Impressum

Das Impressum finden Sie auf der Hauptseite von "Buch, Kultur und Lifestyle- Das Magazin für den anspruchsvollen Leser" wwww.rezensionen.co

Montag, 26. Januar 2026

Sonntagskolumne Helga König, 25.1.2026

In Deutschland sind etwa 67 % der Männer und 53 % der Frauen übergewichtig (BMI ≥25), wobei ca. ein Viertel der Erwachsenen als adipös (BMI ≥30) gilt. Die Zahlen steigen seit Jahren, speziell bei Männern. Das konnte man letzte Woche den Nachrichten entnehmen und kann es bei Google auch nachlesen. 

Übergewicht führt zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten, wie Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Fettleber, Bluthochdruck (Hypertonie), koronare Herzkrankheit, etc., etc. Das dürfte zwischenzeitlich fast jedem bekannt sein. 

Manchen dämmert, dass diese Tatsache die Krankenkassen sehr belastet und hier in der Folge speziell jene Beitragszahler, die sich gesundheitsbewusst ernähren, auf ihre Figur achten und Sport treiben. Sie werden unfairerweise immer heftiger zur Kasse gebeten. So will es die Solidargemeinschaft. Gerecht ist das nicht. Deshalb muss das System dringend verändert werden. Doch die zuständigen Politiker zieren sich, wie anzunehmen, nicht zuletzt der Lobby wegen. 

Die Pharma- und die Lebensmittelindustrie sind vermutlich an einer Systemveränderung nicht interessiert. Die Werbung verdeutlicht dies tagtäglich. 

Gerade am Samstag fand ich wieder unerbetene Werbung der hiesigen Discounter im Briefkasten vor. Lidl und Aldi sind diesmal auf dem  "American Trip" und stehen sich in Anbieten von krankmachender Fastfood-Kost in nichts nach. Transfette soweit das Auge reicht, dazu noch alkoholische Mixgetränke, American Brownies und Soft-Ice, American Pancakes, Erdnussbutter, Ahornsirup, kurzum Zuckerbomben, reines Gift für die Gesundheit.

Was soll diese Anbiederung an amerikanische Essgewohnheiten? Soll das eine Verbeugung vor Trump werden? 

Wem will man diesen Industriemüll andrehen? Den Zuckersüchtigen?

Wäre es nicht sinnstiftender mediterrane Esskultur zu vermarkten, wo diese einfach gesünder ist und den Zivilisationskrankheiten ein Schnippchen schlägt? 

Den Amerikanern nachzueifern, erweist sich bekanntermaßen in vieler Hinsicht als unklug. Auch in Sachen Ernährung gilt, regionale Produkte zu bevorzugen, möglichst mediterran zu kochen und den amerikanischen Zucker-und Mayo-Bomben die rote Karte zu zeigen.

Helga König


Samstag, 3. Januar 2026

Sonntagskolumne: Helga König, 4.1.2026

Es gibt genügend Themen, womit man sich zu Jahresbeginn in einer Kolumne befassen könnte. Mich berühren der Tod und die Schwerstverletzungen der vielen Jugendlichen durch das Inferno in einer Schweizer Bar im Nobel-Skiort Crans- Montana derzeit am meisten. 

Nicht aus Sensationsgier, sondern um zu analysieren, wie es zu einem solchen Unglück kommen konnte, las ich diverse Artikel in den Medien und sah mir auf FOCUS- online auch Videos an. 

FOCUS schreibt zu einem der Videos: "In den sozialen Medien kursiert am Freitag ein neues Video aus der "Le Constellation"-Bar. Darauf ist zu sehen, wie die Decke bereits lichterloh brennt, Funken sprühen und etwas tropft von der Decke. Die Partygäste drumherum animiert das augenscheinlich allerdings nicht dazu, die Flucht anzutreten. Im Gegenteil - gleich mehrere Gäste filmen die Situation und singen und tanzen weiter."

Warum flüchteten die Teenager nicht, während die Decke bereits lichterloh brannte? Warum funktionierte ihr Fluchtinstinkt nicht? Warum tanzten sie stattdessen oder filmten den Brand? 

Begriffen sie die Gefahr nicht? Woher kommt diese vermutliche Wahrnehmungsstörung bei so vielen? Ist dies das Ergebnis ihres vermutlich täglichen Agierens im Internet? Konnten diese junge Menschen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden? Oder vertrauten sie darauf, dass die Feuerwehr den Brand noch rechtzeitig löscht? Fehlte ihnen, selbst bei Gefahr, die Eigeninitiative? 

Spielten Alkohol und Drogen eine Rolle? Oder war es der naive Glauben, dass der Deckenbrand Teil der Silvestershow war? 

Offenbar war dem Ordnungsamt nicht unbekannt, dass in der Bar mit offenem Feuer auf Champagnerflaschen hantiert wurde. Warum hat man den Irrsinn nicht untersagt?

Der Notausgang war, wie man liest, versperrt, die Treppe zu schmal. Die Gründe kann man sich denken. Die Preise für den Event mit teuerstem Champagner lassen sich im Internet leider nicht mehr ermitteln...

Doch weshalb hat keiner im Vorfeld gefragt, was passiert eigentlich in diesem Verlies, wenn ein Unglück geschieht? Gibt es für die vielen Gäste ein Entkommen?

Wie desinteressiert sind Erwachsene, wenn sie diese Frage nicht stellen? Konkret die Betreiber, die Leute vom Ordnungsamt, die Eltern dieser Teenager? 

Ein 55 jähriger Ortsansässiger hat offenbar 20 Jugendliche gerettet, auch ein Münchener Student rettete einige Eingeschlossene noch rechtzeitig. Beide Männer setzten ihr Leben aufs Spiel, während verantwortliche Erwachsene aus unterschiedlichen Gründen restlos versagten, doch diese beiden Retter einfach bewundernswert  handelten. Welch ein Segen, dass es solche helfenden Hände noch gibt!

Für die Toten kann man nur noch beten. Die schwerverletzten Überlebenden werden ihres Lebens nicht mehr froh. Auch für sie gilt es zu beten, dass ihr weiteres Leben nicht zur Hölle wird.

Was muss getan werden? Schluss mit dem Feuerwerksspektakel nicht nur in Crans-Montana, sondern überall!

Sonntag, 21. Dezember 2025

Sonntagskolumne Helga König, 21. Dez.2025

Heute Morgen habe ich auf Twitter einige Tweets verlinkt, die Bilder und kleine Filmsequenzen von Stonehenge /GB zeigen und zwar von den heutigen Wintersonnenwendfeierlichkeiten. 8000 Menschen sollen dort den Sonnenaufgang des kürzesten Tages eingeläutet haben und zwar mit Tanz, Trommeln und mystischer Stimmung, wie die WELT heute berichtet hat. 

Die alte Kultstätte unweit von Salisbury habe ich vor vielen Jahren als Zwanzigjährige während eines Englandaufenthaltes aufgesucht und fühlte mich geradezu magisch angezogen von der Atmosphäre dort.
Ich habe in all den Jahren danach keinen Ort kennengelernt, der diese Ausstrahlung hat, außer vielleicht "Les Baux-de-Provence", denn auch dieser Ort verfügt über eine gewisse Magie, speziell wenn man ihn im Winter aufsucht. 

Stonehenge, ein Megalith-Bauwerk der Jungstenzeit, soll lt. Wikipedia vor vermutlich etwa 3000 v.Chr. in mehreren nach und nach aufeinander folgenden Versionen errichtet worden sein und wurde vor 1400 v. Chr. aufgegeben. Vieles liegt im Dunkeln. 

Ausgrabungen deuten darauf hin, dass die Anlage als Bestattungsanlage, aber primär als Kultstätte für die Sonnenanbetung diente. Vielleicht war es auch ein Heilzentrum, denn den Blausteinen, aus denen der Steinkreis besteht, wird in vielen Kulturen eine heilende Wirkung zugeschrieben. 

Es gibt noch andere Vermutungen im Hinblick auf die Bedeutung von Stonehenge. Ich möchte sie hier nicht alle benennen Seit 1986 zählt die Kultstätte übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Gedanke des britischen Archäologen Mike Parker Pearson, dass Stonehenge als Symbol des Friedens und der Einheit errichtet worden sei, schließe ich mich gerne an. Genau das nämlich strahlt der Ort aus.

An diese Stätte zu pilgern, um den Weltfrieden zu erbitten, ist eine Vorstellung, der ich mich nicht entziehen mag. Ich weiß allerdings nicht, wie viele Tauben gen Himmel fliegen müssten, bis sich dort einer erbarmt, nach allem, was ein Teil der Menschheit derzeit täglich an unsäglich Bösem verbricht.  

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Anstatt einer Kolumne: Helga König, 18.12.25 - Kurze Bemerkungen zu dem Fernsehfilm "Mozart/Mozart" von dieser Woche

Der Versuch den Fernsehfilm "Mozart/Mozart" mit dem amerikanischen Spielfilm "Amadeus" zu vergleichen, kann nicht glücken, da "Mozart/Mozart" weitaus subtiler angelegt ist und sich auf einer Metaebene mit dem Genie Mozart, den Fake-News vergangener Zeiten, der Benachteiligung fähiger Frauen damals und den generellen Absurditäten des Rokoko auseinandersetzt. 

Am Beispiel der französischen Königin Marie Antoinette wird das damalige Vorurteil ihr gegenüber filmisch sehr gut dargestellt. Es wird auf den Punkt gebracht, weshalb sie später in Frankreich auf dem Schafott landete. Sie war ein Opfer von Fake-News, von unhaltbaren, unters Volk gebrachten Vorurteilen. 

Die Affäre mit Mozart gab es natürlich nicht. Marie Antoinette als hemmungslos und luxusgierig zu präsentieren, war Zeitgeist im vorrevolutionären Rokoko. Die Habsburgerin wurde auf dem Tisch der französischen Revolution stigmatisiert, um ihr dann den Prozess machen zu können. Sie auf Mozarts Cembalo masturbierend zu zeigen, ist ein spitzfindiger Fake, der selbst die härtesten Gegner ihrer Zeit hätten nachdenklich stimmen müssen. Doch wer glauben will, glaubt alles. 

Sehr gut wurden die optischen Absurditäten des Rokoko gezeigt, die Perücken, der gesamte Popanz, der den Fortschritt zunächst verhinderte und ihm letztlich zum Durchbruch verhalf. 

Die Frauen um Mozart, allesamt sehr fähig, ihrer Zeit voraus, wenn auch nicht genial... Mozart selbst, das Genie, ausgeflippt, unverstanden von allen Spießern, die seine innere Freiheit, die Voraussetzung für seine Genialität war, nicht begreifen konnten. 

Der geniale Künstler ist stets zeitlos, ist im Besitz der Sphärenklänge, spielt mit ihnen in allen Epochen, kann sich niemals ein- oder unterordnen, weil er sonst sein Genialität an die Götter zurückgeben muss. Das wussten die alten Griechen bereits, Mozart wusste es auch. 

Während Mozart spielt, verwandelt er sich in andere, vielleicht auch in Jimmy Page als er gerade "Stairway to Heaven" komponiert hatte. Fast scheint es so. Und während Amadeus die "Kleine Nachtmusik" innerlich bereits dem Gestern zuordnet, tanzt er für Momente, die Zeiten überfliegend, zu den Klängen von "Whole Lotta Love" und zwinkert dabei seiner Constanze, nicht aber Marie Antoinette zu. Groupies sind keine Musen! Doch Mozart braucht eine Muse, wenn er sich in seinen Sphären aufhält und Musik vom Himmel holt. 

 Helga König

Samstag, 6. Dezember 2025

Sonntagskolumne Helga König, 7.12.2025

Die Grundsteuer ist keine Schuldentilgungssteuer für eine Gemeinde. Sie endlos erhöhen zu wollen, zeigt, dass Dilettanten oder Gierhälse am Werk sind. 

Was man derzeit hier und auch im näheren Umfeld erlebt, ist eine fortdauernde Anhebung der Grundsteuer, sowohl der Grundsteuer B als auch zwischenzeitlich C, um so die Gartenbesitzer zu schröpfen und die Gemeinden immer flächendeckender versiegeln zu können. 

Wer einen größeren Garten hat, soll Eigentumswohnungen bauen oder den Garten veräußern, damit andere investieren können. Wer diese anderen sind? Das gilt es zu recherchieren. Ich vermute, die üblichen Verdächtigen, die kleinen Schlaumeier am Tisch des Herren halt. 

Es herrscht in der Obrigkeit die Hoffnung, dass mehr Einwohner mehr Steuereinnahmen erbringen. Hochverschuldet, wie die eine oder andere Gemeinde ist, sieht man in naher Zukunft durch diese Maßnahme nun Manna vom Himmel regnen. 

Man vergisst dabei, dass mehr Einwohner unsägliche Kosten nach sich ziehen, so etwa durch mehr Kindergärten plus Personal, mehr Schulen plus Personal, zusätzliche Straßen, Strom-, Wasser- und Kanal-Leitungen, teures Verwaltungspersonal etc. etc. Das alles wird verdrängt. Hauptsache man kann die Bürger zur Kasse bitten und die Grundsteuer endlos erhöhen, bis sie Schnappatmung bekommen und ihre Grundstücke der Gemeinde großzügig verschenken. 

Das wäre dann wohl der anvisierte Idealzustand für die Obrigkeit, die ihm Gegenzug ihrem Fußvolk am Schenkungsabend die üblichen Ehrennadeln ans Revers stecken könnte, um ihnen das Gefühl zu geben, trotz allem wer zu sein, z.B. ein nützlicher Idiot. 

Dass alte Bauerngärten oder besser noch naturnah angelegte Gärten im Klimawandel notwendiger denn je sind und unversiegelte Flächen bei Starkregung viel Unheil verhindern können, sollte doch allmählich selbst den krassesten Ignoranten einleuchten. Daraus muss man logische Schlüsse ziehen. Ignoranten wollen das natürlich nicht, weil Habsucht und nicht Vernunft ihr Ding ist.

Dass naturnah angelegte Gärten ein Paradies für Bienen, Insekten und Vögel sind, kann man nicht oft genug wiederholen, wie auch, dass wir alle verpflichtet sind, gegen das Artensterben tatkräftig etwas zu tun. Versiegeln heißt die Antwort nicht! 

Anstelle Gartenbesitzer, die viel Zeit, Arbeit und Geld in ihre Gärten investieren, zu schröpfen bis Blut kommt, sollte man ihr Engagement für die Mitmenschen als auch für Fauna und Flora wertschätzen und stattdessen jene zur Kasse bitten, die jeden Millimeter ihres Grundbesitzes versiegelt haben, um ihren Fuhrpark darauf ab zuparken. 

Besser aber noch wäre ernsthaft zu sparen und den Bürger nicht ständig mit unmäßigen Forderungen zu belästigen. 

Man muss nicht alles haben wollen, was man sieht. 

Samstag, 8. November 2025

Sonntagskolumne Helga König, 9. November 2025

Der Tagesschau vom 7.11.25 war zu entnehmen, dass Mobbing fester Bestandteil unserer Gesellschaft sei. Dabei sei allein beim Cybermobbing von mehr als 7,2 Millionen Opfern auszugehen. Diese Zahl lässt aufhorchen. Wie krank sind all die Täter? Wie krank ist die Gesellschaft?

Wie man im Internet erfährt, gelten als Mobbing "systematische, gezielte und wiederholte Angriffe, Schikanen oder Diskriminierungen über einen längeren Zeitraum hinweg, die darauf abzielen, ein Opfer zu isolieren, zu erniedrigen oder auszugrenzen. Dies kann durch verbale oder nonverbale Handlungen wie Beschimpfungen, Gerüchte, Ausgrenzung, gezieltes Ignorieren, Bloßstellung oder körperliche Gewalt geschehen. Wichtig für das Vorliegen von Mobbing sind die Systematik, die Wiederholung, die Dauer und eine bestehende Unterlegenheit des Opfers gegenüber den Tätern."

Von 2007 bis 2014  wurde ich auf der Amazon-Rezensentenplattform massiv gemobbt. Ziel war es durch Diffamierung, Beschimpfungen und verbale Bedrohungen, nächtliche Massenabklicks der Rezensionen und schlussendlich, das nächtliche Verschwindenlassen von 5000 Rezensionen in einem Zeitraum von 4 Wochen, mich aus der Rangliste zu entfernen und mundtot zu machen. 

Amazon war nicht in der Lage, der Schweinerei Einhalt zu gebieten, obschon man sich dort seitens der Hauptverwaltung wirklich bemühte, dem irren nächtlichen Treiben ein Ende zu setzen. 

Acht Jahre lang war ich in den Top-Ten gelistet und weiß bis heute nicht, wer damals, wie besessen agierte, um mich gezielt auszugrenzen. Zwischenzeitlich bin ich an der Aufklärung des Falls nicht mehr interessiert.

Dass Mobbing krank macht, kann ich bestätigen, denn ich litt 2014 aufgrund der nächtlichen Attacken an einer schweren, sehr schmerzhaften Gürtelrose. Mein Arzt riet mir, mich dem Stress auf Amazon nicht mehr auszusetzen. Er hat mich klug beraten. 

Was einem klar sein muss: Neid, Missgunst oder auch unmotivierte, reine Boshaftigkeit sind wesentliche Antriebfedern für Mobbing. Ausgeglichene, in sich ruhende Personen mobben nicht. 

Im Grunde sind es arme Kreaturen, die ihre Persönlichkeitstörungen im Dunkel des Internets auszuleben trachten. 

Das Problem ist der Stress, dem Gemobbte ausgesetzt sind und der nicht selten die Betroffenen krank macht. Für Kinder und Jugendliche bedarf es eines besonderen Schutzes, um durch miese Täter nicht traumatisiert zu werden.  

Da von Mobbern weder Vernunft noch Einsicht zu erwarten ist, halte ich gezielte Strafverfolgung in allen Fällen für dringend erforderlich. Mobber richten stets Unheil an, weil sie, wo auch immer, das Miteinander empfindlich stören oder gar zerstören.  



Sonntag, 19. Oktober 2025

Sonntagskolumne Helga König, 19.10.25

"Was ist besser, gut sein oder gut handeln?" (#Kleist *18.10.1777) 

Das obige Zitat des Dichters Heinrich von Kleist regt zum Nachdenken an. Was bezweckte er mit dieser Frage? Steht es uns Menschen überhaupt an, zu werten? Wann ist ein Mensch gut? Doch dann, wenn er nach ethischen Gesichtspunkten handelt, Vernunft und Mitgefühl sein Tun bestimmen, oder? 

Ich habe heute Morgen, bei einer Tasse Tee- noch in meinem Bett-, einen Text von Rainer Maria Schießler gelesen, der darin von seinen Eltern, speziell von seinem Vater berichtet, dessen Haltung ihn stark beeinflusst hat. Dieser Vater hat von früher Jugend an, sich gegen das Hitlerregime positioniert, wurde angefeindet, von seinen eigenen Eltern denunziert und hat, wie durch ein Wunder, die Nazi-Zeit und mit ihr den Krieg überlebt. 

Auch seine Mutter verließ den Pfad des Gutseins während der NS-Zeit und danach nicht. 

Schießler verdeutlicht in seinem Text, dass seine Eltern, die sich in den 1950er Jahren kennenlernten, dem Leben gedient und Leid im Vertrauen auf das Gute ertragen hätten. Sie hätten das Leben neu aufgerichtet und alle Liebe ihres Herzens gegeben. 

Diese beiden Menschen zeigen, dass gut zu sein also  bedeutet, alle Liebe ihres Herzens zu geben, während sie handeln. Gut zu sein und gut zu handeln, klaffen nicht auseinander. 

Kann ein Mensch überhaupt gut sein, ohne gut zu handeln? Ich denke, nein. 

Wer ein vermeintlich tadelloses Leben führt, sich ernsthaft für Mitmenschlichkeit ausspricht, aber sich für diese nicht wirklich einsetzt, sondern sich aus "Selbstfürsorge" stets weg duckt, wenn ihm Nachteile drohen, ist dies noch ein guter Mensch oder doch eher nur ein Gutmensch? 

Wie schaut es mit Menschen wie Oskar Schindler aus? Er war korrupt, ein Lebemann, der alles andere als ein moralisch begrüßenswertes Leben führte. Dieser Mensch aber rettete 1 200 Juden vor dem Tod in der Gaskammer. Yad Vashem erkannte ihn 1967 für die Rettung der Zwangsarbeiter als "Gerechten unter den Völkern" an. 

Gerecht zu handeln, bedeutet, sich dem Guten verpflichtet zu sehen. Gut zu sein, bemisst sich am guten Handeln. 

Wer Menschenleben rettet, kann kein schlechter Mensch sein, wohl aber ein Mensch mit Fehlern wie wir alle. 

Wer Kriege vom Zaun bricht und aus Machtgründen unzählige Zivilisten, darunter viele Kinder, töten lässt, dem ist Gerechtigkeit fremd, er handelt unmenschlich und damit mehr als nur verwerflich. Ein solcher Mensch ist und handelt schlecht. Er hat durch sein Tun die Völkergemeinschaft verlassen  Seine Seelenlosigkeit hindert ihn sogar daran, sich selbst zu beweinen,

Sonntag, 28. September 2025

Sonntagskolumne Helga König, 28.9.2025

"Wozu sollen wir Menschen miteinander kämpfen? Wir sollten uns nebeneinander setzen und Ruhe haben."
Georg Büchner (1813 - 1837).

Vorhin habe ich das neue Kulturprogramm der Büchnerstadt Riedstadt aus dem Briefkasten gefischt. Es umfasst das 4. Quartal dieses Jahres. Beigefügt ist dem Programm ein vierseitiges Faltblatt, das die Veranstaltungen für das genannte Quartal auf der Büchner-Bühne, dem Büchner-Haus, dem Büchner-Saal, dem Stadtsaal Burghausen und der Evangelischen Kirche in Goddelau enthält.

Zum Tag der Deutschen Einheit, am kommenden Freitag hat man Gelegenheit in Groß-Gerau im Büchner-Saal einem Uraufführungskonzert zu lauschen, das den Titel trägt "Wenn es Rosen sind, werden sie blühen." Um Näheres zu diesem Titel in Erfahrung zu bringen, habe ich mich im Internet kundig gemacht und ermittelt, dass es sich um den Titel eines Romans handelt, den der 1966 verstorbene Autor Kasimir Edschmid verfasst hat. 

Der Roman erschien von 1966 bis 2017 unter dem Titel "Georg Büchner-Eine Deutsche Revolution" und wird seither wieder- zwar überarbeitet- unter seinem ursprünglichen Titel vermarktet. Georg Büchner hat dieses aus Italien stammende Zitat übrigens vor seinem Ableben benutzt als er von der unklaren Zukunft seiner Texte #Woyzeck und #Aretino sprach. Man darf gespannt sein, was dem Zuhörer in Groß-Gerau entgegen gebracht wird. 

Die Veranstaltungen, die man in dem Faltblatt findet, machen im Grunde alle neugierig, natürlich auch die Gesellschaftskomödie "Der Vorname" von Mathieu Delaporte und Alexandre de La Patelliére.

Schade, dass die Büchnerbühne in Riedstadt-Leeheim gelegen ist, einem Ort, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln an Wochenenden bislang unerreichbar bleibt. Doch das könnte sich ändern, wenn die Büchnerbühne alternativ in den zumeist leerstehenden Kirchen von Riedstadt abwechselnd  gastiert. Ein Win-Win-Situation für alle Beteiligten!

Vielleicht wird ja schon ein wenig in diese Richtung gedacht und geplant, denn am 2. November wird die Evangelische Kirche Goddelau zur Theaterbühne! Hier gibt die Büchnerbühne ein Gastspiel mit Büchners "Lenz". Zuvor bereits, am 21. Oktober, findet in der in besagter Kirche ein Lesekonzert mit Britta Röder und Hans Werner Brun zu den Erzählungen "Fliehkraft"  statt. Darüber hinaus wird am 14. November in der Evangelischen Kirche in Wolfkehlen ein Konzertfilm über die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beck gezeigt. 

Die Initiative, die nahezu leerstehenden Kirchen für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, finde ich begrüßenswert und sinnstiftend. Hier gilt es, offen für Neues zu sein. Dem Ruf der Kirchen wird es nicht schaden, im Gegenteil! Auch für eine Initiative dieser Art gilt letztlich: "Wenn es Rosen sind, werden sie blühen."

Helga König.

Montag, 22. September 2025

Sonntagskolumne Helga König, 21.9.2025

Wir leben im Zeitalter der üblen Nachrede und der bösen Gerüchte, die allerorten verbreitet werden, ganz zuvorderst in den sozialen Netzwerken. 

Besonders empörend sind die derzeitigen Unterstellungen im Hinblick auf Brigitte Macron, sei es, dass ihre Haarpracht in Frage gestellt wird oder gar ihre Geschlechtszugehörigkeit. Weshalb verbreiten Menschen solche üblen Gerüchte? Aus Neid, Missgunst oder reiner Boshaftigkeit? 

Der Gedanke, "etwas bleibt immer hängen", lässt dreiste Verleumder mit großem Fleiß am Lügenrad drehen. Der Erfolg ist ihnen- so gesehen - auf jeden Fall sicher. 

Im Grunde ist das Motiv unerheblich. Das Handeln an sich zählt und hier verhält es sich zumeist so, dass die Täter immer wieder durch das gleiche Handlungsmuster auffallen: Menschen anzuprangern, ihnen Unvorteilhaftes anzudichten, um sie auf diese Weise zu isolieren. 

Die Anonymität des Netzes erleichtert den Tätern ihr unbotmäßiges Verhalten. 

Früher nannte man ein solches Verhalten die Ehre abschneiden. Der Ehrabschneider, war ein Mensch, der andere verleumdete. 

Eine gewisse Geschwätzigkeit fällt bei Personen, die böse Gerüchte über andere in Umlauf bringen, ja fast immer auf. Doch sehr intelligente Intriganten verhalten sich eher zurückhaltend, um planvoller sowie unbeobachteter agieren und punktgenauer  "zustechen" zu können. 

Der Verleumder befindet sich im Krieg, auch wenn sein Gegner sich dieses Krieges nicht bewusst ist.

Zieht man aufs Land, weiß man sehr rasch, wer einen aushorchen möchte, aber auch, wer Unwahrheiten über Dritte verbreitet und dass man gut beraten ist, einen großen Bogen um solche Menschen zu machen, denn früher oder später steht man selbst im Fokus solcher Leute, was enervierend sein kann. 

Man lernt recht bald die Nuancen von Freundlichkeit kennen und weiß, wer eine ehrliche Haut ist.

In Städten geht es anonymer zu. Doch die Verhaltensmuster der Menschen sind auch da keine anderen.

Wer entspannt leben möchte, muss sich nicht wegducken, muss aber lernen, sich zu distanzieren, wenn es geboten scheint. Distanz ist das beste Schutzschild vor Rüpeln, die sich leider in allen Gesellschaftschichten herumtreiben und auf der Weltbühne aufgrund ihres Verhaltens für blankes Entsetzen sorgen.

Helga König

Sonntag, 7. September 2025

Sonntagskolumne Helga König, 7. September 2025

"Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben."

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) 

Modefarben nehmen stets den Zeitgeist vorweg und stimmen nicht nur "Modehühner"- schon Wochen bevor die neue Saison beginnt - durch Fotos und Textinfos auf das, was dann folgt, ein. 

In diesem Herbst ist die Farbe BRAUN angesagt, gottlob nicht SCHWARZ, GRAU oder LILA, obgleich die derzeitige politische Lage genau auf diese Farben abstellt. Gut, auf BRAUN ja letztlich auch!

Sieht man mal von der allseits bekannten politischen Assoziation der Farbe BRAUN ab, die sofort im Geist den Begriff "Rechtsradikalität" hochschwappen lässt, sagt BRAUN weit mehr aus, worüber es lohnt, Gespräche zu führen. 

BRAUN symbolisiert in der Psychologie u.a. Sicherheit und Stabilität aber auch Wärme sowie Bodenständigkeit, mit einem Wort: Heimat. All das, was die wirtschaftliche und politische Weltlage derzeit nicht hergibt. Was also geschieht emotional, wenn man an einem kühlen, vielleicht dazu noch regnerischen Herbsttag, nachdem man bereits die Schreckensnachrichten der vorangegangen Stunden in der Tageszeitung kurz überflogen hat, wild entschlossen einen kuscheligen mokkabraunen Pullover anzieht, weil die Gemütsstimmung einen dazu auffordert?

Fühlt man sich dann beruhigt oder ärgert man sich eher darüber altbacken zu erscheinen? Das gilt es auszutesten. Schade, dass man Goethe nicht mehr fragen kann, was ein solcher Test bei ihm bewirkt hätte. Ausgelotet hätte er seine Gemütsstimmung ganz gewiss. Er war ja bis ins hohe Alter bekanntermaßen erfrischend neugierig!

BRAUN steht nicht im Ruf -wie etwa BEIGE- die Lieblingsfarbe älterer Damen zu sein, die nur noch über ihre Krankheiten beim Kaffeekränzchen reden, sondern wird auch mit Genuss assoziiert und damit keineswegs nur mit dem Genuss einer Tasse perfekt zubereitetem Cappuccino. Diese einseitige  Art von Genuss nämlich führt vermutlich auf Dauer leider auch dazu, dass man die Farbe BEIGE präferiert. 

BRAUN in Verbindung mit CREMEWEISS lässt an Italien und dort an elegant gekleidete Damen denken. Doch Freude suggeriert auch die Farbkombination nicht! 

Goethe trug gelbe Brillengläser, auch John Lennon tat es, um so trübe Tage besser ertragen zu können. Vielleicht sollten Modemacher an besagtes Accessoire denken, damit die Lust am Leben - bei allen Dunkeltönen in der jetzigen Zeit-  erhalten bleibt.

Helga König