Nun steht es fest. Laut Beschluss des Magistrats von Riedstadt wird es in den Dörfern Crumstadt und Leeheim keine Leihbüchereien mehr geben. Dort wurde nach Ermessen der Magistratsmitglieder, offenbar zu wenig gelesen. Die Crumstädter und Leeheimer haben demnach nichts Besseres als Schließung verdient.
Die Kosten für die Büchereien sind allerdings verschwindend gering, gemessen an den Geldern, die beispielsweise beim Bauhofprojekt oder bei Fehlern durch das gescheiterte Riese und Müller Projekt angefallen sind. Die angefallenen Summen verschweigen wir lieber. Es könnte Aufschreie in der Bevölkerung geben. Das muss vermieden werden!
Bildung ist der hiesigen CDU augenscheinlich ein Dorn im Auge. Bei Bildung besteht die Gefahr, dass Menschen kritisch und unerwünscht aufmüpfig werden. Wen wundert es da, dass eine Stadtverordnete der CDU bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (5.11.26, Beginn 19. Uhr) Büchner kläglich fehlinterpretierte und ihn zur Gallionsfigur für die revolutionäre Einstampfung aller Leihbüchereien hier in Riedstadt machen wollte. Peinlicher geht es nimmer! Hat Riedstadt den Namensteil "Büchnerstadt" eigentlich noch verdient?
Die Stadtverordneten der CDU wollten an besagtem Abend alle Leihbüchereien in der Stadt abschaffen. AfD und Freie Wähler waren beherzt an der Seite der CDU. Entsteht da gerade ein neues Dream-Team?
Die SPD wiederum wollte bildungsbürgerlich und sozial verträglich die Leihbüchereien bestehen lassen, auch die BfR wollte dies, mit dem Unterschied, eine kleine Ausleihgebühr zu verlangen. Was für die Ausleiher immer noch besser wäre, wie Bücher selbst zu kaufen oder mit Bus alternativ Auto für teures Geld nach Groß-Gerau in eine Ausleihbücherei zu fahren, um, wie ein CDU- Mitglied an dem Abend "bürgernah" empfohlen hat, dort Bücher auszuleihen.
Die Grünen plädierten für eine Zentralbibliothek (in Goddelau?). Woher das Geld kommen soll, die Stadt ist bekanntermaßen klamm, bleibt offen. Dass Leeheimer eine halbe Weltreise machen müssten, um ein Buch in der Zentrabibliothek auszuleihen, ist unerheblich. Die Umweltverschmutzung durch die zusätzliche Fahrerei, die bei allen Zentalisierungsprojekten, die derzeit beschlossen werden sollen, unumgänglich wäre, ist augenscheinlich nicht das Thema der hiesigen Grünen. Ihr Thema ist ja offenbar Nachverdichtung, bis uns Bürgern im Klimawandel die Luft zum Atmen abhanden kommt.
Wie auch immer, es wurde entschieden. Da man sich nicht einig wurde, entschied der Magistrat unter Vorsitz des Bürgermeisters Marcus Kretschmann (CDU).
Entschieden wurde an dem Abend auch über den neuen Feuerwehrbau. Diesmal nicht vom Magistrat, sondern den Stadtverordneten. Darüber aber in einer weiteren Kolumne mehr...
So viel schon jetzt, ich war beeindruckt vom Einmarsch der Feuerwehrleute aus Erfelden und Goddelau sowie den vielen Stadtangestellten, die dem Bürgermeister zujubelten und so für Hurra-Stimmung sorgten.
Erschüttert war ich allerdings von der respektlosen Art wie man dem gebildet- besonnenen SPD Fraktionsvorsitzenden Bayram Özmen seitens eines CDU- Mitglieds umgesprungen ist.
Die Opposition mundtot machen zu wollen, indem man Einwände niederbügelt, ist ein Weg, der in einer Demokratie ein NOGO darstellt.
Helga König

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