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Sonntag, 12. August 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 12.8.2018

Wirft man im Wartezimmer beim Friseur oder beim Arzt einen Blick in die Regenbogenpresse, wird man Zeuge von Schlammschlachten aller Art und erlebt, wie vormals hochgefeierte Zeitgenossen systematisch fertig gemacht werden. 

Schmierfinken suchen stets nach Fehltritten bei erfolgreichen Menschen, um damit ihre neidbesetzte, missgünstige Klientel zu befriedigen, die Spitzenleistungen von Menschen, gleichgültig in welchen Bereichen, einfach nicht ertragen kann, weil sie  dadurch ihr eigenes Unvermögen schmerzvoll spüren. 

Im letzten Jahr habe ich mit dem Weltschauspieler #Helmut_Berger zwei Interviews auf "Buch, Kultur und Lifestyle" realisiert, weil dieser nachdenkliche, sensible Mensch von der Kloakenpresse seit Jahren durch wenig aufbauende Artikel in die Melancholie getrieben wurde und weil ich daran erinnern wollte, in welch grandiosen Literaturverfilmungen er die Hauptrolle spielte und allein schon deshalb Wertschätzung verdient. 

Wir erleben seit einigen Jahren wie sogar die bislang seriöse Presse sich immer häufiger in das schmutzige Fahrwasser der Schundblätter begibt und in der Privatsphäre von Sportlern, Schauspielern oder Politikern nach Fehltritten fahndet. 

Personen wie #David_Gerrit, #Michel_Friedmann, #Jörg_Kachelmann und #Christian_Wulff wurden ebenso gebrandmarkt wie jetzt #Jan_Ullrich. All diese Menschen wurden von einer Armada von Fotografen und penetrant agierende Reportern wegen moralischer Zweideutigkeiten verfolgt und so wurde und wird der Zuschauer im Fernsehen oder auf Youtube Zeuge eines stets wiederkehrenden Spektakels, nämlich wie in einer noch immer doppelmoraligen Gesellschaft sogenannte sexuelle Sünder (wohlgemerkt nicht Straftäter)  dieser zur Geiselung vorgeworfen werden, ganz so wie im tiefsten Mittelalter. Dabei vergisst Youtube selbst nach Jahren nichts, auch wenn zwischenzeitlich klar geworden ist, dass es sich um eine böse Diffamierung handelte.

Betrügereien und daraus entstehende Skandale in der Wirtschaft und Politik werden, wie man fast täglich aufs Neue erleben kann, rasch vergessen und als Kavaliersdelikte herunter gespielt. Keinen Spaß allerdings kennt die vermeintlich sexuell aufgeklärte Gesellschaft, wenn ihre Helden ihr klösterliches Image aufs Spiel setzen. Dann geht es zu Sache. 

Genau das aber sollte diskutiert werden. 

Einerseits wird gegen die Prüderie muslimischer Religionsangehöriger gewettert und einen "Halles" um das Kopftuch gemacht, als ginge daran das Abendland zugrunde, andererseits jedoch wird diese Prüderie  von den Leuten, die mit Fleiß mit zwei Ellen messen, atemberaubend übertrumpft, wenn sie einen Helden auf Talfahrt für den Pranger im Sommerloch benötigen oder ein Held einem anderem Helden -  in welcher Beziehung auch immer - im Wege steht. 

Helga König

Sonntag, 29. Juli 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 29.7.2018

Zuverlässigkeit ist eine Tugend, die man bei selbstsüchtigen Menschen grundsätzlich nicht voraussetzen sollte. In der Politik, auch in der Wirtschaft und im privaten Rahmen gilt es, dazuzulernen, seit wir in einer narzisstischen Gesellschaft leben, in der die Selbstsucht Programm zu sein scheint. Wie kann man sich schützen?

Abgefeimte Werbesprüche, die auf die Befriedigung von zuvor subtil suggerierten Wünschen abzielen, haben die Gesellschaft infantilisiert und aus Erwachsenen Riesenbabys mit Riesenwünschen gemacht. Niemals ist es genug. Immer mehr und mehr müssen diese Riesenbabys haben. Dabei bilden Habsucht und Selbstsucht in deren Charaktermuster eindeutig eine Einheit. 

Das wetterwendische Verhalten von Egomanen macht es allerorten schwer, langfristig zu planen, denn, was heute zugesagt wird, gilt morgen nicht mehr. Noch nicht einmal auf notariell beglaubigte Verträge kann man sich verlassen, wenn das Gegenüber ein Egomane ist, der alles, was nicht zu seinem Vorteil ist, ausblendet und stur nur das akzeptiert, was ihm nützt. 

Das Egomanen-Spektakel dürfen wir alle in der Politik täglich erleben und lernen hier zu begreifen, was es bedeutet, wenn Weltpolitiker nicht ihr Wort halten, Absprachen und Regeln ohne Bedenken brechen und  sich durch nichts verpflichtet sehen. Doch diese Politiker sind der Spiegel der Gesellschaft und alles andere als Ausnahmewesen. 

Egomanen ist die Wertschätzung ihrer Mitmenschen ebenso fremd, wie die Wertschätzung der Natur. Freundlich und charmant sind sie nur dann, wenn sie etwas wollen, im Normalzustand erlebt man nur ihre geballte Kälte. Diese Kälte ist ihre Waffe, die es ihnen ermöglicht, andere auszurechnen und für die eigenen Zwecke einzusetzen. 

Bei einem Egomanen an die Vernunft zu appellieren, ist sinnlos. Vernunft kennt diese Spezies ebenso wenig wie Schuldgefühle, denn sie wird, man kann es nicht oft genug betonen, von ihrer Selbstsucht dominiert, lebt immer nur im Jetzt und dort soll es möglichst kommod für sie sein, gleichgültig, was mit anderen wird. Nachhaltigkeit ist nicht ihr Ding, "nach mir die Sintflut", das Lebensmotto.

Kinder, Ehemänner oder Ehefrauen, Freunde und Verwandte werden ebenso abgründig vereinnahmt und bei Bedarf weggeschoben, wie Geschäftspartner oder Parteifreunde. Dabei ist das oberste Prinzip die Befriedigung der persönlichen Lustgefühle. Kaufsucht, Spielsucht, Sexsucht, Trinksucht, Zuckersucht, Nikotinsucht und tausend andere Süchte sind typisch für diese Menschen, die von ihrem Ego beherrscht werden und denen Disziplin grundsätzlich fremd ist. Die Folgen tragen zumeist andere. Doch das ficht Egomanen nicht an, weil sie ihr Verhalten niemals reflektieren und bei Vorhaltungen  nichts weiter  als die beleidigte Leberwurst geben, anstatt mal in sich zu gehen.

Man kann nicht oft genug vor ihnen warnen, denn sie zerstören, wo sie auftauchen, immer die Gemeinschaft und hinterlassen stets nur Unheil. 

Helga König

Montag, 23. Juli 2018

Sonntagskolumne: Helga König, 22.7.2018

"Mit ungläubiger Irritation vermisse ich eine öffentliche Diskussion darüber, mit welchen Kampfmitteln die Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach- , Welt- und Sinnzerstörer gekontert werden kann. Ironie jedenfalls funktioniert nicht mehr. Lasst uns forschen.“ 

Der Schauspieler Armin Rohde postete am 22.7. 2018 obigen Tweet. 

Der Rhetorik der Lügner, der enthemmten Sprach-, Welt und Sinnerstörer kann m. E. weder durch Ironie noch durch Vernunftsappelle beigekommen werden, weil sie auf die irrationalen Ebenen der Zuhörer abstellt. 

Man muss diese  hinterhältige Rhetorik Satz für Satz zerpflücken und so oft es geht, genau aufzeigen wie sie funktioniert. Das ist alles andere als einfach, weil Tatsachenverdrehungen an der Tagesordnung sind und mit vorgegaukelten Emotionen sich Gehör bei den angepeilten Zielgruppen verschafft wird. 

Zur Rhetorik der genannten Personengruppe gehört, die Gegner immer wieder zu provozieren, zählen auch Drohungen, Täuschungen, Gerüchte, Verleumdungen und dergleichen mehr. Zur scheinbar positiven neutralen Elementen dieser Rhetorik gehört das Einrichten von Nebenkriegsschauplätzen, das Einlullen, die Richterrolle, auf Zeit zu spielen und andere nicht minder miese, abgefeimte Verhaltensmuster. 

Genau all diese Elemente muss man mit stoischer Ruhe aus den Statements der Lügner herausfiltern und öffentlich immer wieder thematisieren. Man muss darauf achten, welche Haken die Verfolgten dann schlagen und sich darauf gefasst machen, dass sie immer niederträchtiger rhetorisch agieren, wenn sie merken, dass man ihnen auf den Fersen ist. 

Erwischen wird man sie letztlich nie, weil sie die offene Konfrontation scheuen und sich wegducken, wenn es für sie brenzlig wird. 

Man braucht gute Freunde im Kampf mit diesen verlogenen Typen. Allein reibt man sich an deren Niedertracht auf Dauer auf.

Die enthemmten Sprach-, Welt-, und Sinnzerstörer sind- das muss man sich einfach bewusst machen-, Getriebene, die alles, was sie unternehmen, aus dem Zerstörungsmodus heraus tun. So gesehen sind es Psychopathen, die, sobald wir in ihre Schwingungsebene geraten, uns das Leben erschweren, wo sie nur können. 

Sie zu ignorieren, erspart uns vorübergehend vielleicht viel Ärger, langfristig allerdings können wir uns den Folgen ihres Tuns nicht entziehen, jedenfalls, wenn sie Macht erhalten, sei es wirtschaftliche oder politische. Wissen sollte man, dass solche Zeitgenossen immer nach Macht und damit der Möglichkeit, alles zu kontrollieren streben, um letztlich alles zu vernichten. 

Auch wenn das Paradies auf Erden oder das Schlaraffenland versprochen wird, es geht dieser Sorte von Menschen nur um Zerstörung und überall, wo sie Raum erhalten, steht zum Schluss kein Stein mehr auf dem anderen, ist Dunkelheit, ist Wüste Programm. So war es in allen Zeiten. Die Geschichte kennt tausende von Beispielen. Schlimm nur, dass die Mittel der Zerstörung zwischenzeitlich so perfektioniert worden sind, dass durch die krankhaften Destrukteure die gesamte Erde ausgetilgt werden kann.

Deshalb gilt es aufzuklären, jetzt und alle Tage, die noch folgen. 

Helga König

Sonntag, 15. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 15.7.2018

"Es gibt Güter, Rechte, Prinzipien, die lassen sich nicht zu Disposition stellen, die sind unverhandelbar. Es hat nichts mit Liberalität zu tun, sie zu Pro und Contra Fragen zu reduzieren. Das ist das Ende der Übereinkunft darüber, was wir bislang für Zivilität hielten."

Die Philosophin Dr. Carolin Emcke twitterte am 12. Juli 2018 diese Sätze, offenbar als Antwort auf die veröffentlichten Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung in der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT. 

Gleich vorab, ich teile Carolin Emckes Position, wundere mich allerdings nicht, dass seit geraumer Zeit immer häufiger geradezu perverse Beckmessereien in punkto Mitmenschlichkeit allerorten stattfinden. Das "Boot Europa" ist zu voll, hört man von den Biedermännern und denkt sogleich an die 1912 untergegangene "Titanic" als viele mittellose Passagiere damals deshalb ertranken, weil ihnen reiche Egomanen den Platz in den Rettungsboten verwehrten, obgleich genügend Raum vorhanden war. 

Die Angst von Migranten überschwemmt zu werden, wird von rechtslastigen Politikern fast täglich geschürt, zugleich wird aber zu wenig getan, um das Leben der Leute in den armen, oft von Kriegen erschütterten Ländern zu verbessern. 

Es ist doch nur logisch, dass der Selbsterhaltungstrieb die Menschen dorthin gehen lässt, wo sie meinen, genügend zu essen und zu trinken zu haben und vielleicht eine Arbeit zu finden. Der Wohlstand Europas ist seit Internetzeiten überall auf dieser Welt bekannt. Dass dies Konsequenzen hat, sollte doch jedem klar sein. Sollen "Eindringlinge" jetzt an den Grenzen gleich abgestochen werden?

Die Vorstellung, in Seenot geratene Flüchtlinge einfach absaufen zu lassen, weil sie sich angeblich freiwillig in Gefahr begeben haben, passt in unsere Zeit, in der man unliebsamen Fragen aus dem Weg geht, wenn deren Antworten deutlich machen, dass die Ursachen in einem Fehlverhalten unsererseits begründet liegen. 

Sich nicht verantwortlich oder mitverantwortlich zu fühlen, passt ins Verhaltensmuster unserer infantilisierten Gesellschaft. Alles wird weggeschoben, was das eigene Wohlbefinden stören könnte. Wenn Humanisten in Seenot geratene Migranten privat retten, dann kann man deren ethische Haltung nicht in Frage stellen oder diese sogar kriminalisieren wollen. In Frage stellen muss man das Verhalten der Politik und Wirtschaft, das zugelassen hat, dass man Drittländer über Jahrhunderte ausbeutete und den dort lebenden Menschen die Entwicklungschancen raubte. 

Zum raschen Aufbau der Länder sollte man anteilmäßig all jene, die in Kolonialzeiten sich die Taschen füllten, unvorzüglich zur Kasse bitten, aber auch die Großunternehmen, vor allen die Waffenhersteller, die heute dafür sorgen, dass eine zügige Entwicklung der krisengeschüttelten Länder nach wie vor unmöglich ist, die entstehenden Kosten zum Wiederaufbau  größtenteils tragen lassen. 

Nicht die Opfer, sondern die Täter gilt es täglich anzuprangern und sie zu ethischem Verhalten zu erziehen. Solidarität mit den Opfern ist gefragt. Dabei sollte sich die liberale Presse nicht zum Steigbügelhalter rechtslastiger Parolen machen lassen. Das ist mehr als nur peinlich.

Helga König

Sonntag, 8. Juli 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 8.7.2018

"Während die Philosophen noch streiten, ob die Welt überhaupt existiert, geht um uns herum die Natur zugrunde." Karl Raimund Popper (1902-94), brit. Philosoph u. Wissenschaftslogiker östr. Herk.) 

Als ich diesen Satz heute Morgen las, dachte ich spontan an den Philosophen Ernst Bloch, dessen 133. Geburtstag heute gefeiert wird. Er sagte:"Die Philosophen sollen die Welt nicht interpretieren, sondern verändern."

In Bezug auf die Natur geht es in erster Linie darum, ein ethisches Bewusstsein  bei allen zu schaffen und über die Folgen des Raubbaus aufzuklären.

In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Müllberge und vermüllte Meere gezeigt. Wie diese entstehen, ist schon lange bekannt. Doch es wird kaum etwas unternommen, um sie zu verhindern. 

In dm-Märkten oder beim Handelsunternehmen Tegut gibt es lobenswerterweise keine Plastiktüten mehr an der Kasse. Hier ist man bereits den richtigen Schritt gegangen. In anderen Supermärkten werden leider noch immer Plastiktüten verkauft. Das Geschäft scheint lukrativ und die Verantwortung gering zu sein. Der mündige Kunde geht auf das Angebot natürlich nicht ein, doch leider ist es allgemein mit der Vernunft nicht weit her, wenn der Mensch Gewohntes verändern soll. Selbst die Erhöhung der Preise für Plastikprodukte sorgt nur selten für ein Loslassen der alten Gewohnheit. 

Früchte, Gemüse, Milchprodukte etc. fast alles ist in Supermärkten in Plastik verpackt. Die Notwendigkeit ist selten erklärbar, doch auf Wochenmärkten wird gezeigt, wie man umweltfreundlich  agieren kann. Gemüse und Obst aus der Region zu kaufen, ist in dieser Beziehung sinnvoll, weil die langen Anfahrtswege entfallen und damit das Frischhalteproblem.

Auch anderes Verpackungsmaterial ist oft überflüssig und dient bloß der Augenwischerei. 

Der Klimawandel bedingt durch den pervertierten CO2 –Ausstoß führt zu erheblichen Hitze- und Trockenperioden, auch zu Starkregen und Hagel im Frühling und im Sommer. Für die Winzer, Bauern und Hobbygärtner werden die Arbeitsbedingungen immer dramatischer. Die Versicherungsbeiträge für Unwetterschäden  sind so hoch, dass sie für  die Winzer und Landwirte kaum mehr zahlbar sind.

Die Hautkrebserkrankungen steigen von Jahr zu Jahr mehr. In der Bundesrepublik ist die Haut mit rund 270 000 Neuerkrankungen pro Jahr das menschliche Organ, das am häufigsten von Krebs betroffen ist.* Ursache sind die immer extremer werdenden UV- Strahlen.

Nord- und Südpol leiden unter dem Klimawandel, wie man stets aufs Neue liest: Das einst ewige Eis schmilzt und die Gletscher werden kleiner. Allein in der Antarktis ging laut einer aktuellen Studie in den letzten fünf Jahren im Mittel dreimal so viel Eis verloren wie in den 20 Jahren zuvor.** 

Wir sind ein Teil der Natur und werden seitens der Lebensmittelindustrie täglich mit Angeboten für Zucker- und Weißmehlbomben überhäuft. Fast in allen industriell hergestellten Lebensmitteln ist Zucker versteckt und an versteckten, gesundheitsschädlichen Transfetten mangelt es ebenfalls nicht. 

Eine Folge vom Zuckermissbrauch und von Fast-Food ist, dass 12 jährige bereits an Diabetes II erkranken und die Krankenkassen nicht mehr wissen wie sie die rund 10 Millionen Diabeteskranken finanzieren sollen. 

Von neoliberalen Unternehmern, Lobbyisten und Politikern ist keine Einsicht zu erwarten, denn sie kennen keine Verantwortung. So liegt es an den Philosophen, die Menschen aufzuklären und dabei zu helfen,  sie zu mündigen Bürgern zu machen, die dem geldgeilen Pack die rote Karte zeigen: 

"Mit uns nicht mehr!"

Dies ist das Ziel, das es zu erreichen gilt.  

Helga König

Sonntag, 24. Juni 2018

Sonntagskolumne

Sonntagskolumne   wieder ab  8. Juli wegen Krankheitsfall in der Familie.  Gottlob  ist  die Patientin schon wieder gut auf dem Weg der Besserung.

Samstag, 9. Juni 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 10.6.2018

"Ich halte es für extrem unfair und überaus verwerflich, einen unaufgeklärten Sexualmord für fremdenfeindliche Aktionen zu instrumentalisieren."(Tweet, 9.6.2018)

Diesen Satz postete ich heute Nachmittag, nachdem ich diverse Berichte in Zeitungen zum Fall "Susanna" gelesen hatte. 

Natürlich ist es sehr tragisch, was geschehen ist und  selbstverständlich ist jeder Sexualmord ohnehin einer zu viel. Wissen aber muss man, dass Sexualmorde hierzulande rückläufig, d.h. demnach keineswegs mit den Flüchtlingswellen der letzten Jahre angestiegen sind, (anbei die Statistik). Wer anderes verlautbaren lässt, der sagt die Unwahrheit. 

Die Hintergründe für die Tötung Susannas sind noch nicht bekannt. Bilder des dunkelhaarigen Mädchens wohl aber schon. Rein optisch könnte sie eine Irakerin oder Syrerin sein und eignet sich insofern vom Typ her eigentlich nicht für den rechtslastigen Feldzug zum Schutze der blonden, germanischen Frau, der gerade stattfindet. 

Selbst wenn die Aufklärung des Falls ergeben sollte, dass der Tatverdächtige diese Tötung begangen hat, wäre dies immer noch kein Anlass für fremdenfeindliche Aktionen. Sexualstraftäter gibt es auf der ganzen Welt. Leider! 

Untersuchungen zeigen, dass Psychopathen ihre Opfer instinktiv erkennen. Eine deutsche Schauspielerin schrieb dieses Jahr, dass sie von verschiedenen Männern in jungen Jahren vergewaltigt worden sei. Diese Frau war einst der Inbegriff einer Männerphantasie und dies scheint mir der springende Punkt zu sein. Wenn ein starker erotischer Ausdruck sich in einer Frau mit Naivität paart, dann kann das besonders für junge Mädchen problematisch werden. 

Bei allem sollte man aber wissen: Im Jahr 2017 wurden auf 100.000 Einwohner in Deutschland 13,7 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung polizeilich registriert. Insgesamt wurden 2017 acht Fälle von Sexualmorden in Deutschland polizeilich erfasst. Die aktuelle Bevölkerung hierzulande besteht aus 81 373 514 Menschen. 

Natürlich ist es unerträglich, dass es immer noch Männer gibt, die Frauen sexuell nötigen und vergewaltigen oder sogar töten. Es ist aber wie die Statistiken zeigen eine verschwindende Minderheit und diese Minderheit den Fremden zuzuordnen, ist mehr als infam. 

Was man seit seiner Bevölkerungsumfrage des Justizministeriums der Vereinigten Staaten weiß, sind  99 Prozent aller Sexualstraftäter Männer. Deshalb nun alle Männer an den Pranger zu stellen, wäre auch nicht sehr fair, oder?

Nachtrag 10.6.2018: Zwischenzeitlich ist der geflüchtete, mutmaßliche Täter Ali B. nach seinem Fluchtversuch in den Irak nach Deutschland zurückgekehrt und befindet sich in Untersuchungshaft. Der Polizeichef der nordwestirakischen Stadt Dohuk, Tarik Ahmad, ließ gegenüber der Nachrichtenagentur AFP verlautbaren,  dass Ali B. ausgesagt habe, er sei mit der 14 jährigen befreundet gewesen, sei mit  ihr in Streit geraten und habe sie erwürgt  und zwar aus Angst, sie werde die Polizei  rufen. Drogen und Alkohol seien im Spiel gewesen.Was man von dieser  Aussage zu halten hat, werden die nächsten Tage zeigen und wohl auch unter welchen Umständen das Geständnis zustande kam. Fest steht, noch ist nicht wirklich geklärt, wer das Mädchen getötet hat und auch nicht, ob die Tötung Folge einer Vergewaltigung war. Klar scheint aber bereits zu sein, dass hier kein Vergewaltiger hinter irgendwelchen Büschen einem jungen Mädchen auflauerte, sondern der mutmaßliche Täter und das  Opfer sich kannten, vielleicht sogar recht gut kannten.

Nachtrag: 11.6.2018: Zwischenzeitlich hat Ali B. gestanden, Susanna getötet zu haben. Er bestreitet allerdings eine mögliche Vergewaltigung. Wenn dies stimmt-  gewiss lässt sich das durch eine Untersuchung des Körpers des Opfers feststellen- , dann  handelt es sich hier nicht um einen Trieb- sondern um einen Angsttäter.

Der Philosoph Friedrich Wilhelm Nietzsche sagte einst: "Drei Viertel alles Bösen, das in der Welt getan wird, geschieht aus Furchtsamkeit." Das sollte zu denken geben
  
Helga König

Sonntag, 27. Mai 2018

Helga König, Sonntagskolumne, 27.5.2018

Der Autor Raimund Schöll, dessen hervorragende Textsammlung "Alltagsfluchten" ich auf  "Buch, Kultur und Lifestyle" vor einigen Monaten rezensiert habe,  postete heute Morgen eine Sentenz von Hans Magnus Enzensberger. Sie lautet: 

"Alle reden von Kommunikation, aber die wenigsten haben sich etwas mitzuteilen." 

Diesen Satz zum Gegenstand der heutigen Kolumne zu machen, halte ich für interessant.  

Doch zuvor vielleicht  noch eine Anmerkung zum  Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger: Er hat  die deutsche Literatur seit den 1960er Jahren mitgeprägt. Bekannt wurde er durch seine zeitkritische Lyrik und seine politischen sowie medienkritischen Essays. Obige Sentenz stammt aus einem medienkritischen Interview, wie ich mich zwischenzeitlich kundig gemacht habe, welches Enzensberger 1994 dem Stern gab. (Besagtes Interview möchte ich allerdings heute nicht zum Thema machen, sondern den Satz kontextfrei reflektieren.)

Haben sich tatsächlich die wenigsten etwas mitzuteilen oder ist die Kultur des  Sichmitteilens - im Sinne von Miteinanderreden - durch den auf Egomanie gebürsteten Zeitgeist im Laufe der letzten Jahrzehnte fast vollständig ausgehöhlt worden? 

Wie oft erlebt man Tischrunden, wo die Menschen zwar reden aber dies keineswegs miteinander tun. Es werden Statements abgegeben oder es wird über Dritte hergezogen oder es wird sich schamlos selbst dargestellt.

Ein ernst gemeintes "Wie geht es Dir?" oder "Was denkst Du gerade?" oder auch ein "Womit beschäftigst Du Dich derzeit?", "Welche Probleme musst Du lösen ?", "Spürst Du bei allem noch die Leichtigkeit des Seins?", "Wonach sehnst Du Dich?" hört man selten. 

Weit mehr erlebt man, dass das Tun des anderen, speziell wenn es erfolgreich ist, vollkommen im Gespräch ausgeblendet wird und Probleme Dritter ohnehin tabu sind, es sei denn man kann darüber lästern. Zynismus ist ein schlimmer Gesprächskiller. Aus vielen Gesten oder lautem Schweigen tönt  nicht selten ein "Belästige mich nicht, es sei denn es bringt mir einen Nutzen."

Ein gutes Gespräch, ein Dialog eben, ist nur möglich, wenn man Mitgefühl besitzt und deshalb stets auch mit dem Herzen zuhört. Wir alle sind keine Roboter, haben deshalb gute und schlechte Tagesformen, sollten von daher auch nachsichtig sein mit anderen und mit uns selbst in dieser auf Perfektionismus und Selbstoptimierung ausgerichteten Welt, deren Ziel nicht das Interesse am Du, sondern dessen Ausbeutung ist.  Eine Kommunikation solcher Art, gilt es stets zu entlarven und sich  ihr zu entziehen, denn sie führt zu nichts Gutem.

Den höflichen Postboten aus Rumänien oder Kenia oder die nette koreanische Frau an der Kasse im Supermarkt oder den freundlichen Wurstverkäufer aus Sibirien zu fragen, was sie dazu veranlasst hat, ihr Land zu verlassen und wie sie sich jetzt fühlen, ist oft sehr aufschlussreich. Man hört nicht selten, wie wetterwendisch das Glück sein kann und lernt auf diese Weise Demut. 

Da wurde aus einer ukrainischen Architektin eine Haushilfe, aus einem sibirischen Philosophen ein Wurstverkäufer und aus einem kenianischen Lehrer ein Postbote in einem fremden Land, um so zunächst einmal ihre Familien zu ernähren. Gerne ist keiner gegangen, überall stand ein Zwang dahinter. Oft müssen all diese Menschen nun unsäglichen Hochmut  ertragen, von jenen, denen Mitgefühl fremd ist und die ihren Dünkel täglich mit Fleiß ausleben. 

Blickt man in die Augen des jungen Rumänen, der die Post-Pakete ausliefert, sieht man seine sprühende Intelligenz, redet man mit ihm, erfährt man, dass er eine gute Ausbildung hat und hier in Deutschland für eine gewisse Zeit arbeitet, um zuhause seine Träume verwirklichen zu können. Hakt man weiter nach, erfährt man, dass diese Menschen in ihrer Freizeit oft sehr gute Bücher lesen und ein Familienleben führen, das viele Wohlstandsbürger bei uns nicht mehr kennen, weil der Erwerb von und das Protzen mit Statussymbolen ihnen weit mehr bedeutet als der Dialog mit Menschen über das, was ein sinnstiftendes Leben wirklich ausmacht. 

Mir sind  nicht wenige Menschen in meiner Vergangenheit  begegnet, die sich nur über ihr Haben definierten, die Schönheiten von Landschaften und der Natur nichts abgewinnen konnten und  sich für andere Menschen nicht interessierten, sondern deren einziges Ziel der Erwerb von Luxusgegenständen war. Dabei wurde über die Arbeit und das Können, der Personen, die solche Gegenstände herstellten, niemals geredet. Die Wertschätzung des Du erwies sich als Fehlanzeige. 

Weißt Du wie viel Können in guten Manufakturarbeiten steckt? Weißt Du wie viel Herzblut ein Autor in sein Werk vergießt? Was gibt Dir das Recht darüber herzuziehen, nur weil Du übellaunig bist und die Möglichkeit hast, es zu tun? Was gibt Dir das Recht, Dich über andere und ihr Können zu erhöhen? Dein Geldbeutel? Dein grenzenloses Ego? Was glaubst Du, wer Du bist?

Wir leben in einer Kommunikationsgesellschaft und sollten uns in diese positiv einbringen, indem wir das Miteinander kultivieren und uns für andere wirklich zu interessieren beginnen, anstelle auf Munitionssuche beim Gegenüber zu gehen, indem wir dessen Suppe nach einem möglichen  Haar  unter die Lupe nehmen, um ihn dann dann verbal zu attackieren. Groß ist nicht der, der andere klein zu machen sucht, sondern groß ist der, der andere ohne Vorurteil achtet.

Helga König

Samstag, 19. Mai 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 20.5.2018

Alice Weidel rieb sich die Hände, bevor sie in dieser Woche in ihrer Rede im Bundestag ein Kleidungsstück, weibliche Kinder und durch wen auch immer unterstützte Männer, die sich offenbar durch nichts anderes als durch ein Messer definieren lassen, anprangerte, Taugenichtse zu sein, "die unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sicherten."

Händereiben suggeriert Selbstzufriedenheit und genau um die ging es Weidel wohl als sie sich vor großem Publikum darstellen konnte, wenn auch als Mensch, den man- außer vielleicht in ihren rechtslastigen Reihen-, als äußerst unsympathisch wahrnimmt. Wer kann schon einen Menschen mögen, der minderjährige Geschlechtsgenossinnen attackiert und im gleichen Atemzug angstbesetzte Habsucht öffentlich erkennen lässt?

Gestern twitterte ich: "Denke seit Stunden über Weidels Wortschöpfungen (?) nach, auf die eigentlich nur gewiefte Anwälte kommen können und versuche auszuloten, was alles mit den Worten transportiert werden soll, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden."

Das Fanal ihres Satzes „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“ bildet ein religiöses Kleidungsstück zur vollständigen Verschleierung des Körpers von Frauen. Es wird in Afghanistan und in Teilen von Pakistan von Musliminnen getragen. 

Weidel begann ihre Aufzählung mit diesem Kleidungsstück, um offenbar verdeckt, die Kette des dann angeprangerten Personenkreises - zum Teil jedenfalls-  näher zu spezifizieren. Um Muslime also ging es ihr demnach in erster Linie. Dass ein Kleidungsstück kein Taugenichts sein kann, ist allen klar, denen die deutsche Sprache geläufig ist, denn der Begriff "Taugenichts" bezieht sich auf  Menschen und nicht auf Dinge. 

Weil Weidel natürlich weiß, dass viele muslimische, mit einem Kopftuch bekleidete Frauen hierzulande in Arbeitsverhältnissen stehen und zu unserem Wohlstand und dem Wirtschaftswachstum beitragen sowie mithelfen den Sozialstaat zu sichern, sie insofern wegen Falschbehauptungen Probleme bekommen hätte, wenn sie von muslimischen Kopftuchfrauen gesprochen hätte, sprach sie von "Kopftuchmädchen" und ließ die Religionszugehörigkeit weg. 

Die Zuhörer allerdings hatte sie mit dem Begriff "Burka" bereits gedanklich auf muslimische Kopftuchfrauen gelenkt, wie man vielen Artikeln der Presse entnehmen kann, die ihren Ball aufgenommen haben.  Wen wundert es, dass die Wortberater von Frau Weidel sich vermutlich noch immer die Hände reiben? 

"Kopftuchmädchen" sind Kinder weiblichen Geschlechts, die ein Kopftuch tragen. Nehmen wir Frau Weidel ruhig beim Wort. Für sie sind solche Mädchen, die noch nicht in Arbeitsverhältnissen stehen, demnach Taugenichtse, sprich nichtsnutzige Menschen. 

Was ist daraus zu entnehmen? Ab wann hat für Weidel der Mensch einen Wert?  Macht nur Arbeit  frei, wie es zynisch an den Toren der Konzentrationslager von Ausschwitz, Dachau, Theresienstadt und Sachsenhausen stand?  Ist nur der Mensch, der zu unserem Wirtschaftswachstum beiträgt, kein Nichtsnutz?

Möchte Weidel die Kinderarbeit in Deutschland wieder einführen? Oder Kopftuchmädchen gar zur Zwangsarbeit verdonnern? Wundern würde mich das nicht.

Wie man mit Sündenböcken umgeht, wurde von Hitler und seinem braunen Gesindel allen Ewiggestrigen vorexerziert. 6 Millionen ermordete Juden waren das Ergebnis des damaligen Rassenhasses. Sind jetzt die Kopftuchmädchen angezählt? 

Was bitte sind alimentierte Messermänner? Worin besteht ihre Aufgabe, für die sie alimentiert werden? Diese Antwort ist uns Alice Weidel  auch schuldig geblieben. Was man allerdings auf der Begrifflichkeit herauslesen kann, ist, dass sie ein ziemlich schräges Bild von einem Teil ihrer männlichen Geschlechtsgenossen hat, wenn sie diese auf einen Gegenstand, den sie bei sich tragen, reduziert: Ein Messer. In der Tiefenpsychologie wird dies übrigens sehr gut  erklärt.

In Weidels Kopf aber geistern offenbar noch weitere, nach ihren Vorstellungen nichtsnutzige Personengruppen umher, die sie mit "anderen Taugenichtsen"  beschreibt. Man darf gespannt sein, wer das ist. Alte, Kranke? Ist die Euthanasie bereits wieder angedacht? 

Helga König

Sonntag, 13. Mai 2018

Helga König: Sonntagskolumne, 13.5.2018

Zusagen und Versprechen werden heute sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft und privat immer häufiger nicht eingehalten bzw. gebrochen und zwar keineswegs im beiderseitigen Einvernehmen. 

Warum ist das so? Woran mangelt es? 

Ich vermute seit einiger Zeit, dass es vor allem an den dazu notwendigen Tugenden fehlt. Wer Zusagen nicht einhält und Versprechen bricht, weil sich die Umstände geändert haben und das Einhalten von Vereinbarungen mit persönlichen Nachteilen verbunden wäre, benötigt einen bestimmten Mangel an Tugenden, um Wortbruch überhaupt begehen zu können. 

Meines Erachtens gehören ein Mangel an Verantwortung und ein Mangel an Gewissen dazu, vielleicht zudem ein Mangel an Selbstachtung, an Nächstenliebe, natürlich an Fairness, an Ausdauer, an Ernsthaftigkeit und schlussendlich ein Mangel an Willensstärke. 

Nur der, dem bewusst ist, dass er für seine Handlungen verantwortlich ist und sich letztlich selbst stets Rechenschaft  ablegen muss, wird sehr genau überlegen, wann er etwas zusagt oder verspricht und wohl durchdachte Vereinbarungen nicht, wann es ihm gerade beliebt, brechen. 

Ein verantwortungsbewusster Mensch legt Wert darauf, wann auch immer, sich im Spiegel anschauen zu können und bei diesem Anblick nicht schreiend weglaufen zu müssen. Selbstachtung ist ein Wesensmerkmal verantwortungsbewusster Menschen aber auch Willensstärke.

Ein solcher Zeitgenosse löst nicht einseitig Verträge auf, betrügt und belügt auch nicht sein Gegenüber, um sich einen Vorteil zu erschleichen oder Unredliches durchzusetzen. Ein verantwortungsvoller Mensch verfügt über ein intaktes Gewissen, das ihn davor schützt, aus Eigennutz, Zusagen und Versprechen nicht einzuhalten. Dieses Gewissen nämlich würde ihn plagen und seine Lebensfreude mindern. So beißt er lieber in den sauren Apfel und steht auch, wenn die Bedingungen sich für ihn unerfreulich geändert haben, zu dem, was er zugesagt hat. 

Der verantwortungsvolle Mensch ist vor allem fair, weil er fair sein möchte und Illoyalität ebenso ablehnt wie unsolidarisches Verhalten. Er hat einen Anspruch an sich, dem er gerecht werden möchte, der darin besteht, sich selbst nicht mehr zu lieben als seine Nächsten. 

Wir leben in einer hochgradig narzisstischen Gesellschaft, in der die Selbstliebe an erster Stelle steht, in der Menschen wenig ausdauernd sind, wenn es nicht um eigene Vorteile geht und den raschen persönlichen Erfolg langen Durststrecken, die sich aus Versprechen ergeben können, vorzieht.

Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass verantwortungsvolles Handeln dem Anderen gegenüber immer weniger ernst genommen wird. Gewissenskonflikte: Fehlanzeige. Alles ist Spaß, Ernst ist etwas für  moralinsaure Leute.

Deshalb kann man sich auf kaum mehr etwas verlassen, noch nicht einmal auf schriftlich gegebene Zusagen. Doch das bedeutet keineswegs, dass die Institution des Versprechens zwingend verschwinden muss, sondern wohl eher, dass Tugenden wieder mehr kultiviert werden sollten.

Warum nicht mit der Tugend der Besonnenheit beginnen,  die jeder Zusage und jedem Versprechen vorausgehen sollte?



Helga König