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Sonntag, 26. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne 26.2.2017

"Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit." Victor Marie Hugo (26.2. 1802- 22. Mai 1885)

Anlässlich des Geburtstages des französischen Schriftstellers Victor Hugo habe ich heute Vormittag einige  seiner Gedanken getwittert.

Die Sentenz: "Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit" führte zu Kommentaren zweier Follower und motivierte mich dazu, meine Sonntagskolumne Victor Hugo und hier speziell seinem Zitat zu widmen. 

Der französische Schriftsteller Victor Hugo lebte seit 1851 im Exil in Brüssel, später auf Jersey und Guernsey. Dort schrieb er Gedichte, politische Satiren und den sozialkritischen Roman "Die Elenden". Damit machte er sich zum Anwalt des demokratischen Gedankens. 1870 ging er nach Paris zurück und begleitete einige Staatsämter, ohne jedoch politischen Einfluss auszuüben. 

Nun zur Sentenz: "Neid ist ein Eingeständnis der Minderwertigkeit“"

Anbei auch die Kommentare der beiden Follower:

Werner Hupperich: "Wodurch lässt sich "Neid" von berechtigter Kritik an ungleicher Verteilung abgrenzen bzw. gibt es dazu auch ein Zitat?" 

Martin Söchting: "Missverhältnisse schaffen stets Missgunst. Umgekehrt eher weniger." 

Werner Hupperich: "Eben. Es ist verlogen, durch ungerechte Verteilung erst Neid zu provozieren, um ihn dann zu beklagen." 

Was ist Neid? 

Wikipedia definiert: "Neid existiert in zweierlei Ausprägungen: 
• dem Wunsch der neidenden Person, selbst als gleichwertig empfundene Güter zu erlangen, um die die beneidete Person beneidet wird (konstruktiver Neid) 
• dem Wunsch, dass die beneidete Person die Güter, um die sie beneidet wird, verliert (destruktiver Neid, auch Missgunst). Ersatzweise kann der Neidende auch den Wunsch nach anderem Schaden für die beneidete Person entwickeln." 

Aus diesen Definitionen lässt sich nicht schließen, dass der konstruktive oder destruktive Neider sich minderwertig fühlt, sprich, dass er ein Persönlichkeitsproblem hat. 

Liest man den Wikipedia-Eintrag  zu "Neid" weiter, stößt man auf ein Zitat von Prof. Dr. Götz Aly: 

"Neid entsteht aus Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ehrgeiz, deswegen verbirgt der Neider seinen unschönen Charakterzug schamhaft. Er lehnt lauthals ab, es dem Beneideten gleichzutun. […] geht es ihm an den Kragen, genießt der Neider stille Schadenfreude."

Dieses Zitat zeigt, dass Victor Hugo und Prof. Dr. Götz Aly gedanklich bei  ihrer Neidbetrachtung nicht weit voneinander entfernt liegen. 

Zur Frage Werner Hupperichs: "Wodurch lässt sich "Neid" von berechtigter Kritik an ungleicher Verteilung abgrenzen bzw. gibt es dazu auch ein Zitat?"

Ein Zitat dazu,  habe ich  bislang nicht gefunden.  

Meines Erachtens sollte man hinterfragen, wodurch Güter ungleich verteilt sind. Begabungen beispielsweise sind angeboren. Hier die Ungleichverteilung zu kritisieren wäre absurd,  sie ist vorgegeben im Gegensatz zur Ungleichverteilung materieller Güter.  Sinnvoll  ist es aber, darauf hinzuwirken, dass die Begabungen aller Menschen gefördert werden. Ein Engagement dieser Art basiert nicht auf einem Neidmotiv, sondern auf einem Fairnessgedanken. 

Auch die berechtigte Kritik an der Ungleichverteilung materieller Güter auf dieser Welt aufgrund jahrhundertelanger Ausbeutung der Drittländer basiert nicht auf Neid und entsprechenden Minderwertigkeitsgefühlen, sondern auf dem Gedanken, dass eine faire Förderung der Begabungen, materielle Ressourcen überall auf der Welt notwendig machen und dies allein aus Vernunftsgründen gewährleistet sein sollte, denn nur so können wir alle langfristig im Frieden leben. 

Oft sind überaus begüterte, gierige Personen sehr neidisch und versuchen anderen, die weit weniger besitzen als sie selbst zu schaden, weil sie niemals genug bekommen können. Schreien die Geschädigten auf,  plärrt der Gierhals  "Sozialneid".  Dies ist  dann aber eine Unverschämtheit, denn Gierverhalten anzuprangern,  basiert nicht auf Neid.

Im gierigen Neider herrscht tatsächlich ein unglaublicher Mangel, der von Minderwertigkeitsgefühlen gespeist wird. Ein solch neidischer Mensch kann nicht geben, sondern reißt dem anderen selbst das letzte Hemd weg, ohne ein Schuldgefühl zu entwickeln. Anstatt an seinem Minderwertigkeitsgefühl zu arbeiten, geiert der gierige Neider immer mehr. Der Mangel an Erkenntnisfähigkeit ist die Folge und Ursache von Gier zugleich.

Wer solchen neidischen Gierhälsen das Handwerk legt, um die Begabungen und Chancen  aller zu fördern, ist kein Neider, sondern ein Humanist. 

Neid und Gier treten immer gemeinsam auf. Fairnessgedanken sind wirklich neidischen Menschen vollkommen fremd.  Dieser Mangel entlarvt den gierigen Neider immer.

Helga König

Sonntag, 19. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 19.2.2017

"Immer Gerechtigkeit für andere, Mut für uns selbst. Das sind die zwei Tugenden, worin alle anderen bestehen." 

Dieser Satz Rahel Varnhagen von Enses (1771-1883), soll Gegenstand der Betrachtung der heutigen Sonntagskolumne sein. 

Rahel Varnhagen gilt als die Muse der deutschen Romantik. Sie war Schriftstellerin und Salonière, die einen bemerkenswerten Freundeskreis hatte. Zu diesem Kreis zählte Heinrich Heine, Ludwig Börne und auch Hermann von Pückler-Muskau, Personen also, die sie intellektuell sehr bereicherten. Die blitzgescheite Salonière gab allerdings gerne Bereicherndes zurück. Das machte sie unvergesslich, wie  Biografien, die Hannah Arendt und Carola Stern über sie verfassten, bekunden.

"Immer Gerechtigkeit für andere, Mut für uns selbst. Das sind die zwei Tugenden, worin alle anderen bestehen." 

Was ist eine Tugend? Wikipedia definiert: "Allgemein versteht man unter Tugend eine hervorragende Eigenschaft oder vorbildliche Haltung."

Wir haben es also bei Gerechtigkeit offenbar mit einer vorbildlichen Haltung und bei Mut mit einer hervorragenden Eigenschaft zu tun. Beide Tugenden sind laut Varnhagen Grundbedingung  für alle weiteren, wie z.B. Mitgefühl, Besonnenheit, Großzügigkeit, Redlichkeit oder auch Spielfreude.

Der römische Philosoph Cicero sagte einst "Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt." Vermutlich ist das Zitat Rahel Varnhagens eine Ableitung dieses Gedankens. 

Kant wiederum postulierte "Habe Mut Dich Deines Verstande zu bedienen." Wer diesen Mut aufbringt, wird erkennen, dass nur dort, wo Gerechtigkeit, sprich Fairness, das Verhalten einer Gesellschaft prägt, man auch tatsächlich im Frieden leben kann, dem Zustand also, der Prosperität erst ermöglicht. 

Nichts führt so sehr zu Spannungen in Familien, in der Gesellschaft und nicht zuletzt auch in der Wirtschaft und Politik als Ungerechtigkeit, herrührend aus Bevorteilung einzelner Personen, Personen- und Gesellschaftsgruppen oder Unternehmen, hier beispielsweise bei der Auftragsverteilung aufgrund von Vetternwirtschaft  sowie Korruption etc. 

Ungerechtigkeit erzeugt zudem stets ein zersetzendes Klima, spürbar bereits in Kindertagen, wenn Eltern unachtsam ihre Zuwendung unfair unter Geschwistern verteilen und dadurch Kränkungen bei den benachteiligten Kindern bewirken, die deren Seelenleben langfristig schaden und zu Ängsten und generellen Verunsicherungen führen. Ursache für das Trauma  ist hier also der Mangel an Mut seitens der Eltern, gerecht zu sein. 

Für den gierigen, selbstsüchtigen Menschen ist Gerechtigkeit stets ein rotes Tuch, denn die Gier macht, sobald sie überbordet, nicht vor dem Eigentum oder der Position oder den familiären sowie gesellschaftlichen Bindungen eines anderen halt. Der Selbstsüchtige will sich alles einverleiben und hat kein Problem damit, wenn der Mitmensch geistig, seelisch  oder materiell verhungert. Um diese Tatsache wirklich zu begreifen,  braucht man oft Jahre oder gar Jahrzehnte.

Der Selbstsüchtige sieht den anderen nicht, weil er nur sich und seine Begierden auf dem Schirm hat. 

Mut, nicht mit Übermut zu verwechseln, "ist eine Charaktereigenschaft, die dazu befähigt, sich gegen Widerstand und Gefahren für eine als richtig und notwendig erkannte Sache einzusetzen." (Wikipedia)

Mut bedarf demnach immer auch einer gewissen, überschaubaren Risikobereitschaft. Im Falle von Gerechtigkeitsbemühungen geht es darum, sich den Ansprüchen von Gierhälsen zu widersetzen und energieraubenden Ärger auszuhalten.

Wer sich in unserer narzisstischen Gesellschaft für Gerechtigkeit einsetzt, muss mit viel Widerstand, auch mit Gefahren rechnen, denn die Forderung fair und damit gerecht miteinander umzugehen, schafft nicht nur Freunde. 

Man benötigt Mut und dazu noch Demut, wenn man im Laufe seines Lebens erkennt, dass das Bemühen um Gerechtigkeit nur selten von Erfolg gekrönt ist, braucht viel Mut trotz aller Unbill weiterzumachen. 

Wer mutig die Gerechtigkeit fördert, ist - man kann es bei den großen Gerechten dieser Welt deutlich erkennen- stets auch  großzügig, selbstgenügsam, verantwortungsvoll und zudem weise.

Untugenden wie Hochstapelei, Narzissmus, Angabe, Unredlichkeit, Gier und Unverschämtheit sind mutigen, gerechten Menschen fremd. Das macht sie so ungemein sympathisch und anziehend, erstaunlicherweise  auch für jene, die den Schatten leben und dem mutigen, gerechten Menschen dessen innere Freiheit neiden, ein Zustand, der nur dort entsteht, wo der Zwang zur Selbstsucht überwunden wurde. 

Helga König

Sonntag, 12. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 12.2.2017

Am 11. und 12. Februar wurden in zwei unterschiedlichen Epochen zwei namhafte deutschsprachige Lyrikerinnen und eine ebenso namhafte Schriftstellerin geboren.

Die am 11. Februar 1780 zur Welt gekommene Karoline Friederike Louise Maximiliane von Günderrode war eine Dichterin der Romantik. Ihre Herkunftsfamilie gehörte im 16. Jahrhundert zu den führenden Patriziergeschlechtern in Frankfurt/Main. Sie selbst studierte- für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich - als Stiftsfräulein Philosophie, Geschichte, Literatur und Mythologie und träumte von einem selbstbestimmten Leben. Karoline war ein Freigeist. Dies zeigen ihr Leben und ihre romantisch-schwermütigen Gedichte. Dass die Lyrikerin im Alter von nur 26 Jahren der Liebe wegen ihrem Leben ein Ende setzte, war gewiss ihrer romantischen Seele geschuldet, auch die Art des Todes, den sie wählte, war romantisch.

Denkt man an Romantik, kommen uns Dichter Lord Byron, Novalis und Hölderlin spontan in den Sinn. Vorbilder der Romantik waren vor allem die Antike, das als "romantisch" empfundene Mittelalter, auch orientalische und chinesische Kulturen. Man suchte nach dem Fremden, dem Andersartigen, dem Unbewussten, vielleicht auch geheimnisvoll Fantastischen in den dunklen Seiten des Lebens. Die Romantik war, die Erwähnung des britischen Dichters Lord Byron verdeutlicht es, eine gesamteuropäische Bewegung, die geprägt war von der philosophischen Auseinandersetzung über die Bedeutung und die Autonomie von Kunst.

In literarischen Werken, ging es inhaltlich in erster Linie um die Reflektion von Geschichte, Literatur und Kunst. Diskussionen fanden u.a. in Salons statt. Vielleicht hat man auch über nachstehendes Gedicht der Günderrode debattiert, das deren eigenes Ableben vorwegnimmt.

Ariadne auf Naxos

Auf Naxos Felsen weint verlassen Minos Tochter.
Der Schönheit heisses Flehn erreicht der Götter Ohr.
Von seinem Thron herab senkt, Kronos Sohn, die Blitze,
Sie zur Unsterblichkeit in Wettern aufzuziehn.

Poseidon, Lieb entbrannt, eröffnet schon die Arme,
Umschlingen will er sie, mit seiner Fluthen Nacht.
Soll zur Unsterblichkeit nun Minos Tochter steigen?
Soll sie, den Schatten gleich, zum dunklen Orkus gehen?

Ariadne zögert nicht, sie stürzt sich in die Fluthen:
Betrogner Liebe Schmerz soll nicht unsterblich seyn!
Zum Götterloos hinauf mag sich der Gram nicht drängen,
Des Herzens Wunde hüllt sich gern in Gräbernacht

Karoline Günderrode


Die Dichterin Else Lasker-Schüler, wurde am 11. Februar 1869 geboren. Sie gilt als eine wichtige Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. Schon im Alter von vier Jahren konnte die Enkelin eines Großrabbiners lesen und schreiben und galt als Wunderkind. Bereits vor ihrer Ehe mit dem Schriftsteller Herwarth Walden veröffentlichte sie einen Lyrikband und war später mit namhaften Dichtern wie Gottfried Benn,  Franz Werfel und  Georg Trakl befreundet. Für Benn war sie "die größte Lyrikerin, die Deutschland  je hatte". Ihre Gedichte gelten als traumhaft, mitunter schwärmerisch und visionär. Obschon so völlig anders, erkennt man im nachstehenden Gedicht dennoch  die Seelenverwandtschaft zu Karoline  Günderrode.

Aber ich finde Dich nicht mehr

Ich gleite meinen lallenden Händen nach,
Die suchen überall nach dir.

Aber ich finde dich nicht mehr
Unter den Dattelbäumen,
Unter den Zweigen der Träume.

Alle meine starren Kronen sind zerflossen
Vor deinem Lächeln
Und zwischen unseren Lippen jauchzten die Engel.

Ich will meine Augen nicht mehr öffnen,
Wenn sie sich nicht
Mit deiner Süße füllen.

Else Lasker-Schüler


Am 12. Februar 1869 wurde Lou Andreas-Salomé geboren. Sie war Schriftstellerin, auch Lyrikerin und Psychoanalytikerin. Studiert hatte sie in Zürich Religion und Kunstgeschichte und war mit vielen namhaften Persönlichkeiten eng befreundet. Unter ihren Freunden waren Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche, Arthur Schnitzler, Frank Wedekind und Sigmund Freud.

Andreas-Salomé schrieb u.a. mehrere Romane und Erzählungen, aber auch  Gedichte, deren Inhalte vorwiegend psychologisch- emanzipatorisch sind.  Ihren Träume wurden durch Analyse die Schwermut genommen.   

Alle drei Frauen waren überdurchschnittlich intelligent und hochgebildet, ihrer Zeit intellektuell voraus und vielleicht genau deshalb sehr  kompliziert in ihrer Gefühlswelt.

Lou unterschied sich allerdings von Karoline und Else durch ihr unverbrüchliches Ja zum Leben, das durch keinen Mann in Frage gestellt werden konnte. Das macht sie so modern, dabei aber auch letztlich  untauglich für  jene Träume, die nicht nur  Rilke vergeblich zu leben versuchte.

Gebet an das Leben

Gewiss, so liebt ein Freund den Freund
wie ich dich liebe, rätselvolles Leben!
Ob ich in dir gejauchzt, geweint,
ob du mir Leid, ob du mir Lust gegeben,
ich liebe dich mit deinem Glück und Harme,
und wenn du mich vernichten mußt,
entreiße ich schmerzvoll mich deinem Arme,
gleich wie der Freund der Freundesbrust.

Lou Andreas-Salomé


Der französische Philosoph und Mathematiker René Decartes starb gestern vor 367 Jahren. Er sagte einst: "Denn mit den Geistern anderer Jahrhunderte verkehren, ist fast dasselbe wie reisen."

Nicht mit jedem Geist kommt man  im Hier und Heute an. Mit dem Geist  Lou Andreas Salomés dürfte es klappen, auch wenn wir wehmütig auf die Dichter und Dichterinnen des Gestern zurückblicken, die wir während er Zeitreise kennengelernt haben.

Helga König


Sonntag, 5. Februar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 5.2.2017

Unberechenbar, unzuverlässig und verlogen.... Wen assoziiert man derzeit damit, wenn man diese Worte liest? 

Diesen Tweet schrieb ich heute Morgen, noch vor der ersten Tasse Kaffee. Spontan fielen Namen von Politikern, auch der Begriff der "zuständige Paketdienstzusteller"  wurde genannt und der ein oder andere wird sicher an Familienmitglieder oder Arbeitskollegen, seinen Chef oder wen auch immer gedacht, dabei gallig oder frustriert auf bessere Zeiten gehofft haben, wissend, dass bestimmte Charaktere nicht veränderbar sind. 

Seit Jahren bereits beschäftigt mich die Frage, was manche Menschen so unberechenbar, unzuverlässig und verlogen macht. Ist es ihr Egoismus? Sind es genetische Dispositionen? Ist es eine Art von Geisteskrankheit? 

Treten gewisse Eigenschaften immer gemeinsam auf? 

Unberechenbarkeit, Unzuverlässigkeit und Verlogenheit gehören zu einer bestimmten Charakterstruktur. Personen, die diese besitzen, können viel Schlimmes anrichten, wenn man ihnen nicht rechtzeitig Grenzen aufzeigt. 

Zwischenzeitlich gibt es eine wirklich erstaunlich umfangreiche Literatur zu Egoisten, Narzissten, Sozio- und Psychopathen und man findet im Internet, wenn man diese Suchbegriffe eingibt, eine nicht endend wollende Fülle von Informationen. Helfen diese uns weiter? 

Ja, sie tun es, wenn man achtsam auf Menschen zugeht, bereit ist, auf möglicherweise zunächst lukrativ erscheinende Beziehungen zu verzichten und sich von all jenen trennt, die unverkennbar dem Schema zuzuordnen sind. 

Schwierig wird es, wenn ein solches Charakterschwein durch freie Wahlen in einer Demokratie an die Spitze eines Landes gewählt wird. Was dann? 

Was, wenn man auf eine Person stößt, die ihrem Wesen nach absolut unberechenbar ist?  Darf man dieser Person überhaupt die Macht geben, binnen weniger Stunden die Erde unbewohnbar zu machen?  Wie sieht es mit unserer Verantwortung in einem solchen Falle aus?

Was hat die Menschheit aus dem Phänomen Hitler gelernt? 

Wir leben in einer Zeit, wo immer mehr Möchtegernpolitiker aufgrund populistischer Sprüche an Macht gewinnen. All diese Typen haben unendliche Charaktermängel und sind insofern brandgefährlich. Diesbezüglich muss ein Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden. Wäre es nicht an der Zeit, dass ausschließlich Politiker, die ihr Leben lang gezeigt haben, dass sie Humanisten sind, politisch herausragende Ämter erhalten? Noch Utopie... Doch die Vernunft gebietet genau das.

Müssten in einer Demokratie  Führungskräfte  zum Schutze der Bürger nicht genau überprüft werden, ob sie wirklich alle Tassen im Schrank haben? Was spricht für und was gegen eine solches Überprüfen? 

Ist es verantwortlich, größenwahnsinnigen Rechthabern die Entscheidung über unser Leben zu überlassen?  

Wenn wir Weltbürger sein wollen, sollten wir uns schnellstens von nationalstaatlichem Unsinn verabschieden und eine Weltregierung präferieren, sollten gemeinsam nach Vernunftslösungen suchen und Kriegstreiber dorthin verbannen, wo sie keinen Schaden mehr anzurichten vermögen: Auf eine einsame, schöne Insel, wo sie Schäfchen oder Gänseblümchen zählen können. Niederträchtige Menschen  können zwar in Idyllen  nicht geheilt werden,  aber machtlos und ohne Waffen bleibt ihnen nur die Chance, das verordnete Paradies zu ertragen, zum Wohle der Menschheit.

Was spricht dagegen, diesen neuen Weg zu gehen?

Helga König

Samstag, 28. Januar 2017

Helga König: Sonntagskolumne. 29.1. 2017

In den letzten Wochen habe ich in den sozialen Netzwerken immer wieder auf einige Facebook-Gruppen aufmerksam gemacht, in denen sich jeweils Menschen zusammenfinden, die gemeinsame Interessen haben und diese dort pflegen. Diese Gruppen folgen dem gleichen Prinzip wie das Onlinemagazin "Buch, Kultur und Lifestyle" www.rezensionen.co, das durch seine Untergliederung in Interessengebiete die Leser mit nichts behelligt, was ihren Interessen völlig zuwider läuft. 

Die Gruppe "Gut gelaunte Weinfreunde" wurde im Mai 2016 gegründet und hat bereits 1125 Mitglieder. Dort begegnen sich  TOP- Winzer, Weinjournalisten und Weinbuchautoren, Weingenießer aber auch Künstler, die Informationen zum Thema Wein, Weingüter und Winzer oder auch  zu Weingut-Events weitergeben und sich so  in das Weingeschehen einbringen möchten. 

Ähnlich wie in allen anderen neu gegründeten Gruppen, auf die ich noch zu sprechen komme, posten wir stets auch Youtube-Clips, die sehr gute Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fachbereichen enthalten. Beim Wein geht es beispielsweise um Informationen zu Weinregionen, auch um Weinbautechnik oder um die Präsentation von Weingütern aus anderen Ländern. 

Die Gruppe "Philosophie, Psychologie und Pädagogik" stellt Texte, Bücher und Rezensionen aus diesen Bereichen vor. Auch hier werden Youtube-Clips dazwischen geschaltet, um sich mittels guter Vorträge von Kapazitäten in den genannten Bereichen, aber auch durch Dokumentationen weiterbilden zu können und mit den Gruppenmitgliedern darüber entspannt zu diskutieren. 

Die Gruppe "Aphorismen, Sentenzen, Zitate" ist bestrebt, durch eigene oder Gedanken anderer täglich zum Nachdenken anzuregen. Dass sich nicht wenige Sentenzen dazu eignen, einen Essay oder eine kleine Kolumne über den gedanklichen Inhalt zu verfassen, erfreut natürlich sehr. 

Zwei neu gegründete Gruppen haben das Ziel, ein gut funktionierendes, virtuelles Salonleben zu gestalten. Im "virtuellen Kunstsalon", den es seit Anfang Januar gibt und der bereits 420 Mitglieder zählt, treffen sich Maler, Bildhauer, Karikaturisten, Kunsthistoriker, Fotografen, Galeristen, Journalisten, Autoren, Kunstliebhaber und andere mehr, um Kunst vorzustellen und/oder diese zu bestaunen. 

Künstler berichten auf Nachfrage über die Werke, die sie vorstellen und posten auch Ausstellungsankündigungen und Presseberichte. Interviews mit Künstlern werden verlinkt, des Weiteren Rezensionen zu Ausstellungskatalogen oder Kunstbüchern, zudem gibt es die Möglichkeit Youtube-Clips über Künstler oder Kunstrichtungen zu posten und sich intellektuell darüber auszutauschen. 

Geplant ist ab Februar 2017 einmal monatlich - jeweils sonntags-  eine virtuelle Ausstellung eines Künstlers. Dieser kann dann 5-7 seiner Werke zeigen und diese erläutern. Im Rahmen eines verlinkten Interviews erfährt man dann mehr über den vorgestellten Künstler.  In der Zeit der Ausstellung gilt das Augenmerk dann nur den Werken des fokussierten Protagonisten. 

Mit der Verlegerin Christine Brendle betreibe ich seit dem letzten Sonntag den "Virtuellen Literatursalon". Hier können Buchhinweise zu niveauvoller Literatur vorgestellt und auch Rezensionen gepostet werden. Texte  und Textauszüge von Autoren, auch entsprechende Clips zu Prosa und Lyrik sind erwünscht und an jedem Sonntag ab 11 Uhr besteht die Möglichkeit, gemeinsam über einen vorgestellten literarischen Text oder Textauszug, den wir samstagnachts posten,  zu diskutieren. 

Ziel der Bemühungen ist es, eine für alle bereichernde kulturelle Interaktion voranzutreiben und viel Neues kennenzulernen, vor allem aber zu verstehen, wie viel Mühe hinter guter Arbeit steckt und weshalb man sich ihr grundsätzlich mit großer Wertschätzung nähern sollte. 


Helga König

Sonntag, 15. Januar 2017

Helga König: Sonntagskolumne 15.1.2017

Der Aphoristiker #Ernst_Ferstl postete gestern nachstehenden Gedanken an seine Leser: 

"Menschen, mit denen man die Zeit vergisst, vergisst man nie." 

Wie verhalten sich Menschen, mit denen man die Zeit vergisst und wie verhalten wir uns beim gemeinsamen Tun mit ihnen? 

Wir alle kennen aus der Kindheit die selbstvergessenen Stunden beim Spiel, wo man gemeinsam völlig für den Moment lebt, weil man dann Sorglosigkeit und Glück empfindet. 

Später dann bei beim Tanz, in der Liebe, im gemeinsamen Bestaunen der Welt, beim Diskutieren aber auch beim Arbeiten mit Menschen, die problemlos ein Wir herstellen können, weil sie nicht in ihr Ego verstrickt sind, vergisst man ebenfalls die Zeit und möchte, dass die Momente ewig andauern. 

Im Grunde ist es immer möglich, die Zeit zu vergessen. Dies setzt voraus, dass man sich völlig auf den Augenblick und dass, was man gerade tut, einlässt. Sich mit Dritten auf solche Momente einzulassen, ist nur dann möglich, wenn jeder sich zurück nimmt, um auf diese Weise wirkliche Gemeinsamkeit zu ermöglichen. 

Beim Tanzen, auch beim Liebesspiel ist es die gemeinsame harmonische Bewegung, die uns die Zeit vergessen lässt, aber auch im Gespräch, beim gemeinsamen Arbeiten, beim Bestaunen der Welt ist es letztlich die Harmonie mit dem Gegenüber, die uns glücklich macht, weil ein Hochgefühl damit verbunden ist. 

Menschen, mit denen man bei unterschiedlichem Tun die Zeit vergisst, machen uns nicht zuletzt glücklich, weil sie uns unsere Endlichkeit vergessen lassen. 

Vielleicht suchen wir mit fortschreitendem Alter immer mehr die Nähe zu solchen Personen und gehen jenen aus dem Weg, die durch egozentrisches oder egoistisches Verhalten uns nur an Zeitvergeudung erinnern, die wir uns nicht mehr leisten wollen, weil wir zwischenzeitlich wissen, dass Zeit ein zu kostbares Gut ist, als dass wir  es sinnlos verschwenden sollten.  

Sich nicht auf den Füßen stehen beim gemeinsamen Tanz, auch kein störrisches Verhalten dem anderen entgegenbringen, wenn die Umdrehungen rascher werden, anstelle zu verkrampfen, unbefangen zu lachen und den Moment zu genießen, dass ist Glück als Folge von Harmonie. 

Sich dies gegenseitig zum Geschenk zu machen, sollte unsere Aufgabe sein, wenn wir am Glück aller interessiert sind, ganz gleich in welchem Alter.

Helga König

Sonntag, 8. Januar 2017

Helga König: Sonntagskolumne, 8.1.2017

"Wenn Du bereit bist, das Verhalten anderer Dir gegenüber als eine Reflexion ihrer Beziehung mit sich selbst anzusehen, und nicht als eine Aussage über Deinen Wert als Mensch, dann löst Du Dich von dem Verlangen, darauf reagieren zu müssen!" (Verfasser unbekannt) 

Anfang dieses Monats twitterte ich obigen Gedanken, der gerade auf Facebook die Runde machte. Offenbar fühlen sich sehr viele Leser von dem Tweet angesprochen, wie die Anzahl der Impressionen zu erkennen gibt. 

Oft ist es unsere Eitelkeit und/oder unsere Unsicherheit, die uns dazu veranlasst, auf ein Verhalten Dritter spontan heftig zu reagieren und sich auf diese Weise zum Narren unserer Empfindlichkeiten zu machen oder sich gar von Dritten für deren Persönlichkeitsprobleme instrumentalisieren zu lassen. 

Um entspannt zu bleiben, ist es nötig, an uns zu arbeiten, ist es unumgänglich, unsere narzisstischen Anteile zu überdenken und uns vor allem in Achtsamkeit zu üben. 

Jeder hat schon erlebt, dass Termine nicht eingehalten worden sind, weil einfach etwas dazwischen kam, man aus irgendwelchen Gründen aufgehalten wurde. Selbstunsichere und/oder narzisstische Menschen neigen dazu, die Begründungen für ein Zuspätkommen sofort in Frage zu stellen und sind tödlich beleidigt, weil sie sich nicht genügend wertgeschätzt fühlen. In einem solchen Fall helfen zumeist auch keine Erläuterungen und Entschuldigungen. Nichts geht mehr.

Natürlich gibt es - speziell im Geschäftsleben- hin und wieder auch Personen, die sich daran weiden, andere warten zu lassen, um die eigene Wichtigkeit zu unterstreichen. Hier sollte man gelassen reagieren, die Verhaltensschwäche großzügig übersehen und sich bewusst machen, dass eine solche Person stets auf Neue versuchen wird, Machtspiele zu inszenieren. Soll man darauf eingehen, wird der ein oder andere sich fragen und auch, ob die Demütigungsversuche früher oder später etwas Unerwünschtes in uns bewirken? Sich diese Fragen zu beantworten, halte ich für wichtig. Der Vorteilsbezogene wird  hingegen Strategien entwickeln, wie er dem Machtbesessenen das Gefühl vermittelt, dass dieser Herr im Ring ist und wird versuchen, aus dem Persönlichkeitsdefizit des Bedeutungserheischenden möglichst hohen Profit zu ziehen. 

Beschimpfungen und Verleumdungen, Entwertungen aller Art sind weitere Verhaltensmuster von Personen, die große Persönlichkeitsdefizite aufweisen, oft sehr neidisch und missgünstig sind und sich an Mitmenschen abarbeiten, die Fähigkeiten besitzen, die sie gerne hätten. 

Wird man von einer solchen Person attackiert, muss man sich genau anschauen, was diese sagt und sollte möglichst keine Reaktion zeigen. Da kann man dem Verfasser obiger Sentenz nur zustimmen.

Allerdings erfordert  das oft viel Selbstdisziplin, solange wir unsere wunden Punkte noch nicht völlig geheilt haben. Jeder sollte sich dieser empfindlichen Stellen annehmen, sie genau unter der Lupe analysieren und  an deren Heilung arbeiten.

Im Internet hat das Sich-nicht- zur Verfügung-Stellen ähnlich wie im nicht-virtuellen Leben zumeist zur Folge, dass der Entwerter erst einmal richtig aufdreht, sich aber dann desinteressiert anderen zuwendet, wo er sein Problem mit sich selbst besser ausleben kann. Was uns bleibt ist, diesen Attackierten beizustehen, sie nicht alleine zu lassen. Einen "Hater" zu ändern allerdings, ist vergebliche Liebesmühe.  

Dabei zeugt die Sucht andere zu entwerten, stets von einem kranken Selbst, das sich im anderen attackiert, um  seine eigene Existenz zu retten. 


 Helga König

Samstag, 17. Dezember 2016

Helga König: Sonntagskolumne 18.12.2016

Angeregt durch das Buch "Rivalen, die es (so) nicht mehr gibt- Leidenschaftliche Duelle unserer Jugend",  das ich heute Morgen rezensiert habe, twitterte ich den Gedanken "Der Mensch mutiert heute offenbar zum einsamen Konsumenten eines ständig wachsenden Bergs des nutzlosen Vielerleis", mit dem ich meine Rezension beendet habe. 

Einer meiner Follower assoziierte meine Überlegung mit einer Erkenntnis von #Sokrates, der vor rund 2500 Jahren schon meinte: "Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf." 

Seit den Zeiten dieses Philosophen sind wir als Konsumenten bei Weitem einsamer geworden und der Berg des nutzlosen Vielerleis ist beträchtlich gewachsen. Wir können mit bloßem Auge dessen Spitze nicht mehr erkennen. Sie soll aus einem wiederverwertbaren Material angefertigt worden sein, postete kürzlich jemand begeistert in die soziale Netzwerke und strafte die Realität Lügen.

Das World Wide Net bietet utopisch viele Dinge an, derer wir nicht bedürfen und liefert eine Unzahl zwischenmenschlicher Kontaktangebote, auf die wir oftmals besser nicht zurückgreifen sollten, um uns Kummer oder Ärger zu ersparen. 

Die Flut an Möglichkeiten, Kontakte zu Mitmenschen herzustellen, überfordert uns, auch wenn wir nach herkömmlichen Vorstellungen von unserer Persönlichkeit her als flexibel gelten. 

Die Fülle an Warenangeboten im Internet, bewirkt eine Überdrüssigkeit an fast allen Dingen, sobald man deren Beliebigkeit erkannt hat. Alles erscheint austauschbar. Weder zu Menschen noch zu Dingen kann unter diesen Umständen noch eine persönliche Beziehung aufgebaut werden. Diese Gegebenheit in den sozialen Netzwerken zu beobachten, schult den Realitätssinn im Hinblick auf unsere Welt der Anhäufung des nutzlosen Vielerleis. 

Es ist die Beliebigkeit, die allem den Wert nimmt und damit auch die Wertschätzung. 

Was benötigt ein Mensch, um sich wohl zu fühlen? Woran haben wir Freude? Was bestaunen wir gerne? 

Es ist vermutlich all das, was jenseits von Vermassung entsteht. Vor allem sind es Menschen, die wir als "echt" begreifen, die eine Persönlichkeit besitzen und sich beliebiger Aussagen verweigern. 

Einer meiner Facebook-Freunde ist der begnadete Aphoristiker #Ernst_Ferstl. Er postete vor einigen Stunden den Satz: "Zum Glücklichsein gibt es einen Universalschlüssel: die Dankbarkeit." 

Die Dankbarkeit vermindert sich in dem Maße wie die Beliebigkeit wächst. Das ist das Problem des Konsumenten von Menschen und Dingen in unserer Zeit, der in seiner Einsamkeit nach immer mehr Beliebigkeit Ausschau hält und sich an nichts mehr erfreuen kann, außer an abgeschmackter Sentimentalität in der Vorweihnachtszeit, wie sie uns täglich in tausend Sprüchen und Bildern entgegen gebracht wird.

Was erreicht und berührt uns wirklich?

Wenn Sokrates am 4. Adventswochenende auf den virtuellen Weihnachtmarkt des Hier und Heute blickt, wird er vermutlich tief durchatmen und sagen: "Ich liebe es, dass meine Freunde zu mir kommen, wenn sie unglücklich sind."

Helga König

Samstag, 10. Dezember 2016

Helga König: Sonntagskolumne, 11.12.2016

"Glück ist, was Lächeln macht, was Angst, Sorge, Ungewissheit vertreibt und inneren Frieden schenkt." (Albert Einstein)

Walter E. Becks Gemälde mit dem Titel "Aufgang" visualisiert unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs Aufgang und lädt zum Meditieren ein. Inhalt der Meditation könnte obiges Zitat von Albert Einstein sein. 

Vertieft man sich etwas länger in das Bild, so ist es nicht ausgeschlossen, dass man der Abstraktion plötzlich Gegenständliches entnimmt. Den weißen Aufgang im Vordergrund des Bildes könnte man problemlos als verschneite Himmelsleiter interpretieren, an deren Ende wir einen glühenden Himmelskörper erblicken, der für das Göttliche in uns steht.  Zu diesem gehört all das, was uns inneren Frieden schenkt und uns im tatsächlichen Sinne glücklich macht. 

Was könnte dies anderes sein als die unverbrüchliche Liebe zu allem, was ist? 

 +++ AUFGANG +++ 
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 © walter e. beck
Dem Lateiner kommt möglicherweise bei der Betrachtung  von "Aufgang" der Satz "Per aspera ad astra" ("Durch das Raue zu den Sternen")  in den Sinn, wenn er den beschwerlich zu gehenden Weg und die rotglühende Verheißung dort sieht. 

Ein Lächeln, das von Herzen kommt, erhellt das Gesicht eines Menschen und verändert seine Aura. Ein solches Lächeln entsteht nur, wenn tatsächliche Freude im Spiel ist, die dann aufkommt, wenn beispielsweise eine Arbeit gelingt oder auch wenn wir sehen, dass andere glücklich sind. 

Heiteres Kinderlachen löst ein freudiges Lächeln am einfachsten aus.  Es kann aber auch ein Satz wie "Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken"* sein, der uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert, weil wir uns hier an der Poesie von Worten erfreuen können und erahnen, dass es letztlich die Fantasie ist, die das Leben lebenswert macht. 

Lächeln entspringt innerer Wärme, entspringt dem Licht in uns, das durch Liebe gespeist wird. 

Tiefe Angst, Sorge und Ungewissheit entstehen, wenn wir den Zugang zum Göttlichen in uns verloren haben, wenn wir nicht mehr lieben können, weil Selbstsucht und Gier uns daran hindern, wenn tief in uns Einsamkeit und damit Dunkelheit herrscht. 

Lächeln ist ein Ausdruck von innerem Frieden und es ist vor allem der für jeden erkennbare Ausdruck des Lichtes in uns. 

Grimassen, die ein Lächeln suggerieren sollen, offenbaren die innere Leere von Menschen, die im Egomodus leben und deshalb nicht dorthin gelangen können, wo die rotglühende Verheißung uns Erfüllung des Ersehnten schenkt. 

Um Glück zu erleben, müssen wir lieben lernen. Nicht grundlos sagt Hermann Hesse "Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich."

Walter E Beck, der von mir sehr geschätzte Maler und Friedenaktivist, zeigt uns allen mit seinem Werk "Aufgang"  wie wir dorthin gelangen, wo das Glück wohnt: Über einen äußerst beschwerlichen Aufgang. Dies aber sollte uns nicht verunsichern.  Gehen wir ihn einfach und warten, was geschieht...

Helga König

*Albert Einstein


Samstag, 3. Dezember 2016

Helga König: Sonntagskolumne 4.12.2016

"Man sollte immer ein wenig unwahrscheinlich sein" Oscar Wilde 

In Zeiten des Internets wird es vordergründig immer schwieriger obigem Anspruch Oscar Wildes gerecht zu werden. Nie zuvor haben wir die Chance besessen, eine solche Vielfalt an Charakteren kennen zu lernen, sowie Begabung und Können aber auch Spleens anderer Menschen zu studieren als heute, ohne dabei groß recherchieren zu müssen.

Nicht wenige User des Internets sind bemüht, vieles von sich und ihrer Lebenswelt preis zu geben. Dadurch werden die Menschen zwar nicht wirklich berechenbarer aber vielleicht ausrechenbarer als Konsumenten. Sind trotzdem immer noch Überraschungen möglich? 

Wer es schafft, bei allem stets aufs Neue ein wenig unwahrscheinlich zu sein, kann nicht eingepasst werden in Schablonen, die Bewerter sehr gerne zücken, wenn sie einen Menschen von seiner Persönlichkeit her verschubladen oder wenn Rattenfänger diesen Menschen alles Mögliche andrehen wollen.

Widersprüchlichkeiten in unseren Interessen oder Neigungen sorgen stets dafür, schnell an den Pranger gestellt zu werden. Grautöne sind verdächtig. Ein Intellektueller darf nicht genießen und ein Genussmensch kann nicht intellektuell sein. "Was nicht sein darf, das nicht sein kann", resümiert Christian Morgenstern in einem seiner Gedichte. 

So denken viele, die sich ihren Vorurteilen verpflichtet fühlen und eigentlich nicht überrascht werden wollen. 

Das Unwahrscheinliche nicht als Geheimnis für sich zu behalten, sondern es öffentlich zu zelebrieren,  bedingt nicht selten viel Mut, kann provozierend sein, dabei allerdings einen unabhängigen, intelligenten Akteur gewiss amüsieren. 

Wie gehen Betrachter mit geoutetem Unwahrscheinlichem um, Unwahrscheinlichem, das keineswegs spektakulär sein muss? 

In vielen von uns ruhen vermeintliche Unwahrscheinlichkeiten, die unsere Eigentlichkeit ausmachen und Ursache für Höhen und Tiefen in unserem Leben sind. Das Unwahrscheinliche kann eine Besonderheit unserer hellen aber auch dunklen Seite sein. Das gibt es dabei zu bedenken.

Das Unwahrscheinliche an Oscar Wilde war meines Erachtens nicht das Zusammenspiel seiner vielen Begabungen, sondern die Leichtfertigkeit, mit der er alles aufs Spiel setzte und es an einen vermeintlich Unwürdigen vergeudete. Genau das macht ihn aber zu einem der großen Liebenden, der nicht grundlos dort ruht, wo auch Pierre Abelard und Heloise einem anderen Leben entgegen schlafen.

Wir lernen Oscar Wilde zu begreifen, wenn wir nachstehende Sentenz  von ihm lesen:

"Wenn uns Liebe geschenkt wird, so sollten wir wissen, daß wir ihrer gänzlich unwürdig sind. Niemand ist würdig, geliebt zu werden. "   

Helga  König