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Sonntag, 8. November 2015

Helga König: #Sonntagsgedanken, 8.11.2015

"Wahrscheinlich sieht sich jede Generation beauftragt, die Welt neu zu erfinden. Meine Generation aber weiß, dass sie die Welt nicht neu erschaffen kann. Unsere Aufgabe ist größer: die Welt davon abzubringen, sich selbst zu zerstören." Albert Camus 

Am 7. November 1913 wurde der französische Schriftsteller und Philosoph #Albert_Camus geboren. Er hatte einst in Algier Philosophie studiert und war ab 1937 als Journalist tätig. 1940 zog er nach Paris, hatte dort Verbindungen zur Résistance und arbeitete an deren Zeitung mit. 1944 lernte er den Philosophen #Jean_Paul_Sartre kennen. Die Freundschaft zu ihm endete 1952. Zwei Jahre später unternahm er mehrere Vermittlungsversuche im Algerienkrieg und im Jahr 1957 schließlich erhielt Albert Camus den Nobelpreis für Literatur. 

Über seine Romane, Dramen und Essays möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, obschon es dazu viel zu sagen gäbe. Beziehen möchte ich mich heute ausschließlich auf das oben angeführte Zitat jenes Mannes, der zu Beginn des 2. Weltkrieges 26 Jahre alt war. 

Ich weiß nicht, wann Camus die Sentenz verfasste, ob während seiner Zeit in der #Résistance oder später, vermute aber, dass er sie anschließend formuliert hat, zu einem Zeitpunkt also, als Europa bereits in Schutt und Asche lag und 70 Millionen Kriegstote zu beklagen waren. 

Camus´ Generation war ohne Illusionen. Nie zuvor hatte es so viel Unmenschlichkeit und Niedertracht gegeben wie in den 12 Jahren als in Deutschland die Nazis an der Macht waren. Man kann sich so viel Leid aber auch so viel Erbärmlichkeit eigentlich gar nicht vorstellen. Sie waren das Ergebnis der Idee, die Welt neu zu erfinden. Kein Miteinander, sondern der reine Egoismus war angesagt, legitimiert durch die  perfide Herrenmensch-Ideologie, zu deren Läuterung viel Demut aufgebracht werden muss.

Nie zuvor gab es eine solch extreme Gehirnwäsche, bei der nahezu ein ganzes Volk seine Empathie verlor, zumeist für immer. Härte wurden verherrlicht, weil durch sie Mitgefühl nicht nur verdrängt, sondern sogar vollständig überwunden werden kann.   

Spätestens seit den Nazis weiß man, dass sich die Welt nicht neu erfinden lässt, sondern man sich dafür einsetzen muss, die demokratische Grundordnung zu verteidigen, das bedeutet, dafür zu sorgen, dass deren Gesetze und damit die Menschenrechte eingehalten werden. 

Seit 1945 haben alle  Nachfolgegenerationen  vorrangig die  Aufgabe: "die Welt davon abzubringen, sich selbst zu zerstören." 

Die Nazis zeigten aller Welt, dass man Menschen zu blutrünstigen Monstern umformen kann, die selbst vor schlimmsten Gräueltaten nicht Halt machen, wenn man ihnen zusichert, dass es ihnen Vorteile bringt. 

Berühmte Friedensaktivisten im Alter von Camus gab es nach dem Nazidesaster  nicht nur wenige. Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang an den Menschenfreund Heinrich Böll, ebenfalls Nobelpreisträger und einer der bedeutendsten Nachkriegsschriftsteller hierzulande. Kein einziger, auch nicht der Friedennobelpreisträger Albert Schweitzer schaffte es allerdings, die Menschen wirklich zur Vernunft zu bringen, wie die Zeitläufte  bis zum heutigen Tag beweisen. 

Trotz der traurigen Bilanz des 2. Weltkrieges besteht die Gefahr nach wie vor, dass wir uns alle ad absurdum führen. Zivilisten werden ermordet,  Städte  und Dörfer werden zerstört. Menschen auf aller Welt sehen solche Bilder  täglich im Fernsehen, und dennoch wollen nicht alle den Flüchtlingen aus Kriegsgebieten helfen. Weshalb? Nur aus einem einzigen Grund: Weil ihr blanker Egoismus dagegen steht. 

Die Abgefeimesten unter ihnen wollen diese Menschen in schwerer Not am liebsten gleich an der Grenze erschießen und schreien bereits wieder nach Konzentrationslagern, diesmal für Muslime. Am rechten Rand unserer Gesellschaft ist die dreckige Nazibrühe erneut hochgeschwappt. Sie zeigt, dass die Geisteshaltung von Hitler und Konsorten nach 70 Jahren noch immer nicht überwunden ist und man das sehr, sehr Ernst nehmen muss.

60 Millionen Flüchtlinge gibt es derzeit auf dieser Welt. In Syrien ermordet Assad sein eigenes Volk, Zerstörung allerorten, auch in Deutschland, wo es seit Beginn des Jahres unzählige Übergriffe von Rechtsradikalen auf Flüchtlingsheime gegeben hat. 

Wenn wir unsere Welt retten wollen, müssen wir  uns in erster Linie mit Ethik befassen, sie an Schulen und Unis lehren und dürfen Politiker und Wirtschaftslenker ohne erkennbare ethische Verhaltensmuster nicht  mehr zulassen. 

Je materialistischer der Zeitgeist ist, umso mehr Kriege gibt es, umso mehr Familien zerbrechen durch Erbauseinandersetzungen. Eine Welt ohne ethischen, ohne spirituellen Überbau geht zu Grunde.

Das  ungebremste Habenwollen spitzt sich in der reinen Gier zu, der jedes Mittel recht ist, um sich alles einzuverleiben. Wer die Welt davon abzubringen will, sich selbst zu zerstören, muss einen Wertwandel herbeiführen. 

Spirituelle Lehrer wissen das seit ewigen Zeiten, doch sie finden selten Gehör. Anstelle mitzufühlen und zu lieben, wird der Knüppel herausgeholt und draufgehauen. Der Grund ist stets nur das Vorteilsdenken, das  sich  hinter tausenderlei Legitimationen geschickt zu verbergen weiß.  

Wer Wertwandel herbeiführen möchte, darf dem Götzen "Neoliberalismus" nicht dienen, muss für fairen Ausgleich überall in der Welt sorgen, darf nicht mehr auf Raubzüge gehen und sich der Ressourcen anderer bemächtigen, weder im kleinen familiären Rahmen, noch auf der politischen und wirtschaftlichen Weltbühne. Dahinter steht nämlich stets die gleiche Geisteshaltung, die auf Egoismus pur basiert und brandgefährlich ist. Das muss man erkennen. 

Wer Frieden will,  bekommt ihn nur, wenn er das Prinzip des Gebens und Nehmens begriffen hat und dabei niemand ausgrenzen will. 

Helga König

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