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Sonntag, 23. September 2018

Sonntagskolumne Helga König , 23.9.2018

Kurz vor den 78. Geburtstag des im Januar 2005 ermordeten Modemachers Rudolph Moshammer wurde jetzt in der ARD die Verfilmung des Lebens dieses Münchner Geschäftsmanns gezeigt. Es handelte sich hierbei um eine witzige und zugleich nachdenklich stimmende Satire mit Starbesetzung, an der mir besonders gut gefiel, dass man Moshammers Ableben nicht ausgeschlachtet hat. Dass man allerdings seine Qualitätsansprüche in Sachen Mode mehr als nur in Frage stellte, fand ich überaus unfair. Er kann sich gegen diesen Angriff nicht wehren. Bleibt zu hoffen, dass da niemand gezielt nachtreten wollte, d.h. keine alte Rechnung beglichen werden sollte. 

In Rudolph Moshammers Laden auf der Maximilianstraße war ich seit Anfang der 1990er Jahre einige Male und zwar seiner schönen, nicht spießigen und dabei qualitativ hochwertigen Krawatten wegen. Bei den ersten Besuchen lebte seine Mutter noch, die auffallend viel Wärme ausstrahlte und ganz und gar nicht dem Bild entsprach, das Hannelore Elsner im Film von ihr transportierte. 

Else Moshammer wirkte eindeutig nicht wie eine geldgeile, geltungssüchtige, intrigante, alte Hexe. Das Gegenteil war der Fall. Die Mimik und Faltenbildung der damals bereits über 80 jährigen Frau sprachen Bände. Man freute sich ihr ins Gesicht zu blicken und ihre herzlichen Lachfältchen zu sehen. 

Sie und ihr Sohn haben, nachdem Elses Mann gesellschaftlich abstürzte, hart für ihren späteren Wiederaufstieg und Erfolg gearbeitet, ohne dabei emotional zu verhärten. Dabei hat Rudolph Moshammer offensichtlich nie vergessen, was es bedeutet, unter sehr kargen Umständen, mit sehr viel Eigenverantwortung, sich aus nicht selbst verschuldeten Problemen herauszuschaffen. Dass nicht jeder die Kraft und das Glück hat wie Phönix aus der Asche emporzusteigen, war ihm klar. Er erhielt nicht grundlos für sein erhebliches soziales Engagement den "Martinsmantel" der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes. 

Mein spontaner Eindruck von Rudolph Moshammer damals war äußerst positiv. Er strahlte wie seine Mutter Herzlichkeit und Güte aus. Das findet man in den Kreisen, die sich normalerweise bei ihm zum Shoppen einfanden, höchst selten. Er war  auch in diesem Fall ein Paradiesvogel.

Ich wurde selbst Zeuge eines Verkaufsgesprächs als damals ein alternder Promi- er wird im Film nicht erwähnt-  ein pinkfarbenes Cashmere- Jackett erwarb  und sich anschickte mit Rudoph Moshammer - dem das peinlich war- wie auf einem Basar zu handeln und alles Mögliche zur gekauften Jacke von ihm dazu geschenkt haben wollte. Keine einfache Situation für den Geschäftsmann vor allen anderen Kunden im Laden cool zu bleiben und höflich Grenzen zu setzen... 

Der Modemacher war übrigens auffallend präsent, ohne eine Spur von Aufdringlichkeit. Wer wie er aus dem Nichts in einer Branche aufsteigt, kann sich keinen Pfusch erlauben. Gewiss werden ihm Neider unsaubere Arbeitsweisen unterstellt haben, das bringt Erfolg mit sich. Schade, dass solche üble Nachrede im Film als Tatsache festgehalten wird. Das ist, ich betone es nochmals,  nicht fair. 

Man kann Stoffqualität erfühlen. Man kann auch sehen, wie etwas genäht ist. Die Waren in Moshammers Boutique waren von außergewöhnlicher Qualität. Das erkundete ich damals mit großem Interesse. Eine solche Qualität  und Perfektion kannte man zu jener Zeit bei deutschen Designern und Designerinnen nur von Jil Sander. 

Die Moshammer-Verfilmung als Satire betrachtet, war natürlich witzig, doch sie war nicht fair im Hinblick auf den ermordeten Münchner Modedesigner, der niemals verlernt hatte, mitzufühlen und zu helfen und dies gewiss nicht vorrangig aus Imagegründen tat. 

Dass nur wenige Prominente, die sich ansonsten gerne mit ihm ablichten ließen, bei seiner Beerdigung dabei waren, wundert mich nicht.  Das ist ist typisch für die Bussi-Gesellschaft, die sich stets wegduckt, wenn die Gefahr besteht,  anzuecken. In Moshammers Fall ging es darum, zu zeigen, dass es für sie keine Rolle spielte, dass er bisexuell war und sich seine Liebhaber auf der Straße suchte, sei es aus Einsamkeit oder weil er sich nicht binden wollte oder weil er nicht mehr attraktiv  genug war, um auf  normalem Weg einen jungen Liebhaber zu finden.

Helga König

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