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Sonntag, 30. Dezember 2018

Sonntagskolumne Helga König, 30.12.2018

Worin kann der Reiz liegen, Böller in die Luft zu schließen, Geld dadurch sinnlos zu verprassen und unnötige Risiken in Kauf zu nehmen?

Im dadurch entstehenden Lärm? Im produzierten Funkeln? In der Lust am Spiel mit dem Feuer? 

T-Online berichtet von einem 23 jährigen Mann aus Hamburg, der 850 kg Böller und Raketen in seiner Wohnung gehortet hat.* 

Was bedeutet das? 

Hat er Minderjährige mit Böllern und Raketen bestücken wollen? Was lässt sich mit 80 kg** Sprengstoff, denn umso viel handelt es sich bei den 850 kg Böllern, anstellen? 

"Mit geschätzten 137 Millionen Euro Silvesterumsatz werden sie in diesem Jahr so viel Geld für Kracher und Knaller ausgeben wie in den beiden Vorjahren – und bleiben damit auf Rekordniveau", schreibt die WELT und im gleichen Artikel liest man weiter: "Mit dem alljährlichen Silvesterfeuerwerk werden in Deutschland innerhalb weniger Stunden rund 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Allein die Partikel, die durch Böller in die Luft gewirbelt werden, entsprechen demnach schon 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge."***

Die riesige Umweltverschmutzung durch die Kracherei, die nicht nur seitens der WELT aufgezeigt wird, gebietet demnach ein rasches Handeln seitens des Gesetzgebers. Dabei können die Infantilität seitens der Jugendlichen und der verantwortungslosen Erwachsenen, die es heftig krachen lassen wollen, vor allem auch die Profitgier der entsprechenden Industrie nicht länger toleriert werden, wenn es die Umwelt und damit Fauna und Flora noch stärker belastet als dies ohnehin durch den täglichen Straßenverkehr geschieht. Das sollte doch jeder begreifen können, oder? 

Politiker sollten deshalb den Lobbyisten kategorisch die Tür weisen und stattdessen ökologisch, tierlieb und mitmenschlich sinnstiftende Maßnahmen in die Wege leiten. Schluss mit der Kracherei!

Man liest von der Angst der Tiere vor den Böllern und den ersten Brandopfern, auch den ersten abgerissenen Fingern, einen Tag vor Silvester. Alles wird hingenommen wie in jedem Jahr.  Die  Knalllust besteht ungebrochen

Einer meine Twitterfollower vermutet, dass die Knallerei für nicht wenige eine Art Kriegsspiel darstellt. Das vermute ich übrigens auch schon seit langer Zeit. Seit in Köln auf der Domplatte mit Feuerwerkskörpern auf Menschen gezielt wurde, hätte man doch endlich diesen Dreck verbieten können. 

Für die Vermutung, dass es sich um ein Kriegsspiel  handelt, spricht, dass weitaus mehr Frauen als Männer sich für ein Verbot von Böllern und Raketen aussprechen. 

Wir haben in dieser Welt genügend Raketenopfer durch Kriege zu beklagen. Wozu noch weitere billigend in Kauf nehmen durch diese hirnlose Silvesterspielerei?  

Allen einen schönen, friedlichen Jahreswechsel ohne diesen unerträglichen Lärm, der an Kriegsgeheul erinnert mit all seinen üblen Folgen. 

 Helga König

*** WELT

Sonntag, 23. Dezember 2018

Sonntagskolumne Helga König, 23.12.2018

"Weihnachten kommt mit Riesenschritten näher. Und damit ein alljährlicher Anstieg häuslicher Gewalt. Ob Sie nun feiern oder nicht, bitte setzen Sie sich jetzt mit angestautem Frust auseinander, statt am Heiligabend zu explodieren und Partnerin und Kinder darunter leiden zu lassen." (#Thomas_Knorra) 

Neben dem Account #Stolpersteine, der eindringlich an Naziopfer erinnert und Bewusstsein im Hinblick auf die Gräuel der Nazis schafft, zeigen auch die Accounts von #Thomas_Knorra in den sozialen Netzwerken, dass Accounts  auf diesem bunten Marktplatz hervorragend für Aufklärung und für Appelle für mehr Mitmenschlichkeit eingesetzt werden können. 

Thomas Knorra schreibt unermüdlich täglich gegen Gewalt im häuslichen Bereich an. Gerade gestern postete er auf seinem Account #Kinderrechte: "Zum Glück ist es für viele Leute unvorstellbar, ihren oder den Kindern anderer wehzutun. Sie sind Stützen unserer Gesellschaft, denn den ihnen anvertrauten Kindern geht es gut. Das Problem ist, wenn die Not anderer Kinder im Schatten bleibt, weil sie so unvorstellbar scheint." 

Die Accounts von Thomas Knorra dokumentieren, dass seine Wahrnehmung keineswegs zur Pauschalverurteilung aller Erwachsenen führt, sondern, dass er stattdessen uns alle sensibilisieren  möchte für die Verhaltensmuster von Personen, die oft verdeckt gewalttätig gegenüber Kindern  agieren. 

Die ZEIT schrieb im Juni 2018, dass die Gewalt gegen Kinder 2017 sogar leicht zugenommen habe und nur ein Teil der Fälle überhaupt bekannt werde. Zehntausende von Kindern werden hierzulande Opfer von Gewalt und Missbrauch. Die größte registrierte Opfergruppe bildeten sexuell missbrauchte Kinder. Die Hälfte der schwer misshandelten Kinder sei unter sechs Jahre alt.* 

Wie ticken Erwachsene, die ihre Aggressionen psychisch oder physisch an Kindern ausleben? Ein Hauptfaktor scheint zu sein, dass es ihnen an genereller Wertschätzung anderen Menschen gegenüber fehlt, dass Egoismus gepaart mit Kälte solche enthemmten Handlungsmuster erst möglich machen. 

Je materieller Menschen ausgerichtet sind, je größer ihre Habsucht ist, umso niedriger ist das Interesse am Wohlbefinden aller, so meine lebenslangen Beobachtungen und das gilt für alle Gesellschaftsschichten. 

Kinder verkümmern emotional, wenn das Denken der Eltern nur um sich selbst und die Befriedigung ihrer eigenen materiellen Wünsche kreist. Dies ist das ganz große Problem in neureichen Familien, die in unseren neoliberalen Zeiten die fatale Geisteshaltung immer mehr auf die Massen zu übertragen drohen. 

Auf diese Weise wird der Nachwuchs seelisch instabil und  rascher psychisch krank wie der Zuwachszahlen psychischer Erkrankungen, speziell auch von Depressionen zeigen. 

Thomas Knorra schreibt auf seinem Account #Kinderrechte "Der Kinderschutz ist nicht nur ein moralisches Gebot, er ist auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit. (1/2) Um die globale soziale und ökologische Krise meistern zu können, brauchen wir mehr selbstsichere, verantwortungsbewusste, engagierte, ausdauernde als durch ihre Kindheitstraumata geschwächte, verunsicherte, destruktive oder selbstdestruktive Menschen. (2/2) 

All jene, die sich ignorant zeigen im Hinblick auf körperliche und seelische  Verletzungen bei Kindern, lieber wegschauen als Aggressoren und Hyperegoisten zur Rechenschaft zu ziehen, schaden nicht nur diesen Kindern, die man schutzlos den Abgründen dieser Leute überlässt, sondern auch sich selbst. 

Wie soll ein Mensch verantwortungsbewusst im späteren Leben handeln, wenn er in seiner Kindheit nur Verantwortungslosigkeit gelernt hat und mit Kälte konfrontiert war? Muss man sich wundern, wenn ein solcher Mensch sich im späteren Leben an allen rächt und noch schlimmer wird als der verantwortungslose Vater oder die verantwortungslose Mutter? Wenig nachhaltiges Denken und Handeln kommt nicht von Ungefähr. Die Grundlagen hierzu werden im Elternhaus gelegt.

Die Posts von #Thomas_Knorra und #Kinderrechte zu verlinken, ist mein Weihnachtswunsch an alle. Danke dafür schon im Voraus.

Helga König


Sonntag, 16. Dezember 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 16.12 2018

Wenn man einem Menschen trauen kann, erübrigt sich ein Vertrag. Kann man ihm nicht trauen, ist ein Vertrag nutzlos." (Jean Paul Getty) 

Wann kann man einem Menschen trauen? Wenn er ein Bundesverdienstkreuz hat? Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass selbst ein Bundesverdienstkreuz kein Indiz für Vertrauenswürdigkeit ist. 

Drei Kriterien machen aus Menschen unsichere Kandidaten, wenn es um Vertrauenswürdigkeit geht.

1) Selbstsucht

Hochgradig selbstsüchtige Menschen sind rasch dabei, ihre Zusagen nicht einzuhalten, sobald irgendwo ein lukrativerer Vorteil winkt. Sie erfinden Gründe, um sich aus den Zusagen herauszulügen oder beauftragen Winkeladvokaten, die in der Lage und bereit sind, Lücken in Verträgen zu finden, um diese auszuhebeln. Wenn das nicht funktioniert, wird erpresst. Egal nun wie, am Ende ist man der Dumme und darf sich dann noch anhören, nachdem man das Fell über die Ohren gezogen bekam, weil man gutgläubig war: "Du warst eben nicht achtsam genug. Was haben wir alle über Dich gelacht."

Es ist also wichtig, sich genau anzuschauen wie egoistisch sich Personen im Beruf und im Alltagsleben verhalten, bevor man etwas gemeinsam auf den Weg bringen möchte. Genau das sollten Eltern ihren Kindern beibringen, um sie vor viel Leid zu bewahren.  Wurde  einem Menschenkenntnis in der Kindheit nicht gelehrt, wird man erst nach viel Schmerz  und so manch bitterem Verlust klüger.

2) Spielsucht

Notorische Spieler halten sich generell nicht an Zusagen, denn sie wollen auf Teufel komm raus gewinnen. Wer mit ihnen etwas gemeinsam unternimmt, hat schon verloren, noch bevor er etwas Gemeinsames zu unternehmen beginnt. Notorische Spieler sind notorisch unzuverlässig, weil Unzuverlässigkeit ihr Grundmuster ist. Wer dies nicht begreift, wir zu ihrem Spielball.  Hat ein Mensch einer Spielermentalität, lebt er diese in allen Bereichen seines Lebens aus.

3) Hörigkeit

Personen, die einer anderen Person oder gar einer Gruppe gegenüber hörig sind, habe ihre Vertrauenswürdigkeit restlos aufgegeben zugunsten der Hörigkeit. Sie sind, gleichgültig wie groß ihre Reputation einmal war, nur noch Manipulationsobjekt und zu jeder Schandtat bereit, wenn ihr Manipulator sie ihnen abverlangt. 

Kurzum: Man kann Menschen nur dann vertrauen, wenn man sie länger kennt und man sich ihre Vita genau anschaut. Nicht jedem ist die Falschheit anzusehen, besonders Hardcore-Spielern nicht. Einem fremden Menschen, aus einem spontanen Bauchgefühl heraus zu vertrauen, erweist sich mitunter sogar als lebensbedrohlich oder gar als lebenszerstörend.

Es gibt sehr versierte Lügner. Nicht selten sind sie überaus erfolgreich, weil ihnen Regeln einfach egal sind.  Vertrauensbruch macht diesen Personen kein Problem.

Helga König

Samstag, 8. Dezember 2018

Sonntagskolumne Helga König, 9.12.2018

Die Künstlerin #Ana_Schönsteiner, die auf Twitter fast täglich ihre Werke postet, putzt die seitens des Künstlers #Gunter_Demnig verlegten Stolpersteine, über die ich in meiner letzten Kolumne bereits schrieb, in Berlin. 

Sie ist nicht die einzige, die dies tut, um ihre Wertschätzung gegenüber all den ermordeten Opfern aus der NS-Zeit zu bekunden. Ana bewirkt mit ihrem Tun allerdings als Künstlerin zugleich noch etwas anderes, etwas im Hinblick auf ihren Künstlerkollegen..., eine Art Solidaritätsbekundung und für jeden sichtbare Bereitschaft Gunter Demnig beizustehen. Sie zeigt also Zivilcourage. 

 Foto: Ana Schönsteiner
Gunter Demnig braucht diesen Beistand, obschon er berühmt ist und bereits 70 000 Stolpersteine verlegt hat. Er schrieb gestern am 8.12 auf Twitter: "In letzter Zeit wurden wiederholt #Stolpersteine mit Aufklebern mit den Namen angeblicher Opfer von Flüchtlingen überklebt. Auch in sozialen Netzwerken wurden derartige Bilder verbreitet. Wir bitten euch, diese Fälle zu melden und ggf. zur Anzeige zu bringen, danke! #Demnig“ 

Zudem hört man immer wieder, dass die Steine verschmutzt sind und die Schrift nicht mehr einfach entzifferbar ist. In rechtslastigen Kreisen sind die #Stolpersteine verpönt, weil sie an das nicht wieder gut zu machende Unrecht erinnern, das in der NS-Zeit an Millionen unschuldiger Menschen verübt worden ist. 

Auf meine Frage, was die goldene Kugel auf den Foto bedeute, die Ana gestern gepostet hat, twitterte sie "Ist ne Christbaumkugel, die bring ich mit, ich nehme immer Einiges mit zum Putzen, z. B. dieses Stoffbild, das ich schon im KZ Buchenwald um die Buchen dort gewickelt habe, als ich im dortigen Staffeleiraum, wo an Malerinnen und Maler erinnert wurde, in Tränen ausbrach, mir hilft das."

Wobei? fragte ich mich spontan, ohne sofort bei ihr nachzuhaken. Allerdings wurde mir rasch klar, dass Ana eine innere Verbundenheit mit anderen Künstlern lebt, dabei Dritten verdeutlicht, wie unverbrüchlich die Künstlergemeinschaft über die Zeiten hinweg zusammenhalten kann und so Erinnerungen am Leben erhält, die notwendig sind, um begangenes Unrecht nicht zu verdrängen. 

Die goldene Kugel ist das Symbol für unsere innere Weisheit. Ana positioniert dieses Symbol für die Betrachter ihres Tuns stets sichtbar. Ob die Betrachter den tieferen Sinn des Symbols erkennen und fühlen, wie in ihnen etwas wachgerüttelt werden möchte? In welcher Beziehung steht die goldene Kugel mit den goldenen Stolpersteinen? Was löst der gleichzeitige Anblick von beidem beim Betrachter aus?

Die Sehnsucht nach  Mitmenschlichkeit?

Ana twitterte gestern auch Erlebnisse, die sie beim Putzen hat: "Dann wieder so was: eine Frau bedankt sich bei mir mit einer heißen Tasse Kaffee, die sie aus der Wohnung mitbringt, ne andere steckt mir Geld zu für Putzmittel, eine dankt, weil ihre Familie auch in Riga und Ausschwitz umkam. Ich erlebe da auch viel Positives.“ 

Während ich das las, habe ich verstanden, dass Anas Performance ihr Ziel erreicht: Erinnerung, Wertschätzung und Mitmenschlichkeit werden heraufbeschworen.  Das ist sehr gut.

Kunst kann viel leisten, wenn der Künstler mit heißem Herzen sich engagiert.

Danke Ana.

Helga König

Samstag, 24. November 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 25.11.2018

Aufmerksam wurde ich erstmals auf sogenannte #Stolpersteine an dem Ort, wo ich geboren wurde. Erst sehr spät erfuhr ich wie viele Juden dort einst gelebt hatten. Die Einheimischen reagierten ungehalten, wenn man nachfragte und meine Eltern waren in der NS-Zeit dort noch nicht ansässig, konnten mir aus Erfahrung also nichts mitteilen.

Zwischenzeitlich ist mir bekannt, dass es an meinem Geburtsort eine Synagoge gab, die im 18. Jahrhundert bereits errichtet wurde und die erste urkundliche Erwähnung jüdischer Mitbürger auf das Jahr 1686 zurückgeht. Die meisten der jüdischen Bewohner waren Kaufleute. Was mit ihnen geschah, kann man den 17 Stolpersteinen entnehmen, die seither verlegt worden sind.

Wenig später entdeckte ich auch hier in Kelsterbach, der Stadt in der ich seit Jahrzehnten bereits lebe, ebenfalls #Stolpersteine und vor geraumer Zeit  habe ich mich mit dem Twitter-Account des Künstlers Gunter Demnig  mit dem Accountnamen "Stolpersteine" verlinkt, der auf die Homepage des Künstlers verweist.

Die #Stolpersteine sind im Boden verlegte kleine Gedenktafeln, mittels denen an das Schicksal der Menschen erinnert werden soll, die in  der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet. Sie werden von einem angegossenen Betonwürfel mit einer Kantenlänge von 96 × 96 und einer Höhe von 100 Millimetern getragen. Dabei werden sie meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster bzw. den Belag des jeweiligen Gehwegs eingelassen.*

Im Oktober 2018  hat der Begründer dieser Projekts, der Künstler #Gunter_Demnig in Frankfurt am Main den 70.000sten Stein verlegt.

Der Homepage Demnigs ist zu entnehmen, dass zwischenzeitlich in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas #Stolpersteine verlegt worden sind.

Der 1947 in Berlin geborene Künstler absolvierte nach seinem Abitur erfolgreich ein breitangelegtes Kunststudium. 1993 entstand der Entwurf zum Projekt #Stolpersteine, die er nun seit 18 Jahren in Deutschland und anderen europäischen Ländern verlegt.

Zwischenzeitlich hat Gunter Demnig eine Fülle von Auszeichnungen für die #Stolpersteine erhalten und seit diesem Monat gibt es eine Initiative im Netz, die ihn für den #Friedensnobelpreis vorschlägt.

Die Begründung lautet: "Seit 1992 ist er unermüdlich dabei, den Opfern des Nationalsozialismus wieder einen Namen zu geben. Jeder dieser Stolpersteine ist eine kleine Gedenktafel aus Messing, die Bodeneben in den Gehweg eingelassen werden. Sie werden vor den Häusern verlegt, in denen zu letzt aus eigenen Willen gelebt haben. Die Stolpersteine lassen uns über die nationalsozialistischen Verbrechen ‚stolpern‘ und halten so die Erinnerung an die Opfer wach und erinnert uns mit jedem seiner bisher 70.000 Stolpersteinen in 24 europäischen Ländern, wie allgegenwärtig die Verfolgung zu dieser Zeit war. Er sorgt dafür, dass wir nie vergessen, wer die Opfer waren und trägt dazu bei, dass es keine Wiederholung gibt. Für diese unermüdlichen Recherchen und diesen Einsatz verdient er diese Auszeichnung." (Malte Lohmann)**

Demnigs Intention besteht u.a. darin, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll eine symbolische Verbeugung vor den Opfern verkörpern. Darüber hinaus schafft Demnig Bewusstsein für Frieden und Mitmenschlichkeit, indem er in jedem Einzelnen, der sich  mit den Steinen befasst, etwas bewegt und zu erkennen hilft, dass man sich nicht wegducken darf, wenn fremdenfeindliche Parolen irgendwo geäußert werden, denn sie können der Beginn von weit Schlimmerem sein. Pogromnächte kann es immer wieder geben.

In einer Zeit, in der die Fremdenfeindlichkeit und damit einhergehend der Rechtsradikalsmus immer mehr zunehmen, ist es äußerst wichtig, erkennbare Zeichen zu setzen und täglich an die ermordeten und verfolgten Juden und Sinti und Roma im Nazi-Deutschland zu erinnern. 

Die Posts von Gunter Demnig auf Twitter oder Facebook zu verlinken, helfen auf die Menschen aufmerksam zu machen, die von den Nazis einst verfolgt wurden und rütteln wach, wenn erneut gegen Andersgläubige und Andersdenkende zu Felde gezogen wird. Erst werden flammende Reden gehalten, dann lodern die Scheiterhaufen oder das Hassobjekt  wird anderweitig grausam zu Tode gebracht. Die Geschichte der Deutschen spricht eine klare Sprache und die heißt gnadenlose Grausamkeit.

Die #Stolpersteine vom Gunter Demnig sind ein zutiefst ethisches Projekt, sind ein Mahnmal, sind gelebte Mitmenschlichkeit und  machen begreifbar, was Wertschätzung über den Tod hinaus bedeutet.

 Helga König*

*wikipedia- Stolpersteine

Donnerstag, 22. November 2018

Kolumne: Helga König, 22.11.2018

Der hervorragende Film "Vor der Morgenröte" ist auf Arte noch bis zum 27.11.2018 verfügbar. Er befasst sich mit einer bestimmten Lebensphase des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig, dessen Bücher ich vor Jahrzehnten erstmals gelesen habe und noch immer sehr schätze. 

Zweig war einer der erfolgreichsten, deutschsprachigen Autoren während der 1920-1930er Jahre. Er war Sohn eines jüdischen Textilunternehmers, studierte Philosophie, Romanistik und Germanistik und schrieb in Philosophie seine Doktorarbeit. All das geschah lange vor der Zeit, die im Film thematisiert wird.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits unendlich viele Werke verfasst, die die Jahrhunderte überdauern und dann immer noch erkenntnisfördernd sein werden. Zu diesem Zeitpunkt auch war nicht nur seiner großen Leserschaft bereits bekannt, dass er sich als Europäer und Pazifist begriff und einen hohen moralischen aber auch ethischen Anspruch in seine Bücher einfließen ließ, weil er sich um den Erhalt der alten humanistischen Werte bemühte. 

Im Film lässt der Drehbuchautor Jan Schomburg ihn sagen: "Intellektuell sein, heißt gerecht sein." Ein wichtiger Satz, von hohem Wahrheitsgehalt! 

Stefan Zweigs Bücher standen 1933 auf der Liste der Bücherverbrennungen und 1935 wurde er im Nazi-Deutschland auf die Liste verbotener Autoren aufgenommen. Damals hatte er Deutschland bereits verlassen, denn er lebte von 1934 bis 1942 im Exil. 

Die Nazis waren nicht gerecht, folglich auch nicht intellektuell. Ihr Denken war archaisch plump und von Selbstsucht zerfressen. Viele Intellektuelle waren damals auf der Flucht vor der grausamen,braunen Brut und konnten trotz Verfolgung nur deshalb weiterleben, weil sie in anderen Ländern Asyl fanden. Auch Stefan Zweig konnte dies, wie "Vor der Morgenröte" dokumentiert, doch ihn quälte sein Privileg, das er als berühmter Schriftsteller hatte. Ihm nämlich hatte er es zu verdanken, dass er in Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Petrópolis, das waren vier Stationen im Exil des Schriftstellers und großen Intellektuellen, gastfreundlich aufgenommen wurde und in Sicherheit leben konnte. 

Ich möchte den Film nicht nacherzählen und auch keine Rezension dazu verfassen. Was mich fasziniert hat und weshalb ich heute diese kleine Kolumne schreibe, war, dass erkennbar wird, wie sehr ein ethisch denkender Mensch darunter leiden kann, dass er aufgrund privilegierter Bedingungen gewissermaßen "auserwählt" ist, dem Leid und den Qualen, die andere erleben müssen, nicht ausgesetzt zu sein,  wie er diese Bürde nicht erträgt, weil er ein sensibler Intellektueller ist, dadurch depressiv wird, so depressiv, dass er sich schließlich das Leben nimmt.  

Menschen, denen Asyl gewährt wird, haben auch im Hier und Heute, bevor sie gerettet wurden,  immer furchtbare Erfahrungen gemacht, die sie seelisch schwer belasten, oft ihr Leben lang. Haben sie Verwandte oder Freunde, die weiterhin Terror oder Krieg ausgesetzt sind, werden sie keine Sekunde ihre Rettung genießen können, sondern sie werden vor allem leiden, auch wenn sie nicht intellektuell sind. Es genügt, ein Herz zu haben. Hat man das begriffen, versucht man all diesen Menschen, viel Ruhe zu verschaffen, sie zu trösten und schürt nicht neuerliche Ängste, weil man wie hier in Deutschland am rechten Rand auf Stimmenfang gehen will, indem man das Asylrecht,- sich geradezu teuflisch die Hände reibend-, zur Disposition stellen möchte. 

Helga König

Sonntag, 11. November 2018

Sonntagskolumne Helga König, 11.11.2018

Durch einen Artikel in der FAZ wurde ich in der letzten Woche auf eine Untersuchung aufmerksam, die sich mit dem dunklen Faktor der Persönlichkeit auseinandersetzt. Psychologen aus Ulm, Landau und Kopenhagen haben erforscht, dass Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen und Sadisten mehr gemeinsam haben, als sie trennt. Die Universität Koblenz/ Landau schreibt, dass es Forschern gelang, zahlreiche dieser problematischen Persönlichkeitseigenschaften auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen: den "dark factor" (D-Faktor) der Persönlichkeit. Die Studie wurde in der international renommierten Fachzeitschrift Psychological Review veröffentlicht.

Kernbestandteil dieses dunklen Faktors der Persönlichkeit sei ein übertriebener Egoismus, der negative Auswirkungen auf andere oder die Gesellschaft im Allgemeinen hat. Dieser werde begleitet von Überzeugungen, die Schuldgefühle, Gewissensbisse und moralische Skrupel verhinderten, erläuterte Professor Morten Moshagen, Leiter des Abteilung psychologische Forschungsmethoden an der Universität Ulm. Er hat gemeinsam mit Professor Benjamin Hilbig von der Universität Koblenz-Landau und Professor Ingo Zettler von der Universität Kopenhagen diese Untersuchung durchgeführt. Befragt wurden mehr als 2500 Personen.

Wie die Uni Koblenz-Landau weiter schreibt, haben die Professoren bei ihren Analysen neun Persönlichkeitseigenschaften untersucht. Genannt werden: Egoismus, Gehässigkeit, Machiavellismus, moralische Enthemmung, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus, Selbstbezogenheit und übertriebene Ansprüchlichkeit.

Die Forscher ermittelten, dass sich gewissermaßen alle diese Eigenschaften auf den D-Faktor als dunklen Persönlichkeitskern zurückführen lassen. Dies bedeute, dass beispielsweise Menschen mit einer hohen Narzissmus-Tendenz mit großer Wahrscheinlichkeit auch ausgeprägte machiavellistische und psychopatische Persönlichkeitszüge zeigen. "Außerdem ist bei Menschen mit einem starken D-Faktor statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit hoch, kriminell oder gewalttätig zu werden oder anderwärtig gegen soziale Regeln zu verstoßen", so die Forscher.

Dass überbordender Egoismus die Ursache allen Übels ist, ist mittlerweile nicht wenigen bekannt, die sich näher mit dem Neoliberalismus sowie Rechtsradikalismus und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft befasst haben. Noch immer aber wird nicht erkannt, dass überbordender Egoismus, geschürt durch die Medien und die Werbung, Wirtschaftsweisen wie den reinen Kapitalismus (Neoliberalismus) und gesellschaftliche Phänomene wie Rechtsradikalismus erst herausgebildet hat. 

Dass man von Narzissmus auf Gehässigkeit und sogar Sadismus schließen kann, wissen zwischenzeitlich zumindest all jene, die im Netz bereits mit Mobbern, Stalkern und Trollen zu tun hatten und deren Verhalten sehr genau analysiert haben, denn nirgendwo wird abgründiges Verhalten so  unverblümt sichtbar wie im Netz. 

Sobald ein hoch-aggressives, niederträchtiges, hinterhältiges, verlogenes Verhalten bei einem Menschen in unserem Umfeld erkennbar wird, muss man davon ausgehen, dass es uns früher oder später auch treffen kann, weil es Bestandteil dessen Charakters ist. 

Die Politik und Wirtschaft ist ein Sammelbecken egoistischer Zeitgenossen mit Ellenbogenmentalität. Vielleicht sollte man sich im Vorfeld die private Vita potentieller Anwärter für Führungspositionen genau anschauen, bevor man selbstverliebte Gockel in die nähere Wahl zieht, weil die negativen Auswirkungen des D-Faktors stets weit größer sind als das  fachliche Wissen und Können.

Merken muss man sich: Menschen mit überbordendem Egoismus kennen keine Rücksicht. Sie lügen und betrügen zu ihrem Vorteil ohne jegliches Schuldgefühl und erfinden immer Legitimationsgründe für ihr Verhalten. Gier ist die Haupteigenschaft solcher Personen. Dieser Gier wird alles untergeordnet. 

Meine Erfahrungen mit solchen Zeitgenossen haben mich gelehrt, hochsensibel zu regieren, wenn erste Anzeichen des D-Faktors hinter der Maske von Freundlichkeit sichtbar werden. Deshalb empfehle ich allen, die Untersuchungen der Professoren sehr Ernst zu nehmen.

Helga König

vgl dazu: Studie: Der dunkle Faktor

Sonntag, 4. November 2018

Sonntagskolumne Helga König, 4.11.2018

Nach der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen rät der Freiburger Polizeipräsident jungen Frauen: "Macht euch nicht wehrlos mit Alkohol oder Drogen.“ 

Das verkennt und verharmlost die Realität“, kommentiert Julian Dörr von der Süddeutschen Zeitung.

Im Januar 2016 hat sich die Aktions-Künstlerin Milo Moiré mit einem Plakat mit der Aufschrift "Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild selbst, wenn wir nackt sind!!!" entblößt am Kölner Dom präsentiert und damit sehr anschaulich dokumentiert, worum es geht. Die körperliche Unversehrtheit einer Frau muss gewahrt bleiben, selbst wenn sie sich nackt in der Öffentlichkeit zeigt. Das gilt natürlich auch für Männer und  sollte überall auf dieser Welt bedingungslos akzeptiert werden, spätestens seit die Digitalisierung eine Annäherung kultureller, aufgeklärter Gepflogenheiten erforderlich macht. Der Merksatz lautet: Das Entblößen des Körpers ist keine Aufforderung zum Sex.

Wenn junge Frauen aufgrund von Alkohol oder Drogen sich möglicherweise nicht mehr gegen sexuelle Übergriffe wehren können, werden die Übergriffe durch besagten Alkohol- und Drogenkonsum keineswegs legitimiert. 

Jede Frau hat das Recht - unangetastet von sexualisierten Männern -   ein paar Gläser über den Durst zu trinken und sich dann enthemmter zu verhalten, beispielsweise enthemmter zu tanzen oder sich entsprechend zu artikulieren oder spontan ohne Begleitung, durch dunkle Straßen nachhause zu gehen und  selbst dann-  ohne ihre ausdrückliche Einwilligung- sexuell unbehelligt zu bleiben.

Frauen zu ermahnen, sich "keuscher" zu geben, vielleicht sogar sich keuscher zu kleiden, um nicht vergewaltigt zu werden, erinnert an  das Thema "Unkeuschheit"  im katholischen Gebetbuch von einst und unterstellt, dass Männer potentielle Triebtäter sind. 

Vergewaltigung ist nach Artikel 36 der Istanbul-Konvention das nicht einverständliche, sexuell bestimmte vaginale, anale oder orale Eindringen in den Körper einer anderen Person. Ein eventuelles Einverständnis muss freiwillig als Ergebnis des freien Willens der Person erteilt werden.[1] Vergewaltigungen bedeuten eine massive Verletzung der Selbstbestimmung des Opfers und haben oft gravierende psychische Folgen. Die juristische Bewertung ist je nach Land unterschiedlich. Eine Vergewaltigung verletzt das Menschenrecht auf sexuelle Selbstbestimmung, das vom deutschen Grundgesetz als Teil der allgemeinen Handlungsfreiheit unter Artikel 2 Absatz 1 GG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gefasst wird.[2]

Seit 1997 ist hierzulande auch die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Es gibt nun generell keinen sexuellen Freifahrtschein für Männer in diesem Lande mehr, das muss  jedem Mann klar gemacht werden, der hier lebt, gleichgültig, welches Männerbild er im Kopf hat.  

In meinen Augen ist es unerheblich, aus welchen Ländern Vergewaltiger kommen, sondern  es stellt sich einzig die  Frage,  inwiefern führt archaisches Macho-Gehabe zur sexuellen Gewalt und wie kann man dieses Verhalten rechtzeitig abtrainieren, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

 Helga König

 1+2 Vergewaltigung

Sonntag, 30. September 2018

Sonntagskolumne Helga König, 30.9.2018

Die ZEIT schrieb am 25. September 2018 "Den von der Kirche zur Verfügung gestellten Kirchenakten zufolge wurden zwischen 1946 und 2014 1.670 Geistliche des Missbrauchs beschuldigt. Betroffen waren mutmaßlich 3.677 Kinder und Jugendliche. Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen."*

Der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing vermutet, dass die Ursachen in den Strukturen der katholischen Kirche begründet sind. Genannt werden: "der Missbrauch klerikaler Macht, aber auch der Zölibat und der Umgang mit Sexualität, insbesondere mit Homosexualität". ** 

Am 23.2. 2016 konnte man in der "WELT" lesen: "Hunderttausende Kinder in Deutschland sind Opfer von sexuellem Missbrauch. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Studie unter Leitung des Ulmer Jugendpsychiaters Jörg Fegert im Auftrag des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hervor.“*** "Rörig zufolge findet Missbrauch überall statt: in Familien, in Institutionen, abgebildet in digitalen Medien, in Flüchtlingsunterkünften oder durch organisierte Kriminalität. Die Formen reichten von sexualisierter Sprache bis zu Vergewaltigungen auch von Babys und Kleinstkindern."**** 

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen findet also allerorten statt. Die von Harald Dreßing angeführten Ursachen sind demnach als ausschlaggebend anzuzweifeln. Weder der Zölibat, noch der Umgang mit Sexualität, speziell der Homosexualität seitens der katholischen Kirche scheinen die tatsächlichen Gründe für dieses unsägliche Phänomen zu sein, denn selbst ein entspannter Umgang mit Sexualität und mit Homosexuellen in unserer seit langem nicht mehr durch die katholische Kirche dominierten Gesellschaft führt nicht dazu, dass die Zahlen des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen rückläufig sind. Das Gegenteil ist der Fall. 

Fakt ist: Es gibt einen gewissen Anteil von hetero- und homosexuellen Männern- bei Frauen kommt Pädophilie nur vereinzelt vor- in der Gesellschaft, die pädophil sind, d. h. deren sexuelles Interesse sich primär auf Kinder vor dem Erreichen der Pubertät bezieht. 

Die polizeiliche Kriminalstatistik gibt Aufschluss über die Zahl der Anzeigen im Bereich von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen: 

Für das Jahr 2017 verzeichnet sie 
• 11.547 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch
• 990 Fälle von Missbrauch an Jugendlichen 
• 403 Fälle von Missbrauch an minderjährigen Schutzbefohlenen 
• 6.512 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter Kinderpornografie und
• 1.306 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter Jugendpornografie.*****

Die schlechte Nachricht: Offenbar ist die Neigung zur Pädophilie nicht therapierbar.******  

Aber interessant auch dies: Nur etwa 40 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Kinder sind tatsächlich durch eine pädophile Neigung motiviert. Die Mehrzahl ereignet sich durch andere Gründe, "etwa aus sexueller Hemmungslosigkeit, einer sadistischen Neigung oder als Folge ganz genereller Gewaltimpulse.“ ******* Dies allerdings lässt aufhorchen. 

Gibt es psychologische Tests, durch die ermittelt werden kann, ob bestimmte Menschen, die in Berufen tätig werden wollen, die ihnen den Zugang zu Kindern und Jugendlichen erleichtern, anfällig sind für sexuellen Missbrauch? Falls ja, sollte man diese Menschen im Vorfeld schon ausgrenzen und was geschieht, wenn sie ausgegrenzt sind? Werden sie dann zur allgemeinen sexuellen Bedrohung von Kindern und Jugendlichen? 

Sollte man diese  psychisch kranken Personen- selbst wenn sie noch nicht straffällig geworden sind- in ihrer Freiheit- gewissermaßen zum Schutz aller-, auch zum Schutz ihrer selbst, beschränken, unsere Gesetze ändern und uns auf den Weg zur alles kontrollierenden Diktatur begeben? Das kann es ja wohl nicht sein, oder? Doch, was tun? 

Es ist einfach mit dem Finger auf ungeliebte Institutionen zu zeigen, die sich angeblich zu wenig kümmern. Doch sieht man das Problem in seiner gesellschaftlichen Gesamtheit, stellt man sehr rasch fest, dass es sich nicht so einfach lösen lässt. 

Solange der Infantilisierung der Gesellschaft Vorschub geleistet wird, wird die Verantwortung und Wertschätzung des Einzelnen gegenüber allen anderen Menschen nicht steigen. Die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen wird sich demnach eher noch verschlechtern, nicht nur, was sexuelle Übergriffigkeit anbelangt. Mit der Kirche hat dies allerdings nichts zu tun, denn gelebte christliche Ethik sieht Straftaten, wie sie jetzt zu Recht angeprangert werden als  akzeptables Handlungsmuster nicht vor. Sexualstraftäter, die sich in diese Institution hineinbegeben haben, um ein Kirchenamt zu begleiten, haben neben den sexuellen Straftaten zudem Verrat an der christlichen Ethik begangen. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Was soll die katholische Kirche tun, nachdem Jesus den Gläubigen an die Hand gegeben hat: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." (Matthäus 7,1)?



*+ ** "Zeit"
******+*******  Zur Pädophilie, ZEIT

Sonntag, 23. September 2018

Sonntagskolumne Helga König , 23.9.2018

Kurz vor den 78. Geburtstag des im Januar 2005 ermordeten Modemachers Rudolph Moshammer wurde jetzt in der ARD die Verfilmung des Lebens dieses Münchner Geschäftsmanns gezeigt. Es handelte sich hierbei um eine witzige und zugleich nachdenklich stimmende Satire mit Starbesetzung, an der mir besonders gut gefiel, dass man Moshammers Ableben nicht ausgeschlachtet hat. Dass man allerdings seine Qualitätsansprüche in Sachen Mode mehr als nur in Frage stellte, fand ich überaus unfair. Er kann sich gegen diesen Angriff nicht wehren. Bleibt zu hoffen, dass da niemand gezielt nachtreten wollte, d.h. keine alte Rechnung beglichen werden sollte. 

In Rudolph Moshammers Laden auf der Maximilianstraße war ich seit Anfang der 1990er Jahre einige Male und zwar seiner schönen, nicht spießigen und dabei qualitativ hochwertigen Krawatten wegen. Bei den ersten Besuchen lebte seine Mutter noch, die auffallend viel Wärme ausstrahlte und ganz und gar nicht dem Bild entsprach, das Hannelore Elsner im Film von ihr transportierte. 

Else Moshammer wirkte eindeutig nicht wie eine geldgeile, geltungssüchtige, intrigante, alte Hexe. Das Gegenteil war der Fall. Die Mimik und Faltenbildung der damals bereits über 80 jährigen Frau sprachen Bände. Man freute sich ihr ins Gesicht zu blicken und ihre herzlichen Lachfältchen zu sehen. 

Sie und ihr Sohn haben, nachdem Elses Mann gesellschaftlich abstürzte, hart für ihren späteren Wiederaufstieg und Erfolg gearbeitet, ohne dabei emotional zu verhärten. Dabei hat Rudolph Moshammer offensichtlich nie vergessen, was es bedeutet, unter sehr kargen Umständen, mit sehr viel Eigenverantwortung, sich aus nicht selbst verschuldeten Problemen herauszuschaffen. Dass nicht jeder die Kraft und das Glück hat wie Phönix aus der Asche emporzusteigen, war ihm klar. Er erhielt nicht grundlos für sein erhebliches soziales Engagement den "Martinsmantel" der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes. 

Mein spontaner Eindruck von Rudolph Moshammer damals war äußerst positiv. Er strahlte wie seine Mutter Herzlichkeit und Güte aus. Das findet man in den Kreisen, die sich normalerweise bei ihm zum Shoppen einfanden, höchst selten. Er war  auch in diesem Fall ein Paradiesvogel.

Ich wurde selbst Zeuge eines Verkaufsgesprächs als damals ein alternder Promi- er wird im Film nicht erwähnt-  ein pinkfarbenes Cashmere- Jackett erwarb  und sich anschickte mit Rudoph Moshammer - dem das peinlich war- wie auf einem Basar zu handeln und alles Mögliche zur gekauften Jacke von ihm dazu geschenkt haben wollte. Keine einfache Situation für den Geschäftsmann vor allen anderen Kunden im Laden cool zu bleiben und höflich Grenzen zu setzen... 

Der Modemacher war übrigens auffallend präsent, ohne eine Spur von Aufdringlichkeit. Wer wie er aus dem Nichts in einer Branche aufsteigt, kann sich keinen Pfusch erlauben. Gewiss werden ihm Neider unsaubere Arbeitsweisen unterstellt haben, das bringt Erfolg mit sich. Schade, dass solche üble Nachrede im Film als Tatsache festgehalten wird. Das ist, ich betone es nochmals,  nicht fair. 

Man kann Stoffqualität erfühlen. Man kann auch sehen, wie etwas genäht ist. Die Waren in Moshammers Boutique waren von außergewöhnlicher Qualität. Das erkundete ich damals mit großem Interesse. Eine solche Qualität  und Perfektion kannte man zu jener Zeit bei deutschen Designern und Designerinnen nur von Jil Sander. 

Die Moshammer-Verfilmung als Satire betrachtet, war natürlich witzig, doch sie war nicht fair im Hinblick auf den ermordeten Münchner Modedesigner, der niemals verlernt hatte, mitzufühlen und zu helfen und dies gewiss nicht vorrangig aus Imagegründen tat. 

Dass nur wenige Prominente, die sich ansonsten gerne mit ihm ablichten ließen, bei seiner Beerdigung dabei waren, wundert mich nicht.  Das ist ist typisch für die Bussi-Gesellschaft, die sich stets wegduckt, wenn die Gefahr besteht,  anzuecken. In Moshammers Fall ging es darum, zu zeigen, dass es für sie keine Rolle spielte, dass er bisexuell war und sich seine Liebhaber auf der Straße suchte, sei es aus Einsamkeit oder weil er sich nicht binden wollte oder weil er nicht mehr attraktiv  genug war, um auf  normalem Weg einen jungen Liebhaber zu finden.

Helga König

Montag, 17. September 2018

Sonntagskolumne Helga König, 16.9.2018

Es ist sehr lobenswert, dass letzte Woche nun endlich in der ZEIT die Haarer –Erziehungfibel  "Die deutsche Mutter und ihr Kind" zur Sprache gebracht wurde. Der Titel des Zeit-Artikels lautet: "Warum Hitler bis heute die Erziehung von Kindern beeinflusst". Diesbezüglich habe ich bereits 2012 das Buch "Die geprügelte Generation" rezensiert und ein Interview mit der Autorin Ingrid Müller-Münch realisieren können.  

Die Erziehung zu Hitlers Zeiten hatte zum Ziel, aus Kindern empathielose Menschen zu machen, die problemlos lügen, betrügen und morden konnten. Wer die Welt und seine Mitmenschen beherrschen will, kann sich kein Mitgefühl leisten, das wussten die Nazis sehr genau. 

In den Lesebüchern der NS-Zeit wurde Rassenhass gelehrt, der nicht hinterfragt wurde, weil die Kinder durch die Haarer-Erziehungsmethoden bereits seelenlos auf hochgradige Egomanie getrimmt waren. Rassenhass war die Grundlage für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und egomane Gier die Triebfeder für das Überfallen fremder Länder, um an deren Fleischtöpfe zu gelangen. Im Tausendjährigen Reich versuchte man durch Haarers Erziehungsmethoden Naziverhalten im Volk langfristig  festzuzementieren.

Empathielosigkeit ist die Basis dafür, dass man andere in jeder Beziehung abkochen oder gar kaltblütig töten kann, um an deren Habe zu gelangen. Die so "abgerichteten" Menschen versuchten nach dem Krieg ihre Kinder durch Kälte und emotionale Ablehnungsstrategien zu ähnlich "strammen Nazi-Deutschen" zu trimmen, was zur Folge hatte, dass es in der nächsten Generation, die gottlob auch andere Einflüsse hatte, eine ganze Reihe von depressiven Menschen gibt, doch auch unsäglich viele Psychopathen, die ihrem Umfeld die Hölle bereiten. Nicht grundlos wird immer wieder gesagt, dass mancher aus der 68er Generation der Vorgeneration nicht unähnlich sei, trotz anderer politischer Gesinnung.

Bei Menschen, bei denen die Haarer-Erziehung gefruchtet hat, die also nicht depressiv geworden sind, weil für sie eisige Kälte unerträglich ist, kristallisiert sich - je älter sie werden-, eine geradezu unbeschreiblich Egomanie und Niedertracht heraus, die genau dem entspricht, was die Nazis und ihre Ober-Erziehungsratgeberin  beabsichtigten. 

Je älter nach Haarer erzogene Menschen werden, umso mehr Kälte strahlen sie aus und wenn man sich genauer mit ihnen befasst, bemerkt man rasch, dass sie unberechenbar sind und man ihnen keinesfalls vertrauen kann. Ihr Handlungsziel ist stets der eigene Vorteil. Das muss man sich klar machen und auch, dass sie sich nicht ändern, man ihnen also nicht auf den Leim gehen darf.

Verantwortungsbewusstsein Dritten gegenüber ist ebenfalls nicht vorhanden, was auch die Folge der Empathielosigkeit ist. Gefühle werden generell nur gespielt,  um ein Vorteil für sich zu erlangen. 

Die Haarer-Erziehung ist in Zeiten des Neoliberalismus ebenso attraktiv für Vorteilsdenker wie zu Zeiten der Nazis, gemixt mit Rassenhass allerdings können -und das muss man sich auch bewusst machen - erneut Konzentrationslager entstehen. 

Stärke im Sinne der Nazis war und ist Gefühlskälte gegenüber Dritten. Daran hat sich nichts geändert. Der andere ist niemals Freund in dieser horriblen Wolfsgesellschaft, sondern  immer nur Feind  oder Spießgeselle.

Aufklärung in Schulen ist wohl der einzige Weg, um Haarers perfides Gedankengut  keinen Raum mehr zu geben.

Helga König

Sonntag, 9. September 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 9.9.2018

Dass die Industrie in den letzten Jahrzehnten unsere Esskultur maßgeblich beeinflusst hat, ist hinlänglich bekannt, dass am zweiten Wochenende im September- wir befinden uns noch im Spätsommer- in den Supermärkten bereits zuhauf Süßwaren für Weihnachten angeboten werden, ist mehr als ärgerlich. Direkt vor den Kassen sind Leb- und Baumkuchen, Weihnachtsplätzchen und all die anderen süßen Sachen bereits positioniert. Wen wundert es da noch, dass übergewichtige Kinder laut quengeln, weil sie diese "Leckereien" unbedingt haben und sofort verschlingen wollen. Die Zuckersucht lässt nichts anderes zu. Sie schert sich nicht um alte Traditionen, wonach in der dunklen Jahreszeit etwas süßer gespeist wurde als während des ganzen Jahres, um sich auf diese Weise mit dem mangelnden Licht abzufinden.

Mit Zucker, Weißmehl und Transfetten hat die Lebensmittelindustrie in den letzten Jahrzehnten ganze Arbeit geleistet, denn immer mehr Kinder sind bereits an Diabetes II erkrankt, immer mehr junge Menschen sind adipös und deshalb schlapp und depressiv. Bei ungefähr 50.000 Diabetikern von rund 7 Millionen hierzulande kommt es laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft jedes Jahr zu einer Amputation. 

Die Zahl der Übergewichtigen nimmt in Deutschland leider weiterhin zu. 59 % der Männer und 37 % der Frauen sind bereits übergewichtig und viele davon an Diabetes erkrankt. Dass Übergewicht die Ursache zahlloser Krankheiten ist, dürfte sich bereits herumgesprochen haben und dennoch ist keine nennenswerte Veränderung im Essverhalten der Gesambevölkerung feststellbar. 

Die Ratgeberbranche boomt, immer kompliziertere Abnahmefibeln werden veröffentlicht, doch die Zuckerindustrie hält dagegen und spendet Trost, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, weil es  ja letztlich auch nicht klappen kann, wenn man dem Industriemüll nicht gänzlich entsagt. 

Kaum einer hat so kluge Bücher verfasst, wie der viel gescholtene Dr. med Ulrich Strunz, der bereits vor zwei Jahrzehnten in seinen Werken darlegte, was es mit den BMI –Werten auf sich hat und weshalb Zucker eine Fettfalle ist. In einem seiner Bücher sagte er, wer den Morgen süß beginnt, steigt abends mit einer Tafel Schokolade ins Bett. Genau darauf aber werden Kinder abgerichtet, die zum Frühstück schon Crunchys verabreicht bekommen und abends dann eine Tüte Gummibärchen oder eben Schokolade verdrücken, damit sie einschlafen können und ihre adipösen Eltern nicht mehr nerven. 

Esskultur hat immer auch etwas mit Disziplin zu tun. Diese wurde seitens der Industrie systematisch unterhöhlt durch versteckten Zucker, dem wir alle ausgeliefert sind, wenn wir nicht mit der Lupe und einem Fachwörterbuch einkaufen gehen. Wer pausenlos sein Insulin lockt- mit Fertigprodukten, Brot, Süßem und Softdrinks nimmt unweigerlich zu und wird schließlich krank. 

Die  soeben genannten Lebensmittel können nicht nur zu Diabetes, sondern auch zu Demenz, Herzkrankheiten, Schlaganfall und anderem mehr führen. Sie schwächen letztlich die Abwehr, stressen den Körper und beschleunigen das Alter. 

Wer seine Nahrungsmittel mit dem Auto nachhause fährt- die meisten tun dies leider-, anstelle sie nachhause zu tragen und auch ansonsten am liebsten im Sessel hockt, wird sich schon recht früh "fix und foxi" fühlen und es dann auch irgendwann sein. 

Eine weltoffene Esskultur könnte ungemein bereichern, wenn man sich speziell  auf die gesunden Speisen anderer Kulturen einlässt und von jenen Völkern lernt, die sich eindeutig vernünftig ernähren. 

Der Zucker- Weißmehl und Transfetteindustrie muss allerdings weltweit die rote Karte gezeigt werden. Eine höhere Besteuerung von deren Produkten ist meines Erachtens aber der falsche Weg. Sie füllt nur weiter den Staatssäckel, der dann sinnlos verbraten wird, während die dafür anfälligen Menschen Opfer einer gierigen, verantwortungslosen Lebensmittel- und Pharmaindustrie bleiben. 

Besser scheinen mir deshalb Aufklärung vom Kindergartenalter an und ein üppiger Bonus für alle seitens der Krankenkassen, wenn man nachweisen kann, dass man sich gesund ernährt. Esskultur hat immer auch etwas mit der Wertschätzung der Natur zu tun, deren Raubbau unterbunden werden muss, indem Massentierhaltung ebenso untersagt wird, wie das Einsetzen von Nahrungsmittelgiften, die das Gemüse und Obst verseuchen und den Konsumenten am Ende Krebs bescheren.

Fazit: Die entsprechende Lobby muss aus dem Tempel gejagt werden, nur so  kann  Vernunft gedeihen.


Helga König

Sonntag, 26. August 2018

Sonntagskolumne Helga König, 26.8.2018

"Das Thema unserer Zeit: panischer Egoismus. Wenn Menschen ohne Empathie die Überholspur als ihr Recht aggressiv anpeilen. Tunnelblick und Ellbogen. Die wichtigste Selbstschutzmassnahme für Betroffene: Abgrenzung" (Tweet von Helmut Karas, gepostet am 24.8.2018). 

Vorbemerkung: Der Begriff "panischer Egoismus" fasst perfekt  zusammen, was Karas anschließend definiert. 

Neugierig googelte ich, ob dieser Begriff bereits anderenorts aufgetaucht ist. Der Autor Wolfgang Gründinger, hat ihn, so erfuhr ich, auch schon benutzt und zwar in seinem Buch "Alte Säcke Politik- Wie wir unsere Zukunft verspielen". Ob es eine Begriffsschöpfung dieses Autors ist, entzieht sich meinen Recherchen. Soviel nur: Das Werk von Gründinger kannte ich bislang ebenso wenig, wie den dort enthaltenen und auch von Karas verwendeten Begriff.

Wikipedia definiert: "Panik ist ein Zustand intensiver Angst vor einer tatsächlichen oder angenommenen Bedrohung. Sie ist eine starke Stressreaktion des Organismus auf eine oft unerwartete und erschreckende Situation und geht einher mit vielfältigen vegetativen und körperlichen Symptomen.[1] Dabei kann es unter Umständen zu einer Einschränkung der höheren menschlichen Fähigkeiten kommen."*

Was nun sind höhere menschliche Fähigkeiten? Durchsucht man das Internet, stößt man hier immer wieder im Zusammenhang mit diesen Fähigkeiten auf die Begriffe "Einfühlungsvermögen" und "Liebe", also mit einem Wort auf die Eigenschaft der Empathie. 

Tatsächliche oder angenommene Bedrohung können demnach unsere Empathie einschränken, d. h. auf diese Weise Personen, die normalerweise durchaus die höheren menschlichen Fähigkeiten besitzen, zu bedingungslosen Egoisten machen, sprich zu Menschen, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen und zwar selbst zum Nachteil anderer. 

Die Angst, nicht mehr genug zu bekommen und auf zu engem Raum leben zu müssen, wird tagtäglich durch rechte Gruppierungen  gezielt geschürt. Der Neoliberalismus spielt den rechten Gruppierungen in die Hände, wenn er beispielsweise mit der Umwelt Raubbau betreibt, weil das gierige Habenwollen Nachhaltigkeit  in neoliberal ausgerichteten Firmen rigoros ausklammert. 

So werden die von rechts geschürten Ängste dann bestätigt und in den Medien weiter befeuert, anstelle klugerweise  Alternativen aufzuzeigen. Dadurch greift panischer Egoismus seuchenartig von Jahr zu Jahr immer mehr um sich und erfasst die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft und hier auch  unzählige Familien, weil alle davon überzeugt sind, dass der Vulkan, auf dem sie vermeintlich leben, jeden Moment explodieren wird und alle nochmals hemmungslos, wenn auch zum Nachteil Dritter, zulangen  sollten.

Um was es also geht? Es gilt die Panik zu minimieren, die Nerven zu beruhigen, sich von der Endzeitstimmung zu verabschieden und stattdessen Empathie zu kultivieren. 

Dann wird für alle gewiss wieder begreifbar, dass ein Miteinander der sinnstiftendere und glücklichere Weg ist. "Tunnelblick" und "Ellenbogen" entsprechen nicht der gesunden, menschlichen Natur, sondern  sind Ausdruck einer  psychischer  Gestörtheit, die  unter Umständen  gar nicht auf einem inneren Mangel beruht, wie neuerdings immer wieder erklärt wird, sondern auf Angstmacherei seitens übler politischer oder wirtschaftlicher Kräfte, die tatsächlich aus unserer menschlichen Gesellschaft ausgegrenzt werden müssen, damit sie fortbestehen kann.

Helga König

*vgl: Wikipedia Panik

Sonntag, 12. August 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 12.8.2018

Wirft man im Wartezimmer beim Friseur oder beim Arzt einen Blick in die Regenbogenpresse, wird man Zeuge von Schlammschlachten aller Art und erlebt, wie vormals hochgefeierte Zeitgenossen systematisch fertig gemacht werden. 

Schmierfinken suchen stets nach Fehltritten bei erfolgreichen Menschen, um damit ihre neidbesetzte, missgünstige Klientel zu befriedigen, die Spitzenleistungen von Menschen, gleichgültig in welchen Bereichen, einfach nicht ertragen kann, weil sie  dadurch ihr eigenes Unvermögen schmerzvoll spüren. 

Im letzten Jahr habe ich mit dem Weltschauspieler #Helmut_Berger zwei Interviews auf "Buch, Kultur und Lifestyle" realisiert, weil dieser nachdenkliche, sensible Mensch von der Kloakenpresse seit Jahren durch wenig aufbauende Artikel in die Melancholie getrieben wurde und weil ich daran erinnern wollte, in welch grandiosen Literaturverfilmungen er die Hauptrolle spielte und allein schon deshalb Wertschätzung verdient. 

Wir erleben seit einigen Jahren wie sogar die bislang seriöse Presse sich immer häufiger in das schmutzige Fahrwasser der Schundblätter begibt und in der Privatsphäre von Sportlern, Schauspielern oder Politikern nach Fehltritten fahndet. 

Personen wie #David_Gerrit, #Michel_Friedmann, #Jörg_Kachelmann und #Christian_Wulff wurden ebenso gebrandmarkt wie jetzt #Jan_Ullrich. All diese Menschen wurden von einer Armada von Fotografen und penetrant agierende Reportern wegen moralischer Zweideutigkeiten verfolgt und so wurde und wird der Zuschauer im Fernsehen oder auf Youtube Zeuge eines stets wiederkehrenden Spektakels, nämlich wie in einer noch immer doppelmoraligen Gesellschaft sogenannte sexuelle Sünder (wohlgemerkt nicht Straftäter)  dieser zur Geiselung vorgeworfen werden, ganz so wie im tiefsten Mittelalter. Dabei vergisst Youtube selbst nach Jahren nichts, auch wenn zwischenzeitlich klar geworden ist, dass es sich um eine böse Diffamierung handelte.

Betrügereien und daraus entstehende Skandale in der Wirtschaft und Politik werden, wie man fast täglich aufs Neue erleben kann, rasch vergessen und als Kavaliersdelikte herunter gespielt. Keinen Spaß allerdings kennt die vermeintlich sexuell aufgeklärte Gesellschaft, wenn ihre Helden ihr klösterliches Image aufs Spiel setzen. Dann geht es zu Sache. 

Genau das aber sollte diskutiert werden. 

Einerseits wird gegen die Prüderie muslimischer Religionsangehöriger gewettert und einen "Halles" um das Kopftuch gemacht, als ginge daran das Abendland zugrunde, andererseits jedoch wird diese Prüderie  von den Leuten, die mit Fleiß mit zwei Ellen messen, atemberaubend übertrumpft, wenn sie einen Helden auf Talfahrt für den Pranger im Sommerloch benötigen oder ein Held einem anderem Helden -  in welcher Beziehung auch immer - im Wege steht. 

Helga König

Sonntag, 29. Juli 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 29.7.2018

Zuverlässigkeit ist eine Tugend, die man bei selbstsüchtigen Menschen grundsätzlich nicht voraussetzen sollte. In der Politik, auch in der Wirtschaft und im privaten Rahmen gilt es, dazuzulernen, seit wir in einer narzisstischen Gesellschaft leben, in der die Selbstsucht Programm zu sein scheint. Wie kann man sich schützen?

Abgefeimte Werbesprüche, die auf die Befriedigung von zuvor subtil suggerierten Wünschen abzielen, haben die Gesellschaft infantilisiert und aus Erwachsenen Riesenbabys mit Riesenwünschen gemacht. Niemals ist es genug. Immer mehr und mehr müssen diese Riesenbabys haben. Dabei bilden Habsucht und Selbstsucht in deren Charaktermuster eindeutig eine Einheit. 

Das wetterwendische Verhalten von Egomanen macht es allerorten schwer, langfristig zu planen, denn, was heute zugesagt wird, gilt morgen nicht mehr. Noch nicht einmal auf notariell beglaubigte Verträge kann man sich verlassen, wenn das Gegenüber ein Egomane ist, der alles, was nicht zu seinem Vorteil ist, ausblendet und stur nur das akzeptiert, was ihm nützt. 

Das Egomanen-Spektakel dürfen wir alle in der Politik täglich erleben und lernen hier zu begreifen, was es bedeutet, wenn Weltpolitiker nicht ihr Wort halten, Absprachen und Regeln ohne Bedenken brechen und  sich durch nichts verpflichtet sehen. Doch diese Politiker sind der Spiegel der Gesellschaft und alles andere als Ausnahmewesen. 

Egomanen ist die Wertschätzung ihrer Mitmenschen ebenso fremd, wie die Wertschätzung der Natur. Freundlich und charmant sind sie nur dann, wenn sie etwas wollen, im Normalzustand erlebt man nur ihre geballte Kälte. Diese Kälte ist ihre Waffe, die es ihnen ermöglicht, andere auszurechnen und für die eigenen Zwecke einzusetzen. 

Bei einem Egomanen an die Vernunft zu appellieren, ist sinnlos. Vernunft kennt diese Spezies ebenso wenig wie Schuldgefühle, denn sie wird, man kann es nicht oft genug betonen, von ihrer Selbstsucht dominiert, lebt immer nur im Jetzt und dort soll es möglichst kommod für sie sein, gleichgültig, was mit anderen wird. Nachhaltigkeit ist nicht ihr Ding, "nach mir die Sintflut", das Lebensmotto.

Kinder, Ehemänner oder Ehefrauen, Freunde und Verwandte werden ebenso abgründig vereinnahmt und bei Bedarf weggeschoben, wie Geschäftspartner oder Parteifreunde. Dabei ist das oberste Prinzip die Befriedigung der persönlichen Lustgefühle. Kaufsucht, Spielsucht, Sexsucht, Trinksucht, Zuckersucht, Nikotinsucht und tausend andere Süchte sind typisch für diese Menschen, die von ihrem Ego beherrscht werden und denen Disziplin grundsätzlich fremd ist. Die Folgen tragen zumeist andere. Doch das ficht Egomanen nicht an, weil sie ihr Verhalten niemals reflektieren und bei Vorhaltungen  nichts weiter  als die beleidigte Leberwurst geben, anstatt mal in sich zu gehen.

Man kann nicht oft genug vor ihnen warnen, denn sie zerstören, wo sie auftauchen, immer die Gemeinschaft und hinterlassen stets nur Unheil. 

Helga König

Montag, 23. Juli 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 22.7.2018

"Mit ungläubiger Irritation vermisse ich eine öffentliche Diskussion darüber, mit welchen Kampfmitteln die Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach- , Welt- und Sinnzerstörer gekontert werden kann. Ironie jedenfalls funktioniert nicht mehr. Lasst uns forschen.“ 

Der Schauspieler Armin Rohde postete am 22.7. 2018 obigen Tweet. 

Der Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach-, Welt und Sinnerstörer kann m. E. weder durch Ironie noch durch Vernunftsappelle beigekommen werden, weil sie auf die irrationalen Ebenen der Zuhörer abstellt. 

Man muss diese  hinterhältige Rhetorik Satz für Satz zerpflücken und so oft es geht, genau aufzeigen wie sie funktioniert. Das ist alles andere als einfach, weil Tatsachenverdrehungen an der Tagesordnung sind und mit vorgegaukelten Emotionen sich Gehör bei den angepeilten Zielgruppen verschafft wird. 

Zur Rhetorik der genannten Personengruppe gehört, die Gegner immer wieder zu provozieren, zählen auch Drohungen, Täuschungen, Gerüchte, Verleumdungen und dergleichen mehr. Zur scheinbar positiven neutralen Elementen dieser Rhetorik gehört das Einrichten von Nebenkriegsschauplätzen, das Einlullen, die Richterrolle, auf Zeit zu spielen und andere nicht minder miese, abgefeimte Verhaltensmuster. 

Genau all diese Elemente muss man mit stoischer Ruhe aus den Statements der Lügner herausfiltern und öffentlich immer wieder thematisieren. Man muss darauf achten, welche Haken die Verfolgten dann schlagen und sich darauf gefasst machen, dass sie immer niederträchtiger rhetorisch agieren, wenn sie merken, dass man ihnen auf den Fersen ist. 

Erwischen wird man sie letztlich nie, weil sie die offene Konfrontation scheuen und sich wegducken, wenn es für sie brenzlig wird. 

Man braucht gute Freunde im Kampf mit diesen verlogenen Typen. Allein reibt man sich an deren Niedertracht auf Dauer auf.

Die enthemmten Sprach-, Welt-, und Sinnzerstörer sind- das muss man sich einfach bewusst machen-, Getriebene, die alles, was sie unternehmen, aus dem Zerstörungsmodus heraus tun. So gesehen sind es Psychopathen, die, sobald wir in ihre Schwingungsebene geraten, uns das Leben erschweren, wo sie nur können. 

Sie zu ignorieren, erspart uns vorübergehend vielleicht viel Ärger, langfristig allerdings können wir uns den Folgen ihres Tuns nicht entziehen, jedenfalls, wenn sie Macht erhalten, sei es wirtschaftliche oder politische. Wissen sollte man, dass solche Zeitgenossen immer nach Macht und damit der Möglichkeit, alles zu kontrollieren streben, um letztlich alles zu vernichten. 

Auch wenn das Paradies auf Erden oder das Schlaraffenland versprochen wird, es geht dieser Sorte von Menschen nur um Zerstörung und überall, wo sie Raum erhalten, steht zum Schluss kein Stein mehr auf dem anderen, ist Dunkelheit, ist Wüste Programm. So war es in allen Zeiten. Die Geschichte kennt tausende von Beispielen. Schlimm nur, dass die Mittel der Zerstörung zwischenzeitlich so perfektioniert worden sind, dass durch die krankhaften Destrukteure die gesamte Erde ausgetilgt werden kann.

Deshalb gilt es aufzuklären, jetzt und alle Tage, die noch folgen. 

Helga König

Sonntag, 15. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 15.7.2018

"Es gibt Güter, Rechte, Prinzipien, die lassen sich nicht zu Disposition stellen, die sind unverhandelbar. Es hat nichts mit Liberalität zu tun, sie zu Pro und Contra Fragen zu reduzieren. Das ist das Ende der Übereinkunft darüber, was wir bislang für Zivilität hielten."

Die Philosophin Dr. Carolin Emcke twitterte am 12. Juli 2018 diese Sätze, offenbar als Antwort auf die veröffentlichten Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT. 

Gleich vorab, ich teile Carolin Emckes Position, wundere mich allerdings nicht, dass seit geraumer Zeit immer häufiger geradezu perverse Beckmessereien in punkto Mitmenschlichkeit allerorten stattfinden. Das "Boot Europa" ist zu voll, hört man von den Biedermännern und denkt sogleich an die 1912 untergegangene "Titanic" als viele mittellose Passagiere damals deshalb ertranken, weil ihnen reiche Egomanen den Platz in den Rettungsboten verwehrten, obgleich genügend Raum vorhanden war. 

Die Angst von Migranten überschwemmt zu werden, wird von rechtslastigen Politikern fast täglich geschürt, zugleich wird aber zu wenig getan, um das Leben der Leute in den armen, oft von Kriegen erschütterten Ländern zu verbessern. 

Es ist doch nur logisch, dass der Selbsterhaltungstrieb die Menschen dorthin gehen lässt, wo sie meinen, genügend zu essen und zu trinken zu haben und vielleicht eine Arbeit zu finden. Der Wohlstand Europas ist seit Internetzeiten überall auf dieser Welt bekannt. Dass dies Konsequenzen hat, sollte doch jedem klar sein. Sollen "Eindringlinge" jetzt an den Grenzen gleich abgestochen werden?

Die Vorstellung, in Seenot geratene Flüchtlinge einfach absaufen zu lassen, weil sie sich angeblich freiwillig in Gefahr begeben haben, passt in unsere Zeit, in der man unliebsamen Fragen aus dem Weg geht, wenn deren Antworten deutlich machen, dass die Ursachen in einem Fehlverhalten unsererseits begründet liegen. 

Sich nicht verantwortlich oder mitverantwortlich zu fühlen, passt ins Verhaltensmuster unserer infantilisierten Gesellschaft. Alles wird weggeschoben, was das eigene Wohlbefinden stören könnte. Wenn Humanisten in Seenot geratene Migranten privat retten, dann kann man deren ethische Haltung nicht in Frage stellen oder diese sogar kriminalisieren wollen. In Frage stellen muss man das Verhalten der Politik und Wirtschaft, das zugelassen hat, dass man Drittländer über Jahrhunderte ausbeutete und den dort lebenden Menschen die Entwicklungschancen raubte. 

Zum raschen Aufbau der Länder sollte man anteilmäßig all jene, die in Kolonialzeiten sich die Taschen füllten, unvorzüglich zur Kasse bitten, aber auch die Großunternehmen, vor allen die Waffenhersteller, die heute dafür sorgen, dass eine zügige Entwicklung der krisengeschüttelten Länder nach wie vor unmöglich ist, die entstehenden Kosten zum Wiederaufbau  größtenteils tragen lassen. 

Nicht die Opfer, sondern die Täter gilt es täglich anzuprangern und sie zu ethischem Verhalten zu erziehen. Solidarität mit den Opfern ist gefragt. Dabei sollte sich die liberale Presse nicht zum Steigbügelhalter rechtslastiger Parolen machen lassen. Das ist mehr als nur peinlich.

Helga König

Sonntag, 8. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 8.7.2018

"Während die Philosophen noch streiten, ob die Welt überhaupt existiert, geht um uns herum die Natur zugrunde." Karl Raimund Popper (1902-94), brit. Philosoph u. Wissenschaftslogiker östr. Herk.) 

Als ich diesen Satz heute Morgen las, dachte ich spontan an den Philosophen Ernst Bloch, dessen 133. Geburtstag heute gefeiert wird. Er sagte:"Die Philosophen sollen die Welt nicht interpretieren, sondern verändern."

In Bezug auf die Natur geht es in erster Linie darum, ein ethisches Bewusstsein  bei allen zu schaffen und über die Folgen des Raubbaus aufzuklären.

In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Müllberge und vermüllte Meere gezeigt. Wie diese entstehen, ist schon lange bekannt. Doch es wird kaum etwas unternommen, um sie zu verhindern. 

In dm-Märkten oder beim Handelsunternehmen Tegut gibt es lobenswerterweise keine Plastiktüten mehr an der Kasse. Hier ist man bereits den richtigen Schritt gegangen. In anderen Supermärkten werden leider noch immer Plastiktüten verkauft. Das Geschäft scheint lukrativ und die Verantwortung gering zu sein. Der mündige Kunde geht auf das Angebot natürlich nicht ein, doch leider ist es allgemein mit der Vernunft nicht weit her, wenn der Mensch Gewohntes verändern soll. Selbst die Erhöhung der Preise für Plastikprodukte sorgt nur selten für ein Loslassen der alten Gewohnheit. 

Früchte, Gemüse, Milchprodukte etc. fast alles ist in Supermärkten in Plastik verpackt. Die Notwendigkeit ist selten erklärbar, doch auf Wochenmärkten wird gezeigt, wie man umweltfreundlich  agieren kann. Gemüse und Obst aus der Region zu kaufen, ist in dieser Beziehung sinnvoll, weil die langen Anfahrtswege entfallen und damit das Frischhalteproblem.

Auch anderes Verpackungsmaterial ist oft überflüssig und dient bloß der Augenwischerei. 

Der Klimawandel bedingt durch den pervertierten CO2 –Ausstoß führt zu erheblichen Hitze- und Trockenperioden, auch zu Starkregen und Hagel im Frühling und im Sommer. Für die Winzer, Bauern und Hobbygärtner werden die Arbeitsbedingungen immer dramatischer. Die Versicherungsbeiträge für Unwetterschäden  sind so hoch, dass sie für  die Winzer und Landwirte kaum mehr zahlbar sind.

Die Hautkrebserkrankungen steigen von Jahr zu Jahr mehr. In der Bundesrepublik ist die Haut mit rund 270 000 Neuerkrankungen pro Jahr das menschliche Organ, das am häufigsten von Krebs betroffen ist.* Ursache sind die immer extremer werdenden UV- Strahlen.

Nord- und Südpol leiden unter dem Klimawandel, wie man stets aufs Neue liest: Das einst ewige Eis schmilzt und die Gletscher werden kleiner. Allein in der Antarktis ging laut einer aktuellen Studie in den letzten fünf Jahren im Mittel dreimal so viel Eis verloren wie in den 20 Jahren zuvor.** 

Wir sind ein Teil der Natur und werden seitens der Lebensmittelindustrie täglich mit Angeboten für Zucker- und Weißmehlbomben überhäuft. Fast in allen industriell hergestellten Lebensmitteln ist Zucker versteckt und an versteckten, gesundheitsschädlichen Transfetten mangelt es ebenfalls nicht. 

Eine Folge vom Zuckermissbrauch und von Fast-Food ist, dass 12 jährige bereits an Diabetes II erkranken und die Krankenkassen nicht mehr wissen wie sie die rund 10 Millionen Diabeteskranken finanzieren sollen. 

Von neoliberalen Unternehmern, Lobbyisten und Politikern ist keine Einsicht zu erwarten, denn sie kennen keine Verantwortung. So liegt es an den Philosophen, die Menschen aufzuklären und dabei zu helfen,  sie zu mündigen Bürgern zu machen, die dem geldgeilen Pack die rote Karte zeigen: 

"Mit uns nicht mehr!"

Dies ist das Ziel, das es zu erreichen gilt.  

Helga König

Sonntag, 24. Juni 2018

Sonntagskolumne

Sonntagskolumne   wieder ab  8. Juli wegen Krankheitsfall in der Familie.  Gottlob  ist  die Patientin schon wieder gut auf dem Weg der Besserung.

Samstag, 9. Juni 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 10.6.2018

"Ich halte es für extrem unfair und überaus verwerflich, einen unaufgeklärten Sexualmord für fremdenfeindliche Aktionen zu instrumentalisieren."(Tweet, 9.6.2018)

Diesen Satz postete ich heute Nachmittag, nachdem ich diverse Berichte in Zeitungen zum Fall "Susanna" gelesen hatte. 

Natürlich ist es sehr tragisch, was geschehen ist und  selbstverständlich ist jeder Sexualmord ohnehin einer zu viel. Wissen aber muss man, dass Sexualmorde hierzulande rückläufig, d.h. demnach keineswegs mit den Flüchtlingswellen der letzten Jahre angestiegen sind, (anbei die Statistik). Wer anderes verlautbaren lässt, der sagt die Unwahrheit. 

Die Hintergründe für die Tötung Susannas sind noch nicht bekannt. Bilder des dunkelhaarigen Mädchens wohl aber schon. Rein optisch könnte sie eine Irakerin oder Syrerin sein und eignet sich insofern vom Typ her eigentlich nicht für den rechtslastigen Feldzug zum Schutze der blonden, germanischen Frau, der gerade stattfindet. 

Selbst wenn die Aufklärung des Falls ergeben sollte, dass der Tatverdächtige diese Tötung begangen hat, wäre dies immer noch kein Anlass für fremdenfeindliche Aktionen. Sexualstraftäter gibt es auf der ganzen Welt. Leider! 

Untersuchungen zeigen, dass Psychopathen ihre Opfer instinktiv erkennen. Eine deutsche Schauspielerin schrieb dieses Jahr, dass sie von verschiedenen Männern in jungen Jahren vergewaltigt worden sei. Diese Frau war einst der Inbegriff einer Männerphantasie und dies scheint mir der springende Punkt zu sein. Wenn ein starker erotischer Ausdruck sich in einer Frau mit Naivität paart, dann kann das besonders für junge Mädchen problematisch werden. 

Bei allem sollte man aber wissen: Im Jahr 2017 wurden auf 100.000 Einwohner in Deutschland 13,7 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung polizeilich registriert. Insgesamt wurden 2017 acht Fälle von Sexualmorden in Deutschland polizeilich erfasst. Die aktuelle Bevölkerung hierzulande besteht aus 81 373 514 Menschen. 

Natürlich ist es unerträglich, dass es immer noch Männer gibt, die Frauen sexuell nötigen und vergewaltigen oder sogar töten. Es ist aber wie die Statistiken zeigen eine verschwindende Minderheit und diese Minderheit den Fremden zuzuordnen, ist mehr als infam. 

Was man seit seiner Bevölkerungsumfrage des Justizministeriums der Vereinigten Staaten weiß, sind  99 Prozent aller Sexualstraftäter Männer. Deshalb nun alle Männer an den Pranger zu stellen, wäre auch nicht sehr fair, oder?

Nachtrag 10.6.2018: Zwischenzeitlich ist der geflüchtete, mutmaßliche Täter Ali B. nach seinem Fluchtversuch in den Irak nach Deutschland zurückgekehrt und befindet sich in Untersuchungshaft. Der Polizeichef der nordwestirakischen Stadt Dohuk, Tarik Ahmad, ließ gegenüber der Nachrichtenagentur AFP verlautbaren,  dass Ali B. ausgesagt habe, er sei mit der 14 jährigen befreundet gewesen, sei mit  ihr in Streit geraten und habe sie erwürgt  und zwar aus Angst, sie werde die Polizei  rufen. Drogen und Alkohol seien im Spiel gewesen.Was man von dieser  Aussage zu halten hat, werden die nächsten Tage zeigen und wohl auch unter welchen Umständen das Geständnis zustande kam. Fest steht, noch ist nicht wirklich geklärt, wer das Mädchen getötet hat und auch nicht, ob die Tötung Folge einer Vergewaltigung war. Klar scheint aber bereits zu sein, dass hier kein Vergewaltiger hinter irgendwelchen Büschen einem jungen Mädchen auflauerte, sondern der mutmaßliche Täter und das  Opfer sich kannten, vielleicht sogar recht gut kannten.

Nachtrag: 11.6.2018: Zwischenzeitlich hat Ali B. gestanden, Susanna getötet zu haben. Er bestreitet allerdings eine mögliche Vergewaltigung. Wenn dies stimmt-  gewiss lässt sich das durch eine Untersuchung des Körpers des Opfers feststellen- , dann  handelt es sich hier nicht um einen Trieb- sondern um einen Angsttäter.

Der Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche sagte einst: "Drei Viertel alles Bösen, das in der Welt getan wird, geschieht aus Furchtsamkeit." Das sollte zu denken geben
  
Helga König