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Samstag, 28. Januar 2023

Sonntagskolumne Helga König, 29.1.2023

Dabei sein ist nicht alles.

Die letzten Tage würde viel gesagt und geschrieben über Annalena Baerbocks Aussage im Europarat "Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander." 

Dass diese Aussage eine Steilvorlage für einen möglichen, militärischen, durch ihre Aussage legitimierten Anschlag Putins auf unser Land darstellt, lässt sich nicht abstreiten. 

Ich halte ihre Aussage übrigens für keinen versehentlich sprachlichen Missgriff dessen, was sie tatsächlich ausdrücken wollte, sondern vermute, dass Baerbock durch das, was sie in der Ukraine an Leid sah, emotional noch immer so aufgeladen ist, dass sprachlich die Pferde mit ihr durchgegangen sind und sie das, was sie noch immer empfindet,- dabei sein zu wollen-  spontan artikuliert hat, ohne die Folgen vor Augen zu haben. 

Das dies untragbar ist, steht außer Frage. Baerbock hat vergessen, was ihre diplomatische Aufgabe ist, nämlich mit kühlen Verstand, möglichst viel Schaden abzuwenden von dem Volk, das sie vertritt, also uns Deutsche, aber auch von der europäischen Gemeinschaft generell. 

Hätte Baerbock unserem Kanzler gut zugehört, hätte sie wissen müssen, dass wir zwar Panzer liefern, aber keine deutschen Bodentruppen und wir insofern nicht am Kriegsgeschehen aktiv in der Ukraine teilnehmen, weil die Gefahr eines 3. Weltkriegs viel zu groß wäre. 

Wie groß sie jetzt schon ist, weiß nur Putin allein... 

Sprachliche Alleingänge über den Kopf von Bundeskanzler Scholz hinweg, mögen zwar dem Ego Annalena Baerbocks guttun und vorübergehend ihre Werte bei Meinungsumfragen hochschnellen lassen. Nach dem Motto, "die Frau ist tough. Sie zeigt dem Zögerer, wer das Sagen hat." Doch fragt sich wie lange? 

Was wenn Putin eine strategische Bombe auf Berlin zündet und sie mit Baerbocks Aussage legitimiert? Undenkbar? Nichts ist undenkbar! 

Bleibt zu hoffen, dass Putin die Aussage Baerbocks als "Weibergewäsch" abtut und sich über "feminine Außenpolitik" lustig macht.  Bei  einem solchen Schaden würden nicht nur intellektuelle Frauen eine Sorge weniger haben und den Schaden aufatmend hinnehmen, selbst dann, wenn neben Putin, sich  auch alle anderen Machos der Welt, lachend die Schenkel klopfen.

Wenn Lachen die Welt rettet, kann Putin gerne ein paar arrogante Witze auf Kosten von uns Frauen reißen. So gutmütig sollten wir schon sein. 

Helga König

Montag, 16. Januar 2023

Sonntagskolumne Helga König, 16.01.23

"Am 16. Januar 1972 war es endlich so weit: Innenminister Genscher erklärte, dass der Gebrauch des Wortes "Fräulein" in den Bundesbehörden zu unterlassen sei; jede erwachsene weibliche Person sollte nun als "Frau" tituliert werden und ihr Personenstand keine Rolle mehr spielen!" H.P. @Peine01, Tweet vom 16.1.2023

Wie fühlte sich eine Frau zu Beginn der 1970er Jahre, die mit Fräulein angesprochen wurde? Man lebte damals zu Ende der Minirockzeit. Nicht nur der Rocksaum, sondern  auch viele alte Zöpfe waren in den Vorjahren gerade zuhauf abgeschnitten worden, während eine unverheiratete Frau immer noch als "Fräulein" angesprochen wurde. So schien es fast wie ein Wunder, dass plötzlich auch das "Fräulein" unter den Tisch fiel, weil man den Begriff nun nicht nur als antiquiert, sondern auch als  diskriminierend einstufte. Dies empfanden nicht nur die meisten Frauen, sondern auch einige fortschrittliche Männer so. 

Als Schülerin hatte ich in der 5. Klasse eine Mathematiklehrerin, die nicht verheiratet war. Sie war um die 60 und stets schwarz gekleidet, so als trauere sie um jemand. Wir mussten sie mit Fräulein ansprechen, nahmen das unreflektiert hin und das, obgleich alte Fräuleins in unserem Umfeld eine Seltenheit waren. 

Unverheiratet sein galt für viele Frauen lange als Makel. Es verunsicherte sie, weil sie ahnten, dass man sie als minderwertig einstufte. Ob unverheiratete, ältere Frauen mit guter Ausbildung wirklich entspannter mit ihrer Ehelosigkeit umgegangen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie hatten ja viele Probleme zu lösen. Bei der Wohnungssuche fing das schon an... Auf dem Heiratsmarkt galten ältere Fräuleins als Ladenhüter, egal, wie gebildet oder beruflich erfolgreich sie waren, sie blieben Außenseiterinnen. "Lieber eine junge Witwe als ein älteres Fräulein!" So das Credo vieler, sich lachend die Schenkel klopfenden Männer. Offenbar glaubten diese Männer, dass die Anrede über die Jahre hinweg Frauen schrullig, eigensinnig oder gar vertrocknet werden ließ. 

Wenn ein Fräulein schwanger wurde und nicht in den Hafen der Ehe einschwebte, hatte sie besonders schlechte Karten, denn ein Fräulein war natürlich kinderlos, ja sogar jungfräulich gedacht. Insofern hatte eine unverheiratete Mutter, den Begriff "Fräulein" entweiht, was verächtliche Blicke nach sich zog, nicht nur von Männern. So heirateten viele ungewollt Schwangere nur deshalb, um den verächtlichen Blicken zu entkommen.

Als 1972 aus dem Fräulein eine Frau wurde, durfte sie allerdings bis 1977 in der Bundesrepublik Deutschland immer noch nicht ohne Zustimmung des Ehemannes berufstätig sein. Sicherlich ist die ein oder andere dann doch lieber unverheiratet geblieben, jetzt, wo man sie nicht mehr so einfach als eheunwillig und freiheitsliebend enttarnen konnte und damit der Spießrutenlauf ein Ende hatte. 

Helga König

Sonntag, 8. Januar 2023

Sonntagskolumne Helga König: 8.1.2023

Helga König
Im Iran werden derzeit Menschen geköpft, weil sie gegen das dortige Terrorregime der Theokraten demonstrieren. Was gibt den Theokraten das Recht die Menschlichkeit so mit Füßen zu treten?  Gott? Ganz gewiss nicht. Bigotterie schätzt er nicht und das Töten missbilligt er bekanntermaßen. 

In der Ukraine gehen währenddessen die Lichter aus, Menschen werden zu Hauf gefoltert und ermordet, weil ein machtbesessener, unbelehrbarer Irrer den Bewohnern seinen Willen aufzwängen und sich ihr Land einverleiben möchte. Dabei entpuppt sich die russisch-orthodoxe Kirche als seine Propagandaabteilung. Gott hat sich zwischenzeitlich angewidert weggedreht. Warum? Weil er Bigotterie nicht schätzt und das Töten bekanntermaßen missbilligt. 

In China droht eine neue besorgniserregende Coronavirusvariante weiteres Unheil über die Menschheit zu bringen. Dort ist Gott schon lange für tot erklärt. Dort huldigt man besessen dem Mammon und der fordert jetzt seinen Tribut. Gott hat den Menschen einen freien Willen gegeben, lässt sie machen und selbst entscheiden, ob sie untergehen möchten oder nicht. Die chinesischen Machthaber wollen mit Gott würfeln, ihn so verhöhnen, doch Gott würfelt bekanntermaßen nicht. 

Nicht zu vergessen, Julian Assange. Er ist seit 10 Jahre bereits um seine die Freiheit beraubt, weil er Kriegsverbrechen der USA aufdeckte. Wenn Biden ein fairer Mensch sein will, sollte er nicht den Boten schlechter Nachrichten strafen, sondern die Täter, um glaubhaft die Menschenrechte zu würdigen.

Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Hungersnöte, Tod durch Hitze, Überflutung, Kriege, Verfolgungen von Minderheiten u.s.w. mehren sich. Die Gletscher schmelzen, die Bienen sterben und das Artensterben ist in vollem Gang. 

Klimaaktivsten werden als weitere Boten schlechter Nachrichten angeprangert, nicht zuletzt von Menschen einer Generation, die ihrem Ego immer neues Futter gegeben haben, damit es sich bis zum Platzen aufblasen konnte. Bloß kein Jota abgeben, lieber halb Afrika im Mittelmeer ersaufen lassen, so  die Devise der ewigen Gierhälse.

Der Erde und allem, was hier lebt auch in der Zukunft  eine Chance zu geben, bedeutet Schluss zu machen, mit allem, was nur wenigen nutzt und vielen schadet. 

Dies zu erkennen und entsprechend zu handeln, muss Aufgabe aller werden, -auch im Kleinen- selbst wenn dies jetzt noch illusorisch klingen mag. Es ist fünf vor zwölf! Das Argument sollte jeden überzeugen, der sein Hirn nicht versoffen hat.

Helga König

Sonntag, 27. März 2022

Sonntagskolumne Helga König, 27.3.2022

Fotonachweis:@Peine01

Die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" kämpfte einst gegen die Diktatur des Nationalsozialismus und deren geisteskranken Anführer Adolf Hitler. 

Eine "gelbe Rose" auf blauem Hintergrund lässt in diesen Zeiten sofort an die Nationalfarben der Ukraine denken und an den dortigen Widerstand gegen den erbarmungslosen Aggressor Putin. 

Soll die gelbe Rose auf dem Foto daran erinnern, dass es zwischen ihr und der weißen Rose einen Zusammenhang gibt? 

Ist die gelbe Rose als Mahnmal zu begreifen oder als Aufruf zum Widerstand, egal wo auf dieser Welt?

Weshalb, so fragte ich bei näherer Bildbetrachtung, sind im Umfeld der gelben Rose auf dem Foto keine Fußspuren zu erkennen? 

Hat die Fotografin diese vor dem Ablichten der symbolträchtigen Blume bewusst beseitigt? 

Hat sie die gelbe Rose in den Sand gesteckt, um diesem Stillleben, eine politische Bedeutung zu geben oder hat sich an diesem See gar ein Wunder zugetragen? 

Hat sich die Rose etwa materialisiert, weil so viele Menschen in der Stadt, die im Hintergrund des Sees zu vermuten ist, immerfort an das Leid der ukrainischen Bevölkerung denken, deren Schmerz erfühlen und sich gerade bewusst machen, dass Putins Krieg überall tobt, auch dort, wo derzeit noch keine Bomben fallen, jedoch die Angst davor tagtäglich lähmt? 

Die symbolische Bedeutung gelber Rosen ist sehr widersprüchlich. Sie mit Optimismus in Verbindung zu bringen, finde ich am angebrachtesten, gerade auch, was die Zukunft des widerständischen ukrainischen Volkes anbelangt. 

Wir alle haben vergessen, was es bedeutet, keine liberalen Grundrechte zu haben, weil sie für uns  selbstverständlich sind. Sie zu verlieren, bedeutet u. U., sich  mit einem Unrechtsregime arrangieren zu müssen oder aber verfolgt zu werden, allein schon, wenn man ein weißes Blatt Papier auf der Straße hochhält. Das haben wir in den letzten Wochen gelernt.

Erzählt wird: Wenn vor jedem Haus auf dieser Welt eine gelbe Rose erblüht, wird der Aggressor, der aus Vernunftgründen nicht "Schlächter" genannt werden soll, den Weg alles Irdischen gehen, weil die Macht der Gedanken dies möglich macht. Die Macht der Gedanken kann  Berge versetzen, auch das wird erzählt.

Helga König

Sonntag, 6. März 2022

Sonntagskolumne Helga König, 6.3.2022

Immer mehr Menschen fliehen aus dem Land, das Putin derzeit offenbar vollständig zu verwüsten beabsichtigt. 

Was hat er von einem solchen Landzuwachs und was von Menschen, die ihn für diesen Akt der Zerstörung für immer hassen und  verachten werden? 

Was hat er davon, wenn unzählige Frauen und Kinder qualvoll bei Bombenangriffen sterben? Was hat er von seiner Schlacht, die nichts anderes ist als ein Abschlachten der ukrainischen Bevölkerung?

Befriedigung? Ist es die sexuelle Befriedigung eines alten, impotenten Mannes?  Nein, die ist es nicht.

Dennoch: Putins Handlungen basieren eindeutig nicht auf Vernunft, sondern entspringen einer zutiefst gestörten Persönlichkeit. Wenn Putin an einem abartig langen Tisch einen Gast empfängt, so etwa vor Kurzem noch E. Macron oder O.Scholz, dann schafft er so Distanz zwischen sich und dem jeweiligen anderen, nicht um zu zeigen, wie mächtig er ist, -man lasse sich nicht täuschen- sondern weil er Angst hat und sein Gegenüber seine pausenlos zappelnden Füße und seinen fliehenden Blick nicht sehen soll. 

Wäre Putin so stark, wie er es gerne sein möchte, würde er gelassen mit seinen Gesprächspartnern an einem runden Tisch sitzen und könnte den Blicken seiner Gegenüber standhalten. Das kann er aber nicht.

Bei einer Zusammenkunft vor einigen Jahren mit Angela Merkel hatte er sogar seinen bissigen Hund dabei. Ähnlich wie bei dem langen Tisch ging es nicht um Einschüchterung seiner Gesprächspartnerin, sondern um seine Angst vor ihr. 

Wer frei von Angst ist, hat solche Inszenierungen nicht nötig!

Jeder Bürger in "seinem" Land- er glaubt ja Russland gehöre ihm persönlich-  soll sein Denken und Handeln abnicken, darf seine eigene Meinung- sofern sie von Putins abweicht- nicht öffentlich äußern, wird inhaftiert, möglicherweise sogar gefoltert, weil Putin weiß, dass er recht bald alle Privilegien verlieren würde, wenn in Russland durch Fakten offengelegt werden könnte, wie er tatsächlich tickt und was er auf dem Kerbholz hat. 

Putins Gesicht beweist seine Emotionslosigkeit für jeden sichtbar, doch seine Kälte wird leider nicht therapierbar sein. Er weiß ganz gewiss, dass ihm etwas fehlt, was notwendig ist, das andere Menschen ihn wirklich lieben, nämlich Wärme und Herzlichkeit- und möchte genau deshalb alle, die es haben, vernichten. 

Helga König

Sonntag, 28. November 2021

Sonntagskolumne Helga König: 28.11.2021

In den letzten Jahren wurde viel von Selbstliebe und leider zu wenig von Nächstenliebe gesprochen.

Selbstliebe wurde nicht selten der Legitimationsgrund für höchst egoistisches Verhalten, obschon damit eigentlich Selbstfürsorge gemeint ist, die im Gegensatz zum Egotrip der Nächstenliebe nicht im Wege steht, sondern diese vielmehr unterstützt. 

In Zeiten von #Corona, speziell in Monaten wie diesen, bedeutet Selbstfürsorge nicht zuletzt, sich möglichst nicht an Orten aufzuhalten, wo die Wahrscheinlichkeit an #Covid-19 zu erkranken, besonders hoch ist. 

Weihnachtsmärkte, Großveranstaltungen aller Art gilt es zu meiden, nicht nur seiner selbst wegen, sondern auch, um zu verhindern, dadurch andere mit dem Virus zu infizieren. Bewusste Selbstfürsorge  benötigt keine Verbote, sondern handelt aus Vernunft.

Die Nächstenliebe gebietet es, sich impfen zu lassen, primär der Alten, Kranken und Kinder wegen. Es kann nicht sein, dass über kurz oder lang Krankenhausärzte aufgrund von Betten- und Personalmangel darüber entscheiden müssen, welcher Schwerkranke medizinisch versorgt und welcher dem Tod übergeben wird, nur weil Impfgegner die Selbstfürsorge missverstehen und die Nächstenliebe nicht ernst genug nehmen. 

Jedes Mitglied einer Gesellschaft hat Rechte und Pflichten. Die Impfpflicht scheint mir eine angemessene Gegenleistung zum Recht auf medizinische Versorgung. Wer diese Pflicht als Zwang begreift, versteht die Grenzen von Freiheit in einer Demokratie nicht, die dort enden, wo das Recht auf Gesundheit und Leben eines anderen in Frage gestellt wird.

Zu glauben, das Virus könne einem nichts anhaben, ist nicht nur vermessen, sondern auch blauäugig. Wenn die Eindämmung des Virus einen Lock down erforderlich macht, dann sollte man nicht hadern, sondern unverzüglich handeln.

Die freiheitlichen Einschränkungen dienen in diesem Fall einem guten Zweck, das sollte jedem bewusst werden.

Gesundheit ist das höchste Gut. Wer dies bezweifelt, weiß nicht wie qualvoll Krankheit sein kann. Ideologische Bedenken sind  in der momentanen Notsituation unangebracht, wenn es um  staatlich verordnete Kontakteinschränkungen geht.

Helga König, 28.11.2021

Freitag, 19. Februar 2021

Die Büchner-Linde der Wählerinitiative BfR- Bürger für Riedstadt in der 1255 Jahre alten fränkischen Gemeinde Leeheim

"Nichts kommt einem doch teurer in der Welt zu stehen als die Humanität."
Georg Büchner (1813 - 1837). 

Kommentar Helga König: Daran hat sich wenig geändert. Humanität und Ethik und mit ihr die Fairness sind rote Tücher für neoliberale Zeitgenossen, denn sie hindern sie eindeutig daran, Kasse zu machen.

Heute vor 184 Jahren starb der Dichter, Mediziner und Revolutionär Georg Büchner in Zürich in der Schweiz im Alter von 23 Jahren. Seine Werke erlangten bekanntermaßen Weltruhm und doch wurde er zu seinen Lebzeiten seitens der Obrigkeit aufgrund seines Engagements gegen die Unterdrückung der Landbevölkerung und für die Durchsetzung der Menschenrechte verschmäht und verfolgt. 

Seine Biografie kann man auf Wikipedia in Kurzform nachlesen, deshalb möchte ich sie an dieser Stelle nicht abermals skizzieren. 

Die Büchnerstadt- Riedstadt und hier der Ortsteil Goddelau ist der Geburtsort Georg Büchners. Anlässlich seines Geburtstags ist ihm in den letzten Jahren gottlob ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Das allerdings war nicht immer so, denn  die  Intrigen und Verleumdungen gegen ihn wirkten Ewigkeiten nach.

Dass heute an seinem Todestag im Ortsteil Leeheim eine Büchner-Linde seitens der neu gegründeten Wählerinitiative BfR Bürger für Riedstadt gepflanzt wurde, lässt aufhorchen, denn sie weist auf das kulturelle aber auch sozialpolitische Verständnis dieser Gruppierung hin und deutet an, wo die Gruppierung sich angesiedelt sehen möchte, nämlich dort, wo demokratischen und damit fairen Vorstellungen die Ehre gegeben wird. 

Die Linde gilt als ein Symbol für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Heimat sowie als Platz der Gemeinschaft, lässt uns die Georg-August-Universität Göttingen wissen und merkt an, dass Martin Luther einst schrieb: "Wenn wir Reuter sehen unter der Linden halten, wäre das ein Zeichen des Friedens. Denn unter der Linde pflegen wir zu trinken, tanzen, fröhlich sein, denn die Linde ist unser Friede- und Freudebaum." (Laudert 2003) 

Die Wählerinitiative BfR – Bürger für Riedstadt hat demnach ganz bewusst eine Linde an Büchners Todestag in der 1255 Jahre alten Gemeinde Leeheim (der älteste Teil der Büchnerstadt)  gepflanzt und den Gedanken des Humanisten neues Leben eingehaucht. 

Möge der Geist Büchners in Riedstadt dafür sorgen, dass Fairness im Hier und Heute und in der Zukunft das oberste Gebot politischer Entscheidungen verkörpert und man genau abwägt, worin das Wohl aller Bürger besteht.

Danke den Aktivisten der BfR für dieses gesetzte Zeichen und dem damit einhergehenden Friedenssymbol.

Text: Helga König




Sonntag, 7. Februar 2021

Sonntagskolumne Helga König, 7.2.2021

"Immer das Schwerste: Ankommen; bei sich selbst", twitterte #miku dieser Tage.
 
Weshalb ist dies so schwer, fragte ich mich spontan. Hängt dies mit mangelnder Selbstliebe zusammen oder mit dem Gefühl nicht o.k. zu sein? Vor allen Dingen, wodurch wird ein solches Gefühl ausgelöst?

Wertschätzung seiner eigenen Person setzt voraus, dass das Selbstwertgefühl nicht brüchig ist. Erste Risse können bereits in der Kindheit entstehen, wenn Lob und Tadel im Ungleichgewicht sind.

Ankommen bei sich selbst, bedeutet seine Begabungen zu erkennen und sie zu nutzen. Doch es bedeutet auch zu akzeptieren, dass man nicht von allen geliebt werden kann und es nicht gut ist, wenn man Dinge tut, nur um anderen zu gefallen, aber nicht weil sie dem eigenen Empfinden oder Denken entsprechen. 

Das eigene Empfinden oder Denken zu erforschen, ist eine Grundvoraussetzung, um irgendwann bei sich selbst anzukommen und zu hinterfragen, was man tatsächlich braucht, um glücklich zu sein, vor allem seinem Leben Sinn zu geben. 

Bei sich selbst anzukommen, heißt auch, sich mit seinen Schattenseiten auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass man diese nicht dadurch behebt, indem man sie anderen zuordnet. Sündenböcke helfen uns nicht bei der Reise zu uns selbst.

Ankommen bei sich selbst, erfordert ohne Ausreden auszukommen und nicht selten schmerzvoll, sich seiner Luftschlösser zu stellen, sie zu belächeln und als vielleicht notwendige Erfahrungen auf dem Weg zu sich selbst zu akzeptieren. 

Wer bei sich selbst ankommen möchte, für den wird Authentizität wichtig und nicht zuletzt auch gerade deshalb können Lebenslügen nicht mehr akzeptiert werden. Wer Lebenslügen nicht mehr akzeptiert, verändert seinen Blickwinkel, verändert sich und nicht selten das Umfeld, in dem er leben möchte. 

Bei sich ankommen heißt mithin auch, keine faulen Kompromisse mehr einzugehen, bedeutet fair zu sich und zu anderen zu sein, denn wer bei sich ankommen möchte, will entspannt in den Spiegel schauen können. Wie könnte er das, wenn er unfair wäre?

Wer bei sich angekommen ist, stellt keine Erwartungshaltungen mehr an Dritte, sondern lebt selbstgenügsam sein Leben, ohne sich mit anderen zu vergleichen. Das Du ist nicht Konkurrenz, das aus dem Feld geschlagen werden soll, sondern eine Bereicherung des eigenen Horizontes. 

Ankommen bei sich selbst heißt zunächst: Mut zur Wandlung. Mut zu haben, ist für Ängstliche natürlich kein Spaziergang, doch die Angst zu überwinden wird belohnt. Womit? Mit der Freiheit, seine Begabungen entfalten zu können und mit dem Glück endlich  man selbst zu sein.

Helga König

Sonntag, 28. Juni 2020

Sonntagskolumne, Helga König, 28.6.2020

"Wäre ein Leben ohne Kultur langfristig lebenswert? Was ist Kultur überhaupt? Seit es den Menschen gibt, hat er sich sprachlich, künstlerisch und musisch auf seine Umwelt bezogen. Braucht man also Auseinandersetzung mit Kunst, Musik, Theater, Literatur & Film auch als Gesellschaft?" 

Diese Fragen twitterte die Künstlerin Ana Schönsteiner letzte Woche. 

Wikipedia lässt seine Leser wissen: "Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt – im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. 

Nach der weiter gefassten Definition sind Kulturleistungen alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, beispielsweise in Technik, Landwirtschaft, Essenszubereitung oder bildender Kunst, aber auch geistige Gebilde (etwa die cultura animi „Geisteskultur“ bei Cicero) oder Subkulturen“[1] wie Musik, Sprachen, Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaften."*

Wäre ein Leben ohne all dies langfristig lebenswert? Offenbar nicht, denn ansonsten hätte der Mensch seine kulturellen Leistungen im Laufe der Geschichte nicht verfeinert bzw. verbessert, sondern hätte sich stattdessen vorsteinzeitmäßig mit dem, was er in der Natur vorfand, phlegmatisch zufrieden gegeben. 

Schon früh begannen sich unsere Urahnen künstlerisch zu betätigten. Höhlenmalereien und kleine Figuren waren die ersten kulturellen, künstlerischen Ergebnisse dieser Art. Ob man sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Werken Einzelner in der Gesellschaft auseinandergesetzt hat, lässt sich nur vermuten. Doch die Tatsache, dass die künstlerischen Produkte zumindest handwerklich immer perfekter wurden, deutet darauf hin, dass eine solche Auseinandersetzung schon sehr früh stattfand. 

Die Renaissance, lange Zeit danach, war vermutlich der Zenit in der kulturellen Weiterentwicklung der Malerei, auch der Bildhauerei, während es in der Barockzeit, um den Zenit in der Religion aber auch um die kulturelle Weiterentwicklung der Essenszubereitung ging. Die Kultivierung der leiblichen Genüsse in Zeiten der Glaubenskriege beruhte  gewiss auf dem Bewusstsein,  immer ganz nah dem Tode zu leben. Viele Gemälde aus jenen Tagen, deren Motive opulent gedeckte Tische zeigen, verfügen über einen Totenschädel, um daran zu erinnern, wie vergänglich alles ist. 

Es gab eine Zeit, in der die Poesie, ich denke an Friedrich Schiller  und sein Gedicht "An die Freude", auf dem Zenit stand und eine andere, in der hervorragende Prosa alles andere überstrahlte. 

Weshalb sich der Fokus vieler, in einem bestimmtem Zeitfenster auf die Vervollkommnung einer ganz speziellen kulturellen Leistung legte, hängt wohl damit zusammen, dass bestimmte gesellschaftliche Bedingungen, die Interessen Einzelner gezielt beeinflussen. 

Goethe, Schiller, Beethoven, die ganz Großen im Klassizismus, haben kein ebenbürtiges Pendant in der Malerei in ihrer Zeit. Vielleicht war die Gesellschaft  überfordert mit all dem, womit sie sich  durch diese Genies kulturell auseinanderzusetzen hatte.

Die Klaviermusik der Romantik dann, durch die Kompositionen von Franz Schubert zum Höhepunkt gebracht, lässt die unsäglichen Kriege Napoleons vergessen. 

Heinrich Heine, der Dichter der Romantik, überwand diese und wurde zum kritischsten, politisch engagierten Kopf seiner Zeit. Ach ja, Georg Büchner… Er konnte nur im Vormärz seine kulturellen Leistungen entwickeln. Kein Zufall, dass er so früh verstarb...

Die industrielle Revolution brachte unendlich viele technisch- kulturelle Leistungen hervor. Musik, Malerei und Literatur waren nun ein fast untergeordnete Themen. Doch dann kam das Jahrhundert der Sprache und mit ihr die Dauermanipulation durch sie.  So gab es Thomas Mann und sein Werk "Der Tod in Venedig"  aber es gab auch  Goebbels und seine Rede  "Wollt ihr den totalen Krieg?".

Eine bemerkenswerte kulturelle Leistung war die Entwicklung tragbarer Mode für die Damenwelt nach dem 1. Weltkrieg und dem Untergang der Ständegesellschaft. Deren Untergang  führte zu einem erneuten Schub in der Kunst, deren Fesseln leider nur bis 1933 gelöst waren. 

Kulturelle Entwicklung, deren Voraussetzung hohe Kreativität ist, benötigt Freiheit. Ohne diese verkümmert sie.

Rockbands der späten 1960er und frühen 1970er Jahre befruchteten sich gegenseitig und mit ihren Texten eine ganze Generation junger Menschen, die gegen die weißgewaschenen Nazis rebellierten, die immer noch allerorten für Unheil sorgten, ganz besonders in den eigenen Familien, wo sie ihren Despotismus oft bis zu ihrem Tode auslebten. 

Mit dem Neoliberalismus kam die aalglatte Fläche, kam Jeff Koons, kam der Höhepunkt des Egoismus und Narzissmus- dies allerdings sind keine kulturellen Leistungen, sondern ihr Gegenteil. NIcht zu vergessen mit dem Neoliberalismus kam das Aus für die ethische Weiterentwicklung der Gesellschaft. 

Wohin das führte, sehen wir heute in Zeiten des Klimawandels. Corona  allerdings könnte der Antrieb für einen kulturellen Schub im Bereich der Ethik sein. Überdenken, was wirklich notwendig ist, der Vermüllung Einhalt zu gebieten, auch im Netz, darum geht es. Nicht weitermachen wie bisher! Ethik zum gesellschaftlichen Thema  Nr. 1 machen! Das Zeitfenster  für all das ist derzeit offen...

Helga König

* Wikipedia: Kultur

Montag, 1. Juni 2020

Sonntagskolumne: Helga König, 1.6.2020

"Wer die freiesten und mit Abstand glücklichsten Menschen sind? Die Neidlosen." (Tweet, 31.5.2020)

Nachdem ich gestern obigen Tweet verfasst und gepostet hatte, wurde er vielfach gelikt, zudem erstaunlich oft verlinkt und kommentiert. Grund genug, heute eine Kolumne dazu zu verfassen...

Wikipedia* definiert Neid als "den Wunsch der neidenden Person, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen."

Dieser Wunsch kann dazu führen, dass der Neider sich durch Leistung bemüht, der beneideten Person gleich zu tun oder sie gar zu überflügeln, ohne ihr durch Hinterhältigkeit schaden zu wollen. Wirklich glücklich macht ein solches Verhalten gewiss nicht, weil der Neider im ständigen Vergleich lebt und an der Eigenleistung nur Freude empfinden kann, wenn sie auf "Augenhöhe" der Leistung der beneideten Person angesiedelt oder gar besser, schöner bzw. größer ist. 

Neider, die den Wunsch haben, selbst über mindestens als gleichwertig empfundene Güter (materieller oder nichtmaterieller Art) wie die beneidete Person zu verfügen, ohne dafür etwas leisten zu wollen, werden zumeist missgünstig und hinterhältig. Man trifft diese Spezies in allen Gesellschaftschichten an und entlarvt sie, wenn man sich länger mit ihnen befasst, von ihrem Grundmuster her sehr bald als Narzissten, denen man besser aus dem Weg geht, sofern dies möglich, weil Ärger stets vorprogrammiert ist. 

Neider können grundsätzlich andere nicht loben oder Dinge bewundern, ohne sie besitzen zu wollen. Wenn sie etwas schön finden, dass sie nicht in ihren Besitz bringen können, wird es schlechtgeredet oder bewusst nicht zur Kenntnis genommen. 

Ich kannte sehr wohlhabende Menschen, deren Neid auf jeden und alles sich von Jahr zu Jahr steigerte und die selbst wenig begüterten den letzten silbernen Löffel neideten, kannte schöne Frauen, die jüngeren, selbst hässlichen, ihre Jugend neideten, haltlose Dicke, die den disziplinierten Schlanken ihre Figur neideten und diesen deshalb Schaden zufügten, kannte biestige Gertenschlanke, die fröhlichen Dicken, ihre Heiterkeit neideten, kannte nicht wenige, die anderes nicht gelten lassen konnten, kannte Väter, die ihren Söhnen die Intellektualität, Mütter, die ihren Töchtern die bessere Ausbildung neideten und ihre Kinder deshalb zu hassen begannen, kannte sogar Neider, deren ganzen Leben darin bestand, anderen Böses zuzufügen. 

Neid führt, je mehr er sich steigert zu Hass und dieser nicht selten zu Gräueltaten, was der Neid der Nazis auf die Juden erschreckend dokumentiert.

Missgünstige Neider, schlimme Intriganten zumeist, können, was nicht verwunderlich ist, nicht lachen. Das Hässliche ihres Verhaltens, verzerrt im Laufe der Jahre ihre Gesichtszüge und lässt den Körper verspannt erscheinen. 

Je narzisstischer unsere Gesellschaft, eine Begleiterscheinung des Neoliberalismus, geworden ist, je mehr man aufs Haben und je weniger man aufs Sein setzte, umso stärker entwickelte sich der Neid in der Gesellschaft, der wie ein Spaltpilz allerorten wirkt. 

Neid lässt die Menschen unzufrieden und unglücklich werden, wirft sie auf sich selbst zurück und macht es unmöglich, sich auf die eigenen Begabungen- jeder hat welche-  zu konzentrieren, weil der scheele Blick immer nur auf das vermeintlich Bessere, Schönere oder Größere des anderen gerichtet ist, das den Neider kurzatmig werden und innerlich verkümmern lässt, ihm schließlich das nimmt, was den Menschen glücklich macht, dieses:

             Mer muss och jünne künne.


 Helga König

*Wikipedia: Neid