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Mit Gänsefedern schrieb man übrigens in Europa seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. Vom Mittelalter bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts sollen Gänsekiele das wichtigste Schreibgerät gewesen sein.
Die Dichter Goethe und Schiller, auch die Musiker Mozart und Bach plagten sich demnach noch mit diesem Schreibgerät herum, das Kleckse und entsprechenden Papierverlust nach sich zog, wenn man auch nur für einen Moment unaufmerksam war. Gut, der wohlhabende Johann Wolfgang von Goethe hatte einen Sekretär. Er musste sich demnach nicht über schmutzige Finger ärgern.
Gänsekiele als Schreibwerkzeug für die durch manuelle Schwerstarbeit auf den Feldern dick gewordenen Feldarbeiterfinger waren in der damaligen Zeit kaum vorstellbar. Aber das war nur eines der vielen Handicaps, die diese Menschen am Schreiben hinderten.
Es wundert mich nicht, dass die Deutschen erst im Jahre 1910 zu 100% Schreibkompetenz erlangten, zu einem Zeitpunkt also, wo der Gänsekiel dem Gestern angehörte und die Schwerstarbeit auf den Feldern sich zu mindern begann. Schwielen beeinträchtigten den Wunsch zu schreiben jedenfalls kaum noch.
Auch Georg Büchner hat seinen "Hessischen Landboten" noch mit Gänsekiel verfasst, denn erst einige Jahre nach seinem Tod setzten sich Stahlfedern durch und Ende des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Füllfederhalter.
Wer heute mit einem Füller anstatt mit einem Kugelschreiber schreibt, schützt die Hand vorm Verkrampfen, habe ich irgendwo gelesen. Wer sich aufs Tippen beschränkt, verliert auf Dauer die alte Schreibfertigkeit und wundert sich, was aus seiner vormaligen Schönschrift geworden ist. So ärgern sich nicht wenige über ihre "Sauklaue", tippen jedoch peinlich berührt weiter ihre Texte. Man ist ja nicht vorgestrig!
Liebesbriefe sind seither selten geworden, denn diese sind nur akzeptabel, wenn sie von Hand geschrieben werden. Romantiker sind eindeutig die Verlierer in einer Welt, in der getippte Sprüche unseren sinnentleerten Zeitgeist widerspiegeln.
Helga König


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