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Samstag, 31. Oktober 2015

Helga König: Sonntagsgedanken, 1. November 2015

"Wer zu handeln versäumt, ist noch keineswegs frei von Schuld. Niemand erhält seine Reinheit durch Teilnahmslosigkeit." (Siegfried Lenz)

Vor einigen Stunden habe ich vier Zitate des aus #Ostpreußen stammenden Schriftstellers Siegfried Lenz getwittert. Das geschah nicht zufällig. Lenz war ein großer Menschenfreund. Sich in Zeiten wie unseren, gedanklich ab und an an solch einen Philanthropen anzulehnen, ist nicht nur wohltuend, sondern schenkt auch Kraft.

Erneut sind diese Woche 35 Menschen auf ihrer Flucht nach Europa im herbstlich- kalten Mittelmeer ertrunken. 3329 Flüchtlinge erlitten in den ersten zehn Monaten dieses Jahres dort den Tod durch Ertrinken, weil Boote, die sie in Sicherheit bringen sollten, überladen waren und kenterten.

Wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk #UNHCR schreibt, sind in 2015 rund 300 000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet. Rund 200.000 Menschen haben Griechenland erreicht und etwa 110.000 Italien.

Bei vernünftiger Logistik und nicht überladenen Booten, hätte vermutlich  keiner der Flüchtlinge zu ertrinken brauchen. Die moralische Verantwortung für das Drama liegt nicht nur bei den rechtlich Zuständigen, sondern bei uns allen. Die Weltgemeinschaft hat versagt.

Natürlich erinnert man sich in diesem Zusammenhang an die unzähligen ostpreußischen Flüchtlinge 1945, die damals in der Ostsee ihr Leben ließen und denkt gewiss, Flucht und Vertreibung, gleichgültig wann und wo diese stattfinden, sind stets eine Tragödie für all die Menschen, die dies erleiden müssen. Dann aber sofort wieder zur Tagesordnung überzugehen, wäre ein Zeichen von Unmündigkeit.

"Wer für sich in Anspruch nimmt, mündig zu sein, ist zur Unruhe verpflichtet." (Siegfried Lenz)

Was heißt dies? Der Mündige muss Missstände anprangern und Wege suchen, wie man sie beseitigt.

Leonardo da Vinci sagte einst: "Wer das #Böse nicht verurteilt, lässt zu, dass es geschieht" und Siegfried Lenz ging noch einen Schritt weiter, indem er sagte „Wer zu handeln versäumt, ist noch keineswegs frei von Schuld. Niemand erhält seine Reinheit durch Teilnahmslosigkeit.“ 

Das Böse, das es hier zu verurteilen gilt,  ist in erster Linie Assad und seinen Schergen sowie seine Helfern und natürlich in den den Waffenhersteller zu sehen, aber auch in  jenen, die die Not der Flüchtlinge ausnützen und sie auf  unsicheren Booten den Gefahren des Meeres aussetzen.  Böse sind zudem alle, die dem leidgeplagten, syrischen Volk nicht helfen wollen. Allen gemeinsam  ist ein abgründiger Egoismus und Menschenverachtung zu bescheinigen.

"Die Schöpfung kann an unserer Verachtung und an unserem #Egoismus zugrunde gehen",  warnt #Siegfried_Lenz. 

Tsipras sagte  gestern zu Recht  über tote Flüchtlinge: "Ich schäme mich für #Europa", während der Bürgermeister von Lesbos jetzt vernünftigerweise Fähren fordert. Brüssel sollte dieser Forderung umgehend zustimmen. Die Menschenrechte machen es erforderlich. 

Sinnvolles Handeln ist das Gebot der Stunde. Aus Angst vor weiteren Flüchtlingsströmen, dieses zu unterlassen, macht schuldig. 

Böses allein zu verurteilen, genügt nicht.  Es muss gehandelt werden. Logistikprobleme müssen jetzt sehr zügig gemeinsam gelöst werden und zwar unkonventionell. Jetzt heißt es, gemeinsam anzupacken und alles zu unternehmen, dass  die etwa 4,2 Millionen Syrer, die bislang ins Ausland geflohen sind, bald wieder nach Syrien zurückkehren können, weil man den Tyrannen vom Thron gestoßen und der Terror-Miliz IS den Garaus gemacht hat. 

Wenn die Großmächte sich in der Sache einigen, dürften die Probleme gewiss in absehbarer Zeit zu lösen sein. Wünschenswert wäre es. Alles ist eine Frage der Vernunft.

Der jetzige Zustand in #Syrien ist nicht länger hinnehmbar. Deshalb muss er unvorzüglich beendet werden.

Helga König

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