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Samstag, 3. Januar 2026

Sonntagskolumne: Helga König, 4.1.2026

Es gibt genügend Themen, womit man sich zu Jahresbeginn in einer Kolumne befassen könnte. Mich berühren der Tod und die Schwerstverletzungen der vielen Jugendlichen durch das Inferno in einer Schweizer Bar im Nobel-Skiort Crans- Montana derzeit am meisten. 

Nicht aus Sensationsgier, sondern um zu analysieren, wie es zu einem solchen Unglück kommen konnte, las ich diverse Artikel in den Medien und sah mir auf FOCUS- online auch Videos an. 

FOCUS schreibt zu einem der Videos: "In den sozialen Medien kursiert am Freitag ein neues Video aus der "Le Constellation"-Bar. Darauf ist zu sehen, wie die Decke bereits lichterloh brennt, Funken sprühen und etwas tropft von der Decke. Die Partygäste drumherum animiert das augenscheinlich allerdings nicht dazu, die Flucht anzutreten. Im Gegenteil - gleich mehrere Gäste filmen die Situation und singen und tanzen weiter."

Warum flüchteten die Teenager nicht, während die Decke bereits lichterloh brannte? Warum funktionierte ihr Fluchtinstinkt nicht? Warum tanzten sie stattdessen oder filmten den Brand? 

Begriffen sie die Gefahr nicht? Woher kommt diese vermutliche Wahrnehmungsstörung bei so vielen? Ist dies das Ergebnis ihres vermutlich täglichen Agierens im Internet? Konnten diese junge Menschen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden? Oder vertrauten sie darauf, dass die Feuerwehr den Brand noch rechtzeitig löscht? Fehlte ihnen, selbst bei Gefahr, die Eigeninitiative? 

Spielten Alkohol und Drogen eine Rolle? Oder war es der naive Glauben, dass der Deckenbrand Teil der Silvestershow war? 

Offenbar war dem Ordnungsamt nicht unbekannt, dass in der Bar mit offenem Feuer auf Champagnerflaschen hantiert wurde. Warum hat man den Irrsinn nicht untersagt?

Der Notausgang war, wie man liest, versperrt, die Treppe zu schmal. Die Gründe kann man sich denken. Die Preise für den Event mit teuerstem Champagner lassen sich im Internet leider nicht mehr ermitteln...

Doch weshalb hat keiner im Vorfeld gefragt, was passiert eigentlich in diesem Verlies, wenn ein Unglück geschieht? Gibt es für die vielen Gäste ein Entkommen?

Wie desinteressiert sind Erwachsene, wenn sie diese Frage nicht stellen? Konkret die Betreiber, die Leute vom Ordnungsamt, die Eltern dieser Teenager? 

Ein 55 jähriger Ortsansässiger hat offenbar 20 Jugendliche gerettet, auch ein Münchener Student rettete einige Eingeschlossene noch rechtzeitig. Beide Männer setzten ihr Leben aufs Spiel, während verantwortliche Erwachsene aus unterschiedlichen Gründen restlos versagten, doch diese beiden Retter einfach bewundernswert  handelten. Welch ein Segen, dass es solche helfenden Hände noch gibt!

Für die Toten kann man nur noch beten. Die schwerverletzten Überlebenden werden ihres Lebens nicht mehr froh. Auch für sie gilt es zu beten, dass ihr weiteres Leben nicht zur Hölle wird.

Was muss getan werden? Schluss mit dem Feuerwerksspektakel nicht nur in Crans-Montana, sondern überall!