Impressum

Das Impressum finden Sie auf der Hauptseite von "Buch, Kultur und Lifestyle- Das Magazin für den anspruchsvollen Leser" wwww.rezensionen.co

Sonntag, 23. Juli 2017

Samstag, 15. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 16.7.2017

In meiner Kolumne in der vergangenen Woche habe ich mich mit den Krawallen in Hamburg anlässlich des G20 Gipfels befasst. Zwischenzeitlich ist in der deutschen Medienlandschaft viel über diese Ereignisse geredet und geschrieben worden. 

Um zu verstehen, weshalb der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die Diskussionsrunde bei Maischberger empört verließ, habe ich mir den entsprechenden Clip jetzt mehrfach angeschaut. Verstanden habe ich sein Verhalten noch immer nicht. Begriffen habe ich auch das latent- sehr aufgebrachte Gebaren des CDU-Politikers Joachim Lenders nicht und empfand seine für jeden hörbare Bemerkung "Dummes Gesabbel" als beleidigend. Wieso hat Frau Maischberger hier den Diskussionsteilnehmer nicht abgemahnt? Das hätte man von ihr erwarten können.

Man muss nicht Jutta Ditfurths Position vertreten, wenn man ihr aufmerksam zuhört, um zu begreifen, weshalb nach ihrer Beobachtung es zu den gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg kam. Ditfurth kennt die Szene seit Jahren und beurteilt diese aus soziologischer Sicht. Hört man ihren Aussagen genau zu, so wird deutlich, dass die Gewalt sich offenbar schrittweise aufgebaut hat und vermutlich im Anfangsstadium zu wenig für die Deeskalation getan wurde. 

Dass einige Polizisten offenbar auch Journalisten, die über die Vorgänge vor Ort berichten wollten, tätlich angegriffen haben, zeugt von mangelnder Gelassenheit einzelner Polizisten und vor allem von einer Personalschulung, die diskutiert werden muss. Choleriker sollten nach meiner Ansicht bei solch sensiblen Einsätzen außen vor bleiben, weil das Eskalieren einer Situation dadurch vorprogrammiert ist. 

Schuldzuweisungen an die Politiker hörte man in der Runde ebenfalls. Sie kamen von dem Journalisten Hans-Ulrich Jörges. Doch sein Ansatz löst das Problem nicht. Sofern hier jemand zu Rechenschaft gezogen werden muss, sind es die Randalierer, aber auch die Polizeiführung, die die Lage falsch eingeschätzt hat. Wenn Vermummte aus ganz Europa anrücken, um Randale zu machen und man das im Vorfeld weiß, muss man dafür sorgen, dass man die potenziellen Täter zuvor abfischt und ihnen das Recht verwehrt, an friedlichen Demonstrationen teil zu nehmen. Das gebieten kluge, präventive Maßnahmen.Wer Vermummungsutensilien und Eisenstangen im Gepäck hat, wird nachhause geschickt und so vor der eigenen Kriminalisierung geschützt.

80 Tausend friedliche Demonstranten wurden von etwa 1200 Randalierern in ihrem Recht, friedlich zu demonstrieren gestört. Vermummte aus ganz Europa marodierten brandschatzend tagelang durch Hamburg und schadeten nicht zuletzt den Bürgern dieser Stadt. Dass sich alle vernünftig denkenden Menschen von diesen Rechtsbrechern nachhaltig distanzieren, versteht sich von selbst, aber es steht auch außer Frage, dass nicht nur diese Rechtsbrecher, sondern auch Polizisten bei Amtsmissbrauch zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Mit dem Politiker Herrn van Aken teile ich die Meinung, dass man Gipfeltreffen an überschaubarere Orte verlegen sollte, allein schon um die Verkehrsnetze nicht über Gebühr zu belasten. Nicht alles ist dem Bürger zumutbar. 

Meinen Eindruck, dass Wolfgang Bosbach die Kritik Jutta Ditfurths am Verhalten übergriffiger Polizisten, die sie gegenüber Bosbachs Parteifreund Joachim Lenders (Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg) äußerte, spontan zum Schweigen bringen wollte, werde ich allerdings nicht los. 

Nach meiner Ansicht hätte Ditfurth sich viel klarer von den kriminellen Handlungen des Schwarzen Blocks und Lenders sich dezidierter von übergriffigem Verhalten von Polizisten distanzieren müssen. Das hätte das Diskussionsklima verbessert.

Wer deeskalieren möchte, auch bei zukünftigen Veranstaltungen, muss die Akteure beider Seiten der Barrikaden ganz genau unter die Lupe nehmen und darf sich keine Denkverbote auferlegen. Hier helfen nur schonungslose Analysen.

Frau Maischberger hat sich zwischenzeitlich bei Jutta Ditfurth in der FAZ dafür entschuldigt, dass sie die Soziologin aus der Sendung verweisen wollte, nachdem Wolfgang Bosbach den Raum verließ und damit den Fortgang der brisanten Diskussion aushebelte.

Was lief verkehrt in Hamburg? Die Frage wurde nicht ausreichend geklärt. Leider. Aber vielleicht war es genau das, was man in der Diskussion beobachten konnte. Zuhören und sich kultiviert zu verhalten, schadet nie. 

Helga König

Samstag, 8. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 8.7.2017

Die G20 Krawalle überschatteten die letzten Tage. Sie sind nicht nur das derzeitige Hauptthema in den Printmedien, sondern auch in den sozialen Netzwerken. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Hamburg entsetzen friedliebende Bürger, die solche Aufmärsche hierzulande nur aus Dokumentationen über SA-Kohorten in der NS-Zeit kennen. 

Was denken sich die Vermummten in der Hansestadt, wenn sie Autos ihnen unbekannter Personen anzünden, Läden plündern und mit Steinen werfen? 

Wenn ich die Bilder sehe, denke ich sofort an den 9. November 1938 und frage mich, wer sich unter der Maskerade von Kapuzen, Mützen und Sonnenbrillen verbirgt. 

Wikipedia schreibt "Kennzeichen von Schwarzen Blöcken auf Demonstrationen ist neben der Kleidung ein entschlossenes bis aggressives Auftreten. Zuweilen gingen Personen aus dem schwarzen Block offensiv gewalttätig gegen Polizei und politische Gegner vor,[7][8][9][10] errichteten Barrikaden, warfen Farbbeutel und beschädigten Geschäfte. Darüber hinaus wurden von Teilnehmern des Schwarzen Blocks auch Brandstiftungen an Fahrzeugen und Gebäuden verübt.[11][12][13][14][15] 

Die einheitliche schwarze Bekleidung und Gesichtsbedeckungen wie Kapuzen, Mützen, Sonnenbrillen und Tücher sollen die Demonstranten insbesondere vor der Erkennung durch Polizei, Staatsschutz oder politische Gegner wie Neonazis sowie vor Tränengas schützen. Früher wurden auch Motorradhelme, Gasmasken und Sturmhauben verwendet; in Deutschland stellt dies jedoch nach geltendem Recht seit Einführung des Vermummungsverbots 1985 einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz dar.“ *

Diese Umschreibung verdeutlicht, dass staatlichen Stellen nicht unbekannt ist, was man von der schwarzen Kohorte zu erwarten hat. Schaut man sich den Clip "Ein Hamburger Busfahrer und der Schwarze Block" an, wird klar, dass die Aggression, die von diesen Vermummten ausgeht, unberechenbar ist und Bedrohte oder Betroffene selbstverständlich in Angst und Schrecken versetzt. Deutlich wird aber auch, dass die angeblich politischen Motive kein Legitimationsgrund für den Vandalismus, das Brandschatzen und die Diebstähle sein können. 

Hier geht es um reine Zerstörungswut. Hier ist eine fatale Gruppendynamik enthemmter junger Männer im Spiel, mit denen man in Kontakt kommen muss, um ihnen bewusst zu machen, dass ihr Verhalten alles andere als konstruktiv ist. 

Der Neoliberalismus und seine Folgen werden nicht geringer, wenn man die Autos von Privatpersonen anzündet, Einzelhandelsgeschäfte plündert und ausraubt und ganze Straßenzüge verwüstet. Kein hungerndes Kind in Drittländern wird durch solche Aktionen satter. Das Einzige, was geschieht, ist,  dass man friedliebenden Demonstranten kein Gehör mehr schenkt, alle Protestler über einen Kamm schert und am Ende vielleicht sogar das Demonstrationsrecht einschränkt, weil die verursachten Sachschäden keiner mehr zahlen möchte. 

Die Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" am heutigen Samstag ist offenbar bislang friedlich verlaufen. Bleibt zu hoffen, dass Hamburg am heutigen Abend von dem Terror des Schwarzen Blocks verschont bleibt. 

Konstruktive Kritik benötigt keine Gewalt, um sich Gehör zu verschaffen. Konstruktive Kritik appelliert an die Vernunft und damit an die Fairness und je klüger sie dies tut, um so mehr Verbündete findet sie.

PS: Auch in der Nacht zum Sonntag kehrte auf den Straßen Hamburgs die Vernunft nicht ein, wie man den Nachrichten entnehmen kann. Die Randalierer scheinen noch sehr jung zu sein. Das wirft neue Fragen auf, die deren Eltern und Lehrer beantworten müssen.

Helga König

Samstag, 1. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 2.7.2017

Gestern endlich  wurde das umstrittene Gesetz gegen Hass und Verleumdung auf Internetplattformen verabschiedet. Wie zu erwarten, gibt es nun Proteststimmen, speziell natürlich von jenen, die als Trolle, Stalker und Mobber mit Fakeaccounts unterwegs sind, aber auch von Leuten, die ein sonderbares Verständnis von Freiheit haben, die grenzenlos, bekanntermaßen zu anarchischen Zuständen führt.

Von der Einschränkung der Meinungsfreiheit und von Zensur wird nun schwadroniert und bewusst übersehen, was sich auf einzelnen Plattformen mitunter tatsächlich abspielt und wie wenig geschützt arglose User vor Soziopathen dort tatsächlich sind.

Als persönlich Betroffene kann ich nur begrüßen, dass der Spuk mit den Mobbern nun Folgen für diese und die Betreiber der Plattformen hat, die das unbotmäßige Verhalten nicht unterbinden. 

Von 2009- 2014 erlebte ich auf Amazon Mobbing und Stalking von einer Fake-Account-Armee, die einen unglaublichen Cyberkrieg gegen mich führte, um mich aus den Top-Ten und schließlich aus den Top 100 zu vertreiben. Sobald ein Mitrezensent (m/w) gegen den Terror durch einen Kommentar Einspruch erhob, wurde er gnadenlos verfolgt und ebenfalls auf verletzendste Weise gemobbt.

Die Zustände waren pervers. Meine Versuche über die Polizei, die Staatsanwaltschaft und über einen Anwalt gegen die Schweinereien vorzugehen, fruchteten nicht. Man verwies mich an den Betreiber, der die Mobber nach vielen fehlgeschlagenen Eingriffen schließlich gewähren ließ.

Die hohe Aggressivität und die brachialen Niederträchtigkeiten der Mobber zeigten mir wie weit Menschen im Netz gehen können, wenn man sie lässt. 

Shitstorms im Hinblick auf Autoren und Journalisten sind mittlerweile vielen bekannt. Nicht grundlos werden Kommentarfunktionen eingeschränkt oder vollständig beseitigt, um Beleidigungen und Kränkungen zu verhindern.

Fakeaccounts können überall auf der Welt angesiedelt sein und sind nicht einfach aufzuspüren, haben Fachleute mir damals erklärt. Für die Betreiber der Plattformen ist es ein enormer Aufwand, all die Kränkungen zu löschen und auszuloten, wann gehandelt werden muss.

Anstelle die Täter zur Verantwortung zu ziehen, kann man natürlich auch die Opfer ausgrenzen, die werden aber dann zum Spielball der Täter mit entsprechenden Folgen.

Seit Jahren plädiere ich dafür, dass es Pflicht werden sollte, dass sich User von Internetplattformen, mit Namen und Bild zeigen müssen und jeder sich nur über eine einzige Nummer, eine Art Passnummer ins Netz einwählen kann. Diese Vorgehensweise würde viele Probleme minimieren, denn die Anonymität erst macht es möglich, dass Menschen, die sich nur aus Angst vor Strafe einbremsen lassen, wie tollwütig agieren.

Ich verstehe friedliche User, die das Internet ausschließlich privat nutzen nur zu gut, wenn sie sich zu ihrem Schutz vor Mobbern Nicknamen zugelegt haben. Doch ich denke, dies ist der falsche Weg.

Diese Vorgehensweise nämlich zeigt, dass die jetzt "Zensur" schreienden Rüpel, es geschafft haben, Menschen so sehr in eine Zwangslage zu treiben, dass diese sich wegducken, weil sie Furcht vor Verleumdung und Kränkung haben.

Die Meinungsfreiheit all der rechtschaffenen, eingeschüchterten User wird durch Mobber gnadenlos geplättet, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet.

Auf Facebook hat man die Gelegenheit, User zu blocken, sofern sie unverschämt werden. Dies ist eine sinnstiftende Maßnahme, die von den meisten sehr geschätzt wird. Ich bin dort mit  5000 Usern befreundet und habe im Laufe von 5 Jahren 11 User geblockt, zumeist wegen Spam.

Ein wenig anders schaut es bei Twitter aus. Dort ist die Anzahl der Rüpel höher, möglicherweise weil hier massiver mit Fakeaccounts agiert wird und das Blocken solcher Rüpel wenig nützt, da die Rüpeleien nur unter großen Schwierigkeiten gelöscht werden können.

Auf Amazon ist die Ursache für das Mobben in Gier, Neid und Missgunst begründet. Speziell Autoren wissen davon ein Lied zu singen. Dort wäre u.a. das Einfrieren der Diskussionsforen ein sinnstiftende Maßnahme.

Neben den gesetzlichen Veränderungen, die ich sehr begrüße, gibt es nur eine Möglichkeit das Netz zu befrieden und zwar selbst auf schmerzhafteste Provokationen nicht zu reagieren, um auf diese Weise die Akteure an die Wand laufen zu lassen. Dazu allerdings benötigt man ein "dickes Fell".

Eine meine  Twitter-Followerinnen kommentierte das Verhalten der Provokateure wie folgt:

"Mürbe machen, so lange bis der andere so reagiert wie beabsichtigt, um das dann zu nehmen als Beleg für die Richtigkeit dessen, was sie davor getan haben, ohne Anlass."

Mit diesen Worten hat sie sehr gut das Verhalten von Mobbern umschrieben.

Helga König

Samstag, 24. Juni 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 25.6.2017

"In den besten Momenten fühlt sich mein #Gehen an wie Ankommen bei mir selbst." (Torsten Wirschum)

Der saarländische Autor Torsten Wirschum, einer meiner Twitter- und Facebook-Follower, erfreut sein Netzwerk mit sehr einfühlsamen Fotos, die er auf seinen Wanderungen durch unterschiedliche Regionen in Deutschland realisiert hat. Heute Morgen nun postete er eine Aufnahme von einem geheimnisvollen Waldweg und fügte den Satz hinzu "In den besten Momenten fühlt sich mein #Gehen an wie Ankommen bei mir selbst."

Diese Bemerkung macht neugierig. Man möchte Näheres über den Autor und Fotografen in Erfahrungen bringen, dem es offenbar um weit mehr geht, als um Bewegung in frischer Luft und das Ablichten dessen, was er während seiner Exkursionen sieht.

Macht man sich auf seinem Twitter- und Facebookprofil kundig, erfährt man, dass der Autor Blogger ist und dort ein "Wandertagebuch"  schreibt. Seine Texte überraschen, weil sie voller Poesie sind.

"Das grünlich schimmernde Licht auf den Blättern.
Das helle Gelb, dort, wo die Sonnenstrahlen sich im
Gras verfangen.
Das rotgoldene Licht des Spätnachmittags.
Gerüche:
Der Wald, die Erde.
Ich gehe gleichmäßig.
Im sanften Wind gehe ich, durch den schweigenden Wald.
Ich atme ein.
Ich atme aus.
Kurve folgt auf Kurve, Biegung auf Biegung."

Ein solches Gehen ist Meditation und lässt tatsächlich bei sich selbst ankommen. 

"Ich bin ohne Eile unterwegs
Es ist warm, der Himmel über mir leuchtet in einem sanften,
hellen Blau und das Gehen fühlt sich so angenehm an, als
würde ich barfuß über einen Blütenteppich dahinschreiten.
Es hat schon unbehaglichere Anfänge auf meinen Wanderungen gegeben.“

"Meine Gedanken kommen und gehen und ich versuche
nicht zwanghaft, sie festzuhalten. Kaum jemals sonst
bin ich mehr im Hier und Jetzt verwurzelt als bei einer
solchen halb ziellosen Bewegung auf einen noch fernen
Endpunkt zu, aber so etwas kommt von selbst oder es kommt
gar nicht.
Man kann es vielleicht auch so ausdrücken: Ich gehe nicht,
um etwas zu finden. Wenn überhaupt, dann finden die Dinge
mich."

Während ich diese Zeilen lese, denke ich an einen buddhistischen Mönch, denke aber auch an Goethe, Heine und all die anderen bewussten Wanderer vergangener Zeiten, die in wohlgesetzten Worten oder Bildern ihre Reiseeindrücke festgehalten haben, nicht zuletzt auch Albrecht Dürer, dessen nahezu lyrische Aquarelle offenbaren, was er auf seinen Reisen empfunden hat. 

Nur wenn man zu Fuß unterwegs ist und immer wieder bewusst innehält, schaut, bewundert und darauf achtet wie alles auf uns wirkt, lernen wir zu begreifen, wie sehr wir Teil der Natur sind und weshalb wir sie nicht mit Füßen treten dürfen. 

Torsten Wirschum hat eine gewisse Anzahl Romane über das Gehen auf seinem Blog aufgelistet, darunter auch die "Harzreise" von Heinrich Heine und Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg." Die Reflektionen dieser längst verstorbenen Schriftsteller verändern ganz gewiss den Blick beim Gehen.  

Worin unterscheidet sich das "Wandern" eigentlich vom "Gehen"? 

Wandern sei eine Form weiten Gehens von mehreren Stunden, liest man bei Wikipedia. Diese sachliche Definition führt weg von dem Vorurteil, das mit der typisch deutschen Wanderlust in Verbindung gebracht wird, die sehr weit entfernt vom meditativen Gehen angesiedelt ist.

"Gehen über mehrere Stunden als Ankommen bei sich selbst zu begreifen", bedeutet ganz gewiss alleine oder schweigsam zu zweit oder mehreren, sich alles andere als im Marschschritt zu bewegen, am besten entlang eines Flusses oder um einen See, vielleicht auch irgendwo am Meer oder dort, wo viel Grün zu sehen ist. Was man sieht, muss beruhigen, wenn Gehen zum meditativen Akt werden soll.

Landschaften so zu erfassen, wie sie gedacht sind und zu erspüren, was sie mit uns machen, ist möglicherweise das Geheimnis, das man erst beim stundenlangen Gehen lüften kann. 

"Die Sonne leuchtet die Landschaft bis in den allerletzten
Winkel aus. Alles wirkt plötzlich unglaublich weit und
ich bin mittendrin in dieser leuchtenden Weite."

Stundenlanges Gehen lässt möglicherweise die leuchtende Weite in uns begreifen, die Grundlage dafür ist, das sich innere äußere Bilder ergänzen. 

"Ich durchforsche nicht etwa bewusst die Katakomben meiner
Erinnerungen, die Bilder leuchten einfach auf hinter meiner Stirn wie Lichtbündel im Dunkel."

Das ist ein Einblick in die Poesie eines Menschen, der durch seine Art zu gehen, an jene erinnert, die vormals als Pilger unterwegs waren. Doch im Unterschied zu diesen Wanderern scheint bei Torsten Wirschum der Weg das Ziel zu sein.

Helga König

Zitate: Torsten Wirschum  von seinem Wandertagebuch

Sonntag, 11. Juni 2017

Helga König, Sonntagskolumne, 11.6.2017

"Ein Bild ist weit nützlicher als tausend Worte." (Aus China) 

Heute möchte ich mich im Rahmen meiner Sonntagskolumne mit Emojis befassen, die u.a. Twitter aber auch Facebook ihren Usern zur Verfügung stellt, um Sprach- und Gefühlsbarrieren zu überwinden. 

Jene Bildschriftzeichen, die Smileys und Personen zeigen, eignen sich sehr gut dazu, einen Gefühlszustand rasch zu vermitteln und dem Leser visuell zu verdeutlichen, welche momentane Stimmungslage einem Text, den man gerade gepostet hat, zugrunde liegt oder wie ein Kommentar, den wir erhalten haben, auf uns wirkt. 

Oft sagt ein lächelndes Gesicht oder dessen Gegenteil mehr als Worte und verhindert aufkommende Aggression, die sich in Zynismus, Vorwürfen, Beschimpfungen etc. in den Dialogen ausdrücken kann, sei es weil im virtuellen Gespräch Sätze missverstanden wurden oder ein Schreiber einfach nur einen schlechten Tag hatte.

Es sind nicht nur Gesichter, sondern auch Bildschriftzeichen für Hände, die man im Dialog sinnstiftend einsetzen kann, sondern auch Emojis, auf denen andere Gesten dargestellt werden, die für Lebendigkeit im virtuellen Gespräch sorgen und  Grundbedürfnisse nach Geborgenheit, Zuwendung und Verständnis virtuell vielleicht ein wenig befriedigen. 

Alle Welt spricht von sozialen Kompetenzen, die es zu kultivieren gilt. Freundlichkeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen in diesem Bereich und unumgänglich für ein gutes Miteinander. Mangelnde Unterstützung und fehlender Zusammenhalt lassen Gemeinschaften aller Art zerbrechen. Ein positives Feedback ist nicht nur in den sozialen Medien wichtig, um dies zu verhindern. 

Deshalb verhält man sich keineswegs kindisch, wenn man ein Blümchen, ein Kleeblatt oder eine Sonne aber auch ein Herz an einen Text anfügt, um dadurch bei anderen uneigennützig Freude zu bewirken. 

Weibliche User gehen vielleicht etwas unbefangener mit den Emojis um. Möglicherweise hängt dies mit ihren Jungmädchen-Erfahrungen mit Poesiealbum-Bildern zusammen. Auch damit konnte man einst Freude bewirken und war glücklich, wenn dies gelang. 

Eine Kommunikation gilt dann als geglückt, wenn sie Freude zum Ergebnis hat, selbst nach hartem intellektuellen Ringen im Rahmen eines schwierigen Gesprächs. Das wird leider zu oft vergessen. 

Helga König

Sonntag, 4. Juni 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 4.6.2017

Ein Geist auf Zeit, der Zeitgeist. © Franz Friedrich Kovacs 

Heute am Pfingstsonntag möchte ich über den Geist auf Zeit, sprich den Zeitgeist nachdenken. Bei ihm handelt es sich um die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters. Wer schon etwas länger lebt, hatte Gelegenheit, immer neue Denk- und Fühlweisen kennenzulernen, die gesellschaftsübergreifend und auch in unterschiedlichen Generationen erkennbar, zu immer neuen Verhaltensmustern führten. 

Der Zeitgeist im Nationalsozialismus wird uns Nachgeborenen stets fremd bleiben und wir werden beim Reflektieren der Folgejahrzehnte feststellen, dass der Zeitgeist letztlich fast bis ins Jetzt hinein an unterschiedlichen Orten sehr verschieden ausfallen konnte, deutlich erkennbar in den Zeiten vor der Wende in Ost- und Westdeutschland. Erst das Internet hat den Zeitgeist tatsächlich globalisiert.

Zeigt sich der Zeitgeist aus längst abgelebten Zeiten abermals, kann er durchaus bei Ewig-Gestrigen noch Eindruck schinden, sorgt jedoch ansonsten zumeist nur für irritiertes Kopfschütteln. Dies ist keineswegs bloß in der Mode so, sondern auch in der Politik und vielen anderen Denk- und Handlungsbereichen von uns Menschen. 

Gestern twitterte ich "Unser Zeitgeist: Der Versuch, einem Gedanken nur 140 Zeichen Raum zu geben, heißt dem Barockenen abgeschworen zu haben." Peter Darth kommentierte "ohne Schnörkel" und brachte es auf den Punkt. 

Ja, wir leben in einer schnörkellosen Zeit, in der man bemüht ist, alles zu vereinfachen, um Freiräume zu schaffen für all das, was das Leben lebenswerter machen könnte. Wir unterwerfen uns keinen Modediktaten mehr und sind genervt, wenn uns Redner mit Reden ohne Inhalt die Zeit stehlen möchten. Auch wagen wir es nicht mehr, lange Briefe zu schreiben, denn wir wissen, dass der Zeitgeist dagegen steht und solche Elaborate ungelesen im Papierkorb landen. 

So nutzen wir die Zeit zu anderem. Wir entwickeln neuerdings vielleicht ungeahnte Freude beim Fotografieren, Malen, Zeichnen, bei kunsthandwerklichen Tätigkeiten, beim Gärtnern, Musizieren oder auch beim Verfassen von Gedichten und entziehen uns, den Sinn der Kreativität entdeckend, dem momentanen Zeitgeist, der alles Individuelle an uns abschleifen möchte, um uns zu suchtgesteuerten Lemmingen der Konsumgesellschaft zu machen. 

Dieser Zeitgeist, der den Narzissmus und Egoismus befördert hat, verabschiedet sich übrigens gerade. Man sieht den neuen Zeitgeist bereits am Horizont. Er ist auf  Gestalten, Teilen und Kollaborieren, auf Mitgefühl und Anteilnahme ausgerichtet. Er achtet auf die Individualität des Einzelnen, die durch das Sein und nicht mehr durch das Haben definiert wird. Gehen wir nun etwa dem Paradies entgegen?

Nein. Machen wir uns nichts vor, auch dieser Zeitgeist wird vergehen. Das entspricht seiner Natur, die Veränderung heißt. 

Fontane konstatierte einst, dass Veränderung das Los des Lebens sei und Machiavelli formulierte: "Eine Veränderung bewirkt stets eine weitere Veränderung." So tickt der Zeitgeist eben. Deshalb sollten wir uns nachstehenden Satz Dalai Lamas bewusst machen: 

"Da alles ständig im Wandel ist, kann nichts auf Dauer unverändert existieren." © Dalai Lama

Den Sinn all dessen können wir nur deuten.Vielleicht liegt er im inneren Wachstum begründet. Vielleicht ist es aber auch nur eine Spielerei des Universums...

Nehmen wir also hin, was nicht zu ändern ist: DIE VERÄNDERUNG und verändern das, was zu ändern ist: ein unschöner ZEITGEIST. 
  
Helga König

Samstag, 27. Mai 2017

Sonntagskolumne, Helga König, 28.5.2017

"Höflichkeit ist ein Merkmal eines zivilisierten Menschen." Unbekannt 

Zum Thema Höflichkeit findet man im Internet unzählige Zitate, die dem Leser verdeutlichen, dass Menschen sich schon seit vielen Jahrhunderten mit dieser Tugend befassen. Geprägt ist sie durch soziale Normen und Umgangsformen und äußerst sich nicht selten in rücksichtsvoller Distanz.

Historisch entwickelte sich die Höflichkeit im Prozess der Zivilisation (Norbert Elias) im spätmittelalterlichen Übergang zur Neuzeit, zunächst bei Hofe. Dort wurde die Rohheit und Gewalttätigkeit des Feudaladels zur höfischen Courtoisie des Hofadels gebändigt.* 

Wie verhält man sich, wenn ein Mensch sich unsäglich rüpelhaft gebärdet? Rügt man ihn? Oder sieht man besser über das unkultivierte Verhalten hinweg? Vermutlich hängt die Antwort von den jeweiligen Machtverhältnissen ab und auch davon, ob man es mit einem Psychopathen, Narzissten oder dergleichen zu tun hat, also mit einem Persönlichkeitsgestörten, der selbst die leiseste Kritik nicht vertragen kann und unberechenbar reagiert. Ist Schweigen dann ein Wegducken aus Furcht vor den Konsequenzen?  

In vormaligen Zeiten hatte nur ein Hofnarr das Privileg, Kritik zu üben. Den derzeit mächtigsten Mann der Welt "in den Senkel" zu stellen und ihn wachzurütteln, sich doch bitte mal zivilisiert zu verhalten, nicht zu Rempeln und den Pfau zu geben, empfehle ich keinem in dessen Dunstkreis, noch nicht einmal einem Hofnarren, denn selbst eingeschränkte Humorakzeptanz, bedarf gewisser Voraussetzungen. 

Duško Marković, der Premierminister von Montenegro verfügt übrigens über ein geradezu beeindruckend höfliches Verhalten, denn unbeeindruckt von der brachial wirkenden Geste Donald Trumps in Brüssel, sich einen Weg zu bahnen, blieb Markovic charmant. Montenegro, das sollte man wissen, ist Mitglied der Vereinten Nationen, der WTO, der OSZE und des Europarates. Zudem ist Montenegro Beitrittskandidat der Europäischen Union, nutzt den Euro als Währung und ist ab dem 5. Juni 2017 das 29. und jüngste Mitglied der NATO.**

Markovic war klar, dass die Rempelei nicht ihm persönlich galt. Vermutlich wäre es keinem anderen Premierminister, der Trump im Weg gestanden hätte, anders ergangen. Hätten alle so höflich und zuvorkommend reagiert wie der 59 jährige Jurist? Wir wissen es nicht. Markovic tat es spontan und augenscheinlich nicht aus Berechnung, wie man auf dem Clip, der in den sozialen Medien kursiert, erkennen kann. Das lässt ihn zu einem Sympathieträger aufgeklärter, europäischer Kultiviertheit werden.

Was treibt einen erwachsenen Menschen dazu, sich nicht um Contenance zu scheren und sein Umfeld immerfort zu brüskieren? Ein unhöflicher Mensch dokumentiert, dass er andere wenig achtet. Man findet dieses Phänomen nicht selten bei einem bestimmten Typus des Neureichen. Diesem Typus brennt die Sicherung aufgrund seines Geldes früher oder später durch. Die Folge ist, dass er mit den allseits bekannten Statussymbolen protzt und sich zum Despoten entwickelt, was für einen höflichen, gebildeten, dabei durchaus nicht unbegüterten Menschen undenkbar ist. Respekt und Zurückhaltung sind nicht grundlos Prinzipien der britischen Internatserziehung.  

An gewissen spektakulären Plätzen auf der Welt hat man Gelegenheit  das Verhalten von besagten Neureichen, denen Geld alles und Bildung kaum etwas wert ist, ausgiebig zu studieren. Schaut man sich die Kopfhaltung aller genauer an, so fällt stets der arrogant hochgerissene Kopf, das nicht selten vorgeschobene Kinn oder alternativ der motzige Gesichtsausdruck  als sehr unangenehm auf und man fragt sich, weshalb die Leute trotz ihres Geldes so wenig gelassen sind? 

Wenn im Elternhaus der Wert des Geldes höher bemessen wird als der der Bildung, besteht die Gefahr, dass die nächste Generation geistig unreif und "ungehobelt" bleibt und Geld die Personen je nach Menge bis zum Platzen aufbläst. Die Folge sind Arroganz und Hochmut als ein Zeichen von geringem Selbstwert. 

Jean Rostard schreibt, dass Arroganz das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes sei. Das gibt zu denken. Um im Umfeld von wohlerzogenen Menschen unhöflich zu sein, bedarf es vor allem der Ignoranz und/ oder Arroganz. 

Wir wissen, dass sich Narzissten extrem rücksichtslos verhalten können. Sie verfügen über ein extrem mangelndes Selbstwertgefühl und haben eine starke Empfindlichkeit gegenüber Kritik. Ihr übertriebenes Selbstbewusstsein nach außen begeistert jene, die sie spiegeln und führt leider dazu, dass innerlich schwache Menschen Narzissten aufgrund des Pfauengehabes und der vermeintlichen Durchsetzungsfähigkeit (alles wegzurempeln oder alternativ wegzumobben) bewundern. 

Wer über Rücksichtnahme in Ellenbogengesellschaften sprechen möchte, sollte dies am besten mit einer Parkuhr tun. Sie antwortet vielleicht höflich…. 

Rüpeln und Rempeln sind Zeitgeistphänomene. Vielleicht hängt dies damit zusammen, dass im Neoliberalismus dem Geld mehr Wert als der Bildung beigemessen wird und nicht die Weisheitslehrer, sondern neureiche Milliardäre die eigentlichen Idole verkörpern.


Helga König


Sonntag, 21. Mai 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 21.5.2017

"Kein Ding schwächt die Vernunft mehr als Unlauterkeit." Albrecht Dürer (21.5.1471 - 1528)

Heute vor 546 Jahren wurde der Maler Albrecht Dürer geboren. 
Zwei Bücher, die sich mit ihm und seinen Werken befassen, habe ich in den letzten Jahren auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert. 

Anbei die Links: 

Meine heutige Sonntagskolumne möchte ich nicht Dürers Leben und seinen Werken widmen, weil ich mich nicht wiederholen will. Stattdessen möchte ich mich mit seiner Sentenz "Kein Ding schwächt die Vernunft mehr als Unlauterkeit" gedanklich befassen.

Über die Vernunft haben zahlreiche Philosophen im Laufe der Jahrhunderte viel nachgedacht. Wikipedia lässt den Leser wissen: "Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge der Wirklichkeit durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln."*

Gibt man den Begriff "unlauter" bei Google ein, so findet man beispielsweise im Woxikon sechzehn Definitionsmöglichkeiten, die jeweils breit spezifiziert verdeutlicht werden. Bei den Möglichkeiten handelt es sich um: "hintenherum, betrügerisch, falsch, lügnerisch, unwahrhaftig, illegal, liederlich, boshaft, ehrlos, unredlich, ungetreu, unehrlich, heuchlerisch, verborgen, doppelzüngig und scheinheilig.**

Dass unvernünftige Menschen ohne ethisches Bewusstsein problemlos alle unlauteren Mittel einsetzen, um ihre Unvernunft aufgrund egoistischer Hoffnungen auszuleben, steht außer Frage und man weiß auch, dass die Folgen zumeist verheerend sind.

Weshalb aber handeln manche vernunftsorientierte Menschen, denen die Folgen unvernünftigen Handelns durchaus bewusst sind, plötzlich unlauter? Was macht solche Personen blind für die unerquicklichen Konsequenzen? Ist es die Hoffnung durch Unlauterkeit  kurzfristige Vorteile zu erlangen, die ihnen ansonsten verwehrt sind? Sind ihnen diese zeitlich eng begrenzten Vorteile wichtiger als die durch Unvernunft drohenden langfristigen Folgen?  Macht genau diese Hoffnung blind für die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintreffenden tatsächlichen Konsequenzen? Fast scheint es so.

Dabei muss der Vorteil keineswegs ein materieller sein. Beziehungssucht beispielsweise kann Vernunft ebenfalls aushebeln und unlautere Handlungsweisen befördern. Nicht nur Krimileser wissen das.

Ich teile Dürers Meinung, dass kein Ding die Vernunft mehr schwächt als Unlauterkeit. Vernunft ist ein Garant für Frieden. Vernunft und Unlauterkeit schließen einander aus. Da gibt es nichts zu deuteln.

Helga König

Sonntag, 14. Mai 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 14.5.2017

"Gefährlich sind vor allem die Menschen, deren Herz kleiner ist als der Verstand." (Markus Köppl)

Um den Wahrheitsgehalt dieses bemerkenswerten Satzes von Markus Köppl zu überprüfen, sollten wir zunächst schauen, wie die einzelnen Begriffe definiert sind. 

Fangen wir mit dem Begriff  "Verstand" an. Der Philosoph Rudolf Eisler definiert: "Verstand (logos, epistêmê, intellectus, intelligentia, ratio, entendement, understanding) ist im weitern Sinn die Denkkraft, die Intelligenz gegenüber der Sinnlichkeit, im engeren, gegenüber der Vernunft (s. d.), die Einheit, Fähigkeit des geistigen Erfassens, des (richtigen) Begreifens (Abstrahierens) und Urteilens, kurz des beziehend-vergleichenden, analysierenden Denkens, sowie des »Verstehens«, d. h. des Wissens um die Bedeutung der Worte und Begriffe. »Gesunder Verstand« (»bon sens«) ist die natürliche (schon ohne besondere Ausbildung wirksame) Auffassungs- und Beurteilungskraft, das normale, aber unmethodische, daher auch leicht fehlgehende Denken.“* 

Das Herz dient sowohl als Symbol direkt, als auch über den Umweg der Metapher des menschlichen Herzens und steht im Zusammenhang mit den europäischen Ideale für Güte und Liebe.** 

Gefährlich ist eine Situation oder ein Sachverhalt, der zu einer negativen Auswirkung führen kann. Diese negative Auswirkung einer Gefährdung kann Personen, Sachen, Sachverhalte, Umwelt oder Tiere betreffen.*** 

Dass Menschen, denen es an Empathie mangelt, gefährlich sein können, steht außer Frage. Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.****

Wie ist es möglich, dass ein Mensch, der über Verstand verfügt, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale nicht erkennen und verstehen kann, wenn sein Herz kleiner ist als sein Verstand? 

Spontan fällt mit hier ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry ein. Er schrieb in seinem Werk "Der Kleine Prinz" "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Dieser Satz verdeutlicht uns, weshalb Markus Köppls Sentenz von großer Lebensklugheit zeugt. 

Wir brauchen uns am heutigen Tag nicht all die negativen Auswirkungen für Personen, Sachen, Sachverhalte, Umwelt und Tiere vergegenwärtigen, die durch fehlgehendes Denken entstanden sind, weil Empathie nicht als gleichgewichtiges Korrelativ Gefährdung gestoppt hat. 
Es genügt, sich mit dem Muttertag zu beschäftigen, der für  fast alle Mütter nicht ohne Bedeutung ist. Die Ursprünge des Muttertags lassen sich bis zu den Verehrungsritualen der Göttin Rhea, der Göttin der Mutterschaft,  im antiken Griechenland zurückverfolgen.*****  

Gestern erzählte mir eine Mutter beiläufig in einem Gespräch, dass sie stets ein wenig traurig sei, wenn ihre erwachsenen Kinder aufgrund des Kommerzspektakels den Muttertag nicht zur Kenntnis nehmen wollen und deshalb an diesem Tag noch nicht einmal mit ihr telefonierten. Dies habe ich schon oft von Müttern aus unterschiedlichen Generationen gehört und dabei wahrgenommen, dass all diese Mütter verletzt waren, nicht zuletzt, weil die berechtigte Weigerung am Kommerz teilzunehmen ja keineswegs heißen muss, der Mutter an dem Tag keine für sie erkennbare Achtung zukommen zu lassen. 

Meine Lehrerin in der 3. Grundschulklasse erzählte uns Schülern einst, dass sie ihrer Mutter zum Muttertag stets einen Strauß Wiesenblumen schenkte, um sich für ihre viele Mühe zu bedanken und berichtete weiter wie sehr ihre Mutter sich darüber immer gefreut habe. Die Lehrerin war damals hochschwanger und brachte am Muttertag ihre beiden Töchter zur Welt.

"Gefährlich sind vor allem die Menschen, deren Herz kleiner ist als der Verstand," denn sie können die Botschaft, die der erzählten Erinnerung der Lehrerin innewohnt, emotional nur schwer entschlüsseln. 

Schenken sie Ihrer Mutter heute ein paar schöne Stunden oder telefonieren Sie mit ihr. Zeigen Sie, dass Ihr Herz größer ist als ihre intellektuellen Bedenken. Schenken Sie Ihr Freude.

Helga König

**Herz
***Gefahr
***** Muttertag


Sonntag, 7. Mai 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 7.5.2017

"Vergessen wir nicht, dass unser Weg und unser Ziel die Liebe ist- die Liebe, die alle Lasten leicht tragen lässt, denn sie entströmt unaufhörlich den Quellen des ewigen Lichts." (Franz Liszt in einem Brief an Carolyne Sayn-Wittgenstein) 

Vorgestern postete ich kurz hintereinander drei Tweets, die zum Nachdenken anregen sollten. Diese lauteten:

"Weshalb die Frauen Casanova liebten? Weil er hinreißend intelligente Geschichten erzählen konnte und dabei charmant war.“ 

"Weshalb die Frauen Chopin liebten? Weil er ihre Seele begriffen hat" 

"Weshalb die Frauen Goethe liebten? Weil er Poesie besaß und früh schon erkennbar weise war."

Handelt es sich um Liebe, wenn man einen anderen aufgrund seiner Eigenschaften, Fähigkeiten oder Leistungen bewundert und wertschätzt oder ist Liebe doch etwas völlig anders? 

Eigenschaften sind angeboren, Fähigkeiten hingegen werden erworben und Leistungen können aufgrund von Eigenschaften und Fähigkeiten erbracht werden. 

Einen Menschen zu "lieben", weil er intelligente Geschichten erzählen kann und dazu noch charmant ist, heißt, ihn als Mittel zur Befriedigung eigener schöner, kurzweiliger Stunden zu nutzen, sich aber für den Menschen, der sie uns bereitet, nicht wirklich zu interessieren. Ganz ähnlich schaut es aus, wenn wir jemand dafür "lieben", weil er Poesie besitzt und früh erkennbar weise ist. 

Was uns antreibt in einer solchen vermeintlichen Liebe ist Eigennutz. Der Mensch tritt in den Hintergrund. Wir wollen uns bereichern, durch seine Fähigkeiten und nennen es dann Liebe. Auch wenn ein Dritter durch seine Musik zeigt, dass er die Seele von uns Frauen begriffen hat, ist es erneut Eigennutz, der uns von Liebe sprechen lässt. Gemeint aber ist auch hier in erster Linie Vorteilsdenken und nicht das, was den "Quellen des Lichts entspringt". 

Wann aber lieben wir einen anderen Menschen wirklich? Wenn wir unseren Egoismus vollständig überwinden? Wenn wir vom anderen nichts erwarten, auch nicht mit ihm verschmelzen wollen? 

Was lässt Liebe entstehen, wenn wir unbeeindruckt von den Eigenschaften, Fähigkeiten und Leistungen eines Menschen uns in diesen verlieben und sich daraus Liebe entwickelt? Vermutlich handelt es sich dann um rein seelische Anziehung, die wir nicht zu deuten vermögen und die für Dritte mitunter vollkommen unverständlich ist. 

Wenn sich Menschen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben, weil ihre Interessen oder ihre geistigen Fähigkeiten Lichtjahre voneinander entfernt liegen und sexuelle Affinitäten auch keine Rolle spielen, dennoch viele Jahrzehnte lieben und füreinander da sind, dann gibt es für Dritte in unserer kurzlebigen Zeit viel zu staunen.

Liebende teilen ihr Leben, ihre Handlungen und ihre Gefühle, las ich kürzlich bei der Schweizer Philosophin Angelika Krebs. Das Teilen habe einen Eigenwert, der um seiner selbst willen erfolge. Das Teilen bezieht sich nicht auf einzelne Handlungen und Gefühle, sondern auf das Teilen selbst. 

Das Teilen um seiner selbst willen entspricht nicht dem momentanen Zeitgeist. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb außer Verliebtheit in unserer narzisstischen Gesellschaft kaum ein Beziehungsband möglich ist und man Verliebtheit aus Unkenntnis immer häufiger mit Liebe verwechselt. Einen anderen um seiner selbst willen zu lieben, macht erforderlich, seine Egoismen auf den Prüfstand zu stellen. 

Bei allem aber muss uns bewusst sein: "Es bleibt zwischen Menschen, sie seien noch so eng verbunden, immer ein Abgrund offen, den nur die Liebe, und auch nur mit einem Notsteg, überbrücken kann." (Hermann Hesse) 

Diesen Notsteg zu bauen, ist unserer aller Lebensaufgabe.

Helga König

Samstag, 29. April 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 30.4.2017

"Es gibt ein Alter, in dem eine Frau schön sein muss, um geliebt zu werden. Und dann kommt das Alter, in dem sie geliebt werden muss, um schön zu sein." Françoise Sagan 

Das obige Zitat stammt von der französischen Schriftstellerin Françoise Sagan. Sie ist die Autorin des Weltromans "Lieben Sie Brahms". In diesem Roman, verliebt sich ein 25 jähriger Jura-Assessor in eine 42 jährige Innenarchitektin. Paula nimmt zunächst dessen Gefühle nicht ernst und scheut den Altersunterschied. Schließlich werden Paula und Philip, - wenn auch nur vorübergehend -, ein Paar.

Weil eine Beziehung zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann den damaligen Moralvorstellungen widersprach, übernahm Ingrid Bergmann die Rolle der Innenarchitektin in der gleichnamigen Verfilmung des Romans, denn sie sah die Möglichkeit durch diesen Film, die verkrusteten Moralvorstellungen in jenen Zeiten in Frage zu stellen.

Am 26.4.2017 verlinkte ich nachstehendes Video in die sozialen Netzwerke. https://de.nachrichten.yahoo.com/frankreichs-polit-jungstar-das-ist-091943106.html, das auf Facebook anschließend kontrovers diskutiert worden ist. 

Auf besagtem Video gibt der hochbegabte, französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron ein Statement zu seiner Beziehung mit der um 24 Jahre älteren, attraktiven Lehrerin Brigitte Trogneux ab, die er bereits vor 10 Jahren heiratete und die für ihn der Mensch ist, mit dem er offensichtlich eine Liebes- und Freundschaftsbeziehung auf Augenhöhe leben kann. 

Liebesbeziehungen zwischen hochintelligenten jüngeren Männern und älteren Frauen hat es immer gegeben. Charlotte von Stein war 7 Jahre älter als Goethe, Mileva Einstein wurde fünf Jahre vor ihrem Mann geboren und Rainer Maria Rilke war 14 Jahre jünger als seine Geliebte Lou Andreas Salomé. 

Diese Männer haben zu Zeiten ihrer Beziehung intellektuell Vortreffliches geleistet und waren zugleich unsterblich verliebt in die Frauen, die ihnen einen Zugang zu ihren außergewöhnlichen geistigen Gaben verschafften. 

"Es gibt ein Alter, in dem eine Frau schön sein muss, um geliebt zu werden. Und dann kommt das Alter, in dem sie geliebt werden muss, um schön zu sein.“ Françoise Sagan 

Um wirkliche Schönheit ausstrahlen zu können, muss eine Frau geliebt werden und die Reife besitzen, Liebe als das, was ihr Wesen ausmacht, zu erkennen.

In wohltemperierten Beziehungen mit älteren Männern, beginnt letztlich jede Frau dahinzuwelken. Haben Sie mal die optische Veränderung einer sehr jungen Frau nach ein paar Jahren an der Seite eines älteren Mannes zur Kenntnis genommen? Sie ist mehr als aufschlussreich.

Brigitte Trogneux, hat klug gehandelt. Sie genießt es, geliebt zu werden und ist deshalb unglaublich jung und schön. Dass sie Emmanuel Macron auch viel zu geben weiß, dokumentieren dessen Aussagen, die emotionale aber auch intellektuelle Innigkeit bekunden und  dabei verdeutlichen, dass er sich bewusst ist, dass sein beruflichen Erfolg, das Ergebnis guter Teamarbeit mit ihr ist.

Letztendlich geht es um Seelenverwandtschaft und darum zu erkennen, wer für uns eigentlich gedacht ist. Emmanuel und Brigitte sind ganz offensichtlich füreinander gedacht und entsprechen dem Platon´schen Kugelmenschgedanken. Es ist eine Freude, die Harmonie die die beiden ausstrahlen, bewundern zu dürfen.

Meine Facebookfreundin Barbara Bachmann bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: "Wenn man den richtigen Partner gefunden hat, muss man die Courage haben dazu zu stehen! Wie es die Gesellschaft oder die Familie beurteilt.... ist deren Problem!

Genau so ist es, liebe Barbara.


Helga König

Samstag, 22. April 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 23.4.2017

"Würde mir alles Wissen gegeben, unter der Bedingung, es verschlossen zu halten, so möchte ich es nicht." #Seneca Brief No.6 

Diese Sentenz habe ich gestern retweetet. 

Lucius Annaeus Seneca zählte zu den Geistesgrößen des 1. Jahrhunderts n. Chr. 124 Briefe an seinen Freund Lucilius gelten als das reifste Werk dieses römischen Philosophen. 

Da mich der Gedanke Senecas heute Morgen noch immer beschäftigt hat, las ich zunächst neugierig besagten 6. Brief an seinen Freund Lucilius, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Zusammenhang Seneca den Gedanken zu Papier brachte. 

In der vollständigen Studienausgabe, die im Marixverlag erschienen ist, ist zwar in diesem Satz von Weisheit und nicht von Wissen die Rede, doch dies ist kein Grund nun zu beckmessern.

Angelesenes Wissen, Lebenserfahrungen und nicht wertendes Beobachten können, wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen, zur Weisheit führen. Diese anderen zur Verfügung zu stellen, ist seit Jahrtausenden Anliegen von Philosophen, Weisheitslehrern und lebensklugen Altruisten, weil Weisheit, die Lehre vom Frieden ist, dem Frieden mit sich und anderen. 

Wer Wissen für sich behalten möchte, strebt Macht an. Wissen beinhaltet nämlich Fakten, Theorien und Regeln, die sich durch den größtmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird.* Wissen, das Wettbewerbsvorteile verschafft, sei es in der Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft wird seit Jahrtausenden  gezielt unter der Decke gehalten, weil es dazu dient, Vormachtstellungen zu erreichen, auszubauen und zu erhalten. 

Das tiefgehende Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren** macht inhaltlich den Begriff Weisheit aus. Weisheit ist insofern eine Art übergeordnetes Wissen, das Menschen, solange sie nach Macht streben, nicht in Erfahrung bringen können. 

Weisheit beinhaltet weder die Merkmale Macht noch Gier. Sie hat alles zeitlich Begrenzte überwunden. Sie staunt, erkennt und liebt. 

Vermutlich deshalb möchte Seneca Weisheit nur dann besitzen, wenn er sie anderen weiter vermitteln kann. Dabei ist für diesen Philosophen Weisheit nichts, was ihn über andere erhebt. Er schreibt nicht grundlos an Lucilius:

"Doch wenn ich dich auffordere, zu mir zu kommen, so geschieht es nicht bloß darum, um dich zu fördern, sondern auch darum, um mich durch dich fördern zu lassen. Denn wir werden uns gegenseitig sehr erheblichen Nutzen schaffen“.

Bei allem müssen wir geduldig sein. Der Lyriker Christian Morgenstern sagt uns weshalb:

"Weisheit ist langsam". 

Vielleicht ist dies auch der wahre Grund, weshalb viele, die eilfertig nach Macht streben, der Weisheit selbst im Alter nicht begegnen. Sie haben nie gelernt, sich und ihr Leben zu entschleunigen. Auf der Überholspur ist die Weisheit nicht zuhause, soviel scheint gewiss zu sein. 


Helga König

* Wikipedia Wissen
**Wikipedia: Weisheit

Samstag, 15. April 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 16.4.2017

"Drei Dinge sind im Leben eines Menschen wichtig. Erstens: Menschlichkeit. Zweitens: Menschlichkeit. Drittens: Menschlichkeit."  Henry James (15.4. 1843 – 28.2.1916) 

Der amerikanische Schriftsteller Henry James  wurde heute vor 174 Jahren geboren. Der begnadete Erzähler wuchs in einem intellektuell anspruchsvollen, kosmopolitischen Umfeld auf, absolvierte ein Jurastudium, schrieb anschließend zunächst Rezensionen und Essays und später dann wunderbare Romane, Erzählungen und Dramen. 

Henry James ist dafür bekannt, dass er den psychologischen Realismus mit Subtilität und ästhetischer Verfeinerung zum Höhepunkt geführt hat. 

"Drei Dinge sind im Leben eines Menschen wichtig. Erstens: Menschlichkeit. Zweitens: Menschlichkeit. Drittens: Menschlichkeit." 

Der Gegenbegriff zu Menschlichkeit ist Unmenschlichkeit. Bereits Cicero erklärte, dass "[d]er rücksichtslose Mensch, der sich für andere Menschen nicht interessiert", "nicht human", sondern "unmenschlich"“ sei* 

Henry James starb zu Zeiten des 1. Weltkrieges. 1915 wurde erstmals Giftgas eingesetzt. Dass dieser Krieg den Autor zutiefst entsetzte, ist bekannt. Seine Erkenntnis, dass Menschlichkeit im Leben von uns allen am wichtigsten ist, hat seither nichts an Wahrhaftigkeit verloren. 

Überall auf dieser Erde hat sich Rücksichtslosigkeit manifestiert. Der Presse von heute entnehme ich einen Kommentar des Nordkorea-Experten Rüdiger Frank zu den drohenden Konsequenzen des Nordkorea-Konfliktes. "Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen". **

Wir erleben unmenschliches Verhalten in Syrien tagtäglich und wir wissen, dass Millionen Menschen in Nigeria, Tschad, Kamerun und Niger durch die Gewalt der Terrormiliz Boko Haram vertrieben wurden. Inhumanität überall, auch das aufgeklärte Europa ist nicht frei von  Terror, Verfolgung und Ausbeutung.

So die Lage an Ostern 2017.  Doch Ostern ist das Fest der Hoffnung.

Der Philosoph Voltaire sagte einst: "Die mächtigste Kraft der Welt ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Was alles muss noch geschehen, dass sich für die Idee des Humanismus das Zeitfenster endlich vollständig öffnet und die verheerende Rücksichtslosigkeit von psychopathischen Machtmenschen und ihren Schergen für immer ihr Ende findet?

Helga König

*ZDF

Samstag, 8. April 2017

Helga König, Sonntagskolumne, 9.4.2017

"Ein Jahr nach dem Tod von Luchino Visconti wollte ich mir das Leben nehmen. Leider hatte mich die römische Haushälterin, die sonst immer erst nachmittags kommt, gefunden."* (Helmut Berger)

Dieser Tage sah ich auf Twitter rein zufällig ein altes Foto des Schauspielers #Helmut_Berger, der in den 1970ern als einer der schönsten Männer seiner Zeit Aufsehen erregte. Die Vogue bezeichnete ihn sogar als "schönsten Mann der Welt". 

Ich erinnerte mich spontan an einige Filme, in denen er zu sehen war, so etwa "Dorian Gray", "Der Garten der Vinci Conti", "Ludwig II", auch "Gewalt und Leidenschaft" und begann mich über seine extreme visuelle Veränderung zu wundern. Sehen so normale Spuren der Zeit aus? 

Auf "Google Bilder" und in Youtube-Clips studierte ich besagte Veränderungen dann genauer. Natürlich fiel mir sofort Oscar Wildes berühmter Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" ein, doch Helmut Bergers heutiges Gesicht zeigt keine brutalen, bösen Züge wie das gealterte Bildnis des Dorian Gray, sondern wirkt eher so als habe dessen Besitzer einfach  zu viel erlebt, um es verarbeiten zu können. 

Während ich schreibe, befürchte ich, dass ich "normale" Männer mit meinen Überlegungen überfordere. Ich hoffe, sie vergeben mir. Mir ist das Phänomen Helmut Berger wirklich wichtig. Mit seiner Größe von  1,82 cm, seinem einstigen Körper, aber hauptsächlich mit seinem Gesicht  sah er nicht nur in den Augen seiner  Zeitgenossen in den  1970er Jahren überirdisch gut aus und wirkte auf Fotos  und in Filmen zudem äußerst edel, bis zu dem Moment jedenfalls, wo er sich vermutlich in sich selbst verliebte und in der Folge vorübergehend einen unangenehmen Zug um die Lippen bekam. Dieser Zug war es, der ihn vom Olymp, auf dem er als Adonis thronte, letztlich herunterholte und dahin brachte, dass er sich später, als seine beste Zeit schon lange vorbei war, öffentlich demütigte, wie die Youtube-Clips zeigen. 

Seine Neider kramten in seinen Schwächen, um ihn vorzuführen. Typisch. Er hat es zugelassen und versuchte, indem er eine schlechte Figur machte, darüber offenbar hinwegzutäuschen, dass es ihm etwas ausmachte. Er war der schönste, mit Abstand der allerschönste Mann seiner Zeit. Er war es ungewollt. Die Natur hat ihr zynisches Spiel mit ihm getrieben.

Berger scheint mir ein Komödiant, der große Clown-Qualitäten besitzt. Das hat er übrigens mit Marilyn Monroe gemeinsam. Ein extrem schöner Mensch muss Komödiant werden, um nicht in die zynische Falle zu laufen, die ihm der körperliche Verfall stellt.

Nur Lanz übrigens respektierte das, was Helmut Berger einst ausmachte und achtete darauf, dass dieser Schauspieler sein Gesicht in der Sendung nicht verlor. Das spricht für Markus Lanz. 

Wer so schön war wie Helmut Berger, dem die attraktivsten Frauen und Männer einst in seinen jungen Jahren zu Füßen lagen, hat  eine Aura besessen, die es wert ist, sehr genau studiert zu werden. Von einem solchen Menschen, muss etwas ausgegangen sein, was man ergründen oder vielleicht einfach nur bestaunen sollte.   

Ich habe versucht herauszufinden, ob es ein weibliches Pendant zu Helmut Berger gibt. Eigentlich fällt mir nur Julie Christi ein, die in jungen Jahren eine analoge Ausstrahlung hatte.  Beide besaßen eine Schönheit, die nicht käuflich ist, auch wenn man es ihr vielleicht unterstellt.

Muss man von Helmut Berger Intellektualität im Alter oder irgendetwas in dieser Art erwarten? Nein. Muss man nicht. Aber er hat sie. Überzeugen Sie sich selbst anhand dieses Clips. 

Gehen wir davon aus, dass uns an seinem Beispiel gezeigt wird, was die Natur zu leisten im Stande ist, aber auch wie grausam sie vorgeht, indem sie nimmt, was sie gibt und nicht danach fragt, ob der Mensch stark genug ist, das, was dann kommt, nämlich Hohn, zu ertragen.

Helmut Berger hat meines Erachtens  schon vor  Ewigkeiten begriffen, worum es geht. Seither spielt er den Clown, weil er zum Narzissten schon lange nicht mehr taugt,  Das Leben hat ihm irgendwann Narzissmus ausgetrieben, falls er ihn als Clown überhaupt jemals  tatsächlich hatte...

Die Frage, ob Helmut Berger noch schön ist, stellt sich nicht. Stattdessen stellt sich die Frage, ob er gute Bücher liest und sich vorstellen kann noch weitere 20 oder 30 Jahre zu leben als Mensch, der etwas Großartiges aber Vergängliches geschenkt bekam, über das, ohne Wehmut öffentlich zu sprechen,  einer narzisstischen Gesellschaft  möglicherweise zu großer Erkenntnis verhelfen könnte. 

"Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis." Helmut Berger weiß das.  Doch wissen alle anderen es auch?

Helga König

Sonntag, 2. April 2017

Helga König: Sonntagskolumne 2.4.2017

Um ein Bewusstsein für die Natur zu entwickeln, muss man die Pflanzen- u. Tierwelt benennen können. Man lernt zu sehen, was man zu benennen weiß. (H.K.)

In meinem Büro hängt seit Jahren ein Druck eines Aquarells von Albrecht Dürer. Es handelt sich dabei um "Das große Rasenstück". Der Künstler hat es 1503 gemalt. Zu sehen ist ein Stück Wiese mit Gräsern und Kräutern. Ignorante Zeitgenossen zertreten achtlos solches Leben, weil sie nicht sehen und erkennen, welches Paradies sie da zertrampeln. Fragt man sie nach den Namen der geschundenen Pflanzen, tröten sie tumb, das sei doch bloß Gras. 

Der Löwenzahn und Wegerich auf dem Gemälde sind relativ einfach zu bestimmen. Bei Knäuelgras, Breitwegerich, Ehrenpreis, Schafgarbe und Gänseblümchen, die auch mit zarten Pinselstrichen festgehalten worden sind, ist die Bestimmung nicht mehr ganz so einfach. Dazu kommen noch einige andere Pflanzen auf diesem kleinen Stück Natur, das die Vielfalt, die unsere Erde hervorzubringen vermag, subtil dem Betrachter vermitteln will. 

Bilder wie dieses, sollten im Biologieunterricht gezeigt werden, damit Kinder schon früh ein Bewusstsein erhalten für das, was Albrecht Dürer uns allen als philosophische Botschaft mit auf den Weg gegeben hat. 

Als 10 jährige sah ich erstmals durch ein Mikroskop das Innenleben einer Wiesensalbei-Blüte. Ich war davon so fasziniert, dass ich nicht mehr aufhören konnte mir Blumen, aber auch Blätter genauer anzuschauen, um deren individuelle Schönheit zu erfassen. Blätter von Bäumen und Pflanzen zu bestimmen, zu wissen welches Blatt zu wem gehört und die Tiere im Garten als dem irdischen Paradies zugehörig zu begreifen, Regenwürmer, Schmetterlinge, Marienkäfer und so viele andere Lebewesen benennen zu können, ist der erste Schritt  um sich näher mit all dem Leben  auf unserer Erde zu befassen und es am Ende zu schätzen, vielleicht auch zu lieben. 

Wer das Leben liebt, hört auf es zu zerstören.

Heute vor 370 Jahren wurde in Frankfurt die Naturforscherin Maria Sibylla Merian geboren. Aufgrund ihrer genauen Beobachtungen und Darstellungen zur Metamorphose der Schmetterlinge gilt sie als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde. Merian hat u.a. junge Frauen in Blumenmalerei unterrichtet und der Nachwelt eine Vielzahl schöner Pflanzen und Insektendarstellungen hinterlassen, die zu bewundern uns ganz ähnlich wie Dürers "Großes Rasenstück" der Natur näher bringt. 

Wer ist in der Lage Schöllkraut auf Anhieb zu erkennen? Ein Maler aus dem Umkreis von Dürer hat 1526 ein Aquarell gemalt, das die Details der Physionomie dieser Pflanze offenbart und einem Maler aus dem Umkreis von Lucas Cranach dem Jüngeren war die Schlüsselblume es wert,  als Aquarell zu Papier gebracht zu werden und zwar gemeinsam mit einem Marienkäfer. Diese wunderschönen Bilder sind ein Ausdruck von Naturliebe. 

Wo ist diese Liebe geblieben? Hat sie aufgehört als die Menschen die Lust daran verloren haben, die Natur vielgestaltig in der Kunst festzuhalten? Hat sie aufgehört mit der Gier, alles auszubeuten, um sich endlos zu bereichern?

Wer Pflanzen und Tiere zu benennen weiß, wird sie achten lernen.  

Dankbar bin ich all den Fotografen, die der Natur huldigen. Sie tragen zum Bewusstsein bei, sie zu schützen und zu bewahren.

Nur wer sieht, kann staunen. Wer staunt, beginnt zu achten. 

Helga König

Sonntag, 26. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 26.3.2017

"Niemand lernt jemals jemanden kennen. Wir sind alle zu lebenslänglicher Einzelhaft in unserer Haut verurteilt." (Tennessee Williams)

Der amerikanische Dramatiker Tennessee Williams wurde heute vor 106 Jahre geboren. Er ist u.a. Autor des berühmten, mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Theaterstücks "Die Katze auf dem heißen Blechdach", das unter der Regie von Richard Brooks 1958 verfilmt wurde und sich mit psychischen Deformationen von Menschen befasst. Dazu zählt auch Kommunikationsunfähigkeit. Genau die Schräglage also, die zum Inhalt obiger Aussage führt. 

Je mehr wir bereit sind, uns offen und ohne Berechnung anderen gegenüber zu zeigen und verbal zu äußern, umso eher sind andere in der Lage uns kennenzulernen. "Lebenslängliche Einzelhaft in unserer Haut" hat viel mit mangelnder Selbstsicherheit und mit Schüchternheit zu tun. Die dadurch entstehenden Kommunikationsdefizite können  in die Depression treiben. Nicht wenige Menschen mit Kommunikationsblockaden werden körperlich krank oder nehmen sich sogar das Leben. 

Was ist daran so schwierig, seine Meinung zu unterschiedlichen Sachverhalten höflich zu bekunden und was macht es schwer, über unsere Vorlieben oder auch über das zu sprechen, was wir nicht mögen? Ist es die Angst, nicht zu genügen? Fast scheint es so. 

Dieser Tage war Ingrid van Bergen bei Markus Lanz in der Talkshow. Die einst weltberühmte Schauspielerin erschoss 1977 ihren Geliebten im Affekt und wurde zu 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sieht man sich auf Youtube das Interview von Markus Lanz und Ingrid van Bergen an, so wird klar, dass die Aussage des Dramatikers nicht für alle gilt. 

Die mittlerweile 85 jährige Schauspielerin ist weder schüchtern, noch mangelt es ihr an Selbstsicherheit, noch hat sie Angst nicht zu genügen. Sie sagt, was sie denkt  und fühlt und akzeptiert dadurch, dass man sie kennen lernt. 

Ingrid van Bergen lässt ihre Mitmenschen nicht im Ungewissen wie sie zu ihrer damaligen Tat steht und versucht, keinen Dritten dafür verantwortlich zu machen. Man lernt sie glaubhaft als eine Person kennen, die sich mit ihrer Tat intellektuell und emotional auseinandergesetzt hat und die sich nicht verzeiht, sich rechtzeitig abgegrenzt zu haben, weil das geschehene Drama ab einem bestimmten Zeitpunkt vorhersehbar war, wie sie sagt. 

Dramen vorhersehen zu können, heißt Kränkung und Schmerz nicht zu verdrängen,  heißt auch zu verzichten und unter Umständen einen disziplinierten Schlussstrich zu ziehen, um Gefühle nicht weiter hochkochen zu lassen. 

Kränkung führt dazu, möglicherweise früher oder später auszurasten und rational nicht mehr gegen steuern zu können. Über Gefühle zu sprechen und unsere Kränkungen zu benennen, ohne zu lamentieren, das ist Stärke. 

Sich nicht verstanden zu fühlen, hängt viel auch davon ab, sich nicht konkret zu artikulieren. Keiner von uns allen ist Hellseher. Deshalb  brauchen wir Informationen, um zu begreifen. 

Lug und Betrug macht Menschen kirre, speziell jene, die zur Offenheit neigen. Von daher müssen sich gerade offene Menschen von Lügnern und Betrügern abgrenzen, weil Dramen ansonsten vorprogrammiert sind. Das gilt nicht nur für das Privatleben. 

Helga König

Samstag, 18. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 19.3. 2017

"Der europäische Pulsschlag soll allenthalben wieder spürbar werden!" (Pulse of Europe)

In den sozialen Netzwerken hat man Gelegenheit, sich mit den Accounts von "Pulse of Europe" (siehe Twitter und Facebook) zu verlinken und auf diese Weise täglich für den Fortbestand der Idee Europas zu werben. 

Wer oder was ist "Pulse of Europe"

Die überparteiliche, unabhängige Bürgerinitiative  "Pulse of Europe" wurde 2016 in Frankfurt/ Main von den Rechtsanwälten Daniel und Sabine Schröder gegründet. Nicht zuletzt wegen des EU-Austritts des Vereinigten Königreichs und des vermehrten Auftretens rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien, ist es ihr Bestreben, diese unsägliche Entwicklung durch eine pro-europäische Bewegung zu stoppen. 

Die 10 Grundthesen der Bürgerinitiative lauten: 
1. Europa darf nicht scheitern 
2. Der Friede steht auf dem Spiel 
3. Wir sind verantwortlich 
4. Aufstehen und wählen gehen
5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar 
6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar 
7. Reformen sind notwendig 
8. Misstrauen ernst nehmen 
9. Vielfalt und Gemeinsames 
10. Alle können mitmachen – und sollen es auch. 

Auf der Homepage von "Pulse of Europe" werden diese Thesen näher erläutert: 

Überall in Europa schließen sich seit ihrer Gründung Menschen dieser Bewegung an, gehen mit Europafahnen und Luftballons jeden Sonntag auf die Straße und bekunden friedlich ihr JA zu Europa. 
  
Auf diese Weise wird sichtbar, dass es neben destruktiven eine Vielzahl bislang ungehörter anderer Stimmen gibt, die nun  immer lauter werden.

Ziel von "Puls of Europe" ist: "So viele Menschen wie möglich in Europa zu versammeln, die für Europa einstehen und so dazu beitragen, dass nach den Wahlen pro-europäische Kräfte mehrheitsfähig regieren können. So können wir über viele Orte eine Menschenkette durch Europa bilden, die die Länder miteinander verbindet." (Pulse of Europe)

Die Friedenssehnsucht der Europäer ist uralt. Viele Schriften wurden und werden zum Thema Frieden verfasst, wobei das wichtigste Ziel zumeist selbstverständlich der Weltfriede ist. 

Reflektiert man die Entwicklung, so tritt der Zusammenhang zwischen Frieden und europäischem Aufbauwerk eindeutig erkennbar hervor. 

Wer dauerhaft Frieden möchte, sollte sich also der Idee Europas anschließen und diese in die Welt tragen, denn Europa ist die Wiege der Demokratie und Demokratie der Garant für Freiheit, Vielfalt Toleranz und damit für Frieden. 

Die Redaktion von "Buch, Kultur und Lifestyle" begrüßt die Aktivitäten und Ziele der Bürgerinitiative "Puls of Europe" sehr und fühlt sich mit all jenen, die sich  für ein demokratische Europa entschieden haben, eng verbunden.

Helga König

vgl: Wikipedia

Sonntag, 12. März 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 12.3.2017

"Ehrlich und herzlich den gelten lassen, der uns nicht gelten lässt – höchste Noblesse!" (Freifrau von Ebner- Eschenbach)

Unter dem Namen, "De Echte" twitterte heute eine Userin obiges Zitat und fügte folgende Empfehlung hinzu: "twittern wie Ebner- Eschenbach" 

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830-1916) war eine österreichische Schriftstellerin, die zumeist in Wien lebte. Dass sie eine führende Persönlichkeit im 1891 von Arthur Gundaccar von Suttner gegründeten österreichischen "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" war, spricht ebenso für sie, wie ihr lebenslanger Kampf für Sittlichkeit und Humanismus. 

Herzensadel kommt nicht von Ungefähr. Er hat mit Erziehung, mit Bewusstseinsbildung, mit Achtung seiner Mitmenschen und anderem mehr zu tun. Sich täglich darin zu üben, andere gelten zu lassen, in Diskussionen nicht persönlich verletzend zu werden, auf Augenhöhe zu kommunizieren, sind gute Maßnahmen, um Friedfertigkeit voranzutreiben. 

In dem oben angeführten Zitat spricht Ebner- Eschenbach den sogenannten Herzensadel an, d. h., genau jene Eigenschaft, die Menschen davor bewahrt, zu Rüpeln oder verbalen Nachtretern zu werden. 

Seit Internetzeiten haben wir Gelegenheit jene Leute genau zu studieren, die mobben, stalken oder trollen und haben zudem eine Vielzahl von Erfahrungen sammeln können wie wir auf solche Personen am klügsten reagieren. 

Wer sich intensiver mit dem Thema befasst hat, erkennt, dass all jene, die uns nicht gelten lassen wollen, unseren Selbstwert in Fokus haben. Sie wollen ausloten wie verletzbar wir sind, wollen den wunden Punkt finden, um gnadenlos "zuzuhauen". Das schafft ihnen Befriedigung. Dabei müssen solche Zeitgenossen uns noch nicht einmal persönlich kennen. Ihr Problem sind nicht wir, sondern solche Leute stehen sich selbst im Weg.

Wir wissen mittlerweile, dass es zumeist zutiefst frustrierte Menschen sind, die im ewigen Vergleich leben, den sich nicht aushalten und deshalb einen Feldzug gegen all jene führen, denen sie mit Neid begegnen. 

"Ehrlich und herzlich den gelten lassen, der uns nicht gelten lässt" ist überhaupt nicht schwierig, wenn  man sich  nicht abhängig macht, von Entwertungsversuchen durch Dritte. 

Menschen, die im Destruktionsmodus leben, brauchen professionelle Hilfe. Ihre Rüpeleien sind letztlich Hilfeschreie, weil sie nicht den richtigen Weg finden,  mit ihren Mitmenschen ins Gespräch zu kommen. Im Grunde sind es sehr vereinsamte Leute, denen der Zugang zum Du verstellt ist. Ihre Tarnkappen verdeutlichen wie feige sie sind, zu dem zu stehen, was sie Dritte entwertend in die Welt twittern.

Es ist nicht immer ganz einfach, gelassen zu bleiben, wenn jemand extrem verbal keult, doch es lohnt sich, Ruhe zu bewahren, weil wir uns dann nicht auf die Ebene der Destruktivität begeben, die Entwertern zwar Befriedigung, jedoch keinen Erkenntnisgewinn bringt.


Helga König