zu spielen und ungestört träumen zu dürfen. Ein vierjähriges Kind hofft, von seinen Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und Verwandten bedingungslos geliebt zu werden und begreift es als Erfolg, wenn alle, natürlich auch seine Spielkameraden (m/w) gerne mit ihm zu tun haben. Um diesen Zustand zu erreichen, muss ein Kind lernen, freundlich und höflich zu sein. 

Wer Sandburgen zertritt, wird von keinem geliebt, wer sie mit aufbaut schon. 

Ein vierjähriges Kind bemüht sich, durch das, was es bereits erlernt hat, anderen Menschen Freude zu bereiten, so etwa zu singen, selbstgebastelte Dinge zu verschenken, eine Geschichte zu erzählen  oder einfach nur freundlich zu sein. 

Aufrichtige Freundlichkeit ist ohnehin ein Schlüssel zur Akzeptanz durch unsere Mitmenschen, die sehr genau spüren, ob jemand nur eine Grimasse schneidet oder tatsächlich Licht verschenken möchte. 

Helga König

Sonntag, 15. Dezember 2019

Helga König- Sonntagskolumne, 15.12.2019

Überbordende Egomanie ist der Motor für mangelnde Empathie und im Speziellen für mangelnde Hilfsbereitschaft. Neid und Missgunst gesellen sich zumeist im Laufe der Jahre bei Egomanen hinzu und machen den Kontakt mit ihnen nicht einfach. 

Da besuchte eine Frau, die von ihrem Ehemann weit mehr als 60 Jahre auf Händen getragen wurde, diesen in seinen letzten drei Lebenswochen nicht ein einziges Mal im Krankenhaus, weil sie ihn nicht mehr sehen wollte, nachdem er ihr sein gesamtes Vermögen vermacht und sie von ihm nichts mehr zu erwarten hatte. Seinen Kummer aufgrund dieses Verhaltens konnte sie nicht wahrnehmen, weil ihr die Sensoren dazu fehlten. 

Ein Vater von zwei noch kleinen Söhnen lachte vergnügt unmittelbar nach der Beerdigung seiner Frau beim gemeinsamen familiären Kaffeetrinken, weil die Verstorbene ihm im kranken Zustand lästig war und ihr Tod ihn nun frei für die bereits neue Bettgespielin machte. Das peinliche Berühtsein der Tischgesellschaft aufgrund seines Verhaltens konnte er nicht wahrnehmen, weil ihm die Sensoren dazu fehlen. 

Ein habsüchtiger, protestantischer Pfarrer nutzte sein Vertrauensverhältnis zu seinem hochbetagten, senilen Großvater aus, beeinflusste ihn, dessen millionenschweres Vermögen heimlich von dessen leiblichen Söhnen weg, zum großen Teil auf ihn zu verschieben und bekannte sich nach mehr als 1 ½ Jahrzehnten zu seinem Tun, nicht etwa weil er sich nun schämte, den Großvater zum Erbbetrug manipuliert zu haben, sondern, weil er sich ärgerte, dass seine Halbbrüder ihm später unverhofft seine Beute weggeschnappten. Auch ihm fehlen die Sensoren, zu erkennen, dass ein solches Verhalten wie er es an den Tag legte- noch dazu für ihn als Pfarrer- einfach abgründig ist. 

Ein anderer Ehemann schaffte es noch nicht einmal, auf der Beerdigung seiner geschiedenen Frau zugegen zu sein, weil er nicht begreifen konnte, dass er für ihren Tod mitverantwortlich ist. Auch ihm fehlen die Sensoren. 

Sein Sohn, der die Mutter zum Tod auf Verlangen hatte bewegen wollen, um sich der Probleme, die  ihre Krankheit mit sich brachten, entziehen zu können, wusste auch nicht, was er da offen propagierte, weil auch ihm die Sensoren fehlen. 

Ein weiterer habsüchtiger, großmäuliger Enkelsohn zog es vor, anstelle bei der Bestattung seines Großvaters zugegen zu sein, durch die Welt zu jetten und seine verblendete Großmutter später, nachdem er sie dazu bewogen hat, ihn zum Haupterben zu machen, in ein Pflegeheim zu verfrachten, um ungestört auf dem familiären Anwesen sein Luxuslotterleben beginnen zu können. Auch ihm fehlten die Sensoren, um zu fragen: Hallo, was mach ich denn da? Das kann doch nicht fair sein? 

Eine andere Frau, die sich ebenfalls jahrzehntelang von ihrem Mann auf Händen tragen ließ, empörte sich als ihr Mann mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus kam, weil er nach ihren Aussagen ihr den Sommer kaputtgemacht hatte. Sie wollte keinen Pflegefall, so ihre Worte und war froh, dass er drei Wochen später die Augen für immer schloss. Dass sie ihren Bruder um dessen Erbe betrogen hat, hat sie schon lange verdrängt. Auch ihr fehlten die Sensoren, um so erkennen, dass ein solches Verhalten einfach unmenschlich ist. 

Zwischenzeitlich wundere ich mich nicht mehr, wenn Menschen ihr egoistisches Verhalten als Selbstverständlichkeit  nehmen, zudem schamlos offenbaren und die abgründigen Motive im Gespräch dann dazu noch mit liefern. Es ist zwecklos, solche Leute daran zu erinnern, dass es unredlich ist, sich so abgefeimt zu verhalten, denn sie begreifen nicht, wovon man spricht.

Den Kontakt zu solchen Personen abzubrechen, halte ich für sinnvoll, denn man kann sie nicht eines Besseren belehren. Es ist ihr Charakter, der sie so agieren lässt. Insofern darf ihnen keinen Raum geben. Man muss sie isolieren. So können sie am wenigsten Schaden anrichten.

Helga König

Sonntag, 8. Dezember 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 8.12.2019

Dieser Tage postete ich als Beitrag zum Thema #zeigthereurehandschrift  nachstehenden Tweet:  

"Mit der Hand zu schreiben, ist eine alte Kulturtechnik, die es vermutlich bald nicht mehr geben wird. Wir sollten bedenken, dass wir dadurch ein wichtiges Dokument individueller Besonderheiten von uns Menschen verlieren. In der Schrift erkennt man noch nach Hunderten von Jahren wie ein Mensch gefühlt hat. Jetzt schaffen wir uns allmählich ab. Wollen wir das tatsächlich?" 

Dieser zeilenbegrenzte Tweet ließ weitere Gedanken zum Thema nicht zu. Es geht ja nicht nur ums Fühlen, sondern auch ums Denken, um gemachte Erfahrungen und den daraus entstehenden Ausdruck der Persönlichkeit.

#Klaus_Pohlmann  twitterte "In Maschinenschrift sehen alle Menschen gleich aus!“ 

Diesen Satz halte ich für bemerkenswert, weil er darauf aufmerksam macht, dass ein Text, der maschinengeschrieben ist, im Grunde keine weiteren Rückschlüsse auf den jeweiligen Verfasser zulässt, als jene, die dem Text zu entnehmen sind. Alles bleibt auf der gedanklichen Ebene. 

Vielleicht kann man sich ja so vorurteilsfreier auf den Inhalt von Texten einlassen und muss den Verfasser nicht zwingend skeptisch mitdenken. 

Kann ein Schüler oder Student mit einem bedenklich infantilen Schriftbild tatsächlich diesen hochgeistigen Text geschrieben haben, der einem Lehrer oder Dozenten zur Korrektur gerade vorliegt? Würde der gleiche Text in Maschinenschrift besser benotet werden? Wie beeinflussbar sind wir in unserer Bewertung überhaupt?

Bei einem Liebesbrief schwingt in handgeschriebenen Zeilen ohnehin etwas mit, was man im maschinengeschriebenen Text nicht erfassen kann. Es ist beinahe so als würde man einem Menschen gegenübersitzen und ihm in die Augen blicken. 

"In  Maschinenschrift sehen alle Menschen gleich aus!" Auf diese Weise werden persönliche Briefe beliebig, können wiederverwendet und an weitere Adressaten verschickt werden. Ein handgeschriebener Brief ist eine Momentaufnahme, weil das im Briefkuvert enthaltene über den reinen Text hinausgeht, im Schriftbild nämlich den wahren seelischen Zustand des Schreibers im Moment des Verfassens der Zeilen offenbart. 

Sein Schriftbild im Netz zu zeigen, ist ein Wagnis, denn es bedeutet ist in heutigen Zeiten weit mehr, als sich öffentlich nackt auszuziehen. Es ist eine Mutprobe der besonderen Art, die nicht nur beweist, dass wir die alte Kulturtechnik noch beherrschen, sondern auch, dass wir unverkrampft mit unseren Stärken und Schwächen umgehen können, sie anderen freundlich hinhalten und entspannt bekunden: "Schau her, das bin ich. Manchmal stark, mitunter schwach. Egal nun wie: Es gibt mich wirklich." 

Viele alte Kulturtechniken sind uns bereits verloren gegangen. Wir sollten unsere Schrift retten, denn  ohne sie verlieren wir einen wesentlichen individuellen Ausdruck unserer Persönlichkeit und können, wenn wir durch die Maschinenschrift nun alle gleich ausschauen, das Denken dann auch alsbald den Maschinen überlassen.  

 Helga König