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Montag, 17. September 2018

Sonntagskolumne Helga König, 16.9.2018

Es ist sehr lobenswert, dass letzte Woche nun endlich in der ZEIT die Haarer –Erziehungfibel  "Die deutsche Mutter und ihr Kind" zur Sprache gebracht wurde. Der Titel des Zeit-Artikels lautet: "Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst". Diesbezüglich habe ich bereits 2012 das Buch "Die geprügelte Generation" rezensiert und ein Interview mit der Autorin Ingrid Müller-Münch realisieren können.  

Die Erziehung zu Hitlers Zeiten hatte zum Ziel, aus Kindern empathielose Menschen zu machen, die problemlos lügen, betrügen und morden konnten. Wer die Welt und seine Mitmenschen beherrschen will, kann sich kein Mitgefühl leisten, das wussten die Nazis sehr genau. 

In den Lesebüchern der NS-Zeit wurde Rassenhass gelehrt, der nicht hinterfragt wurde, weil die Kinder durch die Haarer-Erziehungsmethoden bereits seelenlos auf hochgradige Egomanie getrimmt waren. Rassenhass war die Grundlage für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und egomane Gier die Triebfeder für das Überfallen fremder Länder, um an deren Fleischtöpfe zu gelangen. Im Tausendjährigen Reich versuchte man durch Haarers Erziehungsmethoden Naziverhalten im Volk langfristig  festzuzementieren.

Empathielosigkeit ist die Basis dafür, dass man andere in jeder Beziehung abkochen oder gar kaltblütig töten kann, um an deren Habe zu gelangen. Die so "abgerichteten" Menschen versuchten nach dem Krieg ihre Kinder durch Kälte und emotionale Ablehnungsstrategien zu ähnlich "strammen Nazi-Deutschen" zu trimmen, was zur Folge hatte, dass es in der nächsten Generation, die gottlob auch andere Einflüsse hatte, eine ganze Reihe von depressiven Menschen gibt, doch auch unsäglich viele Psychopathen, die ihrem Umfeld die Hölle bereiten. Nicht grundlos wird immer wieder gesagt, dass mancher aus der 68er Generation der Vorgeneration nicht unähnlich sei, trotz anderer politischer Gesinnung.

Bei Menschen, bei denen die Haarer-Erziehung gefruchtet hat, die also nicht depressiv geworden sind, weil für sie eisige Kälte unerträglich ist, kristallisiert sich - je älter sie werden-, eine geradezu unbeschreiblich Egomanie und Niedertracht heraus, die genau dem entspricht, was die Nazis und ihre Ober-Erziehungsratgeberin  beabsichtigten. 

Je älter nach Haarer erzogene Menschen werden, umso mehr Kälte strahlen sie aus und wenn man sich genauer mit ihnen befasst, bemerkt man rasch, dass sie unberechenbar sind und man ihnen keinesfalls vertrauen kann. Ihr Handlungsziel ist stets der eigene Vorteil. Das muss man sich klar machen und auch, dass sie sich nicht ändern, man ihnen also nicht auf den Leim gehen darf.

Verantwortungsbewusstsein Dritten gegenüber ist ebenfalls nicht vorhanden, was auch die Folge der Empathielosigkeit ist. Gefühle werden generell nur gespielt,  um ein Vorteil für sich zu erlangen. 

Die Haarer-Erziehung ist in Zeiten des Neoliberalismus ebenso attraktiv für Vorteilsdenker wie zu Zeiten der Nazis, gemixt mit Rassenhass allerdings können -und das muss man sich auch bewusst machen - erneut Konzentrationslager entstehen. 

Stärke im Sinne der Nazis war und ist Gefühlskälte gegenüber Dritten. Daran hat sich nichts geändert. Der andere ist niemals Freund in dieser horriblen Wolfsgesellschaft, sondern  immer nur Feind  oder Spießgeselle.

Aufklärung in Schulen ist wohl der einzige Weg, um Haarers perfides Gedankengut  keinen Raum mehr zu geben.

Helga König

Sonntag, 9. September 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 9.9.2018

Dass die Industrie in den letzten Jahrzehnten unsere Esskultur maßgeblich beeinflusst hat, ist hinlänglich bekannt, dass am zweiten Wochenende im September- wir befinden uns noch im Spätsommer- in den Supermärkten bereits zuhauf Süßwaren für Weihnachten angeboten werden, ist mehr als ärgerlich. Direkt vor den Kassen sind Leb- und Baumkuchen, Weihnachtsplätzchen und all die anderen süßen Sachen bereits positioniert. Wen wundert es da noch, dass übergewichtige Kinder laut quengeln, weil sie diese "Leckereien" unbedingt haben und sofort verschlingen wollen. Die Zuckersucht lässt nichts anderes zu. Sie schert sich nicht um alte Traditionen, wonach in der dunklen Jahreszeit etwas süßer gespeist wurde als während des ganzen Jahres, um sich auf diese Weise mit dem mangelnden Licht abzufinden.

Mit Zucker, Weißmehl und Transfetten hat die Lebensmittelindustrie in den letzten Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet, denn immer mehr Kinder sind bereits an Diabetes II erkrankt, immer mehr junge Menschen sind adipös und deshalb schlapp und depressiv. Bei ungefähr 50.000 Diabetikern von rund 7 Millionen hierzulande kommt es laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft jedes Jahr zu einer Amputation. 

Die Zahl der Übergewichtigen nimmt in Deutschland leider weiterhin zu. 59 % der Männer und 37 % der Frauen sind bereits übergewichtig und viele davon an Diabetes erkrankt. Dass Übergewicht die Ursache zahlloser Krankheiten ist, dürfte sich bereits herumgesprochen haben und dennoch ist keine nennenswerte Veränderung im Essverhalten der Gesambevölkerung feststellbar. 

Die Ratgeberbranche boomt, immer kompliziertere Abnahmefibeln werden veröffentlicht, doch die Zuckerindustrie hält dagegen und spendet Trost, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, weil es  ja letztlich auch nicht klappen kann, wenn man dem Industriemüll nicht gänzlich entsagt. 

Kaum einer hat so kluge Bücher verfasst, wie der viel gescholtene Dr. med Ulrich Strunz, der bereits vor zwei Jahrzehnten in seinen Werken darlegte, was es mit den BMI –Werten auf sich hat und weshalb Zucker eine Fettfalle ist. In einem seiner Bücher sagte er, wer den Morgen süß beginnt, steigt abends mit einer Tafel Schokolade ins Bett. Genau darauf aber werden Kinder abgerichtet, die zum Frühstück schon Crunchys verabreicht bekommen und abends dann eine Tüte Gummibärchen oder eben Schokolade verdrücken, damit sie einschlafen können und ihre adipösen Eltern nicht mehr nerven. 

Esskultur hat immer auch etwas mit Disziplin zu tun. Diese wurde seitens der Industrie systematisch unterhöhlt durch versteckten Zucker, dem wir alle ausgeliefert sind, wenn wir nicht mit der Lupe und einem Fachwörterbuch einkaufen gehen. Wer pausenlos sein Insulin lockt- mit Fertigprodukten, Brot, Süßem und Softdrinks nimmt unweigerlich zu und wird schließlich krank. 

Die  soeben genannten Lebensmittel können nicht nur zu Diabetes, sondern auch zu Demenz, Herzkrankheiten, Schlaganfall und anderem mehr führen. Sie schwächen letztlich die Abwehr, stressen den Körper und beschleunigen das Alter. 

Wer seine Nahrungsmittel mit dem Auto nachhause fährt- die meisten tun dies leider-, anstelle sie nachhause zu tragen und auch ansonsten am liebsten im Sessel hockt, wird sich schon recht früh "fix und foxi" fühlen und es dann auch irgendwann sein. 

Eine weltoffene Esskultur könnte ungemein bereichern, wenn man sich speziell  auf die gesunden Speisen anderer Kulturen einlässt und von jenen Völkern lernt, die sich eindeutig vernünftig ernähren. 

Der Zucker- Weißmehl und Transfetteindustrie muss allerdings weltweit die rote Karte gezeigt werden. Eine höhere Besteuerung von deren Produkten ist meines Erachtens aber der falsche Weg. Sie füllt nur weiter den Staatssäckel, der dann sinnlos verbraten wird, während die dafür anfälligen Menschen Opfer einer gierigen, verantwortungslosen Lebensmittel- und Pharmaindustrie bleiben. 

Besser scheinen mir deshalb Aufklärung vom Kindergartenalter an und ein üppiger Bonus für alle seitens der Krankenkassen, wenn man nachweisen kann, dass man sich gesund ernährt. Esskultur hat immer auch etwas mit der Wertschätzung der Natur zu tun, deren Raubbau unterbunden werden muss, indem Massentierhaltung ebenso untersagt wird, wie das Einsetzen von Nahrungsmittelgiften, die das Gemüse und Obst verseuchen und den Konsumenten am Ende Krebs bescheren.

Fazit: Die entsprechende Lobby muss aus dem Tempel gejagt werden, nur so  kann  Vernunft gedeihen.


Helga König

Sonntag, 26. August 2018

Sonntagskolumne Helga König, 26.8.2018

"Das Thema unserer Zeit: panischer Egoismus. Wenn Menschen ohne Empathie die Überholspur als ihr Recht aggressiv anpeilen. Tunnelblick und Ellbogen. Die wichtigste Selbstschutzmassnahme für Betroffene: Abgrenzung" (Tweet von Helmut Karas, gepostet am 24.8.2018). 

Vorbemerkung: Der Begriff "panischer Egoismus" fasst perfekt  zusammen, was Karas anschließend definiert. 

Neugierig googelte ich, ob dieser Begriff bereits anderenorts aufgetaucht ist. Der Autor Wolfgang Gründinger, hat ihn, so erfuhr ich, auch schon benutzt und zwar in seinem Buch "Alte Säcke Politik- Wie wir unsere Zukunft verspielen". Ob es eine Begriffsschöpfung dieses Autors ist, entzieht sich meinen Recherchen. Soviel nur: Das Werk von Gründinger kannte ich bislang ebenso wenig, wie den dort enthaltenen und auch von Karas verwendeten Begriff.

Wikipedia definiert: "Panik ist ein Zustand intensiver Angst vor einer tatsächlichen oder angenommenen Bedrohung. Sie ist eine starke Stressreaktion des Organismus auf eine oft unerwartete und erschreckende Situation und geht einher mit vielfältigen vegetativen und körperlichen Symptomen.[1] Dabei kann es unter Umständen zu einer Einschränkung der höheren menschlichen Fähigkeiten kommen."*

Was nun sind höhere menschliche Fähigkeiten? Durchsucht man das Internet, stößt man hier immer wieder im Zusammenhang mit diesen Fähigkeiten auf die Begriffe "Einfühlungsvermögen" und "Liebe", also mit einem Wort auf die Eigenschaft der Empathie. 

Tatsächliche oder angenommene Bedrohung können demnach unsere Empathie einschränken, d. h. auf diese Weise Personen, die normalerweise durchaus die höheren menschlichen Fähigkeiten besitzen, zu bedingungslosen Egoisten machen, sprich zu Menschen, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen und zwar selbst zum Nachteil anderer. 

Die Angst, nicht mehr genug zu bekommen und auf zu engem Raum leben zu müssen, wird tagtäglich durch rechte Gruppierungen  gezielt geschürt. Der Neoliberalismus spielt den rechten Gruppierungen in die Hände, wenn er beispielsweise mit der Umwelt Raubbau betreibt, weil das gierige Habenwollen Nachhaltigkeit  in neoliberal ausgerichteten Firmen rigoros ausklammert. 

So werden die von rechts geschürten Ängste dann bestätigt und in den Medien weiter befeuert, anstelle klugerweise  Alternativen aufzuzeigen. Dadurch greift panischer Egoismus seuchenartig von Jahr zu Jahr immer mehr um sich und erfasst die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft und hier auch  unzählige Familien, weil alle davon überzeugt sind, dass der Vulkan, auf dem sie vermeintlich leben, jeden Moment explodieren wird und alle nochmals hemmungslos, wenn auch zum Nachteil Dritter, zulangen  sollten.

Um was es also geht? Es gilt die Panik zu minimieren, die Nerven zu beruhigen, sich von der Endzeitstimmung zu verabschieden und stattdessen Empathie zu kultivieren. 

Dann wird für alle gewiss wieder begreifbar, dass ein Miteinander der sinnstiftendere und glücklichere Weg ist. "Tunnelblick" und "Ellenbogen" entsprechen nicht der gesunden, menschlichen Natur, sondern  sind Ausdruck einer  psychischer  Gestörtheit, die  unter Umständen  gar nicht auf einem inneren Mangel beruht, wie neuerdings immer wieder erklärt wird, sondern auf Angstmacherei seitens übler politischer oder wirtschaftlicher Kräfte, die tatsächlich aus unserer menschlichen Gesellschaft ausgegrenzt werden müssen, damit sie fortbestehen kann.

Helga König

*vgl: Wikipedia Panik

Sonntag, 12. August 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 12.8.2018

Wirft man im Wartezimmer beim Friseur oder beim Arzt einen Blick in die Regenbogenpresse, wird man Zeuge von Schlammschlachten aller Art und erlebt, wie vormals hochgefeierte Zeitgenossen systematisch fertig gemacht werden. 

Schmierfinken suchen stets nach Fehltritten bei erfolgreichen Menschen, um damit ihre neidbesetzte, missgünstige Klientel zu befriedigen, die Spitzenleistungen von Menschen, gleichgültig in welchen Bereichen, einfach nicht ertragen kann, weil sie  dadurch ihr eigenes Unvermögen schmerzvoll spüren. 

Im letzten Jahr habe ich mit dem Weltschauspieler #Helmut_Berger zwei Interviews auf "Buch, Kultur und Lifestyle" realisiert, weil dieser nachdenkliche, sensible Mensch von der Kloakenpresse seit Jahren durch wenig aufbauende Artikel in die Melancholie getrieben wurde und weil ich daran erinnern wollte, in welch grandiosen Literaturverfilmungen er die Hauptrolle spielte und allein schon deshalb Wertschätzung verdient. 

Wir erleben seit einigen Jahren wie sogar die bislang seriöse Presse sich immer häufiger in das schmutzige Fahrwasser der Schundblätter begibt und in der Privatsphäre von Sportlern, Schauspielern oder Politikern nach Fehltritten fahndet. 

Personen wie #David_Gerrit, #Michel_Friedmann, #Jörg_Kachelmann und #Christian_Wulff wurden ebenso gebrandmarkt wie jetzt #Jan_Ullrich. All diese Menschen wurden von einer Armada von Fotografen und penetrant agierende Reportern wegen moralischer Zweideutigkeiten verfolgt und so wurde und wird der Zuschauer im Fernsehen oder auf Youtube Zeuge eines stets wiederkehrenden Spektakels, nämlich wie in einer noch immer doppelmoraligen Gesellschaft sogenannte sexuelle Sünder (wohlgemerkt nicht Straftäter)  dieser zur Geiselung vorgeworfen werden, ganz so wie im tiefsten Mittelalter. Dabei vergisst Youtube selbst nach Jahren nichts, auch wenn zwischenzeitlich klar geworden ist, dass es sich um eine böse Diffamierung handelte.

Betrügereien und daraus entstehende Skandale in der Wirtschaft und Politik werden, wie man fast täglich aufs Neue erleben kann, rasch vergessen und als Kavaliersdelikte herunter gespielt. Keinen Spaß allerdings kennt die vermeintlich sexuell aufgeklärte Gesellschaft, wenn ihre Helden ihr klösterliches Image aufs Spiel setzen. Dann geht es zu Sache. 

Genau das aber sollte diskutiert werden. 

Einerseits wird gegen die Prüderie muslimischer Religionsangehöriger gewettert und einen "Halles" um das Kopftuch gemacht, als ginge daran das Abendland zugrunde, andererseits jedoch wird diese Prüderie  von den Leuten, die mit Fleiß mit zwei Ellen messen, atemberaubend übertrumpft, wenn sie einen Helden auf Talfahrt für den Pranger im Sommerloch benötigen oder ein Held einem anderem Helden -  in welcher Beziehung auch immer - im Wege steht. 

Helga König

Sonntag, 29. Juli 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 29.7.2018

Zuverlässigkeit ist eine Tugend, die man bei selbstsüchtigen Menschen grundsätzlich nicht voraussetzen sollte. In der Politik, auch in der Wirtschaft und im privaten Rahmen gilt es, dazuzulernen, seit wir in einer narzisstischen Gesellschaft leben, in der die Selbstsucht Programm zu sein scheint. Wie kann man sich schützen?

Abgefeimte Werbesprüche, die auf die Befriedigung von zuvor subtil suggerierten Wünschen abzielen, haben die Gesellschaft infantilisiert und aus Erwachsenen Riesenbabys mit Riesenwünschen gemacht. Niemals ist es genug. Immer mehr und mehr müssen diese Riesenbabys haben. Dabei bilden Habsucht und Selbstsucht in deren Charaktermuster eindeutig eine Einheit. 

Das wetterwendische Verhalten von Egomanen macht es allerorten schwer, langfristig zu planen, denn, was heute zugesagt wird, gilt morgen nicht mehr. Noch nicht einmal auf notariell beglaubigte Verträge kann man sich verlassen, wenn das Gegenüber ein Egomane ist, der alles, was nicht zu seinem Vorteil ist, ausblendet und stur nur das akzeptiert, was ihm nützt. 

Das Egomanen-Spektakel dürfen wir alle in der Politik täglich erleben und lernen hier zu begreifen, was es bedeutet, wenn Weltpolitiker nicht ihr Wort halten, Absprachen und Regeln ohne Bedenken brechen und  sich durch nichts verpflichtet sehen. Doch diese Politiker sind der Spiegel der Gesellschaft und alles andere als Ausnahmewesen. 

Egomanen ist die Wertschätzung ihrer Mitmenschen ebenso fremd, wie die Wertschätzung der Natur. Freundlich und charmant sind sie nur dann, wenn sie etwas wollen, im Normalzustand erlebt man nur ihre geballte Kälte. Diese Kälte ist ihre Waffe, die es ihnen ermöglicht, andere auszurechnen und für die eigenen Zwecke einzusetzen. 

Bei einem Egomanen an die Vernunft zu appellieren, ist sinnlos. Vernunft kennt diese Spezies ebenso wenig wie Schuldgefühle, denn sie wird, man kann es nicht oft genug betonen, von ihrer Selbstsucht dominiert, lebt immer nur im Jetzt und dort soll es möglichst kommod für sie sein, gleichgültig, was mit anderen wird. Nachhaltigkeit ist nicht ihr Ding, "nach mir die Sintflut", das Lebensmotto.

Kinder, Ehemänner oder Ehefrauen, Freunde und Verwandte werden ebenso abgründig vereinnahmt und bei Bedarf weggeschoben, wie Geschäftspartner oder Parteifreunde. Dabei ist das oberste Prinzip die Befriedigung der persönlichen Lustgefühle. Kaufsucht, Spielsucht, Sexsucht, Trinksucht, Zuckersucht, Nikotinsucht und tausend andere Süchte sind typisch für diese Menschen, die von ihrem Ego beherrscht werden und denen Disziplin grundsätzlich fremd ist. Die Folgen tragen zumeist andere. Doch das ficht Egomanen nicht an, weil sie ihr Verhalten niemals reflektieren und bei Vorhaltungen  nichts weiter  als die beleidigte Leberwurst geben, anstatt mal in sich zu gehen.

Man kann nicht oft genug vor ihnen warnen, denn sie zerstören, wo sie auftauchen, immer die Gemeinschaft und hinterlassen stets nur Unheil. 

Helga König

Montag, 23. Juli 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 22.7.2018

"Mit ungläubiger Irritation vermisse ich eine öffentliche Diskussion darüber, mit welchen Kampfmitteln die Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach- , Welt- und Sinnzerstörer gekontert werden kann. Ironie jedenfalls funktioniert nicht mehr. Lasst uns forschen.“ 

Der Schauspieler Armin Rohde postete am 22.7. 2018 obigen Tweet. 

Der Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach-, Welt und Sinnerstörer kann m. E. weder durch Ironie noch durch Vernunftsappelle beigekommen werden, weil sie auf die irrationalen Ebenen der Zuhörer abstellt. 

Man muss diese  hinterhältige Rhetorik Satz für Satz zerpflücken und so oft es geht, genau aufzeigen wie sie funktioniert. Das ist alles andere als einfach, weil Tatsachenverdrehungen an der Tagesordnung sind und mit vorgegaukelten Emotionen sich Gehör bei den angepeilten Zielgruppen verschafft wird. 

Zur Rhetorik der genannten Personengruppe gehört, die Gegner immer wieder zu provozieren, zählen auch Drohungen, Täuschungen, Gerüchte, Verleumdungen und dergleichen mehr. Zur scheinbar positiven neutralen Elementen dieser Rhetorik gehört das Einrichten von Nebenkriegsschauplätzen, das Einlullen, die Richterrolle, auf Zeit zu spielen und andere nicht minder miese, abgefeimte Verhaltensmuster. 

Genau all diese Elemente muss man mit stoischer Ruhe aus den Statements der Lügner herausfiltern und öffentlich immer wieder thematisieren. Man muss darauf achten, welche Haken die Verfolgten dann schlagen und sich darauf gefasst machen, dass sie immer niederträchtiger rhetorisch agieren, wenn sie merken, dass man ihnen auf den Fersen ist. 

Erwischen wird man sie letztlich nie, weil sie die offene Konfrontation scheuen und sich wegducken, wenn es für sie brenzlig wird. 

Man braucht gute Freunde im Kampf mit diesen verlogenen Typen. Allein reibt man sich an deren Niedertracht auf Dauer auf.

Die enthemmten Sprach-, Welt-, und Sinnzerstörer sind- das muss man sich einfach bewusst machen-, Getriebene, die alles, was sie unternehmen, aus dem Zerstörungsmodus heraus tun. So gesehen sind es Psychopathen, die, sobald wir in ihre Schwingungsebene geraten, uns das Leben erschweren, wo sie nur können. 

Sie zu ignorieren, erspart uns vorübergehend vielleicht viel Ärger, langfristig allerdings können wir uns den Folgen ihres Tuns nicht entziehen, jedenfalls, wenn sie Macht erhalten, sei es wirtschaftliche oder politische. Wissen sollte man, dass solche Zeitgenossen immer nach Macht und damit der Möglichkeit, alles zu kontrollieren streben, um letztlich alles zu vernichten. 

Auch wenn das Paradies auf Erden oder das Schlaraffenland versprochen wird, es geht dieser Sorte von Menschen nur um Zerstörung und überall, wo sie Raum erhalten, steht zum Schluss kein Stein mehr auf dem anderen, ist Dunkelheit, ist Wüste Programm. So war es in allen Zeiten. Die Geschichte kennt tausende von Beispielen. Schlimm nur, dass die Mittel der Zerstörung zwischenzeitlich so perfektioniert worden sind, dass durch die krankhaften Destrukteure die gesamte Erde ausgetilgt werden kann.

Deshalb gilt es aufzuklären, jetzt und alle Tage, die noch folgen. 

Helga König

Sonntag, 15. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 15.7.2018

"Es gibt Güter, Rechte, Prinzipien, die lassen sich nicht zu Disposition stellen, die sind unverhandelbar. Es hat nichts mit Liberalität zu tun, sie zu Pro und Contra Fragen zu reduzieren. Das ist das Ende der Übereinkunft darüber, was wir bislang für Zivilität hielten."

Die Philosophin Dr. Carolin Emcke twitterte am 12. Juli 2018 diese Sätze, offenbar als Antwort auf die veröffentlichten Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT. 

Gleich vorab, ich teile Carolin Emckes Position, wundere mich allerdings nicht, dass seit geraumer Zeit immer häufiger geradezu perverse Beckmessereien in punkto Mitmenschlichkeit allerorten stattfinden. Das "Boot Europa" ist zu voll, hört man von den Biedermännern und denkt sogleich an die 1912 untergegangene "Titanic" als viele mittellose Passagiere damals deshalb ertranken, weil ihnen reiche Egomanen den Platz in den Rettungsboten verwehrten, obgleich genügend Raum vorhanden war. 

Die Angst von Migranten überschwemmt zu werden, wird von rechtslastigen Politikern fast täglich geschürt, zugleich wird aber zu wenig getan, um das Leben der Leute in den armen, oft von Kriegen erschütterten Ländern zu verbessern. 

Es ist doch nur logisch, dass der Selbsterhaltungstrieb die Menschen dorthin gehen lässt, wo sie meinen, genügend zu essen und zu trinken zu haben und vielleicht eine Arbeit zu finden. Der Wohlstand Europas ist seit Internetzeiten überall auf dieser Welt bekannt. Dass dies Konsequenzen hat, sollte doch jedem klar sein. Sollen "Eindringlinge" jetzt an den Grenzen gleich abgestochen werden?

Die Vorstellung, in Seenot geratene Flüchtlinge einfach absaufen zu lassen, weil sie sich angeblich freiwillig in Gefahr begeben haben, passt in unsere Zeit, in der man unliebsamen Fragen aus dem Weg geht, wenn deren Antworten deutlich machen, dass die Ursachen in einem Fehlverhalten unsererseits begründet liegen. 

Sich nicht verantwortlich oder mitverantwortlich zu fühlen, passt ins Verhaltensmuster unserer infantilisierten Gesellschaft. Alles wird weggeschoben, was das eigene Wohlbefinden stören könnte. Wenn Humanisten in Seenot geratene Migranten privat retten, dann kann man deren ethische Haltung nicht in Frage stellen oder diese sogar kriminalisieren wollen. In Frage stellen muss man das Verhalten der Politik und Wirtschaft, das zugelassen hat, dass man Drittländer über Jahrhunderte ausbeutete und den dort lebenden Menschen die Entwicklungschancen raubte. 

Zum raschen Aufbau der Länder sollte man anteilmäßig all jene, die in Kolonialzeiten sich die Taschen füllten, unvorzüglich zur Kasse bitten, aber auch die Großunternehmen, vor allen die Waffenhersteller, die heute dafür sorgen, dass eine zügige Entwicklung der krisengeschüttelten Länder nach wie vor unmöglich ist, die entstehenden Kosten zum Wiederaufbau  größtenteils tragen lassen. 

Nicht die Opfer, sondern die Täter gilt es täglich anzuprangern und sie zu ethischem Verhalten zu erziehen. Solidarität mit den Opfern ist gefragt. Dabei sollte sich die liberale Presse nicht zum Steigbügelhalter rechtslastiger Parolen machen lassen. Das ist mehr als nur peinlich.

Helga König

Sonntag, 8. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 8.7.2018

"Während die Philosophen noch streiten, ob die Welt überhaupt existiert, geht um uns herum die Natur zugrunde." Karl Raimund Popper (1902-94), brit. Philosoph u. Wissenschaftslogiker östr. Herk.) 

Als ich diesen Satz heute Morgen las, dachte ich spontan an den Philosophen Ernst Bloch, dessen 133. Geburtstag heute gefeiert wird. Er sagte:"Die Philosophen sollen die Welt nicht interpretieren, sondern verändern."

In Bezug auf die Natur geht es in erster Linie darum, ein ethisches Bewusstsein  bei allen zu schaffen und über die Folgen des Raubbaus aufzuklären.

In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Müllberge und vermüllte Meere gezeigt. Wie diese entstehen, ist schon lange bekannt. Doch es wird kaum etwas unternommen, um sie zu verhindern. 

In dm-Märkten oder beim Handelsunternehmen Tegut gibt es lobenswerterweise keine Plastiktüten mehr an der Kasse. Hier ist man bereits den richtigen Schritt gegangen. In anderen Supermärkten werden leider noch immer Plastiktüten verkauft. Das Geschäft scheint lukrativ und die Verantwortung gering zu sein. Der mündige Kunde geht auf das Angebot natürlich nicht ein, doch leider ist es allgemein mit der Vernunft nicht weit her, wenn der Mensch Gewohntes verändern soll. Selbst die Erhöhung der Preise für Plastikprodukte sorgt nur selten für ein Loslassen der alten Gewohnheit. 

Früchte, Gemüse, Milchprodukte etc. fast alles ist in Supermärkten in Plastik verpackt. Die Notwendigkeit ist selten erklärbar, doch auf Wochenmärkten wird gezeigt, wie man umweltfreundlich  agieren kann. Gemüse und Obst aus der Region zu kaufen, ist in dieser Beziehung sinnvoll, weil die langen Anfahrtswege entfallen und damit das Frischhalteproblem.

Auch anderes Verpackungsmaterial ist oft überflüssig und dient bloß der Augenwischerei. 

Der Klimawandel bedingt durch den pervertierten CO2 –Ausstoß führt zu erheblichen Hitze- und Trockenperioden, auch zu Starkregen und Hagel im Frühling und im Sommer. Für die Winzer, Bauern und Hobbygärtner werden die Arbeitsbedingungen immer dramatischer. Die Versicherungsbeiträge für Unwetterschäden  sind so hoch, dass sie für  die Winzer und Landwirte kaum mehr zahlbar sind.

Die Hautkrebserkrankungen steigen von Jahr zu Jahr mehr. In der Bundesrepublik ist die Haut mit rund 270 000 Neuerkrankungen pro Jahr das menschliche Organ, das am häufigsten von Krebs betroffen ist.* Ursache sind die immer extremer werdenden UV- Strahlen.

Nord- und Südpol leiden unter dem Klimawandel, wie man stets aufs Neue liest: Das einst ewige Eis schmilzt und die Gletscher werden kleiner. Allein in der Antarktis ging laut einer aktuellen Studie in den letzten fünf Jahren im Mittel dreimal so viel Eis verloren wie in den 20 Jahren zuvor.** 

Wir sind ein Teil der Natur und werden seitens der Lebensmittelindustrie täglich mit Angeboten für Zucker- und Weißmehlbomben überhäuft. Fast in allen industriell hergestellten Lebensmitteln ist Zucker versteckt und an versteckten, gesundheitsschädlichen Transfetten mangelt es ebenfalls nicht. 

Eine Folge vom Zuckermissbrauch und von Fast-Food ist, dass 12 jährige bereits an Diabetes II erkranken und die Krankenkassen nicht mehr wissen wie sie die rund 10 Millionen Diabeteskranken finanzieren sollen. 

Von neoliberalen Unternehmern, Lobbyisten und Politikern ist keine Einsicht zu erwarten, denn sie kennen keine Verantwortung. So liegt es an den Philosophen, die Menschen aufzuklären und dabei zu helfen,  sie zu mündigen Bürgern zu machen, die dem geldgeilen Pack die rote Karte zeigen: 

"Mit uns nicht mehr!"

Dies ist das Ziel, das es zu erreichen gilt.  

Helga König

Sonntag, 24. Juni 2018

Sonntagskolumne

Sonntagskolumne   wieder ab  8. Juli wegen Krankheitsfall in der Familie.  Gottlob  ist  die Patientin schon wieder gut auf dem Weg der Besserung.

Samstag, 9. Juni 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 10.6.2018

"Ich halte es für extrem unfair und überaus verwerflich, einen unaufgeklärten Sexualmord für fremdenfeindliche Aktionen zu instrumentalisieren."(Tweet, 9.6.2018)

Diesen Satz postete ich heute Nachmittag, nachdem ich diverse Berichte in Zeitungen zum Fall "Susanna" gelesen hatte. 

Natürlich ist es sehr tragisch, was geschehen ist und  selbstverständlich ist jeder Sexualmord ohnehin einer zu viel. Wissen aber muss man, dass Sexualmorde hierzulande rückläufig, d.h. demnach keineswegs mit den Flüchtlingswellen der letzten Jahre angestiegen sind, (anbei die Statistik). Wer anderes verlautbaren lässt, der sagt die Unwahrheit. 

Die Hintergründe für die Tötung Susannas sind noch nicht bekannt. Bilder des dunkelhaarigen Mädchens wohl aber schon. Rein optisch könnte sie eine Irakerin oder Syrerin sein und eignet sich insofern vom Typ her eigentlich nicht für den rechtslastigen Feldzug zum Schutze der blonden, germanischen Frau, der gerade stattfindet. 

Selbst wenn die Aufklärung des Falls ergeben sollte, dass der Tatverdächtige diese Tötung begangen hat, wäre dies immer noch kein Anlass für fremdenfeindliche Aktionen. Sexualstraftäter gibt es auf der ganzen Welt. Leider! 

Untersuchungen zeigen, dass Psychopathen ihre Opfer instinktiv erkennen. Eine deutsche Schauspielerin schrieb dieses Jahr, dass sie von verschiedenen Männern in jungen Jahren vergewaltigt worden sei. Diese Frau war einst der Inbegriff einer Männerphantasie und dies scheint mir der springende Punkt zu sein. Wenn ein starker erotischer Ausdruck sich in einer Frau mit Naivität paart, dann kann das besonders für junge Mädchen problematisch werden. 

Bei allem sollte man aber wissen: Im Jahr 2017 wurden auf 100.000 Einwohner in Deutschland 13,7 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung polizeilich registriert. Insgesamt wurden 2017 acht Fälle von Sexualmorden in Deutschland polizeilich erfasst. Die aktuelle Bevölkerung hierzulande besteht aus 81 373 514 Menschen. 

Natürlich ist es unerträglich, dass es immer noch Männer gibt, die Frauen sexuell nötigen und vergewaltigen oder sogar töten. Es ist aber wie die Statistiken zeigen eine verschwindende Minderheit und diese Minderheit den Fremden zuzuordnen, ist mehr als infam. 

Was man seit seiner Bevölkerungsumfrage des Justizministeriums der Vereinigten Staaten weiß, sind  99 Prozent aller Sexualstraftäter Männer. Deshalb nun alle Männer an den Pranger zu stellen, wäre auch nicht sehr fair, oder?

Nachtrag 10.6.2018: Zwischenzeitlich ist der geflüchtete, mutmaßliche Täter Ali B. nach seinem Fluchtversuch in den Irak nach Deutschland zurückgekehrt und befindet sich in Untersuchungshaft. Der Polizeichef der nordwestirakischen Stadt Dohuk, Tarik Ahmad, ließ gegenüber der Nachrichtenagentur AFP verlautbaren,  dass Ali B. ausgesagt habe, er sei mit der 14 jährigen befreundet gewesen, sei mit  ihr in Streit geraten und habe sie erwürgt  und zwar aus Angst, sie werde die Polizei  rufen. Drogen und Alkohol seien im Spiel gewesen.Was man von dieser  Aussage zu halten hat, werden die nächsten Tage zeigen und wohl auch unter welchen Umständen das Geständnis zustande kam. Fest steht, noch ist nicht wirklich geklärt, wer das Mädchen getötet hat und auch nicht, ob die Tötung Folge einer Vergewaltigung war. Klar scheint aber bereits zu sein, dass hier kein Vergewaltiger hinter irgendwelchen Büschen einem jungen Mädchen auflauerte, sondern der mutmaßliche Täter und das  Opfer sich kannten, vielleicht sogar recht gut kannten.

Nachtrag: 11.6.2018: Zwischenzeitlich hat Ali B. gestanden, Susanna getötet zu haben. Er bestreitet allerdings eine mögliche Vergewaltigung. Wenn dies stimmt-  gewiss lässt sich das durch eine Untersuchung des Körpers des Opfers feststellen- , dann  handelt es sich hier nicht um einen Trieb- sondern um einen Angsttäter.

Der Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche sagte einst: "Drei Viertel alles Bösen, das in der Welt getan wird, geschieht aus Furchtsamkeit." Das sollte zu denken geben
  
Helga König