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Sonntag, 9. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 9.2.2020

Am 6. Februar 2020 stellten Günter Wallraff (Investigativjournalist), Sigmar Gabriel (Bundesaußenminister a.D.), Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.) und Sevim Dagdelen (MdB) in der Bundespressekonferenz in Berlin den Appell "Julian Assange aus der Haft entlassen" vor, der bislang (am  9.2. 2020/ 17.43 von 11 610 Menschen unterzeichnet wurde.

Ich habe meinen, über zwei Jahre auf der Profilseite meines Twitteraccounts angehefteten Tweet, der auf meine Interviews "Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" führte, - zwischenzeitlich wies er mehr als 100.000 Impressionen auf- dennoch bewusst gelöscht, um ihn zu ersetzen durch https://assange-helfen.de/?fbclid=IwAR0rQsYG_nQr-vX0RzZOW09TPgozC0XacCbl1rDYPWe1N_t8RElDsMgrA1Y… . Ethik ist nur glaubhaft, wenn man handelt, lies ich meine Follower mein Tun begründend wissen. 

Bereits vor zwei Wochen schrieb ich in Sachen Julian Assange eine Sonntagskolumne. Zwischenzeitlich hat sich Einiges getan. Endlich berichten die Printmedien  und Fernsehsender über den Skandal. Dies ist dem Engagement des UN-Sonderberichterstatter Prof. Dr. #Nils_Melzer zu verdanken 

Anbei ein Youtube-Clip https://www.youtube.com/watch?v=wHVArcyl1fY&feature=youtu.be. Hier erläutert der Jura-Professor genau, worum es geht. 

Blickt man auf die Liste der namhaften Persönlichkeiten, die sich für die Freilassung #Assanges aussprechen, so ist man schon erstaunt, dass bei den Politikern fast nur Pensionäre es wagen, sich in der Sache zu bekennen. Im welchem Obrigkeitsstaat leben wir eigentlich? Wovor haben sie alle Angst? 

Namhafte Schauspieler, Kabarettisten, Regisseure, Musiker auch Maler sind mutiger als andere Prominente. Dass #Wolfgang_Niedecken unterschrieben hat, ist ebenso erfreulich, wie das Engagement  in Sachen Menschenrechte des Bergsteigers #Reinhold_Messner und von Pater #Anselm_Grün. 

Diese Menschenfreunde reden nicht nur über #Humanismus, sondern zeigen durch ihr Tun, dass sie authentisch sind. 

Was kann man in den sozialeren Netzwerken tun, damit viele auf die Seite "Assange helfen" aufmerksam werden und unterzeichnen? Man muss seine Follower bitten, zu retweeten. Vielen nämlich ist es nicht bewusst, dass nur so sehr rasch Breitenwirkung entsteht. Viele unterschätzen die Möglichkeit von RT.  Das muss sich ändern. 

#Julian_Assange benötigt Hunderttausend und mehr Stimmen, damit die Obrigkeit zu reflektieren beginnt und ihren Kurs ändert. Nötig sind auch weit mehr namhafte Persönlichkeiten als jetzt. 

Am besten wäre es, wenn #Papst_Franziskus unterschreibt  und sich für #Julian_Assange einsetzt und zudem die  jungen Menschen der "#friday_for_future"-Bewegung, eben all jene die guten Willens sind, sich für ihn stark machen. #Assange braucht Hilfe. Sein Leben ist in Gefahr.

Helga König

Sonntag, 2. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 2.2.2020

"Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit." (Goethe) 

Heute Morgen entdeckte ich in meiner Timeline auf Twitter einen faszinierenden Tweet. Ich hielt inne, staunte und klickte neugierig auf den Account desjenigen, der ihn gepostet hat.

Der Accountbesitzer nennt sich "wilderwandel" und ist seit  dem 12. Januar dieses Jahres auf Twitter aktiv. In seiner Vorstellung merkt er an: "Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben..."  "Being wild again is the only option we have.."

Spontan fiel mir der legendäre Song der Hard-Rock-Gruppe "Steppenwolf" ein und hier die Zeilen: 

Like a true nature's child 
We were born,
born to be wild 

We can climb so high
I never wanna die 

Born to be wild 
Born to be wild 

Dann musste ich lächeln, weil mein erster Tweet heute Morgen ein Youtube- Clip mit Gedanken von Hermann Hesse war. Es handelte sich dabei allerdings nicht um eine Textstelle aus Hesses Roman "Steppenwolf", der für viele junge Menschen einst ein Kultbuch war. 

Sie erinnern sich?: "Es war einmal einer namens Harry, genannt Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war er doch eben ein Steppenwolf."

"Like a true nature's child We were born, born to be wild"

"Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben...“ Was meint  "wilderwandel" damit? Was bedeutet "wild?" In erster Linie wohl "ungezähmt". 

Wie kann man diesen Zustand erneut erreichen und  was würde das für uns bedeuten? Schon wieder geistert eine Textstelle durch meinen Kopf. Diesmal aus dem 21. Kapitel des Buches  "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Hier geht es um Freundschaft, die nur möglich ist, wenn man sich einander vertraut macht. Dieses Vertrautmachen bedeutet für Saint-Exupéry "zähmen".

So gesehen befinden wir uns, die wir auch nach Hesse nur dann glücklich sein können, wenn wir lieben, was ja auch Grundlage einer Freundschaft ist, in einem Zwiespalt, der nicht auflösbar zu sein scheint. Um wild zu sein – also ungezähmt und so gesehen auch ungebunden bzw. frei- müssen wir auf Liebe und Freundschaft verzichten und uns in selbstgewählter Einsamkeit einrichten. Doch dies macht bekanntermaßen  auf Dauer krank. 

Laut dem Roten Kreuz können in England ungefähr 200 000 ältere Menschen höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten führen, las ich gestern bei Notker Wolf in seinem neuen Buch "Ich denke an Sie". Das kann keine Option sein.

"wilderwandel" taucht mit seinen Fotos in die Zauberwelt der Natur ein. Man nimmt wahr, wie sehr er sich in jedes einzelne Motiv einbringt, nicht nur mit den Augen, denn er erzählt jeweils eine Geschichte durch die Art wie er das jeweilige Bild anlegt. Man spürt, er trauert bei seinen Wanderungen durch die Natur keinem Gestern nach, denn er nimmt alles sehr bewusst wahr und blickt hinter das, was sich ihm zeigt. Deshalb auch erzählen seine Bilder  philosophische eingefärbte Geschichten. 

Dieser Fotograf liebt die Stille, das Schöne in der Natur, die belebten Steine, das Grün, die Ruhe, die Meditation. Er denkt dabei an Goethe: "Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit," und lässt erkennen, dass er viel Demut besitzt. 

"Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ … um neu beginnen zu können? Weil jedem Anfang ein Zauber innewohnt, der uns beschützt und hilft zu leben?  Ist es das?

Es macht mich neugierig, was "wilderwandel" uns in seinen nächsten Posts vermittelt, um seinen  Satz "Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ allmählich entschlüsseln zu können. Dass "ungezähmt", nicht "unkultiviert" heißt, wie manche meinen, dokumentiert der Account "wilderwandel" auf subtile Art.

Helga König



Samstag, 25. Januar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 26.1.2020

"Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen." Julian Assange

Dieser Tage hat der stellvertretender Chefredaktor des liberalen Magazins «Schweizer Monat» und NZZ-Kolumnist Dr. Milosz Matuschek sich dort ausführlich zum Fall #Julian_Assange geäußert. Der promovierte Jurist hat über fünf Jahre unter anderem Strafrecht und Menschenrechte an der Pariser Sorbonne unterrichtet und mehrere Bücher veröffentlicht. 

Er weiß also ganz genau, weshalb er sich fast täglich für die Freilassung des schwerkranken Menschenrechtlers Julian Assange ausspricht und schreibt u.a.: "Assange erweist sich als ein Fieberthermometer der Freiheit und der Fall Assange als Kristallisationspunkt eines demokratietheoretischen Paradoxons: In einer echten Demokratie kann es keine Dissidenten geben. Denn die Offenbarung der Wahrheit ist entweder Teil der demokratischen Grundrechte, oder Letztere sind ausgesetzt. Dann aber ist Demokratie nur noch Fassade."*

Assange ist der Wahrheit verpflichtet, war es immer und genau das hat ihn zum Feind der Mächtigen werden lassen.

#Heribert_Prantl, ebenfalls Jurist und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung hat letztes Wochenende in seiner Kolumne "Assange Helfen"** hervorgehoben, dass jene, die Assange verteidigen, zugleich die Pressefreiheit verteidigen, denn diese stirbt, wenn man die Informationen der Presse vernichtet. Er bringt dies durch folgende Worte  sehr einprägsam auf den Punkt: "Wenn das Aufdecken von Verbrechen zum Verbrechen wird, ist die Pressefreiheit in Gefahr."***

Julian Assange hat Verbrechen wider die Humanität aufgedeckt und wurde als Journalist nicht grundlos vielfach mit Preisen sowie Auszeichnungen geehrt, unter anderem 2011 mit der Goldmedaille für Frieden und Gerechtigkeit der Sydney Peace Foundation, mit der vorher nur Nelson Mandela, der 14. Dalai Lama und Daisaku Ikeda ausgezeichnet worden sind.****

Offenbar ist die Aufdeckung von Kriegsverbrechen in den Augen der Mächtigen ein Verbrechen oder wie soll man das Vorgehen gegenüber Julian Assange ansonsten interpretieren? Wer außer dem  mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador***** sprach sich seitens der Politikerkaste noch für die Freilassung  des Wikileaks-Gründers Julian Assange aus?

Wie UN-Sonderberichterstatter #Nils_Melzer konstatiert, sei Julian Assange vermutlich psychisch gefoltert worden. Er bekundet, er habe gemeinsam mit Forensikexperte, Dr. Duarte Nuno Viera, der eine lange Erfahrung in der Untersuchung von Folteropfer hat und Chef der International Association of Forensic Sciences war sowie mit Dr. Pau Pérez-Sales, einem spanischen Psychiater, der auch auf Folteropfer spezialisiert und Direktor eines Rehabilitationszentrums ist, Julian Assange im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh bei London  aufgesucht. Beide Mediziner haben während Jahrzehnten mit Folteropfern gearbeitet und haben bei Assange Symptome festgestellt, die für Folteropfer typisch sind, vor allem nach lange andauernder psychologischer Folter.******

Im Interview auf #Telepolis sagt Melzer u.a. "Die zentrale Frage ist nun: Würde eine Auslieferung an die USA Julian Assange schweren Menschenrechtsverletzungen aussetzen? Auch das kann man nur bejahen. Das Gerichtsverfahren in den USA würde in Alexandria, Virginia mit einer Jury stattfinden, die sich überwiegend aus Angestellten der Nachrichtendienst- und Verteidigungsbranche zusammensetzt. Dies und andere Aspekte weisen darauf hin, dass ein Verfahren nicht unabhängig von den schweren Vorurteilen wäre, die innerhalb des US-Behördenapparats gegen Assange bestehen. Von dort aus sind ja schon schwerste Drohungen bis hin zu Mordaufrufen ausgesprochen worden. Zuvor ist schon die Anklage zu kritisieren, die auf Spionage lautet.

Er hat ja nichts gehackt, er hat nichts gestohlen und er hatte den USA gegenüber keine Schweige- oder Treuepflicht. Dass er ungeachtet dessen von den USA bedroht und angeklagt wird, ist weitab dessen, was rechtsstaatlich zulässig ist." *******

Für Heribert Prantl gilt: "Julian Assange muss aus der Haft entlassen werden." ********Dieser Meinung schließe ich mich an, nach allem, was ich bislang über den Fall gelesen habe.

Prantl schreibt weiter: "Ohne die Zivilcourage derer, die Missstände aufdecken, kann keine Gesellschaft leben. Die Europäische Union hat dies erkannt und deshalb Richtlinien zum Whistleblower- Schutz erlassen. Der Einsatz der EU ist dafür ein Prüfstein." *********

Werden sich die Briten, wenn  sie sich aus der EU verabschieden, noch an diese Richtlinien halten? Und was, wenn nicht?

Zum Schluss nochmals das Zitat von Julian Assange, das sein humanistisches Engagement mit wenigen Worten erklärt:

"Jedes Mal, wenn wir Zeuge einer Ungerechtigkeit werden und nicht handeln, üben wir unseren Charakter in Passivität gegenüber diesem Geschehen und verlieren dadurch schließlich alle Fähigkeit, uns und diejenigen, die wir lieben, zu verteidigen." 

Über diese Worte sollten alle täglich ein paar Minuten meditieren.

Die Grundwerte Julian Assange sind: #Transparenz, #Verantwortung und #Gerechtigkeit. Wer diese Werte mit Füßen tritt, für den ist Julian Assange natürlich ein Feind, der für immer mundtot gemacht werden muss.  Das sollte einem bewusst sein, wenn man sich  in der Sache Assange vorteilsbezogen wegduckt und schweigt.

Helga König

Nachweise: 

Montag, 6. Januar 2020

Helga König: Statt einer Sonntagskolumne erst einmal einige kleine Gedichte zu Jahresbeginn 2020

Tage des Schweigens 
der Stille 
der leise flehenden 
Lieder 
die im Nirgendwo 
verhallen. 
Ungehört. 
(9.1. 2020)

***

Geschehen lassen
was nicht zu ändern ist
Sich um anderes kümmern
oder auch um nichts
wenn die Zeit uns
Ausruhen verordnet
wird sie schon wissen
       warum
Ausruhen heißt nicht Stillhalten
Ausruhen heißt Kraft sammeln
Die Zeit wird schon wissen 
          wofür
(7.1. 2020)

***
   
Tage, an denen man frei atmen kann 
Tage ohne Lärm
Tage voller buntem Leben 
Tage voller Lachen 
Tage voller Herzlichkeit 
Kennt Ihr das? 
Das ist Frieden. 
(7.1.2020)

***

Verlernt
uns zu sehnen
nach der blaue Blume
Viel zu nüchtern
um im Flügelschlag
eines Schmetterlings
Magie zu vermuten 
Kultiviert
die Liebe zur Musik 
die uns Poesie 
und vieles mehr 
geworden ist.
(7.1.2020)

***


Es wird immer
zwischen den Zeilen
mitschwingen
sich mitteilen wollen
auf geheimnisvolle Weise
Unerkannt 
von allen
Zwischen den Zeilen
das Unaussprechliche
das Tabu
stattdessen wartend
erlöst zu werden
(6.1.2020)

***

Seelen
so tief 
in uns verankert 
dass Vergessen 
unmöglich 
Auch 
wenn Jahre 
vergangen
Der Dialog
der Seelen 
endet nicht 
Worüber sie reden?
Über Poesie. 
Worüber sonst? 
Das ist ihr Thema 
Bleibt es für immer.
(6.1.2020)

***

Unser Herz
sich Kitsch verbietend
seit es erwachsen
verliebt sich
völlig unerwachsen
Sich die Liebe verbietend
seit es gekränkt
Unser Herz
das dumme Kind
sich noch immer
nicht kennt 
Bloß nicht
verlachen 
weil es liebt
arglos
wie ein Kind 
errötend
wenn es bekennt
Unser Herz
ein Vogel
mit gestutzten Flügeln
der beweint werden will
Bloß nicht verlachen
Bloß nicht
(6.1.2020)

***

Es gibt Orte 
an denen wir
nicht die werden können
als die wir
gedacht sind
Noch unwissend
werden wir
von ihrem 
gleißenden Licht angezogen
das sich alsbald
als Täuschung erweist
Diese unwirtlichen Orte
Spielwiesen jener 
deren Tun ihr Herz
längst hat versteinern 
lassen (4.1.2020)

***

Lebensabschnitte 
enden
oft mit Trauer
beginnen mit Hoffnung
mit Elan
dem Gefühl
Abgelebtes
endlich
verbannt zu haben
und einem
reizvollen Kribbeln
in den Fingern
vielleicht sogar
mit Herzklopfen 
weil man 
sich plötzlich wieder
jung fühlt 
den Zauber des Neubeginns
spürend.
(4.1.2020)

  ***
Du, der Du 
das Geheimnisvolle liebst
stets behänd fliehst
sobald Du glaubst
es gelüftet zu haben
wirst nie die Liebe entdecken,
-das Geheimnisvolle an sich- 
denn sie ist dort
wo das Licht 
am Hellsten scheint.
Doch Du wähnst
Geheimnisvolles
    ja stets 
im Zwielicht.
(4.1.2020)

Sonntag, 22. Dezember 2019

Sonntagskolumne Helga König, 22.12.2019

In dem wunderbaren Übungsbuch "Wer bin ich", das das Team von "The School of Life" verfasst hat und das ich vor einigen Tagen rezensiert habe, findet man unter anderem die Fragen: "Was würden die folgenden Menschen als Erfolg ansehen? Auf welche positiven Dinge konzentrieren sie sich? 

Ein Großvater 
Ein Krebspatient 
Ein vierjähriges Kind 

Ein Großvater

Die Erfolgsvorstellung eines Großvaters im Hinblick auf seine Enkelkinder, denn darauf scheint der gewählte Begriff  "Großvater" hinzudeuten, sollte meines Erachtens deren charakterliche Entwicklung im Auge haben, ohne allerdings ins elterliche Erziehungsprogramm einzugrätschen.

Ein Großvater sollte seine Lebenserfahrungen seinen Enkeln nach Möglichkeit ungeschönt weitervermitteln, sie vor den Folgen von Unredlichkeit warnen, ihnen auch begreifbar machen, dass sie nur Glied einer langen Kette sind und sich generell allen Familienmitgliedern und darüber hinaus allen Mitmenschen gegenüber fair verhalten sollten. 

Er sollte seinen Enkeln im Speziellen auch verdeutlichen, dass man keine Keile in eine Familie treibt, weil man sich auf diese Weise Vorteile erhofft und dass die Vorstellung von Lieblingsenkeln in einer fairen Familie keinen Platz haben kann. 

Gerechtigkeit und Gleichbehandlung sollten das oberste Prinzip sein, das er und selbstverständlich auch seine Frau vorleben. Als seinen größten Erfolg sollte er begreifen, dass seine Kinder und Enkelkinder dank seines Vorbildes redliche und dabei selbstbewusste Erwachsene geworden sind. 

Ein Großvater sollte darauf achten, dass, sofern er selbst mehrere Kinder hat, diese gut miteinander auskommen, dass alle gemeinsam am runden Tisch, Probleme des Familienverbandes diskutieren und auf Augenhöhe die Probleme zu lösen versuchen. Enkelkinder sollten begreifen, dass sie Teil eines solchen Verbandes sind, in dem Konkurrenzdenken  und Mobbingsversuche nicht erwünscht sind.

Insgesamt sollte ein Großvater sich sehr bemühen, das Grundvertrauen seiner Enkel ins Leben zu stärken. Ein solches Vertrauen entsteht nur dann, wenn man ehrlich und offen zueinander ist. 

Ein Großvater sollte sich bei allem nicht als Patriarch produzieren, sondern seine liebevollen Seiten kultivieren.  Damit überzeugt er am meisten.

Ein Krebspatient 

Der Erfolg eines Krebspatienten besteht meines Erachtens darin, seine Krankheit anzunehmen und alle Möglichkeiten ausfindig zu machen, um wieder gesund zu werden. Ein Krebspatient sollte sich von allem trennen, was ihn krank gemacht hat und sofern noch möglich, neue Wege gehen. Die meisten körperlichen Krankheiten haben seelische Ursachen. Das sollte jedem bewusst sein. Deshalb gilt es für ein stabiles Immunsystem zu sorgen und  jene Menschen, die  schaden, aus seinem Leben zu verbannen.

Ein vierjähriges Kind 

Für ein Kind dieses Alters bedeutet Erfolg meines Erachtens, fröhliche Tage zu erleben, zu lachen, zu spielen und ungestört träumen zu dürfen. Ein vierjähriges Kind hofft, von seinen Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und Verwandten bedingungslos geliebt zu werden und begreift es als Erfolg, wenn alle, natürlich auch seine Spielkameraden (m/w) gerne mit ihm zu tun haben. Um diesen Zustand zu erreichen, muss ein Kind lernen, freundlich und höflich zu sein. 

Wer Sandburgen zertritt, wird von keinem geliebt, wer sie mit aufbaut schon. 

Ein vierjähriges Kind bemüht sich, durch das, was es bereits erlernt hat, anderen Menschen Freude zu bereiten, so etwa zu singen, selbstgebastelte Dinge zu verschenken, eine Geschichte zu erzählen  oder einfach nur freundlich zu sein. 

Aufrichtige Freundlichkeit ist ohnehin ein Schlüssel zur Akzeptanz durch unsere Mitmenschen, die sehr genau spüren, ob jemand nur eine Grimasse schneidet oder tatsächlich Licht verschenken möchte. 

Helga König

Sonntag, 15. Dezember 2019

Helga König- Sonntagskolumne, 15.12.2019

Überbordende Egomanie ist der Motor für mangelnde Empathie und im Speziellen für mangelnde Hilfsbereitschaft. Neid und Missgunst gesellen sich zumeist im Laufe der Jahre bei Egomanen hinzu und machen den Kontakt mit ihnen nicht einfach. 

Da besuchte eine Frau, die von ihrem Ehemann weit mehr als 60 Jahre auf Händen getragen wurde, diesen in seinen letzten drei Lebenswochen nicht ein einziges Mal im Krankenhaus, weil sie ihn nicht mehr sehen wollte, nachdem er ihr sein gesamtes Vermögen vermacht und sie von ihm nichts mehr zu erwarten hatte. Seinen Kummer aufgrund dieses Verhaltens konnte sie nicht wahrnehmen, weil ihr die Sensoren dazu fehlten. 

Ein Vater von zwei noch kleinen Söhnen lachte vergnügt unmittelbar nach der Beerdigung seiner Frau beim gemeinsamen familiären Kaffeetrinken, weil die Verstorbene ihm im kranken Zustand lästig war und ihr Tod ihn nun frei für die bereits neue Bettgespielin machte. Das peinliche Berühtsein der Tischgesellschaft aufgrund seines Verhaltens konnte er nicht wahrnehmen, weil ihm die Sensoren dazu fehlen. 

Ein habsüchtiger, protestantischer Pfarrer nutzte sein Vertrauensverhältnis zu seinem hochbetagten, senilen Großvater aus, beeinflusste ihn, dessen millionenschweres Vermögen heimlich von dessen leiblichen Söhnen weg, zum großen Teil auf ihn zu verschieben und bekannte sich nach mehr als 1 ½ Jahrzehnten zu seinem Tun, nicht etwa weil er sich nun schämte, den Großvater zum Erbbetrug manipuliert zu haben, sondern, weil er sich ärgerte, dass seine Halbbrüder ihm später unverhofft seine Beute weggeschnappten. Auch ihm fehlen die Sensoren, zu erkennen, dass ein solches Verhalten wie er es an den Tag legte- noch dazu für ihn als Pfarrer- einfach abgründig ist. 

Ein anderer Ehemann schaffte es noch nicht einmal, auf der Beerdigung seiner geschiedenen Frau zugegen zu sein, weil er nicht begreifen konnte, dass er für ihren Tod mitverantwortlich ist. Auch ihm fehlen die Sensoren. 

Sein Sohn, der die Mutter zum Tod auf Verlangen hatte bewegen wollen, um sich der Probleme, die  ihre Krankheit mit sich brachten, entziehen zu können, wusste auch nicht, was er da offen propagierte, weil auch ihm die Sensoren fehlen. 

Ein weiterer habsüchtiger, großmäuliger Enkelsohn zog es vor, anstelle bei der Bestattung seines Großvaters zugegen zu sein, durch die Welt zu jetten und seine verblendete Großmutter später, nachdem er sie dazu bewogen hat, ihn zum Haupterben zu machen, in ein Pflegeheim zu verfrachten, um ungestört auf dem familiären Anwesen sein Luxuslotterleben beginnen zu können. Auch ihm fehlten die Sensoren, um zu fragen: Hallo, was mach ich denn da? Das kann doch nicht fair sein? 

Eine andere Frau, die sich ebenfalls jahrzehntelang von ihrem Mann auf Händen tragen ließ, empörte sich als ihr Mann mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus kam, weil er nach ihren Aussagen ihr den Sommer kaputtgemacht hatte. Sie wollte keinen Pflegefall, so ihre Worte und war froh, dass er drei Wochen später die Augen für immer schloss. Dass sie ihren Bruder um dessen Erbe betrogen hat, hat sie schon lange verdrängt. Auch ihr fehlten die Sensoren, um so erkennen, dass ein solches Verhalten einfach unmenschlich ist. 

Zwischenzeitlich wundere ich mich nicht mehr, wenn Menschen ihr egoistisches Verhalten als Selbstverständlichkeit  nehmen, zudem schamlos offenbaren und die abgründigen Motive im Gespräch dann dazu noch mit liefern. Es ist zwecklos, solche Leute daran zu erinnern, dass es unredlich ist, sich so abgefeimt zu verhalten, denn sie begreifen nicht, wovon man spricht.

Den Kontakt zu solchen Personen abzubrechen, halte ich für sinnvoll, denn man kann sie nicht eines Besseren belehren. Es ist ihr Charakter, der sie so agieren lässt. Insofern darf ihnen keinen Raum geben. Man muss sie isolieren. So können sie am wenigsten Schaden anrichten.

Helga König

Sonntag, 8. Dezember 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 8.12.2019

Dieser Tage postete ich als Beitrag zum Thema #zeigthereurehandschrift  nachstehenden Tweet:  

"Mit der Hand zu schreiben, ist eine alte Kulturtechnik, die es vermutlich bald nicht mehr geben wird. Wir sollten bedenken, dass wir dadurch ein wichtiges Dokument individueller Besonderheiten von uns Menschen verlieren. In der Schrift erkennt man noch nach Hunderten von Jahren wie ein Mensch gefühlt hat. Jetzt schaffen wir uns allmählich ab. Wollen wir das tatsächlich?" 

Dieser zeilenbegrenzte Tweet ließ weitere Gedanken zum Thema nicht zu. Es geht ja nicht nur ums Fühlen, sondern auch ums Denken, um gemachte Erfahrungen und den daraus entstehenden Ausdruck der Persönlichkeit.

#Klaus_Pohlmann  twitterte "In Maschinenschrift sehen alle Menschen gleich aus!“ 

Diesen Satz halte ich für bemerkenswert, weil er darauf aufmerksam macht, dass ein Text, der maschinengeschrieben ist, im Grunde keine weiteren Rückschlüsse auf den jeweiligen Verfasser zulässt, als jene, die dem Text zu entnehmen sind. Alles bleibt auf der gedanklichen Ebene. 

Vielleicht kann man sich ja so vorurteilsfreier auf den Inhalt von Texten einlassen und muss den Verfasser nicht zwingend skeptisch mitdenken. 

Kann ein Schüler oder Student mit einem bedenklich infantilen Schriftbild tatsächlich diesen hochgeistigen Text geschrieben haben, der einem Lehrer oder Dozenten zur Korrektur gerade vorliegt? Würde der gleiche Text in Maschinenschrift besser benotet werden? Wie beeinflussbar sind wir in unserer Bewertung überhaupt?

Bei einem Liebesbrief schwingt in handgeschriebenen Zeilen ohnehin etwas mit, was man im maschinengeschriebenen Text nicht erfassen kann. Es ist beinahe so als würde man einem Menschen gegenübersitzen und ihm in die Augen blicken. 

"In  Maschinenschrift sehen alle Menschen gleich aus!" Auf diese Weise werden persönliche Briefe beliebig, können wiederverwendet und an weitere Adressaten verschickt werden. Ein handgeschriebener Brief ist eine Momentaufnahme, weil das im Briefkuvert enthaltene über den reinen Text hinausgeht, im Schriftbild nämlich den wahren seelischen Zustand des Schreibers im Moment des Verfassens der Zeilen offenbart. 

Sein Schriftbild im Netz zu zeigen, ist ein Wagnis, denn es bedeutet ist in heutigen Zeiten weit mehr, als sich öffentlich nackt auszuziehen. Es ist eine Mutprobe der besonderen Art, die nicht nur beweist, dass wir die alte Kulturtechnik noch beherrschen, sondern auch, dass wir unverkrampft mit unseren Stärken und Schwächen umgehen können, sie anderen freundlich hinhalten und entspannt bekunden: "Schau her, das bin ich. Manchmal stark, mitunter schwach. Egal nun wie: Es gibt mich wirklich." 

Viele alte Kulturtechniken sind uns bereits verloren gegangen. Wir sollten unsere Schrift retten, denn  ohne sie verlieren wir einen wesentlichen individuellen Ausdruck unserer Persönlichkeit und können, wenn wir durch die Maschinenschrift nun alle gleich ausschauen, das Denken dann auch alsbald den Maschinen überlassen.  

 Helga König

Sonntag, 17. November 2019

Sonntagskolumne Helga König, 17.11.2019

Es gibt Menschen, deren Ego sie dazu veranlasst, andere pausenlos zu provozieren, sie kleinkrämerisch in allen Belangen zu kritisieren, ihnen übel nach- und sie kleinzureden, ihnen Steine in den Weg zu legen oder ihnen gar die Hölle zu bereiten, sofern sie die Möglichkeiten dazu haben.

Grund ist ein pervertiertes, rechthaberisches Größen-Ich, das sich auf Gedeih und Verderb durchsetzen und seinen Willen haben möchte. 

Da man solche Personen in Familien, in Vereinen, in der Wirtschaft und in der Politik, sprich überall antrifft, sollte jeder frühzeitig Strategien an die Hand bekommen, um mit diesen Leuten so umzugehen, dass der eigene Rücken nicht gebogen oder gar gebrochen wird. Die Gefahr bei Kindern ist diesbezüglich leider nicht gering. Das Ergebnis sind dann Duckmäuser, Speichellecker, aber vor allem Lügner. 

Immer wieder erlebe ich Familien, die seitens einer in vielen Belangen erschreckend unfähigen Person dominiert werden, wundere mich jedoch zwischenzeitlich nicht mehr, weshalb so selten Widerstand erwächst. Gerade bei im Beruf sehr erfolgreichen Männern ist die Gefahr groß, sich einer verblödeten Xanthippe - weil ausgepowert -  unterzuordnen, die in ihrer Ichsucht eine gesunde Entwicklung der Nachkommen unmöglich macht. Der Begriff "Bettvorleger" kommt nicht von Ungefähr. 

Widerstand lässt Haustyrannen (m/w) erst so richtig in Fahrt kommen und so wird der Hass auf widerständige Kinder hemmungslos ausgelebt. Selbst in banalen Angelegenheiten sollen alle sich dem Willen eines solchen "Hausdrachens" (m/w)  unterordnen. Geschieht das nicht, "hängt der Haussegen schief". Dann wird abgestraft. 

Meine soeben in Anführungsstriche gesetzten Wörter verdeutlichen, dass es dieses Phänomen seit Menschengedenken bereits gibt, die Problematik jedoch noch immer nicht gelöst worden ist. Bewusstseinserweiternde Pillen hierfür scheint es leider nach wie vor nicht zu geben. 

Mir sind eine ganze Reihe von Leuten bekannt, die ihre Väter oder Mütter nicht mehr besuchen, um sich den Konflikten, die dort sofort aufflammen, zu entziehen. Auch kannte ich Ehepartner (m/w), die durch solche Furien (m/w) krank wurden oder gar frühzeitig verstarben und Kinder, deren Stimme immer leiser wurde,  bis sie gänzlich verstummte. 

Es ist sinnlos, solche Despoten (m/w) auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, denn man erreicht sie nicht. Ihr Ego ist viel zu groß, als dass Bewusstwerdungsprozesse in Gang gesetzt werden können. Reagiert wird als "beleidigte Leberwurst" oder mit bösartigen Attacken. 

Kinder solcher Erziehungsberechtigten müssen seitens von Verwandten und Nachbarn, die über Herzensbildung verfügen, emotional aufgefangen werden. Erwachsenen empfehle ich sofortigen Kontaktabbruch aus Selbstschutz.

Um den Familienfrieden zu wahren, solche "Furien" (m/w) jahrzehntelang auszuhalten, führt nur dazu, dass dieser Persönlichkeitstyp immer krasser agiert, weil "Aushalten" als Zugeständnis gewertet wird. Frieden entsteht in einem solchen Fall am ehesten durch freundlich herbeigeführte Distanz und sanfte Funkstille.

Was mir bei solchen "Furien" (m/w) übrigens auch stets auffällt, ist mangelnde Hilfsbereitschaft, große Habsucht und Geiz. All das ist dem überbordenden Ego geschuldet und insofern nichts Außergewöhnliches.

Je älter diese Menschen werden, umso mehr verdichtet sich das Größen-Ich und umso unangenehmer werden sie. Überall, wo sie sich breit gemacht haben, bleibt zum Schluss nur noch verbrannte Erde. Das ist das eigentlich Erschreckende.

Wie schön, dass es auch anders geht. Wer dieses Andere erleben darf, sollte  täglich dankbar sein und das sozial Erfreuliche und unbedingt Notwendige  an Andere-  so oft  es nur geht - weitergeben. 

Helga König

Sonntag, 3. November 2019

Sonntagskolumne Helga König, 3.11.2019

"Ich bin das Kind meiner Träume. Keiner hat es mir jemals austreiben können." (J. J. Cetonscher)

Wie entstehen Kindheitsträume? Sind es Sehnsüchte nach etwas, was man zu diesem Zeitpunkt vermisst, aber in der Zukunft zu realisieren hofft? Sind solche Träume im Nachhinein in Zeichnungen, die in jener Zeit entstanden sind, erkennbar, so etwa, wenn ein sechsjähriges Kind mit seinen Buntstiften das Paradies malt? Was ist ihm in solch einem Fall wichtig? Und wie würde dieser Mensch heute sein Paradies zeichnerisch gestalten?

Ändern sich die Träume mit zunehmendem Alter? Nehmen sie eine andere Richtung an?

Kann das, was man sich früh bereits ersehnt, später dann umgesetzt werden? Und was ist, wenn Träume sich nicht erfüllen lassen?

Sind Träume, die sich aufs Habenwollen beziehen, weniger wert als solche, die das Werden- und Tunwollen im Auge haben?

Was motiviert Menschen am meisten dazu, Träume auch wahr werden zu lassen? Die Aussicht auf Ruhm, Geld oder doch eher auf das innere Glück, dass der Traum sich realisieren ließ? Zum Beispiel der Traum der Befriedung einer Familie, einer Region, eines Landes, ja der ganzen Welt?

Wer Kind seiner Träume bleibt, hat eine gute Chance, sie auch umzusetzen, denn er schafft sich Zugang zu seinem Inneren und damit zu seinen Begabungen. Jeder Mensch hat spezielle Begabungen, die, sobald er sie für sich entdeckt und sich zu Nutze macht, eine gute Chance bewirken, glücklich zu werden.

Die Begabungen sind das Handwerkszeug, um seine Träume erfüllen zu können. Ich vermute jeder träumt genau das, wozu er auch die Fähigkeiten der Umsetzung besitzt und findet, wenn er nicht aufgibt, stets Mittel und Wege die Träume wahr werden zu lassen, sobald sich das entsprechende Zeitfenster öffnet.

Es liegt in der Natur des Menschen, seine Träume-  mit viel Energie-  verwirklichen zu wollen, denn die Realisierung bedeutet Freude, bedeutet die Götterfunken hell leuchten zu sehen. Kann es etwas Schöneres geben? 

Leider sind die Umstände im Leben eines jungen Menschen nicht immer so positiv, dass seine Begabungen gefördert werden, sei es weil die Mittel fehlen oder aber weil selbstverliebte Erziehungsberechtigte nur sich sehen und ihren Kindern die Entwicklung eigener Fähigkeiten rigoros verwehren, sich dann aber wundern, dass ihr Nachwuchs lethargisch ist und nichts anderes kann, als zu konsumieren.

Die Gier nach immer mehr Dingen ist im Grunde eine Ohnmachtserklärung, durch die bekundet wird, dass man seine wahren Träume nicht kennenlernen, insofern sein Inneres nicht glücklich machen durfte, aber auch nicht den Mut hatte, die Ketten zu sprengen und in der Folge dann zu einem Sauertopf geworden ist.

Neid, Missgunst, Hinterhältigkeit, all das und vieles Negative mehr sind Ergebnisse davon, dass Menschen, nicht Kinder ihrer Träume geblieben sind und es sich haben gefallen lassen, dass man sie ihnen irgendwann ausgetrieben hat. Das sollte man bedenken.

Helga König

Samstag, 26. Oktober 2019

Sonntagskolumne: Helga König, 27.10.2019

Das Ereignis für kleine Kinder hier vor Ort sind derzeit fünf Hühner, die ein Landwirt aus der Region an die hiesige katholische Gemeinde vermietet hat. Auf dem Gelände des katholischen Gemeindezentrums, auf dem sich auch der Kindergarten "Don Bosco" befindet, laufen die braunen Hühner- versteckt hinter einer grünen Hecke- unaufgeregt im Vorgarten auf und ab oder sonnen sich in Kuhlen, die sie vermutlich in den letzten Tagen gescharrt haben. 

Wenn ich meine Lebensmitteleinkäufe tätige, komme ich dort stets vorbei und beobachte für eine kleine Weile, was geschieht. Zumeist stehen Mütter oder Großmütter mit ihren kleinen Töchtern oder Enkelinnen am Zaun und schauen gebannt auf die Hühner. Jungs sieht man nur sehr selten dort.

Mutige Mädchen im Alter von vier oder fünf Jahren steigen auch schon mal über den Zaun, um die Tiere zu streicheln oder sie behutsam ein paar Meter zu tragen. Die Augen der Mädchen strahlen dann. Man fühlt wie glücklich sie in diesen Momenten sind. Es hat wohl etwas mit Tierliebe zu tun, doch auch mit dem Empfinden, dass alles miteinander zusammenhängt und der Wertschätzung bedarf. 

 Foto: Helga König
Als ich vorgestern Nachmittag den Weg nahm, begegnete mir zunächst eine Großmutter aus Bolivien mit ihrer 20 Monate alten Enkelin dort. Neugierig frage ich stets, woher die  einzelnen Menschen kommen und kommuniziere dann ein bisschen mit ihnen. Diese spannenden, kleinen Gespräche verdeutlichen, wie einfach ein Miteinander funktioniert, wenn man es möchte. 

Hier vor Ort leben weit mehr als 100 Nationen zusammen und das funktioniert seit Jahren sehr gut, weil man einander respektiert und wertschätzt. Die Nähe zum Airport Frankfurt/Main war diesbezüglich früh schon eine gute Lehrmeisterin.

Das bolivianische Kind hatte panische Angst vor den Tieren, die sie, wie ich erfuhr, noch nie gesehen hatte. Sie stürzte, als ich sie aufmunternd anlächelte, auf mich zu und klammerte sich furchtsam an meinen kleinen Finger. Ich war gerührt und versuchte sie, sehr sanft sprechend, zu beruhigen. Es klappte. Dann dauerte es nicht lange bis das Mädchen mich lächelnd an den Zaun zog, um eines der Hühner anzulächeln. Lächeln löst Angst auf, beobachtete ich. Kleine Kinder wissen das. Man vergisst es erst später, wenn das Leben uns zu viel Ernst abgefordert hat. 

Auf dem Nachhauseweg stand eine Mutter aus Bangladesch mit ihrem 2 1/2 jährigen Mädchen dort. Zudem war eine junge deutsche Mutter mit ihren beiden Kleinen anwesend, deren Vater aus Hongkong stammte, wie ich erfuhr. Die beiden Frauen, die sich dort gerade erst kennengelernt hatten, unterhielten sich bereits angeregt. 

Das hübsche Kind aus Bangladesch hatte noch große Angst vor den Hühnern, legte diese aber rasch ab, indem sie spontan die Bewegungen der Hühner nachahmte, was sehr witzig aussah. Die Bewegungen brachten ihr die Tiere offenbar näher, nahmen ihr die Angst. Eine interessante Beobachtung. 

Die beiden kleinen, skeptischen Halbchinesinnen mochten nicht glauben, dass Hühner Eier legen können und wollten immerfort von ihrer Mutter wissen, wie das funktioniert und weshalb die Hühner ihnen nicht jetzt den Gefallen täten, zu zeigen wie sie es machen. Das Gipsei im Hühnerstall konnte die Hühner leider nicht spontan dazu motivieren, zu demonstrieren, woher die Frühstückseier kommen. Doch zu wissen, dass sie aus dem Inneren der Hühner stammen, verändert bereits die Wertschätzung gegenüber dem Produkt.

Als ich gestern am Spätnachmittag  zum Hühnerhof ging, um einige Fotos zu realisieren, waren leider keine Kinder anwesend, aber zwei nette Frauen mit ihren kleinen Hunden, die sich – auch das war interessant - nicht für die Hühner zu interessieren schienen, im Gegensatz zu ihren Frauchen. Kein Gegackere, kein Gebelle, nur leise Stimmen. Die Tiere hatten sich  offenbar schon auf Sonntagsruhe eingestellt.

Eine der Frauen hatte sich in den letzten Tagen dafür eingesetzt, dass die Hühner nicht nur Körner, Haferflocken und frisches Wasser täglich bekommen, sondern auch Salat. Die Tiere sollen nicht nur bestaunt werden, sondern alle sollen erfahren wie man sie artgerecht hält, ließ man mich wissen. 

Wie wunderbar sich Dinge entwickeln können, wenn alle mitdenken und sich in einer guten Sache ein wenig engagieren!

Der kleine Hühnerhof ist ein Ort der Begegnung geworden, ein Ort, wo Menschen entspannt miteinander umgehen, wo Kinder unterschiedlicher Herkunft zueinander finden und durch die Erlebnisse mit den Tieren erkennen, dass andere Kinder ganz ähnlich fühlen wie sie selbst, fast alle Ängste haben, diese aber überwinden können.

Das Bewusstsein für die Wunder der Natur wird durch solche Aktionen gerade bei Stadtkindern subtil geweckt. Dieses Bewusstsein ist eine wichtige Basis für die  Wertschätzung der Natur, die in den letzten Jahrzehnten so sehr gelitten hat, vielleicht weil der Entfremdungsakt immer größer wurde durch entsprechende Nachlässigkeiten. 

Helga König