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Samstag, 7. November 2026

Kolumne Helga König, Teil 2, 7.11.2026

Nun steht außerdem fest: Die Petition gegen die exorbitante Grundsteuererhöhung in Riedstadt hat bewirkt, dass entgegen dem, was im Haushaltssicherungskonzept für 2027 stand, es erst einmal keine weitere Erhöhung der Grundsteuer in Riedstadt geben wird. 

Bis 2030, also bis zu den neuen Kommunalwahlen, werde der derzeitige Hebesatz nicht mehr weiter erhöht werden. 

Klar, die Wiederwahl der CDU wäre ansonsten per se ausgeschlossen und die Empörung der Bürger nicht mehr einzutüten. 

Marcus Kretschmann hat erkannt, dass "die Grundsteuer nicht zur bequemen Antwort auf jede Haushaltslücke werden dürfe". Genau, so ist es! Bravo! Hoffentlich sind seine Zuarbeiter auch so lernfähig wie er es plötzlich zu sein scheint. 

Diese bemerkenswerte, wenn auch alles andere als vollständig befriedigende Botschaft entnahm man u.a. der Stadtverordnetenversammlung vom 5.11.26. Dort auch wurde der Feuerwehrbau in Riedstadt Mitte in Höhe von derzeit rund 26 000 Millionen Euro durchgeboxt, denn für kritische Fragen blieb keine Zeit, da die Mehrkosten täglich steigen würden. Wieso hat man eigentlich keinen unverbrüchlichen Festpreis angesetzt? Nein sagen, ist hier zukünftig geboten, um die Kostenspirale zu stoppen.

Die Feuerwehr ist wichtig. Das steht außer Frage. Hier teile ich die Meinung von Thomas Thyssen dahingehend, dass der Klimawandel die Feuerwehr zukünftig noch wichtiger mache als sie es ohnehin schon ist. 

Deshalb auch plädiere ich gebetsmühlenhaft für Präventivmaßnahmen, um die Feuerwehr, aber auch unsere Geldbeutel zu entlasten.

Entsiegelung von sinnlos zugepflasterten Flächen und keine Nachverdichtung in den Ortteilen, damit bei Starkregen Wasser abfließen kann. Sparsamer Umgang mit Wasser, damit noch genügend davon für wichtige Dinge, wie etwa die Erhaltung unserer Fauna und Flora in den Hitzesommern vorhanden ist und es durch Dürre nicht zu Flächenbränden kommt.  

Solaranlagen auf Feldern halte ich ebenso bedenklich wie den Bau von Rechenzentren im schönen Ried. Die Gründe werde ich in einer weiteren Kolumne näher ausführen. So viel nur: In Zeiten des Klimawandels sind verheerende Folgen nicht ausgeschlossen. 

Der neue Kurs, den Markus Kretschmann eingeschlagen hat, muss man zumindest nicht tadeln und darf abwarten, was die geistige Wandlung an Überraschendem in der Zukunft noch zu bieten hat. Ich bin gespannt.

Helga König

Kolumne Helga König, Teil 1, 7.11.2026

Nun steht es fest. Laut Beschluss des Magistrats von Riedstadt wird es in den Dörfern Crumstadt und Leeheim keine Leihbüchereien mehr geben. Dort wurde nach Ermessen der Magistratsmitglieder, offenbar zu wenig gelesen. Die Crumstädter und Leeheimer haben demnach nichts Besseres als Schließung verdient.

Die Kosten für die Büchereien sind allerdings verschwindend gering, gemessen an den Geldern, die beispielsweise beim Bauhofprojekt oder bei Fehlern durch das gescheiterte Riese und Müller Projekt angefallen sind. Die angefallenen Summen verschweigen wir lieber. Es könnte Aufschreie in der Bevölkerung geben. Das muss vermieden werden! 

Bildung ist der hiesigen CDU augenscheinlich ein Dorn im Auge. Bei Bildung besteht die Gefahr, dass Menschen kritisch und unerwünscht aufmüpfig werden. Wen wundert es da, dass eine Stadtverordnete der CDU bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (5.11.26, Beginn 19. Uhr) Büchner kläglich fehlinterpretierte und ihn zur Gallionsfigur für die revolutionäre Einstampfung aller Leihbüchereien hier in Riedstadt machen wollte. Peinlicher geht es nimmer! Hat Riedstadt den Namensteil "Büchnerstadt" eigentlich noch verdient?

Die Stadtverordneten der CDU wollten an besagtem Abend alle Leihbüchereien in der Stadt abschaffen. AfD und Freie Wähler waren beherzt an der Seite der CDU. Entsteht da gerade ein neues Dream-Team?

Die SPD wiederum wollte bildungsbürgerlich und sozial verträglich die Leihbüchereien bestehen lassen, auch die BfR wollte dies, mit dem Unterschied, eine kleine Ausleihgebühr zu verlangen. Was für die Ausleiher immer noch besser wäre, wie Bücher selbst zu kaufen oder mit Bus alternativ Auto für teures Geld nach Groß-Gerau in eine Ausleihbücherei zu fahren, um, wie ein CDU- Mitglied an dem Abend "bürgernah" empfohlen hat, dort Bücher auszuleihen.

Die Grünen plädierten für eine Zentralbibliothek (in Goddelau?). Woher das Geld kommen soll, die Stadt ist bekanntermaßen klamm, bleibt offen. Dass Leeheimer eine halbe Weltreise machen müssten, um ein Buch in der Zentrabibliothek auszuleihen, ist unerheblich. Die Umweltverschmutzung durch die zusätzliche Fahrerei, die bei allen Zentalisierungsprojekten, die derzeit beschlossen werden sollen, unumgänglich wäre, ist augenscheinlich nicht das Thema der hiesigen Grünen. Ihr Thema ist ja offenbar Nachverdichtung, bis uns Bürgern im Klimawandel die Luft zum Atmen abhanden kommt. 

Wie auch immer, es wurde entschieden. Da man sich nicht einig wurde, entschied der Magistrat unter Vorsitz des Bürgermeisters Marcus Kretschmann (CDU). 

Entschieden wurde an dem Abend auch über den neuen Feuerwehrbau. Diesmal nicht vom Magistrat, sondern den Stadtverordneten. Darüber aber in einer weiteren Kolumne mehr... 

So viel schon jetzt, ich war beeindruckt vom Einmarsch der Feuerwehrleute aus Erfelden und Goddelau sowie den vielen Stadtangestellten, die dem Bürgermeister zujubelten und so für Hurra-Stimmung sorgten. 

Erschüttert war ich allerdings von der respektlosen Art wie man dem gebildet- besonnenen SPD Fraktionsvorsitzenden Bayram Özmen seitens eines CDU- Mitglieds umgesprungen ist. 

Die Opposition mundtot machen zu wollen, indem man Einwände niederbügelt, ist ein Weg, der in einer Demokratie ein NOGO darstellt. 

Helga König

Sonntag, 1. November 2026

Sonntagskolumne Helga König, 1. November 2026

"Die Kultur eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Toten umgeht." Perikles 

Am 2. November eines jeden Jahres gedenken die Katholiken aller Verstorbenen. Die Protestanten gedenken am letzten Sonntag vor Advent der Toten. Eine Woche zuvor wird am Volkstrauertag - es handelt sich hierbei um einen staatlichen Gedenktag - in Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Das nennt man übrigens Erinnerungskultur.

Anlässlich dieser Gedenktage stellen Angehörige von Verstorbenen brennende Kerzen auf die Gräber und schmücken die Grabstätten mit winterharten Gestecken. 

Das Grablicht ist ein Symbol für die Seele des Verstorbenen aber auch Licht und Trost über den Tod hinaus. Es dient als traditionelles Zeichen der Erinnerung und Hoffnung.

Das Licht steht für das ewige Licht, steht für ein Leben nach dem Tod. Es soll den Verstorbenen symbolisch durch die Dunkelheit leuchten. 

Die sterblichen Überreste von Verstorbenen sind durch eine gesetzlich und sittlich geregelte Ruhepflicht in Deutschland geschützt, während der sie in ihrer letzten Ruhestätte bleiben dürfen. Der Ruheort für Katholiken ist ein geweihter (oder eingesegneter) Ort. Ihn zu entweihen, steht keinem örtlichen Politiker zu. 

In Deutschland wurde die Friedhofskultur 2020 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gewürdigt wird u.a. die vielfältige Erinnerungskultur. 

Friedhofskultur umfasst laut der Deutschen UNESCO Kommission u.a. kulturelle Ausdrucksformen wie etwa Rituale der Trauerverarbeitung mit der Beisetzung auf dem Friedhof, der Gestaltung der Gräber als kleine Gärten der Erinnerung etc. Diese Rituale auf den Friedhöfen förderten die aktive Auseinandersetzung  mit den Kernfragen nach dem Sinn des Lebens.

Wir sehen: Der Kulturraum Friedhof ist ein Ort, mit dem man respektvoll umgehen sollte. Ihn zur Disposition zu stellen, weil man zentralistische Höhenflüge umsetzen möchte oder ihn gar als Bauland zukünftig nutzen will, halte ich für pietätslos. Es zeugt m.E. von krassem Kulturbanausentum.

Helga König


Sonntag, 11. Oktober 2026

Sonntagskolumne, Helga König, 11.Oktober 2026

Dörfer im Südried, wie etwa Leeheim, Wolfskehlen, Erfelden, Goddelau und Crumstadt haben alle eine über 1000 Jahre alte Vergangenheit. Lokalpolitiker sollten sich in die Geschichte der einzelnen Dörfer vertiefen, um zu verstehen, weshalb eine Zentralisierung in vielen Bereichen keinen tatsächlichen Mehrwert entstehen lässt. Das Ergebnis sind Bettburgen ohne Leben.

Die durch die Jahrhunderte gewachsene Mentalität bereichert, ist ein Gut an sich. 

Blickt man auf Feste, wie etwa die Kerb, so stellt man fest, dass junge Menschen voller Freude dieses Fest gemeinsam feiern, sich beispielweise als "Wolfskehler Mädchen und Jungs" durch den gemeinsamen Besuch des Kindergartens, der Grundschule, des Tanzunterrichts, des Vereinslebens für alle Zeiten verbunden fühlen, auch wenn der schulische Werdegang wie auch die politische oder religiöse Ausrichtung unterschiedlich sein mögen. 

Die Geschäfte in den Dörfern hielten dem Preisdruck durch die Einkaufsmärkte auf der vormals grünen Wiese nicht stand. Apotheken, Restaurants, Kneipen oder gar Discos verschwanden, nun verwaisen die Kirchen, selbst die Friedhöfe stehen zu Disposition. 

Alle wundern sich. Wie konnte das passieren? 

Maßnahmen der Politik? Warum? Wieso? Es konnte passieren, weil die Politiker von einer zukünftigen Kleinstadt träumten und jetzt noch intensiver träumen, einer Kleinstadt, deren Architekten sie sind, einer Kleinstadt, die das Potential hat, groß und größer zu werden und die die letzten 1000 Jahre problemlos vergessen lässt. 

Die Kirchenlieder, die die Menschen 500 Jahre hindurch sangen, der Dialekt, den sich sprachen, ja letztlich sich selbst und ihre speziellen Eigenheiten, alles wird auf dem Altar der Hoffart einiger weniger geopfert. Keiner wird gefragt. Die Architekten sind beratungsresistent.

Was geht in diesen Ignoranten vor? Nichts Gutes wie mir scheint,



Helga König

Sonntag, 23. August 2026

Sonntagskolumne Helga König, 23.8.26


Vorab ein Zitat zur einer Fahrradkultur, die heute vielen fremd geworden ist.

"Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr."

(Albert Einstein über die Relativitätstheorie, deutsch-schweizerischer Physiker und Nobelpreisträger, 1879 – 1955)

Fahrradwegdiskussionen gibt es allerorten. Ich lese diese als begeisterte Radlerin stets mit großem Interesse. 

Mein erstes eigenes Rädchen bekam ich übrigens zu meinem 3. Geburtstag von meinem geliebten Urgroßvater geschenkt. Zuvor saß ich im Korbstühlchen vor dem Lenkrad des Fahrrads meiner Mutter und erfreute mich am kindgerechten Tempo und den Bildern, die an mir vorbeizogen. Eindrücke, die prägen! 

Zu Schulzeiten und später an der Uni war sommers wie winters das Rad mein primäres Fortbewegungsmittel, mit dem ich in den Semesterferien auch längere Fahrradtouren, so nach Amsterdam und Paris, unternahm. 

Kurzum: Die Liebe zum Rad hat sich von Kindertagen an nicht geändert, doch die Fahrbedingungen sehr wohl.

Breite Fahrradwege, wie ich sie einst in Holland kennenlernte, sind mir hier in unserer Region nie begegnet. Leider !

Seit Rüpel auf Elektro-Rollern die Radwege unsicher machen, dazu noch Männer mittleren Alters mit Lastenfahrrädern ihre Hunde spazieren fahren, (die Gründe verstehen diese Männer nur allein!) und Möchtegern-Tour- de- France-Fahrer mit ihren Rennrädern (ohne Klingel!) sich rücksichtslos rechts an einem vorbeiquetschen, ist Balancetraining gefragt. 

Radwege müssen breiter sein als in alten Zeiten, am besten nicht direkt an der Straße entlangführen, weil dort Abgase, Reifenabtrieb, Lärm und oftmals extremer Fahrwind alles andere als vergnügliche Begleiterscheinungen des Radelns sind. 

Radfahren soll Freude bereiten!  Wir sehen, wozu diese Freude führen kann am Beispiel von Albert Einstein!:-))

Ausgeschilderte Fahrradtouren über Feldwege mit Blick auf Gräser und Wiesenblumen sind das, was man sich wünscht, auch wenn solche Touren etwas zeitaufwendiger sind. Sicherer und gesünder sind sie allemal. 

Helga König

Sonntag, 26. Juli 2026

Sonntagskolumne Helga König, 26.7.26

Als ich gestern Abend vom  Sammeln weiterer Unterschriften auf der Petitionsliste gegen die exorbitante Grundsteuererhöhung hier in Riedstadt zurückkam und neugierig die Riedstadtseite auf Facebook öffnete, sah ich eine Karikatur, betitelt mit den Worten "Quetschmann von Riedstadt". Unschwer zu erkennen, um wem es sich handelt. 

Dass das Bild in die Rubrik "Satire" gehört, macht eine entsprechende Kennzeichnung deutlich. 

Von der Satiresendung "Heute Show" im ZDF kennt man zahllose Karikaturen solcher Art von unterschiedlichen Politikern, die eine derartige "Verhunnebieblung" problemlos wegstecken. 

Die Hofberichterstatterin des auf dem Bild gezeigten Herren konnte es nicht und ereiferte sich entlarvend. 

Über Jahre wurde in dem Blatt, für das sie arbeitet, die betreffende Person zu einem Fürsten auf unzähligen Bildern hochstilisiert, die oft größer waren als der Text dazu. Kein Akteur vor ihm wurde so oft visualisiert, möglichst natürlich in Gönnerpose. 

"Der Mann, der mit "Kamelle" um sich wirft…Toll. De Prinz kütt!“ Das war die Assoziation. Es lebe der Kölner Karneval!

Bescheidenheit war nicht im Programm der Gesten, mit denen man konfrontiert wurde, sondern eindeutige Machtallüren, entlehnt aus dem Panoptikum der Renaissance. 

Aufgrund der jüngsten Ereignisse hier in Riedstadt ist ein neues Bild entstanden. Wen wundert es, dass dieses Bild von einem Witzbold in einer Karikatur manifestiert wurde? 

Dass diese Karikatur im Kopf hängen bleibt, steht außer Frage. Wie damit umgegangen wird, hängt vom Humor des Betrachters ab. 

"Politische Satire nutzt Humor, Ironie und Übertreibung, um Machtstrukturen, Entscheidungen der Regierung und gesellschaftliche Zustände zu kritisieren", definiert Google. 

Ein freier Geist kann damit übrigens gelassen umgehen. 

Helga König

Sonntag, 21. Juni 2026

Sonntagskolumne Helga König, 21.6.26

Welker Baum in der Oppenheimer
Straße
Aus Grau wird wirklich Grün? 

Am Samstag, den 20. Juni 2026 habe ich den Hurra-Artikel über die Einweihung des Klimaprojektes "Aus Grau wird Grün" im Groß-Gerauer Echo gelesen und darüber nachgedacht, ob der Häuptling von Riedstadt eine der Pflanzen, die er auf dem Foto dort so freudig anlacht, auch wirklich mit Namen kennt und weiß, wer sich hier von den gepflanzten Stauden in den kommenden Jahren durchsetzen wird. 

10 000 Stauden (winzige Pflänzchen) wurden in der Heinrich-Heine-Straße und der Oppenheimer Straße in die Erde gebracht und müssen nun konsequent gegossen werden, um zu wachsen. Billig wird das auf Dauer für die Steuerzahler nicht sein, wenn man die Anwohner nicht zum Wässern verpflichtet. 

Außer dem Prestige-Effekt für die hiesige Obrigkeit kann ich bislang keinen weiteren Nutzen erkennen, da nicht zuletzt aus Geldmangel keine Alleen entstehen können, die später mal den Asphalt beschatten. Die neu gesetzten Bäumchen sind nur auf jeweils einer Seite der Straßen in die Erde eingebuddelt worden und brauchen Jahre des Wässerns in Zeiten des Klimawandels, um überhaupt zu schattenspendenden Bäumen zu werden. Einseitig gepflanzt ist der Effekt aber mehr als fraglich.

Den in unmittelbarer Nähe der Oppenheimer Straße sich befindenden Friedhof mit riesigen Freiflächen (aufgrund der superteuren Grabstätten-Preise) zu bewalden, wäre eine Maßnahme, die ökologisch sinnstiftend wäre.  Die Totenruhe wäre nicht gestört.

Zaunlattich macht sich breit  
Wie auch immer: 2 gesetzte Bäume in der Oppenheimer Straße sind offenbar nicht genügend gewässert worden und müssen  jetzt allein aus ästhetischen Gründen unbedingt ersetzt werden. 

Ach ja, die Horror-Pflanze "Zaunlattich" hat sich in einem Beet auch schon breit gemacht. Kein Grund zum Feiern, sondern einzig zum Jäten! Eine schöne Freizeitarbeit für alle, die dem Projekt zugestimmt haben!

Aus "Grau wird Grün" beginnt in jedem Garten und bedingt, dass man die Grundsteuern nicht immer mehr erhöht. Ökologische Transformation kostet Gartenbesitzer Geld, deshalb darf man ihnen nicht immerfort in die Tasche greifen. Das nämlich ist kontraproduktiv. 

Helga König

Sonntag, 15. März 2026

Sonntagskolumne Helga König, 15.3.26

Letzten Sonntag besuchte ich die jährlich stattfindende Buchmesse im Ried, zu deren Besuch ich einen Eventbericht geschrieben habe. Bei den vielen Eindrücken, die ich auf der Messe fotografisch festhielt, geistert seither ein Eindruck noch immer durch meinen Kopf: Angespitzte Gänsefedern und ein damit beschriebenes Schriftstück, nebst der dafür notwendigen Tinte. 

Mit Gänsefedern schrieb man übrigens in Europa seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. Vom Mittelalter bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts sollen Gänsekiele das wichtigste Schreibgerät gewesen sein. 

Die Dichter Goethe und Schiller, auch die Musiker Mozart und Bach plagten sich demnach noch mit diesem Schreibgerät herum, das Kleckse und entsprechenden Papierverlust nach sich zog, wenn man auch nur für einen Moment unaufmerksam war. Gut, der wohlhabende Johann Wolfgang von Goethe hatte einen Sekretär. Er musste sich  demnach nicht über schmutzige Finger ärgern.

Gänsekiele als Schreibwerkzeug für die durch manuelle Schwerstarbeit auf den Feldern dick gewordenen Feldarbeiterfinger waren in der damaligen Zeit kaum vorstellbar. Aber das war nur eines der vielen Handicaps, die diese Menschen am Schreiben hinderten.

Es wundert mich nicht, dass die Deutschen erst im Jahre 1910 zu 100% Schreibkompetenz erlangten, zu einem Zeitpunkt also, wo der Gänsekiel dem Gestern angehörte und die Schwerstarbeit auf den Feldern sich zu mindern begann. Schwielen beeinträchtigten den Wunsch zu schreiben jedenfalls kaum noch.

Auch Georg Büchner hat seinen "Hessischen Landboten" noch mit Gänsekiel verfasst, denn erst einige Jahre nach seinem Tod setzten sich Stahlfedern durch und Ende des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Füllfederhalter. 

Wer heute mit einem Füller anstatt mit einem Kugelschreiber schreibt, schützt die Hand vorm Verkrampfen, habe ich irgendwo gelesen. Wer sich aufs Tippen beschränkt, verliert auf Dauer die alte Schreibfertigkeit und wundert sich, was aus seiner vormaligen Schönschrift geworden ist. So ärgern sich nicht wenige über ihre "Sauklaue", tippen jedoch peinlich berührt weiter ihre Texte. Man ist ja nicht vorgestrig!

Liebesbriefe sind seither selten geworden, denn diese sind nur akzeptabel, wenn sie von Hand geschrieben werden. Romantiker sind eindeutig die Verlierer in einer Welt, in der getippte Sprüche unseren sinnentleerten Zeitgeist widerspiegeln.

Helga König

Montag, 9. März 2026

Sonntagskolumne Helga König, 7.3.26

Auf meinen Erkundungen durch Wolfskehlen und allen anderen Ortsteilen von Riedstadt, stellte ich fest, dass in den Jahrzehnten als ich hier nicht gelebt habe, offenbar eine extreme Bauwut das Bild der Gemeinden erschreckend verändert hat. Schöne Bauerngärten gibt es kaum noch, größere Gartenflächen wurden zugebaut, aus lebensnotwendigem Ackerland wurde Neubaugebiet und der 1000 Jahre alte Kern von Wolfskehlen wurde fast vollständig versiegelt.

Grünflächen sind aber notwendig für uns Menschen und für die Tiere. Eine, der hier agierenden Parteien will mehr Raum für Kinder, aber möchte zugleich die wenigen unbebauten Flächen, die es noch gibt, zubauen. Ein Widerspruch in sich! 

Gibt man den Bienen keine Lebenschance, braucht man keinen Atomkrieg mehr, damit wir alle sterben. Nur Ignoranten wollen das nicht wahrhaben. Schaut man sich die versiegelte Fläche vor dem Goddelauer Rathaus an, dann weiß man wie die herrschenden Politiker hier ticken: Vorgestrig. Ökologisches Denken gibt es nur in Form von fadenscheinigen Lippenbekenntnissen. Enttäuschend!

Die verkorksten Prachtstraßen in Wolfskehlen, (Heinrich- Heine-Str. und Oppenheimer Str.), sind der blutig teure Versuch, aus GRAU GRÜN zu machen. Stein-Kroki-Beete. Was soll das sein?  Man wundert sich. 

Vor meiner Haustür wurden 20 alte Bäume gefallt, damit eine Bewegungsraum für Kindergartenkinder entstehen konnte. Bewegung unter Bäumen hätte ihren Lungen mehr Sauerstoff zugeführt. Die Grünfläche hätte allen weiterhin gut getan, auch den vielen hochbetagten Menschen, die hier mit ihren Rollatoren ihre Runde drehen.. 

Ich selbst habe die Mauer um mein Grundstück durch einen Zaun ersetzen lassen, damit alle, die hier wohnen, Freude an dem naturnahen Garten haben. 

Eine besondere Freude habe ich, wenn ich an dem tollen Bauerngarten eines Musiklehrers hier in meiner Nähe vorbeigehe. Seine Gartenarbeit kann nicht genug gelobt werden. Vorbildlich! Solche Gärten hoch zu besteuern, scheint mir keine nachhaltige Maßnahme zu sein. 

Dass die hohe Grundsteuer viele zwingt, ihre Gärten zuzubauen, zeigt die fehlgeleitete Politik, für die sparen ein Fremdwort ist und die glaubt, die Grundsteuer sei eine Schuldentilgungssteuer. 

Ein großes Problem stellt das gewerbliche Sterben in den Zentren der Gemeinden dar. Wer Lebensmittel braucht soll mit dem Auto in die Einkaufmärkte auf vormals grünen Wiesen fahren oder mit dem Bus sich dort hinbegeben, der allerdings an den Wochenenden nicht fährt. Wieso verpflichtet man die Märkte nicht einen Shuttlebus zu stellen? Sie erwirtschaften die Gewinne, also stehen sie auch in der Pflicht. Ein solcher Shuttlebus würde die Gemeinde nichts kosten.

Je mehr Menschen sich hier ansiedeln, umso mehr Schulen und Kindergärten etc. müssen gebaut werden und umso mehr Personal muss von der Gemeinde bezahlt werden. Die Stadt ist hochverschuldet. Also bleibt nur die Grundsteuer, die immer mehr erhöht werden soll. So kann dies nicht weitergehen!

Ach und noch etwas....Stadtbüchereien zu schließen, um Kosten zu sparen, fällt nur denen ein, die nicht wissen wollen, wie  wichtig Bücher sind, um seinen Horizont zu erweitern. Bürgerfreundlich sind solche Maßnahmen nicht. Sparen sollte man, dort, wo es sinnstiftend ist.  Die Liste ist lang, schafft aber nicht nur Freunde. 

Ungebildete, unkritische Bürger sind natürlich das gefundene Fressen für alle, die bei ihrem herrschaftlichen Tun nicht gestört werden wollen, hätte Büchner uns belehrt.

Helga König

Sonntag, 15. Februar 2026

Sonntagskolumne Helga König, 15. 02.26

"Der Tag wird kommen, an dem es in Russland Alltag sein wird, die Wahrheit zu sagen und für die Gerechtigkeit zu kämpfen." Alexei Nawalny 

Der russische Regimekritiker und Hoffnungsträger aller Putin-Gegner Alexei Nawalny kann diesen, von ihm ersehnten Tag nicht mehr miterleben, denn er wurde 2024 bereits mit Froschgift um sein Leben gebracht. 

Wie man der Tagesschau vom 14.2.2025 entnehmen konnte, äußerte sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul auf der Münchener Sicherheitskonferenz dazu wie folgt: "Seine sterblichen Reste enthielten ein besonders starkes Nervengift, Epibatidin, dessen Wirkung 200-mal so stark ist wie Morphium. Es lähmt den Atem, die Muskulatur, die Opfer ersticken qualvoll."

"Wladimir Putin hat meinen Mann getötet mit Hilfe einer chemischen Waffe", äußerte Nawalnaja, die Ehefrau des Ermordeten auf Russisch, so der Tagesschaubericht weiter. 

Wer die Geschichte kennt, weiß wie Despoten zu allen Zeiten gehandelt haben und handeln. Sophie Scholl endete auf dem Schafott, obgleich sie Hitler nicht so gefährlich werden konnte, wie Nawalny dem Machthaber Putin. 

Menschen bewundern Lichtgestalten wie Nawalny. Das ertragen Despoten nicht. 

Alle Despoten eint ihr neurotisches Festkleben an der Macht bei schwacher Persönlichkeit, die sie
geradezu zwingt, alle Mittel, selbst mörderische, einzusetzen, um sich an der Macht zu halten. 

Das rechtfertigt ihr Verhalten keineswegs, sondern erklärt es nur. 

Der vergiftete, russische Regimegegner wusste, wenn man ihn ermordet, wird früher oder später ein anderer sein Werk fortsetzen und Russland von dem Massenmörder und seinen Schergen befreien. Dieses Bewusstsein hat ihm vermutlich die Kraft gegeben, sich bis zum Schluss dem Regime zu widersetzen.

Kein Terrorregime hält ewig.

Auch Hitlers "1000 jähriges Reich" war nach 12 Jahren zu Ende. Dass es 70 Millionen Menschenleben gekostet hat, beweist den Irrsinn von despotischen Persönlichkeiten und die Notwendigkeit sie, wie auch immer, rechtzeitig einzubremsen.