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Sonntag, 28. November 2021

Sonntagskolumne Helga König: 28.11.2021

In den letzten Jahren wurde viel von Selbstliebe und leider zu wenig von Nächstenliebe gesprochen.

Selbstliebe wurde nicht selten der Legitimationsgrund für höchst egoistisches Verhalten, obschon damit eigentlich Selbstfürsorge gemeint ist, die im Gegensatz zum Egotrip der Nächstenliebe nicht im Wege steht, sondern diese vielmehr unterstützt. 

In Zeiten von #Corona, speziell in Monaten wie diesen, bedeutet Selbstfürsorge nicht zuletzt, sich möglichst nicht an Orten aufzuhalten, wo die Wahrscheinlichkeit an #Covid-19 zu erkranken, besonders hoch ist. 

Weihnachtsmärkte, Großveranstaltungen aller Art gilt es zu meiden, nicht nur seiner selbst wegen, sondern auch, um zu verhindern, dadurch andere mit dem Virus zu infizieren. Bewusste Selbstfürsorge  benötigt keine Verbote, sondern handelt aus Vernunft.

Die Nächstenliebe gebietet es, sich impfen zu lassen, primär der Alten, Kranken und Kinder wegen. Es kann nicht sein, dass über kurz oder lang Krankenhausärzte aufgrund von Betten- und Personalmangel darüber entscheiden müssen, welcher Schwerkranke medizinisch versorgt und welcher dem Tod übergeben wird, nur weil Impfgegner die Selbstfürsorge missverstehen und die Nächstenliebe nicht ernst genug nehmen. 

Jedes Mitglied einer Gesellschaft hat Rechte und Pflichten. Die Impfpflicht scheint mir eine angemessene Gegenleistung zum Recht auf medizinische Versorgung. Wer diese Pflicht als Zwang begreift, versteht die Grenzen von Freiheit in einer Demokratie nicht, die dort enden, wo das Recht auf Gesundheit und Leben eines anderen in Frage gestellt wird.

Zu glauben, das Virus könne einem nichts anhaben, ist nicht nur vermessen, sondern auch blauäugig. Wenn die Eindämmung des Virus einen Lock down erforderlich macht, dann sollte man nicht hadern, sondern unverzüglich handeln.

Die freiheitlichen Einschränkungen dienen in diesem Fall einem guten Zweck, das sollte jedem bewusst werden.

Gesundheit ist das höchste Gut. Wer dies bezweifelt, weiß nicht wie qualvoll Krankheit sein kann. Ideologische Bedenken sind  in der momentanen Notsituation unangebracht, wenn es um  staatlich verordnete Kontakteinschränkungen geht.

Helga König, 28.11.2021

Freitag, 19. Februar 2021

Die Büchner-Linde der Wählerinitiative BfR- Bürger für Riedstadt in der 1255 Jahre alten fränkischen Gemeinde Leeheim

"Nichts kommt einem doch teurer in der Welt zu stehen als die Humanität."
Georg Büchner (1813 - 1837). 

Kommentar Helga König: Daran hat sich wenig geändert. Humanität und Ethik und mit ihr die Fairness sind rote Tücher für neoliberale Zeitgenossen, denn sie hindern sie eindeutig daran, Kasse zu machen.

Heute vor 184 Jahren starb der Dichter, Mediziner und Revolutionär Georg Büchner in Zürich in der Schweiz im Alter von 23 Jahren. Seine Werke erlangten bekanntermaßen Weltruhm und doch wurde er zu seinen Lebzeiten seitens der Obrigkeit aufgrund seines Engagements gegen die Unterdrückung der Landbevölkerung und für die Durchsetzung der Menschenrechte verschmäht und verfolgt. 

Seine Biografie kann man auf Wikipedia in Kurzform nachlesen, deshalb möchte ich sie an dieser Stelle nicht abermals skizzieren. 

Die Büchnerstadt- Riedstadt und hier der Ortsteil Goddelau ist der Geburtsort Georg Büchners. Anlässlich seines Geburtstags ist ihm in den letzten Jahren gottlob ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Das allerdings war nicht immer so, denn  die  Intrigen und Verleumdungen gegen ihn wirkten Ewigkeiten nach.

Dass heute an seinem Todestag im Ortsteil Leeheim eine Büchner-Linde seitens der neu gegründeten Wählerinitiative BfR Bürger für Riedstadt gepflanzt wurde, lässt aufhorchen, denn sie weist auf das kulturelle aber auch sozialpolitische Verständnis dieser Gruppierung hin und deutet an, wo die Gruppierung sich angesiedelt sehen möchte, nämlich dort, wo demokratischen und damit fairen Vorstellungen die Ehre gegeben wird. 

Die Linde gilt als ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Heimat sowie als Platz der Gemeinschaft, lässt uns die Georg-August-Universität Göttingen wissen und merkt an, dass Martin Luther einst schrieb: "Wenn wir Reuter sehen unter der Linden halten, wäre das ein Zeichen des Friedens. Denn unter der Linde pflegen wir zu trinken, tanzen, fröhlich sein, denn die Linde ist unser Friede- und Freudebaum." (Laudert 2003) 

Die Wählerinitiative BfR – Bürger für Riedstadt hat demnach ganz bewusst eine Linde an Büchners Todestag in der 1255 Jahre alten Gemeinde Leeheim (der älteste Teil der Büchnerstadt)  gepflanzt und den Gedanken des Humanisten neues Leben eingehaucht. 

Möge der Geist Büchners in Riedstadt dafür sorgen, dass Fairness im Hier und Heute und in der Zukunft das oberste Gebot politischer Entscheidungen verkörpert und man genau abwägt, worin das Wohl aller Bürger besteht.

Danke den Aktivisten der BfR für dieses gesetzte Zeichen und dem damit einhergehenden Friedenssymbol.

Text: Helga König




Sonntag, 7. Februar 2021

Sonntagskolumne Helga König, 7.2.2021

"Immer das Schwerste: Ankommen; bei sich selbst", twitterte #miku dieser Tage.
 
Weshalb ist dies so schwer, fragte ich mich spontan. Hängt dies mit mangelnder Selbstliebe zusammen oder mit dem Gefühl nicht o.k. zu sein? Vor allen Dingen, wodurch wird ein solches Gefühl ausgelöst?

Wertschätzung seiner eigenen Person setzt voraus, dass das Selbstwertgefühl nicht brüchig ist. Erste Risse können bereits in der Kindheit entstehen, wenn Lob und Tadel im Ungleichgewicht sind.

Ankommen bei sich selbst, bedeutet seine Begabungen zu erkennen und sie zu nutzen. Doch es bedeutet auch zu akzeptieren, dass man nicht von allen geliebt werden kann und es nicht gut ist, wenn man Dinge tut, nur um anderen zu gefallen, aber nicht weil sie dem eigenen Empfinden oder Denken entsprechen. 

Das eigene Empfinden oder Denken zu erforschen, ist eine Grundvoraussetzung, um irgendwann bei sich selbst anzukommen und zu hinterfragen, was man tatsächlich braucht, um glücklich zu sein, vor allem seinem Leben Sinn zu geben. 

Bei sich selbst anzukommen, heißt auch, sich mit seinen Schattenseiten auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass man diese nicht dadurch behebt, indem man sie anderen zuordnet. Sündenböcke helfen uns nicht bei der Reise zu uns selbst.

Ankommen bei sich selbst, erfordert ohne Ausreden auszukommen und nicht selten schmerzvoll, sich seiner Luftschlösser zu stellen, sie zu belächeln und als vielleicht notwendige Erfahrungen auf dem Weg zu sich selbst zu akzeptieren. 

Wer bei sich selbst ankommen möchte, für den wird Authentizität wichtig und nicht zuletzt auch gerade deshalb können Lebenslügen nicht mehr akzeptiert werden. Wer Lebenslügen nicht mehr akzeptiert, verändert seinen Blickwinkel, verändert sich und nicht selten das Umfeld, in dem er leben möchte. 

Bei sich ankommen heißt mithin auch, keine faulen Kompromisse mehr einzugehen, bedeutet fair zu sich und zu anderen zu sein, denn wer bei sich ankommen möchte, will entspannt in den Spiegel schauen können. Wie könnte er das, wenn er unfair wäre?

Wer bei sich angekommen ist, stellt keine Erwartungshaltungen mehr an Dritte, sondern lebt selbstgenügsam sein Leben, ohne sich mit anderen zu vergleichen. Das Du ist nicht Konkurrenz, das aus dem Feld geschlagen werden soll, sondern eine Bereicherung des eigenen Horizontes. 

Ankommen bei sich selbst heißt zunächst: Mut zur Wandlung. Mut zu haben, ist für Ängstliche natürlich kein Spaziergang, doch die Angst zu überwinden wird belohnt. Womit? Mit der Freiheit, seine Begabungen entfalten zu können und mit dem Glück endlich  man selbst zu sein.

Helga König

Sonntag, 28. Juni 2020

Sonntagskolumne, Helga König, 28.6.2020

"Wäre ein Leben ohne Kultur langfristig lebenswert? Was ist Kultur überhaupt? Seit es den Menschen gibt, hat er sich sprachlich, künstlerisch und musisch auf seine Umwelt bezogen. Braucht man also Auseinandersetzung mit Kunst, Musik, Theater, Literatur & Film auch als Gesellschaft?" 

Diese Fragen twitterte die Künstlerin Ana Schönsteiner letzte Woche. 

Wikipedia lässt seine Leser wissen: "Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. 

Nach der weiter gefassten Definition sind Kulturleistungen alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, beispielsweise in Technik, Landwirtschaft, Essenszubereitung oder bildender Kunst, aber auch geistige Gebilde (etwa die cultura animi „Geisteskultur“ bei Cicero) oder Subkulturen“[1] wie Musik, Sprachen, Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaften."*

Wäre ein Leben ohne all dies langfristig lebenswert? Offenbar nicht, denn ansonsten hätte der Mensch seine kulturellen Leistungen im Laufe der Geschichte nicht verfeinert bzw. verbessert, sondern hätte sich stattdessen vorsteinzeitmäßig mit dem, was er in der Natur vorfand, phlegmatisch zufrieden gegeben. 

Schon früh begannen sich unsere Urahnen künstlerisch zu betätigten. Höhlenmalereien und kleine Figuren waren die ersten kulturellen, künstlerischen Ergebnisse dieser Art. Ob man sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Werken Einzelner in der Gesellschaft auseinandergesetzt hat, lässt sich nur vermuten. Doch die Tatsache, dass die künstlerischen Produkte zumindest handwerklich immer perfekter wurden, deutet darauf hin, dass eine solche Auseinandersetzung schon sehr früh stattfand. 

Die Renaissance, lange Zeit danach, war vermutlich der Zenit in der kulturellen Weiterentwicklung der Malerei, auch der Bildhauerei, während es in der Barockzeit, um den Zenit in der Religion aber auch um die kulturelle Weiterentwicklung der Essenszubereitung ging. Die Kultivierung der leiblichen Genüsse in Zeiten der Glaubenskriege beruhte  gewiss auf dem Bewusstsein,  immer ganz nah dem Tode zu leben. Viele Gemälde aus jenen Tagen, deren Motive opulent gedeckte Tische zeigen, verfügen über einen Totenschädel, um daran zu erinnern, wie vergänglich alles ist. 

Es gab eine Zeit, in der die Poesie, ich denke an Friedrich Schiller  und sein Gedicht "An die Freude", auf dem Zenit stand und eine andere, in der hervorragende Prosa alles andere überstrahlte. 

Weshalb sich der Fokus vieler, in einem bestimmtem Zeitfenster auf die Vervollkommnung einer ganz speziellen kulturellen Leistung legte, hängt wohl damit zusammen, dass bestimmte gesellschaftliche Bedingungen, die Interessen Einzelner gezielt beeinflussen. 

Goethe, Schiller, Beethoven, die ganz Großen im Klassizismus, haben kein ebenbürtiges Pendant in der Malerei in ihrer Zeit. Vielleicht war die Gesellschaft  überfordert mit all dem, womit sie sich  durch diese Genies kulturell auseinanderzusetzen hatte.

Die Klaviermusik der Romantik dann, durch die Kompositionen von Franz Schubert zum Höhepunkt gebracht, lässt die unsäglichen Kriege Napoleons vergessen. 

Heinrich Heine, der Dichter der Romantik, überwand diese und wurde zum kritischsten, politisch engagierten Kopf seiner Zeit. Ach ja, Georg Büchner… Er konnte nur im Vormärz seine kulturellen Leistungen entwickeln. Kein Zufall, dass er so früh verstarb...

Die industrielle Revolution brachte unendlich viele technisch- kulturelle Leistungen hervor. Musik, Malerei und Literatur waren nun ein fast untergeordnete Themen. Doch dann kam das Jahrhundert der Sprache und mit ihr die Dauermanipulation durch sie.  So gab es Thomas Mann und sein Werk "Der Tod in Venedig"  aber es gab auch  Goebbels und seine Rede  "Wollt ihr den totalen Krieg?".

Eine bemerkenswerte kulturelle Leistung war die Entwicklung tragbarer Mode für die Damenwelt nach dem 1. Weltkrieg und dem Untergang der Ständegesellschaft. Deren Untergang  führte zu einem erneuten Schub in der Kunst, deren Fesseln leider nur bis 1933 gelöst waren. 

Kulturelle Entwicklung, deren Voraussetzung hohe Kreativität ist, benötigt Freiheit. Ohne diese verkümmert sie.

Rockbands der späten 1960er und frühen 1970er Jahre befruchteten sich gegenseitig und mit ihren Texten eine ganze Generation junger Menschen, die gegen die weißgewaschenen Nazis rebellierten, die immer noch allerorten für Unheil sorgten, ganz besonders in den eigenen Familien, wo sie ihren Despotismus oft bis zu ihrem Tode auslebten. 

Mit dem Neoliberalismus kam die aalglatte Fläche, kam Jeff Koons, kam der Höhepunkt des Egoismus und Narzissmus- dies allerdings sind keine kulturellen Leistungen, sondern ihr Gegenteil. NIcht zu vergessen mit dem Neoliberalismus kam das Aus für die ethische Weiterentwicklung der Gesellschaft. 

Wohin das führte, sehen wir heute in Zeiten des Klimawandels. Corona  allerdings könnte der Antrieb für einen kulturellen Schub im Bereich der Ethik sein. Überdenken, was wirklich notwendig ist, der Vermüllung Einhalt zu gebieten, auch im Netz, darum geht es. Nicht weitermachen wie bisher! Ethik zum gesellschaftlichen Thema  Nr. 1 machen! Das Zeitfenster  für all das ist derzeit offen...

Helga König

* Wikipedia: Kultur

Montag, 1. Juni 2020

Sonntagskolumne: Helga König, 1.6.2020

"Wer die freiesten und mit Abstand glücklichsten Menschen sind? Die Neidlosen." (Tweet, 31.5.2020)

Nachdem ich gestern obigen Tweet verfasst und gepostet hatte, wurde er vielfach gelikt, zudem erstaunlich oft verlinkt und kommentiert. Grund genug, heute eine Kolumne dazu zu verfassen...

Wikipedia* definiert Neid als "den Wunsch der neidenden Person, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen."

Dieser Wunsch kann dazu führen, dass der Neider sich durch Leistung bemüht, der beneideten Person gleich zu tun oder sie gar zu überflügeln, ohne ihr durch Hinterhältigkeit schaden zu wollen. Wirklich glücklich macht ein solches Verhalten gewiss nicht, weil der Neider im ständigen Vergleich lebt und an der Eigenleistung nur Freude empfinden kann, wenn sie auf "Augenhöhe" der Leistung der beneideten Person angesiedelt oder gar besser, schöner bzw. größer ist. 

Neider, die den Wunsch haben, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen, ohne dafür etwas leisten zu wollen, werden zumeist missgünstig und hinterhältig. Man trifft diese Spezies in allen Gesellschaftschichten an und entlarvt sie, wenn man sich länger mit ihnen befasst, von ihrem Grundmuster her sehr bald als Narzissten, denen man besser aus dem Weg geht, sofern dies möglich, weil Ärger stets vorprogrammiert ist. 

Neider können grundsätzlich andere nicht loben oder Dinge bewundern, ohne sie besitzen zu wollen. Wenn sie etwas schön finden, dass sie nicht in ihren Besitz bringen können, wird es schlechtgeredet oder bewusst nicht zur Kenntnis genommen. 

Ich kannte sehr wohlhabende Menschen, deren Neid auf jeden und alles sich von Jahr zu Jahr steigerte und die selbst wenig begüterten den letzten silbernen Löffel neideten, kannte schöne Frauen, die jüngeren, selbst hässlichen, ihre Jugend neideten, haltlose Dicke, die den disziplinierten Schlanken ihre Figur neideten und diesen deshalb Schaden zufügten, kannte biestige Gertenschlanke, die fröhlichen Dicken, ihre Heiterkeit neideten, kannte nicht wenige, die anderes nicht gelten lassen konnten, kannte Väter, die ihren Söhnen die Intellektualität, Mütter, die ihren Töchtern die bessere Ausbildung neideten und ihre Kinder deshalb zu hassen begannen, kannte sogar Neider, deren ganzen Leben darin bestand, anderen Böses zuzufügen. 

Neid führt, je mehr er sich steigert zu Hass und dieser nicht selten zu Gräueltaten, was der Neid der Nazis auf die Juden erschreckend dokumentiert.

Missgünstige Neider, schlimme Intriganten zumeist, können, was nicht verwunderlich ist, nicht lachen. Das Hässliche ihres Verhaltens, verzerrt im Laufe der Jahre ihre Gesichtszüge und lässt den Körper verspannt erscheinen. 

Je narzisstischer unsere Gesellschaft, eine Begleiterscheinung des Neoliberalismus, geworden ist, je mehr man aufs Haben und je weniger man aufs Sein setzte, umso stärker entwickelte sich der Neid in der Gesellschaft, der wie ein Spaltpilz allerorten wirkt. 

Neid lässt die Menschen unzufrieden und unglücklich werden, wirft sie auf sich selbst zurück und macht es unmöglich, sich auf die eigenen Begabungen- jeder hat welche-  zu konzentrieren, weil der scheele Blick immer nur auf das vermeintlich Bessere, Schönere oder Größere des anderen gerichtet ist, das den Neider kurzatmig werden und innerlich verkümmern lässt, ihm schließlich das nimmt, was den Menschen glücklich macht, dieses:

             Mer muss och jünne künne.


 Helga König

*Wikipedia: Neid

Samstag, 21. März 2020

Sonntagskolumne Helga König 22.3.2020

Das #Corona_Virus hat eine Situation geschaffen, von der wir noch nicht wissen, was sie mental mit uns Menschen machen wird, wenn die Krise noch einige Monate andauern sollte. 

Wir lesen täglich von immer mehr Erkrankten und Toten und möchten dies nicht glauben. 

Wir schreiben das Jahr 2020!  Kann es sein, dass eine Fledermaus in einer Provinz in China in unserer hochtechnisierten Welt diese globale Krise ausgelöst hat? 

Ja, es kann, denn alles hängt mit allem zusammen. Dies wurde in den letzten Jahren oft genug gepredigt, doch viele haben das als esoterisches Geschwätz abgetan. Die Schöpfung ist komplex und fragil zugleich. Sie ist auf Vielfalt angelegt. Wir Menschen begreifen das leider nur bedingt und töten weltweit Lebewesen, die nicht zum Verzehr für uns bestimmt sind. 

Angekommen in Europa, wurde das Virus zunächst unterschätzt. Noch vor wenigen Tagen wurden Partys gefeiert, trafen sich junge Leute in Discos oder an anderen Orten, um Spaß zu haben und steckten sich so unbedacht an, dann wohl auch andere, leider auch Alte und Vorbelastete, ohne dies zu wollen.

Die Vernunft hätte anderes gefordert, die Verantwortung auch. Doch der Spaß ließ alles vergessen. 
Von Mitgliedern einer Spaßgesellschaft spontan anderes zu erwarten, als nach Spaß zu suchen, ist geradezu vermessen.

Wenn die Zahlen der Schwererkrankten weiter steigen, müssen Ärzte entscheiden, wer überleben darf und wer nicht. Selektion aufgrund eines Mangels an Betten und medizinischen Geräten ist eine Situation, die sich keiner wünscht und von der man hofft, dass sie nicht eintritt. Spaßgesellschaften sind mit solchen Gedanken eigentlich überfordert.

Ausgehbeschränkungen nehmen zu. Das ist schwierig für Familien in engen Wohnverhältnissen, ist letztlich für alle nicht einfach, weil der Frühling uns nach draußen lockt. Auch Terrassen, Balkone und Gärten sind auf Dauer keine zufriedenstellende Lösung. Dennoch: Alle müssen sich auf diese neue Situation mental einstellen. Die Isolation ist die derzeit die einzige Chance, das Virus an der Ausbreitung zu hindern. 

Wenn die Ausgehbeschränkungen an diesem Wochenende Menschen das Leben gerettet haben, dann ist das ein großer Erfolg der Vernunft und wir sollten dann die kleinmütigen Eifersüchteleien von Politikern überhören, die nur an den Wahlkampf denken, zaudern und zögern, während einige Alpha-Menschen  tatkräftig handeln, weil sie verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat.  Diese Alpha-Menschen sind keine Spaßbremsen, sondern Lebensretter. Das müssen sich alle bewusst machen. Ihnen sollte unsere Wertschätzung gelten.

Helga König

Sonntag, 8. März 2020

Sonntagskolumne Helga König, 8.3.2020

Der #Klimawandel treibt seit Monaten junge Menschen auf die Straßen, weil ihre Zukunft gerade von raffsüchtigen Global-Playern verspielt wird, weil wir in Bälde ohne Mundschutz und Hautcreme mit Lichtschutzfaktor 100 nicht mehr unsere Wohnungen verlassen können. 

Was wir derzeit durch #Corona erleben, ist ein leichter Vorgeschmack auf das, was durch den Klimawandel kommen wird: Unfreiwilliges #Cocooning allerorten. 

Kommunikation findet dann nur noch mittels Telefon, Handy oder Internet statt. Wer das Leben aller dann finanzieren soll, ist noch unklar. Nicht alles ist über Home-Office abzuwickeln. Ob Maschinen dann ein humanitäres Eigenleben beginnen, ist zu bezweifeln, denn ihre geistigen Väter waren keine Heiligen, wie allseits bekannt sein dürfte. 

Selbst die Dagoberts dieser Welt, die heute bräsig auf ihren Milliarden hocken, werden dann nicht mehr helfen können. Diese Alberiche in den dann kommenden Tagen hysterisch zu enteignen, wird den katastrophalen Zustand unserer Erde nicht mehr beseitigen können. 

Veränderte klimatische Bedingungen werden vermutlich neue Krankheiten mit sich bringen. Werden wir diesen überhaupt noch gewachsen sein? Wie anpassungsfähig ist der Mensch wirklich?

In Syrien ermordet ein sadistischer Augenarzt gerade auf bestialische Weise die Zivilbevölkerung und keiner gebietet ihm Einhalt, weil die Eigeninteressen und Ängste der einzelnen Länder stärker sind als die Mitmenschlichkeit. 

Wo bitte ist der Unterschied zwischen den Ärzten  #Mengele und #Assad? Ich sehe keinen. 

Was, wenn Corona in die Flüchtlingscamps von #Idlib Einzug hält? Wie geht die westliche Welt mit ihrem Schuldanteil dann um, nicht rechtzeitig die armen Menschen dort aus der Hölle, - aus der brandgefährlichen Enge -,  befreit zu haben? 

Wird die Gleichgültigkeit sich dann in ähnlicher Art zeigen, wie im Hinblick auf die 20 000 Toten im Mittelmeer, die in den letzten Jahren dort auf der Flucht vor Elend und Not ertrunken sind? 

#Hilfsbereitschaft und #Barmherzigkeit haben es ermöglicht, dass die Auswirkungen von Krieg, Seuchen und Hungersnöten in den letzten Jahrhunderten in Europa stets wieder überwunden werden konnten. 

Je näher wir Menschen uns durch die Globalisierung gekommen sind, umso stärker wurde leider auch der Rassismus mit seinen mörderischen Auswirkungen, um so intensiver zudem wurde die Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten. 

Waisenkindern aus Kriegsgebieten nicht die Tür zu öffnen, weil man Angst vor einem Erstarken der Rechtsradikalen im eigenen Land hat, ist eine Bankrotterklärung der Demokratie und ebenso beschämend, wie die Tatsache, dass man den Mann nicht aus der Haft entlässt, der unglaubliche Kriegsverbrechen aufgeklärt hat, man sich stattdessen zynisch anschickt, Julian #Assange an die Kriegsverbrecher auszuliefern und ihn immer und immer wieder aufs Bösartigste  zu verleumden. 

Wenn man verstanden hat, dass Baschar al #Assad eine Kopie des menschenverachtenden NS-Arztes Josef Mengele ist, dann begreift man die besondere Verantwortung von uns Deutschen gegenüber allen Menschen, die ohne Schuld von diesem Massenmörder und Verhöhner des Eides des Hippokrates um das gebracht worden sind, was das Leben auch in dunklen Tagen lebenswert macht: Zuversicht auf bessere Zeiten. 

Helga König

Samstag, 22. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 23.2.2020

Die ARD-Mediathek zeigt seit 2 Tagen eine Dokumentation zum Fall Julian #Assange. Dort wird verdeutlicht, was die Medien diesem Mann zu verdanken haben, denn viele haben sich in ihrer Berichterstattung der Informationsplattform WikiLeaks bedient, deren Gründer #Assange ist. 

Wie man erfährt, wurden auf dieser Plattform u.a. Korruptionsangelegenheiten im Finanzwesen, auch Umweltskandale und Kriegsverbrechen anhand von Originaldokumenten veröffentlicht, dabei wurden die Informanten grundsätzlich niemals genannt. Aus der Sicherheit  heraus,  dort  wirklich geschützt zu sein, haben Wistleblower offenbar überhaupt den Mut gefunden, über kriminelle Handlungen von Unternehmen oder gar Staaten zu sprechen.

Dass sich #Assange mit seiner Plattform viele Feinde aber auch Neider geschaffen hat, steht außer Frage. 

Als auf WikiLeaks im April 2010 Berichte und Videos von Kriegsverbrechen seitens amerikanischer Soldaten in Afghanistan veröffentlicht wurden, die der IT- Spezialist und Angehörige der US-Streitkräfte Bradley Edward Manning der Plattform zugespielt hatte, gelangte Julian Assange in den Fokus der US-Justiz. 

Wie ARD berichtet,  fragte Hillary Clinton, die damals Außenministerin der USA war,  ob man Julian Assange mittels einer Drohne nicht aus dem Spiel nehmen könne? Eine solche Aussage ist menschenverachtend und nicht nur für eine Politikerin ungeheuerlich, die Jahre danach sogar Präsidentin der USA werden wollte. Was wäre von dieser Politikerin als später möglicherweise gewählte Präsidentin der USA in Sachen Wahrung Allgemeiner Menschenrechte zu erwarten gewesen? 

Wenn #Assange diese Äußerung bekannt gewesen ist, dürfte es ihm bei der Veröffentlichung von gehackten Mails, die sie schrieb, weniger darum gegangen sein, Trump zu einem Sieg zu verhelfen, als eine Person zu verhindern, die daran denkt, mittels Drohnen Journalisten mundtot zu machen.

Irritiert haben mich die Berichte im Hinblick auf die beiden Frauen, die Julian Assange übel mitgespielt haben. Bei der ersten Frau hat Assange in Schweden 6 Tage gewohnt und am ersten Tag im Einvernehmen mit ihr beigeschlafen. Beim Koitus soll das Präservativ gerissen sein. Ihm Tage danach zu unterstellen, er habe es bewusst zerrissen, ist schon sehr seltsam. Weshalb hat sie ihn nicht am Tag nach der Beischlafsnacht aus ihrer Wohnung verwiesen?

Eine zweite Frau, mit der  Julian Assange  anschließend auch beigeschlafen habe, sei mit der ersten zu Polizei gegangen, weil beide einen HIV-Test von Assange haben wollten. Stellt sich die Frage, weshalb die Frauen überhaupt mit ihm beigeschlafen haben, wenn sie  bezüglich HIV so verunsichert waren, aber auch, woher die beiden Frauen sich kannten? Und weiter stellt sich die Frage, weshalb ein einvernehmlicher Beischlaf seitens der schwedischen Behörden zunächst als Vergewaltigung eingestuft wurde? Fest steht, dass durch diese Geschichte der Ruf Assange Schaden genommen hat. Ein Schelm, der annimmt, dies sei der Zweck der Übung gewesen...

Seitens von Journalisten aber auch Politikern liest und hört man seit Wochen immer wieder Diffamierungen, wie: Julian Assange sei unsympathisch, er sei ein Egoist, ein Narzisst oder ein armes Schwein, ohne dies zu begründen. Dies sind Totschlags- Argumente, weil die Faktenlage für ihn spricht und man keine stichhaltigen Argumente gegen ihn anführen kann. Bei allem sagen diese Diffamierungen in erster Linie viel über die Verleumder aus. 

Ein Richter in den USA hat, wie man dem Bericht in der ARD entnehmen kann, Assange als Narzissten bezeichnet, der nur an sich denke und alle plappern es seither nach. Gemeint war mit "an sich denken" offenbar, die Veröffentlichung aller Kriegsverbrechen auf WikiLeaks ohne den Imageschaden der USA im Auge zu haben. Ein solches Verhalten hat nichts mit Narzissmus zu tun. Hier wurde der Begriff eindeutig falsch verwendet. Der korrekte Begriff wäre Aufklärer gewesen, der nur an das Wohl aller denkt.

Julian Assange zu unterstellen, er habe aufgrund des Satzes "Neugierige Augen kriegen nie genug" Manning zum Geheimnisverrat angestiftet, ist nun wirklich an den Haaren herbeigezogen und insofern unredlich. Dieser Satz ist eine Binsenweisheit, die sich allemal zum Twittern eignet, wenn man viele Likes einsammeln möchte. 

Julian Assange wird seit Monaten gefoltert,  wie seitens  eines Ärzteteams nachgewiesen wurde und ist augenscheinlich Staatsfeind nicht nur eines Staates.Weshalb eigentlich? Weil er Transparenz fordert und aufklärt? Ist Transparenz denn nicht die Grundlage für Glaubhaftigkeit in einer Demokratie?  Waren es nicht Aufklärer, die Despotien eine klare Absage erteilten und in Frankreich zu Geburtshelfern der Demokratie wurden? 

Helga König

Sonntag, 9. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 9.2.2020

Am 6. Februar 2020 stellten Günter Wallraff (Investigativjournalist), Sigmar Gabriel (Bundesaußenminister a.D.), Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.) und Sevim Dagdelen (MdB) in der Bundespressekonferenz in Berlin den Appell "Julian Assange aus der Haft entlassen" vor, der bislang (am  9.2. 2020/ 17.43 von 11 610 Menschen unterzeichnet wurde.

Ich habe meinen, über zwei Jahre auf der Profilseite meines Twitteraccounts angehefteten Tweet, der auf meine Interviews "Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" führte, - zwischenzeitlich wies er mehr als 100.000 Impressionen auf- dennoch bewusst gelöscht, um ihn zu ersetzen durch https://assange-helfen.de/?fbclid=IwAR0rQsYG_nQr-vX0RzZOW09TPgozC0XacCbl1rDYPWe1N_t8RElDsMgrA1Y… . Ethik ist nur glaubhaft, wenn man handelt, lies ich meine Follower mein Tun begründend wissen. 

Bereits vor zwei Wochen schrieb ich in Sachen Julian Assange eine Sonntagskolumne. Zwischenzeitlich hat sich Einiges getan. Endlich berichten die Printmedien  und Fernsehsender über den Skandal. Dies ist dem Engagement des UN-Sonderberichterstatter Prof. Dr. #Nils_Melzer zu verdanken 

Anbei ein Youtube-Clip https://www.youtube.com/watch?v=wHVArcyl1fY&feature=youtu.be. Hier erläutert der Jura-Professor genau, worum es geht. 

Blickt man auf die Liste der namhaften Persönlichkeiten, die sich für die Freilassung #Assanges aussprechen, so ist man schon erstaunt, dass bei den Politikern fast nur Pensionäre es wagen, sich in der Sache zu bekennen. Im welchem Obrigkeitsstaat leben wir eigentlich? Wovor haben sie alle Angst? 

Namhafte Schauspieler, Kabarettisten, Regisseure, Musiker auch Maler sind mutiger als andere Prominente. Dass #Wolfgang_Niedecken unterschrieben hat, ist ebenso erfreulich, wie das Engagement  in Sachen Menschenrechte des Bergsteigers #Reinhold_Messner und von Pater #Anselm_Grün. 

Diese Menschenfreunde reden nicht nur über #Humanismus, sondern zeigen durch ihr Tun, dass sie authentisch sind. 

Was kann man in den sozialeren Netzwerken tun, damit viele auf die Seite "Assange helfen" aufmerksam werden und unterzeichnen? Man muss seine Follower bitten, zu retweeten. Vielen nämlich ist es nicht bewusst, dass nur so sehr rasch Breitenwirkung entsteht. Viele unterschätzen die Möglichkeit von RT.  Das muss sich ändern. 

#Julian_Assange benötigt Hunderttausend und mehr Stimmen, damit die Obrigkeit zu reflektieren beginnt und ihren Kurs ändert. Nötig sind auch weit mehr namhafte Persönlichkeiten als jetzt. 

Am besten wäre es, wenn #Papst_Franziskus unterschreibt  und sich für #Julian_Assange einsetzt und zudem die  jungen Menschen der "#friday_for_future"-Bewegung, eben all jene die guten Willens sind, sich für ihn stark machen. #Assange braucht Hilfe. Sein Leben ist in Gefahr.

Helga König

Sonntag, 2. Februar 2020

Sonntagskolumne Helga König, 2.2.2020

"Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit." (Goethe) 

Heute Morgen entdeckte ich in meiner Timeline auf Twitter einen faszinierenden Tweet. Ich hielt inne, staunte und klickte neugierig auf den Account desjenigen, der ihn gepostet hat.

Der Accountbesitzer nennt sich "wilderwandel" und ist seit  dem 12. Januar dieses Jahres auf Twitter aktiv. In seiner Vorstellung merkt er an: "Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben..."  "Being wild again is the only option we have.."

Spontan fiel mir der legendäre Song der Hard-Rock-Gruppe "Steppenwolf" ein und hier die Zeilen: 

Like a true nature's child 
We were born,
born to be wild 

We can climb so high
I never wanna die 

Born to be wild 
Born to be wild 

Dann musste ich lächeln, weil mein erster Tweet heute Morgen ein Youtube- Clip mit Gedanken von Hermann Hesse war. Es handelte sich dabei allerdings nicht um eine Textstelle aus Hesses Roman "Steppenwolf", der für viele junge Menschen einst ein Kultbuch war. 

Sie erinnern sich?: "Es war einmal einer namens Harry, genannt Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war er doch eben ein Steppenwolf."

"Like a true nature's child We were born, born to be wild"

"Wieder wild zu sein ist die einzige Option, die wir haben...“ Was meint  "wilderwandel" damit? Was bedeutet "wild?" In erster Linie wohl "ungezähmt". 

Wie kann man diesen Zustand erneut erreichen und  was würde das für uns bedeuten? Schon wieder geistert eine Textstelle durch meinen Kopf. Diesmal aus dem 21. Kapitel des Buches  "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Hier geht es um Freundschaft, die nur möglich ist, wenn man sich einander vertraut macht. Dieses Vertrautmachen bedeutet für Saint-Exupéry "zähmen".

So gesehen befinden wir uns, die wir auch nach Hesse nur dann glücklich sein können, wenn wir lieben, was ja auch Grundlage einer Freundschaft ist, in einem Zwiespalt, der nicht auflösbar zu sein scheint. Um wild zu sein – also ungezähmt und so gesehen auch ungebunden bzw. frei- müssen wir auf Liebe und Freundschaft verzichten und uns in selbstgewählter Einsamkeit einrichten. Doch dies macht bekanntermaßen  auf Dauer krank. 

Laut dem Roten Kreuz können in England ungefähr 200 000 ältere Menschen höchstens einmal im Monat ein Gespräch mit einem Freund oder Verwandten führen, las ich gestern bei Notker Wolf in seinem neuen Buch "Ich denke an Sie". Das kann keine Option sein.

"wilderwandel" taucht mit seinen Fotos in die Zauberwelt der Natur ein. Man nimmt wahr, wie sehr er sich in jedes einzelne Motiv einbringt, nicht nur mit den Augen, denn er erzählt jeweils eine Geschichte durch die Art wie er das jeweilige Bild anlegt. Man spürt, er trauert bei seinen Wanderungen durch die Natur keinem Gestern nach, denn er nimmt alles sehr bewusst wahr und blickt hinter das, was sich ihm zeigt. Deshalb auch erzählen seine Bilder  philosophische eingefärbte Geschichten. 

Dieser Fotograf liebt die Stille, das Schöne in der Natur, die belebten Steine, das Grün, die Ruhe, die Meditation. Er denkt dabei an Goethe: "Nichts geschieht in der belebten Natur, das nicht in irgendeiner Beziehung zum Ganzen steht. Die Natur - wie vielfältig sie auch erscheint - ist nichtdestoweniger immer ein einziges großes Ganzes, eine Einheit," und lässt erkennen, dass er viel Demut besitzt. 

"Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ … um neu beginnen zu können? Weil jedem Anfang ein Zauber innewohnt, der uns beschützt und hilft zu leben?  Ist es das?

Es macht mich neugierig, was "wilderwandel" uns in seinen nächsten Posts vermittelt, um seinen  Satz "Wieder wild zu sein, ist die einzige Option, die wir haben...“ allmählich entschlüsseln zu können. Dass "ungezähmt", nicht "unkultiviert" heißt, wie manche meinen, dokumentiert der Account "wilderwandel" auf subtile Art.

Helga König