Der Versuch den Fernsehfilm "Mozart/Mozart" mit dem amerikanischen Spielfilm "Amadeus" zu vergleichen, kann nicht glücken, da "Mozart/Mozart" weitaus subtiler angelegt ist und sich auf einer Metaebene mit dem Genie Mozart, den Fake-News vergangener Zeiten, der Benachteiligung fähiger Frauen damals und den generellen Absurditäten des Rokoko auseinandersetzt.
Am Beispiel der französischen Königin Marie Antoinette wird das damalige Vorurteil ihr gegenüber filmisch sehr gut dargestellt. Es wird auf den Punkt gebracht, weshalb sie später in Frankreich auf dem Schafott landete. Sie war ein Opfer von Fake-News, von unhaltbaren, unters Volk gebrachten Vorurteilen.
Die Affäre mit Mozart gab es natürlich nicht. Marie Antoinette als hemmungslos und luxusgierig zu präsentieren, war Zeitgeist im vorrevolutionären Rokoko. Die Habsburgerin wurde auf dem Tisch der französischen Revolution stigmatisiert, um ihr dann den Prozess machen zu können. Sie auf Mozarts Cembalo masturbierend zu zeigen, ist ein spitzfindiger Fake, der selbst die härtesten Gegner ihrer Zeit hätten nachdenklich stimmen müssen. Doch wer glauben will, glaubt alles.
Sehr gut wurden die optischen Absurditäten des Rokoko gezeigt, die Perücken, der gesamte Popanz, der den Fortschritt zunächst verhinderte und ihm letztlich zum Durchbruch verhalf.
Die Frauen um Mozart, allesamt sehr fähig, ihrer Zeit voraus, wenn auch nicht genial... Mozart selbst, das Genie, ausgeflippt, unverstanden von allen Spießern, die seine innere Freiheit, die Voraussetzung für seine Genialität war, nicht begreifen konnten.
Der geniale Künstler ist stets zeitlos, ist im Besitz der Sphärenklänge, spielt mit ihnen in allen Epochen, kann sich niemals ein- oder unterordnen, weil er sonst sein Genialität an die Götter zurückgeben muss. Das wussten die alten Griechen bereits, Mozart wusste es auch.
Während Mozart spielt, verwandelt er sich in andere, vielleicht auch in Jimmy Page als er gerade "Stairway to Heaven" komponiert hatte. Fast scheint es so. Und während er die "Kleine Nachtmusik" innerlich bereits dem Gestern zuordnet, tanzt er für Momente, die Zeiten überfliegend, zu den Klängen von "Whole Lotta Love" und zwinkert dabei seiner Constanze, nicht aber Marie Antoinette zu. Groupies sind keine Musen! Doch Mozart braucht eine Muse, wenn er sich in seinen Sphären aufhält und Musik vom Himmel holt.
Helga König

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