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Sonntag, 23. Juli 2017

Samstag, 15. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 16.7.2017

In meiner Kolumne in der vergangenen Woche habe ich mich mit den Krawallen in Hamburg anlässlich des G20 Gipfels befasst. Zwischenzeitlich ist in der deutschen Medienlandschaft viel über diese Ereignisse geredet und geschrieben worden. 

Um zu verstehen, weshalb der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach die Diskussionsrunde bei Maischberger empört verließ, habe ich mir den entsprechenden Clip jetzt mehrfach angeschaut. Verstanden habe ich sein Verhalten noch immer nicht. Begriffen habe ich auch das latent- sehr aufgebrachte Gebaren des CDU-Politikers Joachim Lenders nicht und empfand seine für jeden hörbare Bemerkung "Dummes Gesabbel" als beleidigend. Wieso hat Frau Maischberger hier den Diskussionsteilnehmer nicht abgemahnt? Das hätte man von ihr erwarten können.

Man muss nicht Jutta Ditfurths Position vertreten, wenn man ihr aufmerksam zuhört, um zu begreifen, weshalb nach ihrer Beobachtung es zu den gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg kam. Ditfurth kennt die Szene seit Jahren und beurteilt diese aus soziologischer Sicht. Hört man ihren Aussagen genau zu, so wird deutlich, dass die Gewalt sich offenbar schrittweise aufgebaut hat und vermutlich im Anfangsstadium zu wenig für die Deeskalation getan wurde. 

Dass einige Polizisten offenbar auch Journalisten, die über die Vorgänge vor Ort berichten wollten, tätlich angegriffen haben, zeugt von mangelnder Gelassenheit einzelner Polizisten und vor allem von einer Personalschulung, die diskutiert werden muss. Choleriker sollten nach meiner Ansicht bei solch sensiblen Einsätzen außen vor bleiben, weil das Eskalieren einer Situation dadurch vorprogrammiert ist. 

Schuldzuweisungen an die Politiker hörte man in der Runde ebenfalls. Sie kamen von dem Journalisten Hans-Ulrich Jörges. Doch sein Ansatz löst das Problem nicht. Sofern hier jemand zu Rechenschaft gezogen werden muss, sind es die Randalierer, aber auch die Polizeiführung, die die Lage falsch eingeschätzt hat. Wenn Vermummte aus ganz Europa anrücken, um Randale zu machen und man das im Vorfeld weiß, muss man dafür sorgen, dass man die potenziellen Täter zuvor abfischt und ihnen das Recht verwehrt, an friedlichen Demonstrationen teil zu nehmen. Das gebieten kluge, präventive Maßnahmen.Wer Vermummungsutensilien und Eisenstangen im Gepäck hat, wird nachhause geschickt und so vor der eigenen Kriminalisierung geschützt.

80 Tausend friedliche Demonstranten wurden von etwa 1200 Randalierern in ihrem Recht, friedlich zu demonstrieren gestört. Vermummte aus ganz Europa marodierten brandschatzend tagelang durch Hamburg und schadeten nicht zuletzt den Bürgern dieser Stadt. Dass sich alle vernünftig denkenden Menschen von diesen Rechtsbrechern nachhaltig distanzieren, versteht sich von selbst, aber es steht auch außer Frage, dass nicht nur diese Rechtsbrecher, sondern auch Polizisten bei Amtsmissbrauch zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Mit dem Politiker Herrn van Aken teile ich die Meinung, dass man Gipfeltreffen an überschaubarere Orte verlegen sollte, allein schon um die Verkehrsnetze nicht über Gebühr zu belasten. Nicht alles ist dem Bürger zumutbar. 

Meinen Eindruck, dass Wolfgang Bosbach die Kritik Jutta Ditfurths am Verhalten übergriffiger Polizisten, die sie gegenüber Bosbachs Parteifreund Joachim Lenders (Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in Hamburg) äußerte, spontan zum Schweigen bringen wollte, werde ich allerdings nicht los. 

Nach meiner Ansicht hätte Ditfurth sich viel klarer von den kriminellen Handlungen des Schwarzen Blocks und Lenders sich dezidierter von übergriffigem Verhalten von Polizisten distanzieren müssen. Das hätte das Diskussionsklima verbessert.

Wer deeskalieren möchte, auch bei zukünftigen Veranstaltungen, muss die Akteure beider Seiten der Barrikaden ganz genau unter die Lupe nehmen und darf sich keine Denkverbote auferlegen. Hier helfen nur schonungslose Analysen.

Frau Maischberger hat sich zwischenzeitlich bei Jutta Ditfurth in der FAZ dafür entschuldigt, dass sie die Soziologin aus der Sendung verweisen wollte, nachdem Wolfgang Bosbach den Raum verließ und damit den Fortgang der brisanten Diskussion aushebelte.

Was lief verkehrt in Hamburg? Die Frage wurde nicht ausreichend geklärt. Leider. Aber vielleicht war es genau das, was man in der Diskussion beobachten konnte. Zuhören und sich kultiviert zu verhalten, schadet nie. 

Helga König

Samstag, 8. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 8.7.2017

Die G20 Krawalle überschatteten die letzten Tage. Sie sind nicht nur das derzeitige Hauptthema in den Printmedien, sondern auch in den sozialen Netzwerken. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Hamburg entsetzen friedliebende Bürger, die solche Aufmärsche hierzulande nur aus Dokumentationen über SA-Kohorten in der NS-Zeit kennen. 

Was denken sich die Vermummten in der Hansestadt, wenn sie Autos ihnen unbekannter Personen anzünden, Läden plündern und mit Steinen werfen? 

Wenn ich die Bilder sehe, denke ich sofort an den 9. November 1938 und frage mich, wer sich unter der Maskerade von Kapuzen, Mützen und Sonnenbrillen verbirgt. 

Wikipedia schreibt "Kennzeichen von Schwarzen Blöcken auf Demonstrationen ist neben der Kleidung ein entschlossenes bis aggressives Auftreten. Zuweilen gingen Personen aus dem schwarzen Block offensiv gewalttätig gegen Polizei und politische Gegner vor,[7][8][9][10] errichteten Barrikaden, warfen Farbbeutel und beschädigten Geschäfte. Darüber hinaus wurden von Teilnehmern des Schwarzen Blocks auch Brandstiftungen an Fahrzeugen und Gebäuden verübt.[11][12][13][14][15] 

Die einheitliche schwarze Bekleidung und Gesichtsbedeckungen wie Kapuzen, Mützen, Sonnenbrillen und Tücher sollen die Demonstranten insbesondere vor der Erkennung durch Polizei, Staatsschutz oder politische Gegner wie Neonazis sowie vor Tränengas schützen. Früher wurden auch Motorradhelme, Gasmasken und Sturmhauben verwendet; in Deutschland stellt dies jedoch nach geltendem Recht seit Einführung des Vermummungsverbots 1985 einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz dar.“ *

Diese Umschreibung verdeutlicht, dass staatlichen Stellen nicht unbekannt ist, was man von der schwarzen Kohorte zu erwarten hat. Schaut man sich den Clip "Ein Hamburger Busfahrer und der Schwarze Block" an, wird klar, dass die Aggression, die von diesen Vermummten ausgeht, unberechenbar ist und Bedrohte oder Betroffene selbstverständlich in Angst und Schrecken versetzt. Deutlich wird aber auch, dass die angeblich politischen Motive kein Legitimationsgrund für den Vandalismus, das Brandschatzen und die Diebstähle sein können. 

Hier geht es um reine Zerstörungswut. Hier ist eine fatale Gruppendynamik enthemmter junger Männer im Spiel, mit denen man in Kontakt kommen muss, um ihnen bewusst zu machen, dass ihr Verhalten alles andere als konstruktiv ist. 

Der Neoliberalismus und seine Folgen werden nicht geringer, wenn man die Autos von Privatpersonen anzündet, Einzelhandelsgeschäfte plündert und ausraubt und ganze Straßenzüge verwüstet. Kein hungerndes Kind in Drittländern wird durch solche Aktionen satter. Das Einzige, was geschieht, ist,  dass man friedliebenden Demonstranten kein Gehör mehr schenkt, alle Protestler über einen Kamm schert und am Ende vielleicht sogar das Demonstrationsrecht einschränkt, weil die verursachten Sachschäden keiner mehr zahlen möchte. 

Die Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" am heutigen Samstag ist offenbar bislang friedlich verlaufen. Bleibt zu hoffen, dass Hamburg am heutigen Abend von dem Terror des Schwarzen Blocks verschont bleibt. 

Konstruktive Kritik benötigt keine Gewalt, um sich Gehör zu verschaffen. Konstruktive Kritik appelliert an die Vernunft und damit an die Fairness und je klüger sie dies tut, um so mehr Verbündete findet sie.

PS: Auch in der Nacht zum Sonntag kehrte auf den Straßen Hamburgs die Vernunft nicht ein, wie man den Nachrichten entnehmen kann. Die Randalierer scheinen noch sehr jung zu sein. Das wirft neue Fragen auf, die deren Eltern und Lehrer beantworten müssen.

Helga König

Samstag, 1. Juli 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 2.7.2017

Gestern endlich  wurde das umstrittene Gesetz gegen Hass und Verleumdung auf Internetplattformen verabschiedet. Wie zu erwarten, gibt es nun Proteststimmen, speziell natürlich von jenen, die als Trolle, Stalker und Mobber mit Fakeaccounts unterwegs sind, aber auch von Leuten, die ein sonderbares Verständnis von Freiheit haben, die grenzenlos, bekanntermaßen zu anarchischen Zuständen führt.

Von der Einschränkung der Meinungsfreiheit und von Zensur wird nun schwadroniert und bewusst übersehen, was sich auf einzelnen Plattformen mitunter tatsächlich abspielt und wie wenig geschützt arglose User vor Soziopathen dort tatsächlich sind.

Als persönlich Betroffene kann ich nur begrüßen, dass der Spuk mit den Mobbern nun Folgen für diese und die Betreiber der Plattformen hat, die das unbotmäßige Verhalten nicht unterbinden. 

Von 2009- 2014 erlebte ich auf Amazon Mobbing und Stalking von einer Fake-Account-Armee, die einen unglaublichen Cyberkrieg gegen mich führte, um mich aus den Top-Ten und schließlich aus den Top 100 zu vertreiben. Sobald ein Mitrezensent (m/w) gegen den Terror durch einen Kommentar Einspruch erhob, wurde er gnadenlos verfolgt und ebenfalls auf verletzendste Weise gemobbt.

Die Zustände waren pervers. Meine Versuche über die Polizei, die Staatsanwaltschaft und über einen Anwalt gegen die Schweinereien vorzugehen, fruchteten nicht. Man verwies mich an den Betreiber, der die Mobber nach vielen fehlgeschlagenen Eingriffen schließlich gewähren ließ.

Die hohe Aggressivität und die brachialen Niederträchtigkeiten der Mobber zeigten mir wie weit Menschen im Netz gehen können, wenn man sie lässt. 

Shitstorms im Hinblick auf Autoren und Journalisten sind mittlerweile vielen bekannt. Nicht grundlos werden Kommentarfunktionen eingeschränkt oder vollständig beseitigt, um Beleidigungen und Kränkungen zu verhindern.

Fakeaccounts können überall auf der Welt angesiedelt sein und sind nicht einfach aufzuspüren, haben Fachleute mir damals erklärt. Für die Betreiber der Plattformen ist es ein enormer Aufwand, all die Kränkungen zu löschen und auszuloten, wann gehandelt werden muss.

Anstelle die Täter zur Verantwortung zu ziehen, kann man natürlich auch die Opfer ausgrenzen, die werden aber dann zum Spielball der Täter mit entsprechenden Folgen.

Seit Jahren plädiere ich dafür, dass es Pflicht werden sollte, dass sich User von Internetplattformen, mit Namen und Bild zeigen müssen und jeder sich nur über eine einzige Nummer, eine Art Passnummer ins Netz einwählen kann. Diese Vorgehensweise würde viele Probleme minimieren, denn die Anonymität erst macht es möglich, dass Menschen, die sich nur aus Angst vor Strafe einbremsen lassen, wie tollwütig agieren.

Ich verstehe friedliche User, die das Internet ausschließlich privat nutzen nur zu gut, wenn sie sich zu ihrem Schutz vor Mobbern Nicknamen zugelegt haben. Doch ich denke, dies ist der falsche Weg.

Diese Vorgehensweise nämlich zeigt, dass die jetzt "Zensur" schreienden Rüpel, es geschafft haben, Menschen so sehr in eine Zwangslage zu treiben, dass diese sich wegducken, weil sie Furcht vor Verleumdung und Kränkung haben.

Die Meinungsfreiheit all der rechtschaffenen, eingeschüchterten User wird durch Mobber gnadenlos geplättet, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet.

Auf Facebook hat man die Gelegenheit, User zu blocken, sofern sie unverschämt werden. Dies ist eine sinnstiftende Maßnahme, die von den meisten sehr geschätzt wird. Ich bin dort mit  5000 Usern befreundet und habe im Laufe von 5 Jahren 11 User geblockt, zumeist wegen Spam.

Ein wenig anders schaut es bei Twitter aus. Dort ist die Anzahl der Rüpel höher, möglicherweise weil hier massiver mit Fakeaccounts agiert wird und das Blocken solcher Rüpel wenig nützt, da die Rüpeleien nur unter großen Schwierigkeiten gelöscht werden können.

Auf Amazon ist die Ursache für das Mobben in Gier, Neid und Missgunst begründet. Speziell Autoren wissen davon ein Lied zu singen. Dort wäre u.a. das Einfrieren der Diskussionsforen ein sinnstiftende Maßnahme.

Neben den gesetzlichen Veränderungen, die ich sehr begrüße, gibt es nur eine Möglichkeit das Netz zu befrieden und zwar selbst auf schmerzhafteste Provokationen nicht zu reagieren, um auf diese Weise die Akteure an die Wand laufen zu lassen. Dazu allerdings benötigt man ein "dickes Fell".

Eine meine  Twitter-Followerinnen kommentierte das Verhalten der Provokateure wie folgt:

"Mürbe machen, so lange bis der andere so reagiert wie beabsichtigt, um das dann zu nehmen als Beleg für die Richtigkeit dessen, was sie davor getan haben, ohne Anlass."

Mit diesen Worten hat sie sehr gut das Verhalten von Mobbern umschrieben.

Helga König