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Sonntag, 30. Juni 2019

Sonntagskolumne Helga König-

Schreibpause in der Rubrik Sonntagskolumnen  aufgrund des derzeitigen Zustandes meiner  hochbetagten,  kranken Mutter, die momentan sehr viel Pflege braucht. 

Danke allen Lesern (m/w) für das Interesse an meinen Texten.

Herzlichst Helga König

Sonntag, 23. Juni 2019

Sonntagskolumne Helga König, 23.6.2019

Gesunde und dabei delikate Ernährung ist die Basis für körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden. 

Seit ich meine 88 jährige, an Diabetes erkrankte Mutter bekoche und ihre Zuckerwerte nach einem Jahr sich erfreulich zum grünen Bereich hin stabilisiert haben, sie kein Insulin mehr braucht, sondern nur noch eine milde Pille, unternehme ich Tag für Tag bei meinen Einkäufen in hiesigen Verbrauchermärkten Studien, in welchen Produkten versteckter Zucker vorhanden ist, denn dieser ist der Feind aller Diabetiker.

Bereits Kinder werden mit Zucker und zuckerhaltigen Produkten und Lebensmitteln, die Fruktose, Glukose, Maltose etc. enthalten, seit vielen Jahren schon seitens der Lebensmittelindustrie vollgepumpt und müssen die Folgen der Fehlernährung oft schon in der Pubertät ausbaden. 

Zucker macht süchtig. Einmal an der Droge, will der Körper immer mehr davon. 

Das Zusammenwirken von Lebensmittelindustrie, Pharmaindustrie und Politik ist nicht nur in diesem Bereich skandalös und muss weitaus häufiger als bisher seitens der Medien kommuniziert werden. 

 Foto: Helga König
Dabei ist es nicht einmal besonders schwierig, so zu kochen, dass der Körper schon nach wenigen Wochen nicht mehr nach Zucker schreit. Die Lust auf Süßes gerät nach circa 8 Wochen in Vergessenheit, wenn man dem Gaumen etwas anderes anbietet, beispielsweise interessant gewürzte Speisen, wie etwa mediterran angemachte Salate und Gemüsegerichte, in denen Kräuter und spezielle Gewürze  für Aha-Erlebnisse sorgen.

Kochen mit kaltgepressten Ölen, ein moderater Umgang mit Butter lassen nach meinen Erfahrungen die Cholesterinwerte nicht hochschnellen, gleichwohl tun dies jedoch Transfette, die man tunlichst vermeiden sollte. Das meiste sogenannte Knabberzeug, Industriebackwaren, fertige Pommes frites und Co. sowie tausend andere Lebensmittel sind vollgesogen damit. Dazu enthalten sie versteckte Zucker und Geschmackverstärker, die auf Dauer krank machen können. #Glutamat gehört ähnlich wie #Zucker auf die Tabu-Liste.

Ein moderater Umgang mit Fleisch- und Wurstwaren senkt bekanntermaßen die Gefahr herzkrank zu werden oder #Darmkrebs zu bekommen. Den Tieren zuliebe sollte man zudem beim Kauf auf artgerechte Tierhaltung achten. Diese wird bei Bio-Fleisch garantiert. 

#Biofleisch aus #Manufakturen ist zwar etwas teurer, doch allemal besser und gesünder als die Produkte dubioser Herkunft in Verbrauchermärkten. Nicht ohne Grund stellen wir immer wieder auf "Buch, Kultur und Lifestyle" kulinarische Produkte aus sehr guten Manufakturen vor und ich poste zudem bewusst Fotos von den Zubereitungsergebnissen in den sozialen Netzwerken, um zu verdeutlichen, dass kreatives, gesundes #Kochen Spaß machen kann, man dadurch nicht zum Hausmütterchen mutiert. 

Sich ausgiebig mit Lebensmittel-Warenkunde zu befassen, ist das A und O, wenn man selbst kochen und nicht pausenlos hierzu ein Kochbuch zur Hand nehmen möchte. Diesbezüglich gibt es hervorragende Warenkundebücher, zudem kann man sich im Internet unter den einzelnen Stichworten mittlerweile bestens informieren.  Beispiel: Ingwer

Wer Probleme mit der Figur hat, sollte  ähnlich wie Diabeteserkrankte auf #Weißmehl, #Zucker und #Transfette gänzlich verzichten. Das kann man nicht oft genug wiederholen. #Kalorienzählen war gestern, Verzicht auf W/Z/T  ist der Tipp, der zu  wirklich guten Ergebnissen führt.

Eine #Pasta auf der Basis von #Hartweizengrieß (al dente gekocht) treibt die Zuckerwerte nicht hoch und macht ganz nebenbei auch nicht dick. Dazu ein Glas trockener Wein und der Genuss ist perfekt.

Das Geheimnis von #Genuss ist: "von allem nicht zu viel". Das weiß man eigentlich seit alters her, doch die Zuckerindustrie versucht dies  aus Eigeninteresse vergessen zu machen. 

Kinder in der Hitze mit Eis zuzustopfen, weil Discounter dies  gerade billigst anbieten und die Kleinen ruhig stellt, ist ein schwerer Fehler, der sich später rächt. 

Ein Dessert aus frischen, gekühlten Früchten und dazu ein Frage- und Antwortspiel über die Geschmacksnoten ist ein gelungener Beitrag zur #Esskultur, den Ihre Kinder Ihnen später danken werden.

#Esskultur findet man übrigens dort, wo die #Lebensmittelindustrie keinen Zugang hat.


Helga König

Sonntag, 16. Juni 2019

Sonntagskolumne Helga König: 16.6.2019

Ich begreife nicht, dass es keine Gesetze gibt gegen solche Abscheuliche, Unedle!« (Leo Tolstoi, Anna Karenina)

Alle, deren Denken, Fühlen und Handeln humanistisch ausgerichtet ist, begreifen Verhaltensmuster, die dazu dienen, sich auf unlautere Art Vorteile zu verschaffen oder abgefeimte Boshaftigkeiten auszuleben als unedel und abscheulich. 

Unedle sind niemals aus tiefsten Herzen hilfsbereit und Abscheuliche weiden sich am Unglück anderer.

Mir sind in meinem bisherigen Leben immer mal wieder besonders egoistische und dazu noch sehr boshafte Personen begegnet, die ihr Umfeld in eine Hölle verwandelt haben. Solche Menschen  haben eine auffallende Gemeinsamkeit: Sie werden mit zunehmendem Alter immer häufiger aus Gemeinschaften ausgeschlossen, dadurch vereinsamen sie immer mehr, lernen daraus aber nichts und werden stattdessen immer unausstehlicher. 

Unedlen und Abscheulichen gelingt es nicht selten, sich ein Leben lang am Rande der Legalität zu bewegen, sodass sie für ihr Verhalten gerichtlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. 

Oft verhalten sich solche Menschen despotisch zu ihren Kindern oder vernachlässigen sie, weil ihr Eigeninteresse im Vordergrund steht. 

Boshafte Personen, die über andere gerne Lügen verbreiten, ihnen hinterhältig Schaden zufügen, sich ihr gesamtes Leben hindurch immer wieder neue Opfer suchen, bekommen im Alter fratzenhafte, hässliche Züge, auch unedler Hochmut entstellt im Laufe eines langen Lebens die Physionomie auf geradezu erschreckende Art. 

Vor ein paar Wochen sprach ich mit einer 95 jährigen Frau, die sich ihr gesamtes Leben karitativ betätigte und die mir vor vielen Jahren schon wegen ihres milden, liebevollen Lächelns aufgefallen war. Natürlich hat auch sie wie alle Menschen in diesem biblischen Alter Falten, dennoch verfügt sie nach wie vor  über eine  beeindruckende, wunderschöne, engelsgleiche Ausstrahlung. 

An Tagen, wo man auf sehr Unedle oder gar Abscheuliche trifft, ist es sinnvoll, sich solche  besonders liebevollen, uralten Menschen vor dem geistigen Auge zu vergegenwärtigen und sich bewusst zu machen, dass es nicht nur boshafte Egomanen auf dieser Welt gibt. 

Von Albert Schweitzer stammt das Zitat: "Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit 40 das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat, und mit 60 das Gesicht, das er verdient." 

Seit ich im Alter von 20 Jahren Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" gelesen habe, habe ich Menschen und ihre Veränderungen im Gesicht im Laufe ihrer Lebensjahre mit größtem Interesse beobachtet und bin  mittlerweile zum gleichen Ergebnis wie Albert Schweitzer gelangt. 

Dieser Humanist artikuliert in seiner Sentenz ein essentielles #Lebensgesetz und beantwortet damit den Gedanken Leo Tolstois unmissverständlich: Doch, doch, es gibt ein Gesetz, dem sich keiner entziehen kann.  

Helga König

Montag, 10. Juni 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 9.6.2019

"Je mehr wir soziale Medien nutzen, desto weniger sozial verhalten wir uns!" sagte Papst Franziskus in seiner diesjährigen Pfingstpredigt. 

Ist das tatsächlich so? 

Obschon ich in vielen Belangen die Meinung des derzeitigen Oberhauptes der katholischen Kirche teile und ihn aufgrund seines Engagements in puncto Mitmenschlichkeit sehr bewundere, bin ich in diesem Fall anderer Ansicht. 

Welche Motive haben Menschen, die anderen übel nachreden, sie beleidigen, sich rüde verhalten, die hinterhältig und gemein sind, deren Tagesbeschäftigung im Mobben ihrer Mitmenschen zu liegen scheint? 

Ist es Langeweile? Missgunst? Neid? Wollen sie eventuell Aufmerksamkeit durch negatives Verhalten erheischen?

Es kann dieses oder etwas völlig anderes sein. Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden. Ganz gewiss aber ist es nicht so, dass das häufigere Nutzen der sozialen Medien uns unsozialer werden lässt. Im Gegenteil. 

Sehr viel soziales Engagement entsteht erst, indem mittels bestimmter Accounts Bewusstsein geschaffen wird, sei es für Menschen- und speziell auch für Kinderrechte, für die Umwelt, den Tierschutz und so vieles andere mehr. 

Nicht wenige hochbetagte User finden in den sozialen Medien eine Chance mit jungen Menschen zu kommunizieren, die ihnen anderenorts verwehrt bleibt. Auch depressive User und Suizidgefährdete  werden, wenn sie sich outen, aufgefangen. Keineswegs nur von den vielen Pfarrern und Psychologen, die hier im Netz aktiv sind.

Will einer im Netz aus Konkurrenzgründen einen oder mehrere andere unsozial aus dem Feld räumen?

Nirgendwo habe ich online schlimmere #Mobber und #Stalker als auf der Verkaufsplattform von #Amazon erlebt. Die Ursache dort war ein krankhaftes Konkurrenzgebaren unter den Rezensenten aber auch unter Autoren, die teilweise keine Probleme hatten, mit sehr unlauteren Mitteln sich Vorteile zu verschaffen,  ganz so wie im nicht-virtuellen Leben, sei es im Beruf, in Vereinen oder in Familien. Im Netz wird ein solches Verhalten nur offensichtlicher. 

Die egoistischen Charaktere, die zu unsozialem Verhalten neigen, bilden sich allerdings nicht erst online heraus. 

In den sozialen Medien geht es jedoch nicht um Ränge, sondern, wenn überhaupt, um Meinungen, die ausgetauscht werden. Natürlich kann man - wie im normalen Leben-   auf einen Rechthaber (m/w) treffen, der einen Streit vom Zaun bricht, wenn er meint, das Gespräch nicht dominieren zu können. Wer klug ist, geht auf den Streithahn oder alternativ die Streithenne nicht ein, sondern bricht einen solchen Dialog charmant ab, ohne dass der Streitsüchtige (m/w) sein Gesicht verliert. 

Merke: Wer sein Gesicht verliert, kann im Netz  rasch zum Mobber mutieren. Deshalb auch Vorsicht mit Ironie.

Wer sich in den sozialen Netzwerken schon etwas länger aufhält, weiß wie er mit Trollen umzugehen hat und lernt das Gesetz der Anziehung zu begreifen. Wir sind es, die die Algorithmen füttern und als Ergebnis nette oder weniger freundliche Zeitgenossen serviert bekommen, mit denen wir in Resonanz gehen oder es alternativ lassen können. 

Die sozialen Medien zeigen uns Fehler in unserem Verhalten sehr rasch auf, lehren uns, wie man sich Feinde schafft, wie man Freund gewinnt, wie man ein geselliges Miteinander pflegt und was man tun muss, um in Isolation zu geraten. 


Helga König

Sonntag, 2. Juni 2019

Sonntagskolumne, Helga König, 2.6.2019

"Blumen sind das Lächeln der Erde" Ralph Waldo Emerson (1803 - 1882), amerikanischer Philosoph und Schriftsteller 

Jetzt im Frühling nimmt man allerorten dieses Lächeln wahr, wenn man aufmerksam den Blick auf die Natur lenkt. In einigen Gärten und auf Terrassen blüht es wie vor Jahrzehnten noch üppig, doch auf den Balkonen sieht man neuerdings seltener Blumenkästen, was möglicherweise der Fluktuation der berufstätigen Bewohner geschuldet ist. 

Mitunter blüht auch auf Gehwegen das ein oder andere Blümchen und an manchen Orten werden für die #Bienen im März bereits #Wildblumen gesät. Doch noch immer gibt es nicht wenige Ignoranten, die in ihren Gärten pflanzenundurchdringbare Planen auslegen und mit Kieselsteinen beschweren, weil ihnen gärtnerische Tätigkeiten zuwider sind und sie nicht wissen, was sie da eigentlich betreiben. 

 Foto: Stadtwurzel @stadtwurzel
Es fällt auf, dass immer weniger junge Menschen, wenn man sie spontan befragt, seltenere Blumen beim Namen kennen. Bei den Wiesen- und Feldblumen sind es zumeist der #Mohn, die #Margeriten und die #Kornblume, die ältere User posten und auf diese Weise noch ins Bewusstsein jüngerer Menschen rücken, doch #Wundklee und #Kartäusernelken findet man nicht gerade häufig als Post in den sozialen Netzwerken. Sie werden nicht beachtet, möglicherweise weil der Blick zumeist auf dem Smart- oder I-Phone haftet, wenn  ein Mensch auf der angeblichen Höhe seiner Zeit, sich zu Fuß außer Haus bewegt. 

Fragt man Leute, die an Samstagen auf dem Fußweg  vor ihren Häusern  oder Wohnungen kauern und von dort Pflanzen geradezu besessen entfernen oder diese abflämmen, ob sie wüssten, was sie da eigentlich zupften, erhält man entnervt die Antwort: UNKRAUT. 

Deutet man dann beispielsweise  schweigend auf das #Hirtentäschel, das gerade mit der Wurzel herausgerissen wurde und zeigt auf die herzförmigen Schötchen, schauen manche betreten auf die Erde, vielleicht ein Zeichen, dass sie das schlechte Gewissen plagt. 

Wertschätzung von Pflanzen und Blumen setzt voraus, dass man sie kennt und auch begreift, weshalb die Natur sie hervorgebracht hat. 

Britische Autoren legten bereits 2015 Beschwerde an der Oxford University Press ein, weil in diesem Verlag bei einer Überarbeitung des dortig herausgegeben Kinderwörterbuches Dutzende Wörter gestrichen wurden, die mit Natur und Landleben in Beziehung stehen, so etwa die "Butterblume", der "Klee" aber auch die "Brombeere" stattdessen wurden Wörter wie "Blog, "Chatroom" und "BlackBerry", das ist ein Mobiltelefon des gleichnamigen Herstellers, aufgenommen. 

Wie man bei Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer nachlesen kann, mangelt es heutzutage in der Literatur, auch in der Musik und im Kino an naturbezogenen Wörtern. Als Grund wird die Urbanisierung und Medialisierung genannt.*

Lobenswert sind Twitter-Accounts wie etwa der Schweizer Account "Stadtwurzel", eine Informationsplattform für '#Urban_Gardening" oder auf gut Deutsch, Gärtnern in der Stadt und mehr, dessen Posts man immer wieder verlinken sollte, weil sie Bewusstsein schaffen. 

Vielleicht wandert der Blick des ein oder anderen Smartphone-Users beim Gehen daraufhin doch auf #Blumen und  #Pflanzen und sei es auch nur, um sie abzulichten und zu posten. Die Entfremdung ist mit diesem Schritt jedenfalls durchbrochen und die Chance zur Kultivierung eines grünen Daumens gegeben. Eine solche Chance sollte sich keiner entgehen lassen.

Helga König

* Manfred Spitzer "Die Smartphone- Epidemie"

Samstag, 25. Mai 2019

Sonntagskolumne Helga König, 26.5.2019

Das Video zur #Europawahl_2019 von #Rezo habe ich mir zweimal angehört. Der Youtuber argumentiert sehr intelligent und belegt seine Aussagen wissenschaftlich, ist also kein Schwätzer. Pädagogisch vermittelt er sein Anliegen bestens, weil er locker und ironisch rüberkommt. Indem er die Sprache seiner Zielgruppe spricht, versteht diese ihn auch problemlos. Ohne gelangweilt zu sein, können junge Menschen ihm deshalb fast eine Stunde folgen.

Nun aber ist das Video in aller Munde. Rund zehn Millionen Seitenaufgriffe bislang sorgen für Aufregung. Wie wird sich die Analyse Rezos, die weit entfernt von Demagogie ist, hierzulande auf die Europawahl auswirken? 

Mit Staunen las ich in der FAZ "Das Werk des Youtubers "Rezo" reiht sich da nahtlos in die neue Form von Propaganda ein, die der rechtspopulistische Drang nach "Wahrheit" und "Freiheit" geschaffen hat. Nur handelt es sich in diesem Fall um ein links populistisches Machwerk – und schon heißt es, wie toll es doch sei, dass sich die Jugend in Deutschland mit Politik beschäftige."*

Das Video, ohne nachvollziehbare Begründung als "linkspopulistisches Machwerk" zu diffamieren, zeigt, dass der FAZ-Autor Probleme hat, inhaltlich den Aussagen Rezos etwas entgegenzusetzen. Rezo hat an keiner Stelle seines Videos Politiker pauschal als "dumm, inkompetent, korrupt und verlogen"** dargestellt. 

Er zeigt allerdings Widersprüchlichkeiten in deren Aussagen auf und belegt diese sorgfältig. 

Wieso ist die Aufregung also so groß?

Der Volksmund sagt: "Getroffener Hund bellt."

Weiter liest man in besagtem  FAZ-Artikel der Ton in den sozialen Netzwerken sei gnadenlos, unerbittlich, ohne Anstand und Hemmschwelle. Mit "Diskurs" habe das alles nichts zu tun. Es gehe ums Niedermachen, um Nachtreten und – um Zerstörung Argumente gegen das Video würden da nicht weiterhelfen – sie würden niedergebrüllt. ***

Argumente gegen das Video würden gewiss weiterhelfen, wenn sie hieb- und stichfest das Gegenteil beweisen könnten. Solche Argumente scheinen aber nicht auf die Schnelle aus dem Ärmel gezaubert werden zu können. Zaubern war halt noch nie einfach. So bleibt eben nur ohnmächtiges Schimpfen. 

Wer Unrecht und Fehlverhalten benennt, macht nicht nieder, tritt nicht nach, zerstört auch nicht, sondern möchte Zerstörung aufhalten, möchte aufrütteln, einen vernünftigeren Weg zu gehen. Dieser ist möglich, am runden Tisch mit kompetenten, nicht korrupten Wissenschaftlern, und ebensolchen Politikern, aber auch mit jungen, intelligenten Menschen, speziell wenn es um die Lösung von Problemen geht, die deren Zukunft betreffen. 

Einander ernst zu nehmen, ist oberstes Gebot. Arroganz ist kein guter Berater. Reife Menschen sollten das wissen.

Im digitalen Zeitalter ist es nur normal, wenn digital aufgeklärt wird, denn nirgendwo sonst erreicht man so viele Menschen wie im Internet. Dabei sind die Klickzahlen weniger aufschlussreich, als die  Seitenaufrufe.

Wer für ein friedliches Europa wirbt, in dem die Menschen langfristig noch atmen können und die Natur nicht zerstört ist, kann kein Demagoge sein, wohl aber ein Humanist und ökologisch denkender Mensch. Solchen Menschen vertraut man die Zukunft gerne an, mit ihnen setzt man sich doch gerne an einen runden Tisch, oder?

Helga König

Samstag, 11. Mai 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 12.5.2019

Jährlich am 2. Sonntag im Mai wird der "#Muttertag" gefeiert. Dieser Brauch zu Ehren aller Mütter entstand Anfang des letzten Jahrhunderts in den USA. Dort ist dieser Tag seit 1914 Staatsfeiertag. 

In Deutschland feierte man den Muttertag erstmals im Jahre 1922. Damals wurde er als Tag der Blumenwünsche zelebriert. 

Dass die Nazis den Muttertag mit der Idee der "germanischen Herrenrasse" verbanden, gibt ihm noch heute einen ziemlich negativen Beigeschmack. Damals wurden besonders kinderreiche Mütter als Heldinnen des Volkes gefeiert, weil sie den "arischen Nachwuchs" fördern sollten. So manipulierte man die Frauen zum Kinderkriegen, um genügend "Menschenmaterial" in Kriegszeiten zum Verheizen zu haben. 

1933 wurde der Muttertag zum öffentlichen Feiertag erklärt und erstmals am 3. Maisonntag 1934 als "Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter" mit der Einführung des Reichsmütterdienstes in der Reichsfrauenführung begangen. Diese "Mütterweihen" wurden in Konkurrenz zu christlichen Feiern auf sonntags um 10 Uhr angesetzt. 1938 dann wurde zudem das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter eingeführt. Dieses wurde 1939 am Muttertag erstmals verliehen*

Dass man die kultische Verehrung der Mutter, wie in der NS-Zeit üblich, zwischenzeitlich ad acta gelegt hat, ist sehr lobenswert, doch dass der Tag weiterhin ein gewinnversprechendes Event für den Kommerz ist, lässt sich nicht gerade bejubeln, bei all dem Kitsch, der genau für diesen Tag produziert wird. Muttertagsherzen soweit das Auge reicht. 

Jeder weiß, dass die Herzform hauptsächlich als Symbol für die Liebe gilt, kleine Kinder deshalb bereits begeistert Herzchen malen und diese mit roten Strahlen zum Leuchten bringen wollen. Dass liebende Herzen leuchten müssen, ist im kollektiven Bewusstsein seit Jahrtausenden gespeichert.

Doch ein gekauftes Kuchenherz mit rotem Zuckerguss ersetzt keine innige Umarmung und um diese geht es doch schließlich am Muttertag, oder? 

Auf Twitter sind seit Freitag bereits immer wieder Kuchen in Herzform gepostet worden und auch rote Rosen ganz ähnlich wie am Valentinstag. LIEBE ist eben mehr als ein Wort. Doch LIEBE ist nicht Kuchen.

Kinder müssen sich sehr verändert haben, wenn sie ihren Müttern solche Geschenke als Dankeschön machen wollen. . 

Wie sehr hat der Kommerz  die  kleinen Mädchen und Jungs mittlerweile im Griff?

Ich entsinne mich noch sehr gut als meine Lehrerin im dritten Schuljahr uns Kindern davon erzählte, wie sie selbst als kleines Mädchen Wiesenschaumkraut zum Muttertag pflückte, den Stuhl ihrer Mutter mit den Blüten schmückte und ihr voller Freude einen dicken Strauß dieser selbstgepflückten Blumen zum Ehrentag schenkte.  Ihre Botschaft war eindeutig. 

Die Lehrerin war zu diesem Zeitpunkt hoch schwanger, ging wenige Tage später in Schwangerschaftsurlaub. Sie strahlte eine unvergessliche Ruhe aus. Ich bin mir sicher, dass aus ihr eine sehr gute Mutter geworden ist, die ihren Kindern das vermitteln konnte, worum es im Leben eigentlich geht: um Herzenswärme. 

Diese Grundschullehrerin  sah ich danach nie mehr, doch genau wegen dieser Geschichte ist sie in meiner Erinnerung verblieben, denn sie vermochte in wenigen Worten zu vermitteln, worum es am Muttertag geht:  Der Mutter Freude zu schenken und sich bei ihr zu bedanken. 

Kommerz sollte außen vor bleiben, wenn Kinder in Sachen Liebe fürs Leben etwas lernen sollen.

PS: Es gibt nicht wenige Kinder, die nicht das Ergebnis von Liebe, sondern stattdessen von bloßem Sex oder gar Berechnung sind. Kinder, die vom ersten Lebenstag Ablehnung verspürten und von ihren Müttern belogen und betrogen wurden. Dankbar am Muttertag? Ja, den liebenden Müttern.

Helga König

* Wikipedia Muttertag


Sonntag, 5. Mai 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 5.5.2019

"Der Zustand der Dankbarkeit ist der Vorhof zum Paradies. Sagt er." 

Diese Sentenz von #Raimund_Schöll ließ mich gestern innehalten. Ich fragte mich: Wann befindet man sich im Zustand der Dankbarkeit? Wie schaut der Vorhof zum Paradies aus? 

Wikipedia definiert "Dankbarkeit* ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird. Man kann dem Göttlichen, den Menschen oder sogar dem Sein gegenüber dankbar sein, oder allen zugleich."

Wenn man das Paradies als einen Ort der Glückseligkeit definiert, so dürfte der Vorhof dazu, ein Ort sein, der uns zumindest innere Zufriedenheit schenkt. 

Mir sind einige Male in meinem bisherigen Leben Menschen begegnet, die gänzlich undankbar waren und zwar tatsächlich allen ihren Mitmenschen gegenüber. Gemeinsam war allen eine unendliche Habgier, ein Phänomen, mit dem ich mich seither intensiv auseinandergesetzt habe. 

Alle betrachteten es als eine Selbstverständlichkeit, dass andere für sie ihren persönlichen Wohlstand mehrten, ihre Lebensenergie für sie verausgabten und ihnen immer und immer mehr zu Füßen legten. Allen gemeinsam war eine latente Übellaunigkeit, Hochmut und ein Mangel an Wertschätzung Dritten gegenüber

Keinen dieser armseligen Personen habe ich jemals wirklich herzlich lachen sehen und für alle war es undenkbar, aus tiefster Überzeugung DANKE zu sagen, weder im Hinblick auf kleine noch auf große Geschenke. Der Grund war, dass sie letztlich nicht verstanden haben, was eine Geschenk, bzw. eine Gabe ist, weder im materiellen noch im immateriellen Sinne. 

Von allem das größte Stück, möglichst natürlich alles, von allem das Allerbeste, davon möglichst immer mehr, dazu ewige Gesundheit und ewiges Leben als Selbstverständlichkeit für sie ganz allein, auch wenn der Rest sich völlig verausgaben und am Hungertuch nagen würde… Das ist das Prinzip dieser Haltung, das in unserer Gesellschaft übrigens häufiger vorkommt als man gemeinhin annimmt. 

Zufriedenheit gibt es bei diesem Personenkreis oder anders formuliert, bei dieser charakterlichen Deformation nicht, stattdessen ist ein nicht enden wollender Neid feststellbar. Genau dieser Neid  ist der Zustand im Vorhof der Hölle, wenn man die Hölle als Ort unstillbarer Süchte begreift, die die sich selbst dorthin Verbannten täglich erleiden müssen, dann dort allerdings andere dafür hassen, weil diese, gleichgültig wie viel sie ihnen schenken, ihre Süchte niemals befriedigen können. 

Die Erwartungshaltung dieser extrem infantilen Menschen ist riesengroß und ihre Dankbarkeit gleich Null. Wer je solche Charaktere erlebt hat, weiß um das Glück dankbar sein und wertschätzen zu können, weiß wie schön es ist, mit anderen im Dank verbunden zu sein, weiß wie zufrieden es macht, die Leistungen und Geschenke, z. B. ein gütiges Lächeln, anderer, sichtbar anzuerkennen, sich darüber zu freuen und sich dafür vor allem auch ehrlich zu bedanken. 

Nichts auf dieser Welt ist selbstverständlich. 

Paradiesische Zustände sind stets das Ergebnis einer Gemeinschaftsleistung. 

Egibt nur einen Grund, weshalb einige wenige oder gar nur ein Mensch annehmen können, dass sie das, was die Gemeinschaft oft über Generationen geschaffen hat, für sich alleine haben und sogar undankbar mit Füßen treten können, indem sie, sofern sich die Gelegenheit bietet, die Ressourcen aller sinnlos verbraten, um ihren Größenwahn und ihre Gier auszuleben. Dieser Grund ist ihre verantwortungslose Infantilität, ihre Unreife als Mensch, selbst im hohen Alter noch, ihre Verweigerung sich tatkräftig und verantwortungsbewusst in die Gemeinschaft einzubringen, kurzum ihre selbstverschuldete Unmündigkeit.

Wer nur nehmen und nicht geben will, selbst ein Dankeschön oder ein kleines Lächeln anderen versagt, hat vom Menschsein nichts begriffen, für den ist der Vorhof des Paradieses nirgendwo zu finden, er bleibt unzufrieden bis ans Ende seiner Tage. 


Helga König

Wikipedia:

Sonntag, 28. April 2019

Sonntagskolumne Helga König, 28.4.2019

Die Schwedin Alice Marianne twitterte vor ein paar Stunden ein Werk des Malers und Illustrators #Norman_Rockwell (*3. Februar 1894 in New York; †8. November 1978 in Stockbridge, Massachusetts). 

Der Titel des Bildes lautet "Girl Running with Wet Canvas". Gemalt hat es der amerikanische Künstler im Jahr 1930. Da ich über Norman Rockwell bislang nichts wusste, habe ich mich zunächst auf die Schnelle bei Wikipedia über ihn informiert und bei Google Bild einige seiner Werke angeschaut. 

Im Zeitraum von 40 Jahren hat Rockwell insgesamt 322 Titelbilder für die Wochenzeitschrift "Saturday Evening Post" kreiert und allein schon deshalb einen hohen Bekanntsheitsgrad in den USA erlangt. 

 Norman Rockwell | 1894-1978
Girl Running with Wet Canvas | 1930
Bildnachweis: https://twitter.com/_Emmet_Emmet
Mir geht es bei meiner heutigen Kolumne nicht darum, mich mit der Biografie des Künstlers zu befassen oder darüber zu befinden, ob viele seiner Bilder tatsächlich kitschig waren oder aber auch nicht, sondern ich möchte mich nur mit dem geposteten und hier eingebundenen Bild beschäftigen, das mich spontan sehr angesprochen hat und dazu bewegte, inne zu halten und mich mit der Geschichte, die das Motiv erzählt, ein wenig zu befassen. 

Wir sehen eine junge Frau mit Nickelbrille, vermutlich eine Kunststudentin, deren farblich wunderbar aufeinander abgestimmte Kleidung und die Schuhe auf die Jahreszeit verweisen, die auf ihrem gemalten Bild, das sie in der rechten Hand trägt, dokumentiert wird. Es ist Frühling. 

Die junge Frau hatte sich schon am Vormittag mit ihrem Malzeug und der Staffel für die Leinwand in die Natur begeben, weil sie das Blütenmeer in hellen Farben festhalten wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich schon vorgenommen auf die Farbe Grün fast völlig zu verzichten, um auf diese Weise intensiv dem Licht zu huldigen, ganz so wie es einst die Impressionisten vor ihr taten. 

Norman Rockwell verrät durch die Rocklänge und die Frisur der jungen Malerin, dass  sie wenige Jahre  vor dem 1. Weltkrieg das Licht der Welt erblickte, in einer Zeit vollkommen anderer Stilrichtungen also aufwuchs.

Der Betrachter (m/w) vermutet vielleicht, dass die Künstlerin sich nun zu Anfang ihres Studiums in einzelnen Stilrichtungen üben wollte, um diese inhaltlich und von den Farben her im Detail besser nachvollziehen zu können und beginnt sich in die junge Frau und ihr Bild hineinzuversetzen.

Der zunächst sonnige Frühlingstag schien wie geschaffen für ein impressionistisches Bild, auf dem Azur und Weiß als Farben dominieren, unterbrochen von nur wenigen helllindgrünen Flächen. Das Werk war bereits vollendet als die junge Frau von einem Regenschauer überrascht wurde, denn wie man sieht, gibt es auf ihrem Gemälde noch keine grauen Wolken. 

Vielleicht wollte die Malerin ihr Werk noch ein wenig trocknen lassen und betrachtete es - in Künstlerträumereien versunken- verliebt, weil es ihr stilistisch sehr gut gelungen war. Damit konnte sie sich an der Kunstakademie sehen lassen.

Träumen kann gefährlich werden, wenn man dabei das, was um einen herum geschieht, vergisst. 

Als die junge Frau den Regen auf ihren Händen spürt, ist sie endlich erwacht und läuft mit der nassen Leinwand in ihrer rechten Hand im Eilschritt nach Hause, in der Hoffnung ihr Werk retten zu können. Ob es ihr gelungen ist, wissen wir nicht. 

Was wir aber  wissen,  ist, dass Norman Rockwell es für sie rettete,  indem er es in die Geschichte der jungen Künstlerin, die er auf seinem Werk erzählt, verewigt hat und sich auf diese Weise als Menschenfreund outet. 


Helga König

Freitag, 19. April 2019

Helga König, Sonntagskolumne 21.4. 2019

#André_Niedostadek twitterte am 16. April nachstehende Sätze: "Was diese Tür in #Halberstadt vielleicht alles für Geschichten erzählen könnte?! Von all den Leuten, die über die Türschwelle gegangen sind. Von Freude und Leid. // Licht und Schatten liegen oft nahe beieinander. An diesem sonnigen Morgen zeigt sich das eindrucksvoll ..." und postete dazu das Foto, das ich in meine heutige Kolumne eingebunden habe. 

Diese Tür macht neugierig, weil von innen offenbar irgendwann Holzbretter angenagelt wurden, um sie zu stabilisieren oder den Haupteingang des unbewohnten Hauses vor Einbrechern zu sichern. Das Glas in den kleinen Fensterchen ganz oben scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Man hat es nicht erneuert. Weshalb nicht?

Die beiden Klingeln rechts deuten darauf hin, dass dort zumindest bis vor einiger Zeit noch Menschen gewohnt haben, auch das Bks-Schloss gut eine halbe Armlänge oberhalb des uralten Schlosses unter dem Türgriff sagt dies aus. Ob es sich um ein Fachwerkhaus handelt, kann man nur vermuten. Die Türschwelle aus Holz, sieht ganz danach aus. Weshalb ist dieses Haus noch nicht saniert worden?

 Foto: André Nidostadek
Halberstadt gilt als das Tor zum Harz. Der Ort ist weit mehr als tausend Jahre alt und war einst der Hanse angeschlossen, d. h. dieser Handelsplatz war demnach recht wohlhabend. Die Innenstadt wurde zu Ende des 2. Weltkriegs zu 80% zerstört, konnte ich Wikipedia* entnehmen und auch, dass die Fachwerkhäuser in der Altstadt, die die Bombenangriffe überlebt hatten, zu DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben wurden. Das dürfte auch das Schicksal des hier fokussierten Hauses gewesen sein. Ab 1990 dann wurde die Altstadt restauriert, allerdings scheint dieser Vorgang noch nicht abgeschlossen zu sein. 

Die Tür des Hauses, das André Niedostadek fotografiert hat, lässt vermuten, dass hier noch viel investiert werden muss. Vielleicht streitet sich eine Erbengemeinschaft, die weit verstreut an anderen Orten lebt oder der Eigentümer ärgert sich, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht, er eigentlich ein modernes Haus auf das Grundstück errichten wollte und sich nun mit dem Haus seiner Vorfahren  befassen soll, das ihn der Erinnerungen wegen geradezu erdrückt. 

Die beiden Klingeln lassen vermuten, dass das Haus maximal drei, vermutlich nur zwei Stockwerke hat. Ein Patrizierhaus aus der alten Hansezeit scheint es demnach nicht zu sein, denn dann wäre die Eingangstür breiter, wohl aber ein Haus von Halberstädter Bürgern, die seit Generationen dort lebten. Waren es vielleicht Halberstädter Juden? 

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts haben sich immer wieder Juden in Halberstadt angesiedelt und dort Pogrome erlitten, sind vertrieben worden und sind, wenn es die politische Situation erlaubte, wiedergekommen, erfährt man auf der Website mit dem Titel "Juden im alten Halberstadt". 

Zu Beginn der Naziszeit gab es noch 706 Juden in der Stadt, die dort ihren Lebensunterhalt erarbeitet haben, 1939 waren es noch 239 Personen. 1938 schoben die Nazis einen großen Teil der aus Polen zugewanderten Juden in das Gebiet vor der polnischen Grenze ab. 1942 war das Todesjahr der noch in Halberstadt verbliebenen Juden. Sie wurden nach Warschau und Auschwitz deportiert. Keiner von ihnen also ist zurückgekommen.**  

Wenn das Haus einer jüdischen Familie gehört hat, die 1942  nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, später dann in DDR-Zeiten von Menschen bewohnt war, die nach der Wende ihre Koffer packten und in den Westen gingen, könnte es auch durchaus sein, dass die Verwandten der rechtmäßigen jüdischen Eigentümer vor Kurzem erst ermittelt werden konnten und die Sanierungsarbeiten erst in den kommenden Jahren machbar sind, weil tausend Behördengänge davorstehen, die  alles andere als zum kreativen Tun  motivieren. 

Wem auch immer das Haus gehört haben mag, es steht heute offenbar leer. Die Tür führt demnach in Räume, die unzählige Erinnerungen in sich bergen. Es ist Geisterhaus, das Vorübergehende leise ruft, um deren Neugierde  zu wecken.

Gespräche längst vergangener Zeiten, nicht nur Liebesgeflüster, auch Streit, Versöhnungen,  Existenzängste, Freude, wenn Dinge glückten,  zudem immer wieder Tränen und Trauer, all das hat dieses Haus gespeichert. Es gleicht einer Therapie, wenn es jetzt eine Zeit lang unbewohnt, die Vergangenheit ausatmen kann. 

Sensible Menschen spüren das und fühlen auch, wenn es Zeit wird, das Gebäude zu erneuern, ihm sein altes Gesicht aber zu lassen, es dabei mit dem Zeitgeist von Morgen zu versöhnen und sich darüber zu freuen, dass man  es retten kann.

Häuser haben eine Seele. Das sollte man sich bewusst machen.

Helga König

* Wikipedia Halberstadt